Sommerzeit

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Die Sommerzeitumstellung des Salzburger Spezialistes für historische Uhren, Michael Neureiter, am Turmuhrwerk von Joseph Christoph Schmidt 1732, umgebaut von Johann Bentele senior 1794, im Torwarthaus Schloss Kleßheim von Schloss Kleßheim, Wals-Siezenheim.

Dieser Artikel berichtet über die Geschichte der Sommerzeit im Bundesland Salzburg.

Österreich

In Österreich wurde die Sommerzeit (zum dritten Mal nach 1916 und 1945) 1979 beschlossen und 1980 erstmals umgesetzt. Die Umstellung im Jahr 2018 also die 40. seit 1980. Seither wird sie auch durch die öffentlichen Uhren angezeigt.

Als Salzburg die Zeit zurückdrehte

1920 galt in ganz Österreich die Sommerzeit. Nur in einem Bundesland nicht, im Bundesland Salzburg. Hier erfolgte 1920 ein frühes Ausscheren aus der österreichweiten Regelung, die die „Sommerszeit“ vom 5. April bis 13. September vorsah. Der Salzburger Landtag beschloss am 28. April einstimmig wegen des „lebhaftesten Widerspruchs… auch aus allen Kreisen der Bevölkerung“ den Ausstieg mit 1. Mai. In Salzburg dauerte die Sommerzeit 1920 also nur vom 5. April bis zum 1. Mai! Die Begründung im Antrag des christlich-sozialen Abgeordneten Johann Hasenauer, Kooperator in der Pfarre Mittersill: Die Sommerzeit widerspreche „allen republikanischen Anschauungen“ und sei „nur zum Zwecke des Krieges und der Menschenabschlachtung“ 1916 eingeführt worden.

Licht sparen für den Sieg

Dreht man das Rad der Zeit zurück ins Jahr 1920, stößt man auf ein kurioses Ausscheren eines Bundeslandes aus dem staatlich verordneten Vordrehen der Uhren zur hellen Jahreszeit. Mitten im Ersten Weltkrieg führte Österreich-Ungarn und damit auch Salzburg die Sommerzeit ein. Was heute als Argument makaber anmutet: Sie sollte die energieintensiven Materialschlachten des Ersten Weltkriegs unterstützen, indem an langen Sommerabenden weniger Beleuchtung nötig war.

Sommerzeit als Kriegsrelikt

Nach Kriegsende wurde die Umstellung 1919 kurzerhand abgesagt, aber im Folgejahr in ganz Österreich wieder eingeführt. Anfangs auch in Salzburg. Doch hatte man die Rechnung ohne den Nachbarn gemacht. Mit Verweis, dass auch in Bayern im Frühling nicht an den Uhren gedreht würde, stimmten die Mitglieder der provisorischen Landesversammlung mehrheitlich für eine Rücknahme der Umstellung: "Nachdem wir den Krieg hinter uns haben, brauchen wir keine Sommerzeit mehr. Es wird darum ersucht, dass von Seiten des Landesrates unbedingt dahin gewirkt wird, dass diese Verfügung, die allen republikanischen Anschauungen widerspricht und nur zum Zwecke des Krieges und der Menschenabschlachtung gestellt war, außer Kraft gesetzt wird", stand im Antrag des christlich-sozialen Abgeordneten Johann Hasenauer "und Genossen". Sein Parteikollege Johann Eiböck sah eine ungünstige Zweiteilung der Zeit, da sich die Bauern weiterhin nach der Sonne, die Industriebetriebe aber nach der verordneten Sommerzeit richten würden.

Die Ausnahme von der Ausnahme

Keinen Monat nach der bundesweiten Einführung beschloss daher das Land, die Uhren wieder um eine Stunde zurückzudrehen. Fast alle, denn die Staatsbahnen in Salzburg fuhren pragmatisch weiterhin nach Sommerzeit. Erstaunlich: Zwar wurde befürchtet, dass der Salzburger Sonderweg rechtlich aussichtslos wäre, doch der Bund ließ die Salzburger gewähren.

Die Sommerzeitregelung fand in Österreich nach 1920 bis zu den Jahren des Zweiten Weltkriegs ohnedies ihr zwischenzeitliches Ende und wurde erst 1980 wieder durchgehend eingeführt. Salzburg hatte mit seiner "Extrawurst" also den Trend bereits vorweggenommen.

Sommerzeitumstellung 2019

Das Turmuhrwerk aus der Pfarrkirche zum hl. Josef in Untertauern aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts tickt jetzt auf der Terrasse des Salzburger Spezialisten für historische Uhren, Michael Neureiter, in Bad Vigaun.

Die Sommerzeitumstellung 2019 wird offensichtlich nicht die letzte sein. Bei den historischen Turmuhrwerken in Salzburg am neuen Borromäum, an der Universitätsaula, in Mattsee an der Zellhofkapelle St. Georg und Unserer Lieben Frau und in Siezenheim am Torwarthaus Schloss Kleßheim nahm der Salzburger Spezialist für historische Uhren, Michael Neureiter, am 1. April, vor. "Bei diesen Uhrwerken erfolgt die Umstellung auf die Sommerzeit nicht durch ein automatisches Vorlaufen um eine Stunde: Es braucht einen Besuch beim Werk und ein Vorstellen von Hand.“ berichtet Turmuhrmacher Michael Neureiter.

Die Umstellung sei immer auch eine gute Gelegenheit, das betreffende Werk zu schmieren und den Zustand zu überprüfen, meint Neureiter, der auch das Werk aus Untertauern aus der Pfarrkirche zum hl. Josef auf seiner Terrasse in Bad Vigaun umstellt.

Quellen

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