Brunnkehrergut

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Übergabe des Erbhofschilds an Familie Greischberger des Brunnkehrerguts in Neumarkt am Wallersee durch Agrarreferent Landesrat Dipl.-Ing. Dr. Josef Schwaiger
Karte
das Brunnkehrergut von der Filialkirche zum heiligen Georg in Sommerholz gesehen

Das Brunnkehrergut ist ein Erbhof in der Flachgauer Stadt Neumarkt am Wallersee, der seit 1815 im Besitz der Familie Greischberger (fünfte Generation) ist und 2015 zum Erbhof ernannt wurde.

Lage

Der Erbhof befindet sich im Ortsteil Sommerholz auf 776 m ü. A. westlich der Hügelkante, die bis 1815 die Grenze zu Österreich darstellte. Der Hof befindet sich knapp fünf Kilometer vom Stadtzentrum (551 m ü. A.) entfernt.

Geschichte

Eine erste Erwähung des Brunnkehrergutes findet sich im Köstendorfer Heimatbuch, datiert mit dem Jahr 1640 als halbe Huben zu Sommerholz auf der Schön. Damals hießen das Anwesen und der dazugehörige Nachbarhof Wolferlgut. Diese Bezeichnung dürfte auf den damaligen Besitzer Wolfgang Faschinghofer zurückgegangen sein. Um 1815 wurden die Höfe geteilt. Mathias Greisberger übernahm den Brunnkehrerhof. Dieser Name dürfte auf das Brunnenkehrergeschäft zurückgehen.

In einem Gespräch mit den Susanna Berger von den Salzburger Nachrichten[1] erzählt Altbauer Andreas Greischberger, dass die Steine für die Mauern von einem nahe gelegenen Steinbruch, die Ziegel für die Innenwand aus dem eigenen Ziegelstadel stammen. Andreas Greischberger wuchs in den 1950er- und 1960er-Jahren als eines von drei Kindern am Hof auf. Durch die Abgeschiedenheit des Hofes kam die Elektrifizierung erst später als im Tal, erst Mitte der 1950er Jahre. Bis dahin wurden Kerzen und Petroleumlampen als Leuchtmittel verwendet. Auch eine Straße zum Hof gibt es erst seit 1951.

Andreas Greischbergers Onkel Anton Greischberger ist mit seinen 90 Jahren (Stand Februar 2016) der älteste noch lebende Vertreter der Familie. Dieser verbrachte die ersten 18 Jahre seines Lebens am Brunnkehrergut. "Eine Straße wäre auch in meiner Kindheit schön gewesen. Wir mussten noch durch den meterhohen Schnee zu Fuß in die Schule nach Sighartstein. Meist waren wir schon auf halber Strecke so nass, dass wir wieder umgekehrt sind." Erzählt Anton Greischberger. Auch die Feuerwehr schaffte es damals noch nicht, zum Hof zu kommen, erinnert sich der 90-Jährige. "Einmal hat beim Nachbarn der Blitz eingeschlagen. Ich war noch ein Kind. Alle haben versucht zu löschen, doch der Hof ist abgebrannt."

Während des Zweiten Weltkriegs warfen einmal Flugzeuge der Royal Air Force hinter dem Hof ihre Bomben ab. Später musste Anton Greischberger selbst noch einrücken. Er kehrte nach zwei Jahren Kriegsdienst in Italien heil zurück, während seine beiden Brüder in Polen gefallen waren. Zumindest am Hof mit ein paar Stück Vieh musste niemand Hunger leiden.

Heute führen Michaela und der Ururenkel des ersten Greischbergers, Hannes Greischberger, das Brunnkehrergut.

Ernennung zum Erbhof

Agrarreferent Landesrat Dipl.-Ing. Dr. Josef Schwaiger überreichte am 30. Jänner 2015 dem Ehepaar Michaela und Johannes Greischberger vom Brunnkehrergut eine Erbhoftafel und verlieh damit den Titel "Erbhof". Mit dem Jahr 2015 ist der Hof nunmehr nachweislich seit genau 200 Jahren im Besitz der Familie und erfüllt damit die nötige Voraussetzung nach dem Salzburger Erbhöfegesetz. Für den jungen Bauern war dies auch ein Geburtstagsgeschenk. Er feierte am nächsten Tag seinen 40. Geburtstag.

"Erbhöfe stehen für eine nachhaltige Bewirtschaftung, die sich nicht an kurzfristigem Profit, sondern an langfristiger positiver Weiterentwicklung orientieren. Nur wenn Betriebe so geführt werden - und das über viele Generationen, ist es möglich, über Jahrzehnte und Jahrhunderte etwas zu bewahren und an Kinder und Enkelkinder weiterzugeben. Besonders in einer schnelllebigen Zeit, in der vieles vergänglich ist, sind intakte Familienbetriebe Anker, die einer Gesellschaft Halt geben", so Landesrat Schwaiger.

Der Milchviehbetrieb der Familie Greischberger liegt in Neumarkt am Wallersee auf einer Seehöhe von rund 780 Meter im Ortsteil Sommerholz oberhalb des Steinbachtals. Er wird bereits in der neunten Generation von dieser bewirtschaftet. Die Landwirtschaft umfasst rund 22 Hektar Grünland und acht Hektar Wald. Zusätzlich werden rund 22 Hektar Grünland gepachtet. Im Nebenerwerb betreibt die Familie zudem eine Schlosserei.

Besitzer

  • Einantwortungsurkunde vom 18. Dezember 1912: Maria Greischberger
  • Übergabsvertrag vom 28. April 1917: Mathias und Maria Greischberger
  • Übergabsvertrag vom 22. April 1948: Johann und Maria Greischberger
  • Übergabsvertrag vom 14. Dezember 1981: Johann und Elisabeth Greischberger
  • Übergabevertrag vom ?: Hannes und Michaela Greischberger

Sonnenuhr am Brunnkehrergut

Die Sonnenuhr am Brunnkehrerhof wurde 2007 vom Restaurator und Künstler Peter Mayer aus Oberndorf bei Salzburg geschaffen. Den Gnomon (Schattenstab) fertiget Hannes Greischberger, der auch Schlosser ist und einen Maschinenbaubetrieb führt, selbst.

Bilderlink

Quellen

Einzelnachweise

  1. Salzburger Nachrichten, 16. Februar 2016
Stadtgliederung von Neumarkt am Wallersee