Musikkapelle Ebenau

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Musikkapelle Ebenau

Die Musikkapelle Ebenau ist eine Musikkapelle in der Flachgauer Gemeinde Ebenau.

Geschichte

Konrad Füller - die Anfänge

1850 gilt als das Gründungsdatum der Musik Ebenau, weil damals Konrad Füller, der erste bezeugte Kapellmeister der Musik Ebenau, von Kramsach (in Tirol) aus nach Ebenau eingewandert ist, um im Hüttenwerk Ebenau Arbeit zu suchen. Hier ist er wahrscheinlich bald in leitender Funktion in eine wahrscheinlich schon bestehende Werkskapelle eingetreten. Einer der ersten dokumentarischen Belege für die Werksmusik Ebenau befindet sich im Pfarrarchiv Ebenau, wo 1857 die Werksmusik Ebenau bei der Fronleichnamsprozession teilnahm.[1]

Das erste Foto der Musik Ebenau stammt aus dem Jahr 1867.

1874 bis 1877 löste sich infolge wirtschaftlichen Niedergangs der Industriebetrieb in Ebenau auf. Daraufhin dürfte sich auch die Werksmusik Ebenau aufgelöst haben, allerdings nur dem Namen nach. Sie hat aber mit großer Wahrscheinlichkeit ihre musikalische Tätigkeit nie eingestellt, ab jetzt allerdings unter der Bezeichnung „Musik Ebenau“.[2]

Ringsum bekannt!

Wie schon unter Konrad Füller und seinem Sohn Franz Waschl, so muss sich auch die Kapelle unter den folgenden Kapellmeistern Josef Koch (von ca. 1900 bis ca. 1903) und Matthias Nußbaumer (von ca. 1903 bis 1912) großer Beliebtheit erfreut haben, weil allgemein berichtet wird, dass die Ebenauer Musik im weiten Umkreis, von St. Gilgen bis zur Stadt Salzburg, zu Feierlichkeiten eingeladen wurde.[2]

Die erste Tracht

Die nächsten Kapellmeister der Musik waren Josef Teufl (von 1912 bis 1915) und Franz Taglöhner (von 1915 bis 1924). In dieser Zeit, die Jahre 1914 bis 1918 bei kriegsbedingt stark eingeschränktem „Musikbetrieb“ natürlich ausgenommen, bestand die Musik aus elf Musikern. Demnach dürfte die Zahl der Musiker seit der Gründung ziemlich konstant geblieben sein.

Aus der Zeit unter Kapellmeister Johann Teufl I. (von 1924 bis 1928) ist als herausragendes Ereignis für die Musik Ebenau 1925 das 75-jährige Gründungsfest überliefert. Dabei wurde der Ebenauer Musik von der Gemeinde Ebenau ein Jubiläumsstab überreicht. Vom Reingewinn des Festes konnte die Musik das erste Mal eine eigene Tracht anschaffen (grüne Röcke, schwarze Hosen). Vorher hatten die Musiker entweder die Schützenuniform oder „zivil“ einen einigermaßen einheitlichen schwarzen Anzug getragen.

Unter Kapellmeister Johann Teufl II. (von 1928 bis 1952 ) ist dann die Zahl der Musiker auf ca. 20 angewachsen. Geprobt wurde meistens im Gasthof Neuhäusl, weil der Kapellmeister dort Wirt war.[2]

Schwierige Zeiten

Der politische Zwang, der während der Herrschaft des Nationalsozialismus allgemein auf alle Vereine ausgeübt wurde, fand dann seinen Niederschlag in den „Satzungen der Musikvereinskapelle Ebenau“ vom 22. November 1939. Einige Auszüge daraus lauten folgendermaßen: „Zweck des Vereines: Pflege der Musik, Teilnahme bei Veranstaltungen der NSDAP, kirchlichen und ortsüblichen Feiern sowie bei Anlässen privater Natur. Mitgliedschaft: Mitglieder des Vereines können nur Arier deutschen oder artverwandten Blutes werden. Personen, bei welchen auch nur ein Großelternteil Jude oder jüdischer Mischling ist, können die Mitgliedschaft nicht erwerben.

Mit den Statuten aus dem Jahre 1939 hat also die Musik Ebenau wiederum eine Wandlung durchgemacht: Von der „Werksmusik“ (1850 - 1874) über die „normale“, nicht vereinsmäßig organisierte „Musikkapelle“ (1874 - 1939) bis hin zur „Musikvereinskapelle“, aus politischem Zwang heraus so organisiert. Während des Zweiten Weltkrieges hat es nur einen Restbestand der Musik gegeben. Weil Johann Teufl (II.) dann auch zur Wehrmacht eingezogen wurde, hat zwischendurch Florian Döllerer (1939 - 1942) die Kapelle übernommen. Gegen Ende des Krieges, als es praktisch überhaupt keine Musiker mehr im Ort gab, wurde bei Trauerfeiern von nur einem Mann auf dem Feuerwehrhorn zum Gebet geblasen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging es der Ebenauer Musik ähnlich wie auch anderen Vereinen. Gefallene Mitglieder waren zu beklagen (z. B. Josef Brandstätter aus der Zaglau), einige Musiker haben aufgrund ihrer schweren Verletzungen nach der Rückkehr in die Heimat nicht lange überlebt (Lambert Mair), andere konnten erst spät aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehren (z. B. Franz Innerberger).

Die Vereins-Statuten unter der Hoheit der NSDAP waren natürlich außer Kraft, die „Musikkapelle“ Ebenau existierte wieder wie vor dem Zweiten Weltkrieg ohne echte statutenmäßige Organisation, jedoch angelehnt an das bestehende Vereinsrecht, d. h. es gab einen Kapellmeister, je nach Bedarf einen Obmann, eine Jahreshauptversammlung mit Entlastung des Kassiers usw. 1950 wurde das 100-jährige Bestandsjubiläum gefeiert.[2]

Der Aufschwung nach dem Krieg

1952 übergab der langjährige Kapellmeister Johann Teufl (II.) die Leitung der Kapelle an Albert Karl, der noch im selben Jahr das Amt des Kapellmeisters an Johann Hütter übergab. Unter Kapellmeister Johann Hütter (1952 - 1974) wurden dann allgemein die materiellen Verhältnisse etwas einfacher. 1952 konnte sich die Musik eine eigene Uniform anschaffen - die sogenannte „blaue Uniform“. Wegen des wachsende Fremdenverkehrs wurden damals auch erstmalig Platzkonzerte eingeführt. 1960 konnte auch der Salzburger Anzug, dem Wunsch der Heimatpflege nach bodenständigen Musiktrachten entsprechend, als zweite Musikuniform angeschafft werden.

1967 folgte auch die Musik Ebenau, mittlerweile ca. 30 Mann, dem allgemeinen Trend und stellte als eine der letzten Musikkapellen im Land Salzburg die Instrumentierung mit hohem finanziellen Aufwand auf die „Tiefe Stimmung“ um.

1971 erfolgte die Neueinkleidung mit der „Flachgauer Festtagstracht“. In einer Konzertankündigung vom 19. November 1972 nennt sich die Musik das erste Mal (schriftlich) „Trachtenmusikkapelle“. Die Organisation blieb aber weiterhin gleich, d. h. angelehnt an das Vereinsrecht, aber ohne vereinsmäßige Anmeldung.[2]

Die Musikkapelle - eine Institution!

Mit Kapellmeister Johann Pöckl (1974 - 1990) begann die Wandlung zu einem neuen Selbstverständnis der Musik Ebenau: Die Musikliteratur umfasste neben traditionellen Stücken (Märsche, Polkas, Walzer) und Bearbeitungen der Klassiker (z. B. Opern-Ouverturen) schrittweise auch modernere Stücke. Die zunehmende materielle Absicherung (Neueinkleidung 1982) schraubte auch die Anforderung an die Musik sowohl quantitativ wie auch qualitativ hinauf. Der Musikernachwuchs wurde u.a. auch durch den ungeheuren persönlichen Einsatz des Kapellmeisters neu organisiert, auch weibliche Musiker fanden Zutritt in die Musikkapelle, - ein längst überfälliger Schritt! Die Frühjahrskonzerte wurden genauso wie das Adventblasen allmählich institutionalisiert. Impulse für die Musikkapelle Ebenau gingen sicher auch von der Einrichtung eines neuen Probenlokals in der ehemaligen Turnhalle der Volksschule 1987 aus. Johann Pöckl bereicherte das musikalische Programm unserer Musik nicht zuletzt durch seinen selbst komponierten Marsch „Gute Freunde“.

Von 1990 bis 1995 übernahm Matthias Pöckl, langjähriger Vizekapellmeister, die Leitung der Kapelle. Besonders beliebt ist sein rhythmisch ansprechendes und harmonisches Arrangement des „Vater unser“. 1992 war wiederum eine Neueinkleidung nötig, 1994 wurde der Musikpavillon im ehemaligen Brunnengarten eingeweiht. Er dient seitdem als passender Ort für Platzkonzerte und Feiern aller Art. 1995 hat Matthias Pöckl die Leitung der Musikkapelle an Josef Fagerer übergeben, der bis heute mit großem Erfolg für die musikalischen Belange verantwortlich zeichnet. Seit 1996 gibt es auch für die Sommersaison als quasi stehende Einrichtung die Zusammenarbeit Joghurt (= Jugendtreff) - Prangerschützen - Musikkapelle für eine sommerliche Festfolge. Ab 1997 liefen die Planungen für das große, 150-jährige Gründungsjubiläum im Jahre 2000![2]

Ein Exkurs: Die Emaus-Jünger

Auf Initiative eines Mitgliedes der Ebenauer Musik, Andreas Zenker, gesellten sich 1988 junge Musiker und musizierten mit viel Schwung wieder auf den althergebrachten Instrumenten mit der „hohen“ Stimmung, nämlich a' = 461 Hz. Sie nannten sich Die Emaus-Jünger.[3] Den hohen Stimmton, der auch an alten Orgeln anzutreffen ist - wo er als Cornettton bezeichnet wird[4] - nennt man in Regimentskapellen Türkischer Ton.[5] Anfangs bereitete das Blasen auf den maroden Instrumenten Schwierigkeiten, das Instrumentarium wurde über die Jahre jedoch immer wieder verbessert, und durch intensive Probenarbeit kristallisierte sich dieses Ensemble als eine beliebte Blasmusikgruppe heraus. Ganz bewusst wurde neben der „hohen“ Stimmung auch in der alten Besetzung mit Helikon, Basstrompete, Es-Trompeten und Es-Klarinette gespielt. 1998 feierten die Emaus-Jünger ihr zehnjähriges Gründungsjubiläum. Es gab ein gelungenes Fest u.a. mit einem hochkarätig besetzten Emaus-Festorchester und einem Treffen der letzten „hochgestimmten“ Blaskapellen Österreichs. 1999 wurde für das österreichische Blasmusikmuseum in Oberwölz (Stmk.) der Radetzky Marsch von Johann Strauss sowohl in „hoher“ Stimmung als auch in Normalstimmung zum objektiven Vergleich beider Stimmungen aufgenommen.[2]

Die Musikkapelle heute - eine kleine Zustandsanalyse - Stand 2008

Die Musikkapelle Ebenau umfasst heute (2013) 39 Mitglieder, davon sind 14 weiblich. Die Altersstruktur zeigt einen gesunden Schwerpunkt bei der Jugend (Durchschnittsalter 25,8 Jahre, Tendenz sinkend). Die meisten Musikerinnen und Musiker haben eine solide musikalische Ausbildung entweder im Musikschulwerk oder privat genossen. Die Zahl unserer Leistungsabzeichen insgesamt liegt (derzeit: 2008) bei 45. 1999 gab es mit Evelyn Lechner (Horn) das erste goldene Leistungsabzeichen in unserer Kapelle. 2003 folgte Martin Oberascher mit dem Tenorhorn und 2007 Andrea Brunauer und Katharina Karl (beide Flöte, sowie Christoph Fagerer am Schlagzeug mit der höchsten Auszeichnung.

Die Musikkapelle begleitet den Ort musikalisch durch das gesamte Jahr. Ca. 25 Ausrückungen der gesamten Musikkapelle und 20 Ensembletermine (Tanzlmusik, Blechquartett, Klarinettentrio, Schlagwerkensemble usw.) gestalten und umrahmen die verschiedensten heiteren und traurigen Begebenheiten, auch Ausrückungen außerhalb des Ortes werden wahrgenommen. Dazu kommen noch ca. 45 Gesamt-Proben und 40 Ensembleproben pro Jahr. Alles zusammen ergibt das ca. 130 Zusammenkünfte der Musikerinnen und Musiker pro Jahr. Diese zeitliche Anforderung rückt die Musik damit schon deutlich vom Begriff „Hobby“ in Richtung „ehrenamtliches Engagement mit nebenberuflichen Ansprüchen“.

Und trotzdem! „Musikkameradschaft“ ist ein Begriff für lebenslange Freundschaften, das gemeinsame Musizieren unter fachkundiger Leitung läßt viele Probleme des Alltags in den Hintergrund treten, die Harmonie der Musik greift auf Körper und Seele über und verbreitet noch dazu festliche Freude für andere bei vielen Gelegenheiten. Die Blasmusik bietet also für die jugendlichen Musikerinnen und Musiker eine sinnvolle Herausforderung, für die Erwachsenen eine entspannende Bewährung im Freundeskreis und für die Gemeinde Ebenau einen kulturellen und sozialen Kristallisationskern.

Kapellmeister

[6]

Quellen

  1. Georg Hager, Hg., Notizen über das Vikariat Ebenau behufs des Diozösanen Handbuches.Handschriftlich abgefasst von Pfarrer Rupert Brunner 1857, Ebenau 2002
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 Meinhard Leitich, Festschrift 2000. 150 Jahre Musikkapelle Ebenau, Ebenau 2000
  3. Emaus-Jünger
  4. 1820 z. B. berichtet der Komponist Franz Xaver Gruber, dass die Orgel von Arnsdorf um (vermutlich) zwei Halbtöne zu hoch wäre: „ […] schade, […] dass die Orgel […] hochkornet ist und jeweils zwei Pfeifen des transformierens wegen beÿgesetzt werden müssten“; Stiftsarchiv Michaelbeuern: Fach 54, Franz Xaver Gruber: Kurze Schilderung von der Wallfahrts-Kirche zu Arnsdorf , Nr. 72 (Handschrift, 1820). Zit. nach: Roman Schmeißner: Orgelbau in Salzburger Wallfahrtskirchen, Duisburg & Köln: WiKu-Verlag 2015, ISBN 978-3-86553-446-0, S. 12 und S. 358f.
  5. Wikipedia, Türkischer Ton: [1]
  6. Birgit Karl, Ortschronik Ebenau. 825 Jahre Ebenau, Ebenau 2007

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