Seeton

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Mit Seeton bezeichnet man eine geologische Schicht, die aus verfestigten Tonmineralen besteht, aber dennoch weich und unbeständig ist.

Salzburger Seeton

Das Salzburger Becken wurde in der letzten Eiszeit vom Salzachgletscher geformt. Nach dem Abschmelzen des Gletschers vor etwa 10 000 Jahren bildete sich im Salzburger Becken ein See. Darin kam es zu feinkörnigen Ablagerungen, die man heute „Salzburger Seeton“ nennt. Diese Schicht kann bis zu 30, 40 oder mehr Metern an Stärke erreichen. Dieser Salzburger Seeton ist oft von Schottern der Salzach und Saalach oder von Mooren (z. B. in den Salzburger Stadtteilen Leopoldskroner Moos, Schallmoos und Langwied) überlagert. Das bringt dann bei Bauten oft große Probleme mit sich. So beispielsweise beim Bau des Kongresshauses oder der Bahnhofsgarage.

Im Urmattsee haben Geologen die ihm zugehörige frühere Uferlinie durch eine Humusschicht im blaugrauen Seeton nachweisen können.

Stand 2018

Aber nicht nur das Bauen, auch das Erhalten von Gebäuden hat auf so einem Untergrund seine Tücken. Vor allem im linken Teil der Salzburger Altstadt. Das harte Felsgestein des Mönchsberges reicht unter den Gassen, Häusern und Plätzen bis fast zum Salzachufer. Dann beginnt der weiche Seeton, überdeckt von einer fünf bis acht Meter dicken Kiesschicht. Um ein bis zwei Millimeter pro Jahr sinkt der Seetonteil ab. Über die Jahre gesehen macht das viel aus. Seit mehr als 50 Jahren werden die Veränderungen vom Landesvermessungsamt überwacht. "Am stärksten macht sich die Lage an der Abbruchkante beim Haus der Natur bemerkbar. Hier wird immer wieder mit Baumaßnahmen sichergestellt, dass das Museumsgebäude im ehemaligen Ursulinenkloster nicht auseinanderbricht", sagt Landesgeologe Rainer Braunstingl. Die zum Komplex gehörende Ursulinenkirche (heute Markuskirche) musste 1973 wegen akuter Einsturzgefahr gesperrt und aufwändig gesichert werden.

Entweder wegen Unterspülungen durch die Salzach oder möglicherweise wegen des Erdbebens im Mai 1976 in Friaul verstärkten sich die Senkungen für kurze Zeit. Inzwischen sinkt die Seetonseite wieder gering und gleichmäßig. "Mit Gebäudeankern und Messpunkten können wir sehr genau verfolgen, wie sich die Gebäudeteile bewegen. Im Moment sind keine Baumaßnahmen nötig", sagt Braunstingl.

Salzach ist um vier Meter eingetieft

Der weiche Seeton-Untergrund wird auch bei der sich stetig eingrabenden Salzach sichtbar. In den vergangenen 150 Jahren hat sich das Flussbett der Salzach um bis zu vier Meter im Stadtgebiet eingetieft. Am dramatischsten war es beim Jahrhundert-Hochwasser 1959. Beim Messpunkt an der Staatsbrücke wurden zweieinhalb Meter Höhenunterschied gemessen, der Fluss sackte richtiggehend ab. Beim gleichen Hochwasser wurde ein Pfeiler der Westautobahn-Brücke unterspült, das Tragwerk ist am 18. August 1959 eingebrochen.

Ehemaliges Mauthäuschen steht jetzt schief

Unübersehbares Opfer der geologischen Kante ist das frühere Mauthäuschen beim Mozartsteg. Für den 1903 errichteten Salzachübergang wurde in den ersten beiden Jahrzehnten Maut eingehoben, heute werden Kaffee und Muffins aus dem schiefen Gebäude gereicht, dessen südliches Fundament an der Bodenbefestigung der 1903 gebauten Brücke "hängt". Das nördliche ist im Laufe der vergangenen 110 Jahre abgesunken, wie man an der Schiefstellung erkennen kann. Unter der Salzach ist der Seeton mindestens 70 Meter dick. 1984 wurde bei einer Bohrung im Bereich der heutigen Kultur- und Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg am Rudolfskai bis 71 Meter Tiefe kein Fels erreicht.

Die Langzeitsetzungen können von der Stadtverwaltung an zahlreichen Vermessungspunkten im Stadtgebiet heute noch nachgewiesen werden. Nur die Punkte im Felsen der Stadtberge bleiben fix auf ihrem Posten.

Ereignisse

  • 2007: Beim Bau der Neuen Mitte Lehen verursachte der Salzburger Seeton Verzögerungen bei den Bauarbeiten. Um Standsicherheit der Gebäude zu gewährleisten, mussten rund 1 115 Schottersäulen sechs Meter tief in den Boden eingebracht werden.
  • Am 30. November 2011 wurde im Seeton des alten Flussbetts der Salzach auf der Kraftwerksbaustelle Stützkraftwerk Sohlstufe Lehen eine 250-kg-Blindgängerbombe entdeckt

Quellen