Hochwasser 2014

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Das Hochwasser 2014 erreichte das Bundesland Salzburg Ende Juli - Anfang August.

Pinzgau und die Stadt Salzburg

Am Donnerstag, den 31. Juli 2014 wurde der Pinzgau vom Hochwasser überrascht. Den ganzen Donnerstag kämpften die Einsatzkräfte vor allem im Oberpinzgau gegen die Fluten.

Pinzgau

Mittersill

Die Situation war bis zum Schluss dramatisch. Genauso wenig, wie das Hochwasser vom Donnerstag in Wetterprognosen vorherzusehen war, genauso überraschend kam am Mittwochabend (30. Juli) der Zivilschutzalarm für Mittersill. Dort stieg der Pegel der Salzach den ganzen Donnerstag weiter an. Am Abend rückten Soldaten des Jägerkommandos aus, um die Feuerwehren beim Absichern der Dämme zu unterstützen. Laut dem Hydrographischen Dienst des Landes Salzburg lag das an den dortigen Retentionsbecken, die Wasser wieder in die Salzach zurückspülten. Im restlichen Bundesland gingen die Pegel ab dem Nachmittag zurück.

Der Pinzgauer Bezirksfeuerwehrkommandant Franz Fritzenwanger sagt, es habe keine Warnung gegeben, weil es so schnell gegangen sei. „Und ab Mittwochmittag funktionierte der Salzachpegel in Mittersill nicht mehr. Ich konnte ihn am Computer nicht ablesen.“ Das Onlinesystem des Hydrographischen Dienstes funktionierte seit Mittwoch im ganzen Bundesland nicht mehr und wurde erst am Donnerstagvormittag neu gestartet.

Als der Regen stärker wurde, fuhr Fritzenwanger gegen Mitternacht in Uttendorf zur Salzach. Der Pegel stand bei 4,60 Meter. Fritzenwenger verständigte sofort alle Ortskommandanten im Oberpinzgau und die Feuerwehren begannen mit den Schutzmaßnahmen.

Die Pegel stiegen und stiegen. Am späten Nachmittag erreichte er in Mittersill 5,68 Meter. „Der höchste Wert, der je gemessen wurde“, sagte Ortskommandant Roland Rauchenbacher. „Ohne den neuen Hochwasserschutz wären wir abgesoffen.“ Beim Hochwasser 2005, als das ganze Zentrum überflutet wurde, lag der Höchstpegel bei 5,17 Meter.

Schon in der Nacht auf Donnerstag hatte die Mittersiller Feuerwehr damit begonnen, die mobilen Aluminiumwände aufzustellen. Die Geländer der Salzachbrücke wurden weggeschnitten, damit das Wasser ungehindert über die Brücke fließen konnte. Das geschah ab Mittag. Dann wurden auch die riesigen Rückhaltebecken hinter dem künstlichen Schutzdamm westlich von Mittersill geflutet.

Um 17 Uhr wurde wie 2005 Zivilschutzalarm ausgelöst. Sirenen heulten. Die Menschen wurden mit Lautsprechern aufgefordert, in die oberen Stockwerke zu gehen. 45 Soldaten des Jägerkompanie Saalfelden unterstützten ab 19 Uhr die Feuerwehren in Mittersill. Am späten Abend kam schließlich die Entwarnung: Die Dämme hatten gehalten.

Oberpinzgau

Besonders schlimm hatte es Neukirchen am Großvenediger erwischt. Im Neukirchner Ortsteil Rosenthal mussten zehn Häuser evakuiert werden. Die Wasserrettung musste sieben Personen mit Booten befreien. Bürgermeister Peter Nindl (ÖVP) zeigte sich aber erleichtert, dass nichts Schlimmeres passiert ist. „Der Hochwasserschutz im Marktzentrum hat gehalten. Auch die neue Pinzgaubahntrasse blieb unbeschädigt.

In Bramberg am Wildkogel überfluteten die Wassermassen die Trasse der Pinzgaubahn komplett. Der Verkehr konnte am Donnerstag erst bis Niedernsill wiederhergestellt werden.

Zeller Becken

Dem Brucker Feuerwehrchef Franz Eder wäre lieber gewesen, die Becken in Mittersill wären schon früher geflutet worden. Die Brucker und andere Feuerwehren kämpften am Nachmittag gegen eine Überflutung von Bruck an der Großglocknerstraße und Schüttdorf. Wegen eines Streits zwischen Grundbesitzern und der Stadt Zell am See fehlt noch immer der Schutz für das Zeller Becken. Die Einsatzkräfte mussten beim Entsorgungsunternehmen Zemka einen Damm aufschütten, um Schüttdorf zu retten. Die Salzach war dort bereits über die Ufer getreten. Im Extremfall kann sie in den Zeller See durchbrechen.

Stadt Salzburg

In der Stadt Salzburg blieb man von Schlimmerem verschont. Es war am Donnerstag kurz nach 11:.30 Uhr, als in der Stadt Salzburg Großalarm bei Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr ausgelöst wurde. Die Flutwelle, die bereits in den Nachtstunden die Salzach aus ihren Ufern im Oberpinzgau hatte treten lassen, hatte nun die Landeshauptstadt erreicht. Die Feuerwehrleute bauten die mobilen Hochwasserschutz-Elemente auf. Sandsäcke werden in großem Stil in der Stadt nicht mehr verwendet. Allein das Befüllen wäre zu aufwendig und die Säcke hielten den Fluten nicht stand. Seit dem verheerenden Hochwasser im Jahr 2002 haben Bund und Stadt acht Millionen Euro in die Schutzmaßnahmen investiert. Branddirektor Eduard Schnöll und Bürgermeiste Heinz Schaden (SPÖ) machten sich an der Lehener Brücke und an der Membergerstraße in der Josefiau selbst ein Bild von der Lage. Um 16:15 Uhr erreichte der Pegelstand der Salzach mit 7,37 Metern seinen Höchststand.

Pongau

In der Nacht von Freitag, den 1. auf Samstag, den 2. August 2014 entluden sich schwere Unwetter über Hüttau, St. Johann im Pongau, Goldegg, Großarl, Dorfgastein und Bad Hofgastein und führten zu Überflutungen und Muren. Die Feuerwehren standen im Großeinsatz, mehrere Menschen mussten gerettet werden.

In Goldegg verschüttete Geröll einen Fahrstreifen der Pinzgauer Straße (B 311). Der Verkehr musste während der Räumung wechselseitig angehalten werden.

In St. Veit im Pongau wurde die Gemeindestraße Niederuntersberg durch eine Mure verschüttet. Die Straße ist gesperrt.

In Hüttau konnten zwei Erwachsene und zwei Kinder ihr Haus nur mehr mit Hilfe der Feuerwehr und der Wasserrettung verlassen.

Tauernautobahn wegen Mure gesperrt

Auf der Katschberg Straße (B 99) in Eben im Pongau erfasste eine Fichte einen Pkw. Die Lenkerin und die Beifahrerin blieben unverletzt. Eine örtliche Umleitung wurde eingerichtet. Zwischen Ober- und Untertauern wurde die Katschberg Straße vermurt. Bis kurz vor Mitternacht musste in Eben im Pongau die Tauernautobahn wegen einer Mure gesperrt werden. Ein Reisebus hielt deshalb an, was zu einem Unglück führte: Ein Urlauber wollte sich erleichtern, stürzte aber von der Brücke.

In Großarl wurde die Großarler Straße gesperrt.

Die Ennstal Straße stand zudem unter Wasser: Zwischen Radstadt und Mandling war die Straße überflutet. Auch die Wagrainer Straße (B 163) ist im Bereich des Straßenkilometers 21 unterspült. Sie war jedoch einspurig befahrbar.

Blitz trifft Ferienhaus

Auch der Pinzgau wurde nicht verschont. In Taxenbach, im Ortsteil Eschenau, setzte ein Blitz ein Ferienhaus in Brand, zwei Menschen wurden verletzt. Der Rettungshubschrauber brachte sie ins Krankenhaus. Die Feuerwehrleute konnten den Brand löschen.

In Leogang wurde die Hochkönig Straße (B 164) im Bereich des Straßenkilometer 50 an mehreren Stellen überflutet. Im Ortsteil Hütten wurde ein Keller überschwemmt.

Im Oberpinzgau hatten tagsüber die Aufräumarbeiten nach dem Hochwasser begonnen. Sie werden bis weit in den Herbst dauern. 28 von Muren eingeschlossene Urlauber mussten ausgeflogen werden. Groß sind sie Schäden vor allem bei der Pinzgauer Lokalbahn.

Weitere Unwetter

In der Nacht vom 2. auf 3. August 2014 gab es wieder zahlreiche Unwetter. Die registrierten Niederschlagsmengen waren beachtlich, sagte Meteorologe Christian Ortner von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) Salzburg am Montag (3. August) zur APA: In Mattsee im Flachgau wurden in der Nacht 94 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen, davon alleine 80 Liter im Zeitraum von 21 Uhr bis Mitternacht. Ähnlich war es in Teilen der Stadt Salzburg: Die Messstelle Freisaal meldete 81 Liter Niederschlag, die nur wenige Kilometer entfernte Stelle beim Flughafen hingegen nur 26 Liter.

Die Pegelstände der Flüsse

  • Lammer

Die Lammer hatte am Sonntagabend (2. August) gegen 22 Uhr bei Pegel Voglau Aubach den maximalen Stand von drei Metern erreicht. Um sechs Uhr früh meldete der Hydrographische Dienst einen Pegel von 1,75 Metern. Um neun Uhr Vormittag war der Pegel bereits auf 140 Zentimeter gesunken.

  • Almbach

Der Pegel der Oberalm bei Hallein (Tennengau) erreichte gegen fünf Uhr früh den Höchststand von 471 cm, um neun Uhr war der Wasserstand auf 406 cm gesunken.

  • Salzach

In Golling an der Salzach (Tennengau) wurde kurz vor Mitternacht ein Pegelstand von 245 Zentimetern (Meldegrenze 280) erreicht, seitdem sank die Salzach wieder kontinuierlich (Pegelstand um sechs Uhr: 210 cm, um neun Uhr: 194 cm)

In der Stadt Salzburg wurde um 00:15 Uhr die Meldegrenze (380 cm) erreicht, weiterer Anstieg auf 416 cm und anschließend wieder leichtes Sinken (390 cm ). Pegelstand bei der Nonntaler Brücke um sechs Uhr: 415 cm Pegel Nonntalerbrücke (neun Uhr: 381 cm); am Mayburgerkai: 573 cm (sechs Uhr).

In Oberndorf bei Salzburg wurde die Meldegrenze (400) nicht erreicht: Von 356 Zentimeter sank die Salzach gegen neun Uhr auf 344 cm zurück.

Quellen