Gasthof zum Mohren

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Begriffsklärung
Dieser Artikel behandelt den historischen Gasthof zum Mohren in der Salzburger Altstadt. Einen geschichtlichen Artikel über das Restaurant "Zum Mohren" findest du unter Restaurant "Zum Mohren"
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geschlossen  Der hier beschriebene Betrieb oder die Einrichtung existiert in dieser Form nicht mehr. Dieser Beitrag beschreibt die Geschichte.


Restaurant "Zum Mohren" Judengasse Nr. 9
Karte
Restaurant "Zum Mohren" Rudolfskai Nr. 20
Aufnahme vom Rudolfskai mit Bussen von Schweighofer & Zöhrer um 1950

Der historische Gasthof zum Mohren befand sich in der Salzburger Altstadt in der Judengasse. Heute ist ebendort das Restaurant "Zum Mohren".

Lage

Das Haus hat zwei Adressen: historisch Judengasse Nr. 9, später auch Rudolfskai Nr. 20. Der Gasthof befand sich zunächst ebenerdig in der Judengasse, es gab jedoch stets ein Untergeschoß und einen Durchgang zum Ufer der Salzach. Später wurde der Schankbetrieb dorthin ausgeweitet und erfolgte der Zugang von beiden Seiten.

Geschichte

Als Wirtshaus wurde der Betrieb 1569 erstmals erwähnt und hieß Mohrensitz. Er war eine Trinkstube, deren übliche Bezeichnung damals Sitz war. Beim Mohrensitz blieb diese Bezeichnung am längsten erhalten.

Das Haus wird 1423 erstmals urkundlich erwähnt, ist jedoch bestimmt wesentlich älter. Es heißt Silberbergerhaus. Den Namen dürfte jener August Silberberger gegeben haben, der von 1409 bis 1413 das Hofmarschallamt des Erzstiftes bekleidete. Vor ihm hatten hier wahrscheinlich Juden gewohnt. Im Jahre 1404 hatten sie jedoch in einer neuerlichen Verfolgungswelle Salzburg verlassen müssen. Ihre Besitzungen wurden vom Landesherr eingezogen.

Als erster namentlicher Besitzer wird 1500 Hans Strobl erwähnt, dessen Frau Margarethe dem angesehenen Bürgergeschlecht der Rauhenperger entstammte, auf die die Liegenschaft um 1526 überging. Für 1569 ist ein Wirt namens Ambros Nuecht verbürgt. Die Rauhenperger mussten aus Glaubensgründen ihre Heimat verlassen. So erwarb Wolf Aigenstueler zu Beginn des 17. Jahrhunderts das Unternehmen.

Seine Witwe heiratete 1622 Balthasar Eizenberger, unter dem das Gasthaus einen beachtlichen Aufschwung nahm. Sein Schwiegersohn Philipp Tunzler geriet in finanzielle Schwierigkeiten und musste 1671 den Besitz vorübergehend an den Hauptgläubiger, den Propst des Augustinerchorherrenstifts St. Zeno in Reichenhall, abgeben. Franz Eizenberger kaufte das Gasthaus wieder zurück. Spätestens seit dieser Zeit trug es den Namen „Zum Mohrenkopf“. Ob die Bezeichnung mit den Türkenkriegen oder mit den Beziehungen zu Venedig in Zusammenhang zu bringen ist, bleibt umstritten.

Im Jahre 1717 heiratete ein Wirtssohn aus Mülln ein, Johann Balthasar Mühlbacher.

Von der Familie Mozart weiß man, dass sie gerne beim „Mohren“ einkehrte. Wolfgang und Nannerl waren sogar mit den Geschwisterkindern des Wirtes eng befreundet.

Im Jahre 1794 überließ Johann Sigbert Mühlbacher das gesamte Anwesen seiner Base Kreszentia Perghofer und deren Bräutigam Peter Paul Weickl. In seiner Zeit stiegen u. a. folgende Persönlichkeiten im „Mohren“ ab: der Münchner Johann Baptist Stiglmaier, der das Mozart-Denkmal am Mozartplatz gegossen hat; der Komponist Franz Schubert (1825); der Dichter und Schauspieler Ferdinand Raimund (1826); Maler der Romantik wie Julius Schnorr von Carolsfeld.

Sein Ziehsohn und Erbe Georg Weickl verkaufte 1839 das Haus samt Weinwirtsgerechtsame an den bisherigen Pächter Christian Angele (oder Angerer), dieser 1842 an den aus Wolfsegg (.) zugezogenen Weingastgeber Franz Seraph Irresberger. 1853 folgte dessen Witwe Franziska, 1858 dessen Sohn Karl (II.) Irresberger, der im Jahr 1866 das Hotel „Österreichischer Hof“ begründete und im Zusammenhang mit dessen Erwerb das Gasthaus „Zum Mohren“ verkaufte.

1874 und 1881 gehörte das Haus einem Johann Wiesenberger.

Zu Anfang des 20. Jahrhunderts erwarben Franz und Kunigunde Obereder das „Gasthaus zum Mohren“. Sie richteten den „Mohrensitz“ am Rudolfskai Nr. 20 ein, eröffneten Salzburgs erstes Nachtlokal und machten ihr Anwesen zum Mittelpunkt der Volksmusik und des Brauchspflege. Von ihren Söhnen Franz und Heinrich Obereder kauften Baumeister Ing. Alois und Maria Reinthaler das Haus Judengasse 9 und renovierten es von Grund auf – wegen der historischen Bausubstanz mit nicht geringen Schwierigkeiten und Opfern.

Quellen

  • Hans Spatzenegger: „Der „Mohrenwirt“ hütet ein Stück Salzburger Geschichte, Zeitungsartikel, um 1970
  • „Doppler-Chronik“, eine im Salzburger Landesarchiv verwahrte (als Sammlung von Mappen angelegte) Häuserchronik
  • www.restaurant-zummohren.at Homepage des Restaurant "Zum Mohren" (alte Homepage, existiert nicht mehr)