Karl Mazzucco

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Karl Mazzucco

Prof. Dr. Karl Mazzucco sen. (* 18. Dezember 1899 Thalgau; † 31. Jänner 1976 in Salzburg) war ein Salzburger Lehrer sowie Insekten- und international renommierter Wanderfalterforscher.

Leben

Karl Mazzucco war eines von drei Kindern des Thalgauer Lehrers, Kapellmeisters und Komponisten Benvenuto Mazzucco. Seine Familie stammte ursprünglich aus Spanien und zog 1875 vom Südtiroler Pustertal nach Salzburg.

Mazzucco besuchte ab 1914 die Salzburger Lehrerbildungsanstalt, wurde dann aber 1917 zum Wehrdienst einberufen. Er absolvierte 1918 die Kriegsmatura und wurde nach dem Krieg zuerst Volksschulehrer in Zinkenbach, ab 1922 in Strobl, später Hauptschullehrer. Bereits im Ersten Weltkrieg begann er in kurzer italienischer Gefangenschaft Schmetterlinge zu fangen und auch am Ende des Zweiten Weltkriegs geriet er in Jugoslawien in Gefangenschaft und wurde dort 1947 als Präparator an der entomologischen Abteilung der Fakultät für Land- und Forstwirtschaft in Semlin bei Belgrad eingesetzt.

1948 kehrte Mazzucco aus der Gefangenschaft heim und arbeitete ab 1949 wieder als Lehrer. Er betätigte sich in der 1949 gegründeten Entomologischen Arbeitsgemeinschaft am Haus der Natur, die er von 1952 bis 1962 leitete. Daneben gründete er 1951 die Österreichische Zentrale für Falterwanderungen am "Haus der Natur" und widmete sich dann intensiv der Wanderfalterforschung. 1952 hob Karl Mazzucco gemeinsam mit Eberhard Stüber und dem Lehrer Josef Warta die Österreichische Naturschutzjugend, die Jugendorganisation des Naturschutzbundes, aus der Taufe.

1962 gipfelte Mazzuccos Arbeit in der Einrichtung einer Wanderfalter-Beobachtungsstation am Weißsee im obersten Stubachtal in 2350 m Höhe. Sie wurde dank des Entgegenkommens des Eisenbahnersportvereines in einer vom Kraftwerksbau verbliebenen Baracke, unmittelbar in der Nähe der Rudolfshütte, eingerichtet. Das Gebiet eignete sich besonders gut für Wanderfalterbeobachtungen, hier zogen in manchen Nächten über 100.000 Schmetterlinge vorbei. Mazzucco verbrachte fast jedes Jahr mehrere Wochen in diesem Stützpunkt und konnte dort immer wieder auch Naturwissenschafter aus dem In- und Ausland als Gäste begrüßen. Auch Ornithologen verwendeten diesen Stützpunkt für Vogelzugbeobachtungen. Die zahlreichen Beobachtungsdaten sind in den Jahresberichten der Beobachtungsstation Weißsee niedergelegt. Die übrigen Forschungsergebnisse hat Mazzucco in vielen wissenschaftlichen Publikationen der verschiedensten naturwissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht.

1970 ging Mazzucco als Lehrer in den Ruhestand und begann ein Studium der Zoologie. 1975 erlangte er (76-jährig) das Doktorat mit seiner Dissertation über das Thema Die Migration der Lepidopteren in den Hohen Tauern. Bereits 1974 war ihm vom Bundespräsidenten für seine großen Verdienste der Berufstitel "Professor" verliehen worden.

Nur ein halbes Jahr nach Erlangung seines Doktortitels erlag Karl Mazzucco im Jänner 1976 einem erst kurz vor Weihnachten diagnostizierten Krebs im Endstadium. Seine Witwe Maria übergab Mazzuccos Schmetterlingssammlung dem Haus der Natur, die Sammlung wurde bislang aber noch nie öffentlich zugänglich gemacht.

In Mazzuccos Heimatgemeinde Thalgau ist der Karl-Mazzucco-Weg nach dem Forscher benannt. Seine Tochter Eva (1925-2013) war als Bildhauerin berühmt.

Veröffentlichungen

Siehe unter „Bibliographie der Salzburger Schmetterlingsfauna“.

Literatur

  • Embacher, G. 2002: In memoriam Prof. Dr. Karl Mazzucco (1899-1976). − Entomologica Austriaca 5/2002: 20.
  • Iglhauser, B. 1989: Wanderfalterforscher von Weltrang: Karl Mazzucco. In „Salzburger Naturforscher − Große Österreicher“: 81-100. − Verlag Anton Pustet, Salzburg.
  • Stüber, E. 1978: Prof. Dr. Karl Mazzucco †. − Jahresbericht Haus der Natur, Salzburg 8: 167-168.
  • Tratz, E. P. 1959: Karl Mazzucco − ein Sechziger. − Zeitschrift der Wiener Entomologischen Gesellschaft 44: (1959) 161-163.

Quellen

  • G. Embacher, Die Entomologische Arbeitsgemeinschaft am Museum "Haus der Natur" in Salzburg, in: Entomologica Austriaca 14 (2007), S. 141-153 (144).
  • Embacher, Stüber und Tratz, wie unter „Literatur“ zitiert.
  • Bauer, Melitta: Fürs Leben lernen wir (Bildungseinrichtungen in Strobl). In: Stehrer, Johann (Hrsg.): Strobl am Wolfgangsee. Naturraum, Geschichte und Kultur einer Gemeinde im Salzkammergut. Gemeinde Strobl 1998.