Rohmagnesitbergbau Inschlagalpe

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Westlicher Tagbaubruch Inschlagalpe
Verbrochenes Stollenmundloch auf der Inschlagalpe
Eingangsbereich eines ehemaligen Bergbaustollen auf der Inschlagalpe
Ehemaliger Muldenkipper zum Transport von Erz und Taubem Gestein
Überreste der ehemaligen Ladestation auf der Inschlagalpe
Jägermeisteralm, ehemalige Betriebs- und Mannschaftsbaracke auf der Inschlagalpe

Der Rohmagnesitbergbau Inschlagalpe befand sich im Schwarzleotal im Gemeindegebiet von Leogang im Mitterpinzgau.

Lage

Das Schwarzleotal zweigt bei der Ortschaft Hütten ca. fünf Kilometer westlich von Leogang südlich der B 164 ab und erstreckt sich einige Kilometer nach Südwesten. An seiner orographisch linken Talseite befindet sich in 1 150 bis 1 400 m ü. A. südwestlich des Bergbaurevieres Nöckelberg und unmittelbar nördlich des Bergbaurevieres Vogelhalte das Bergbaurevier Inschlagalpe.

Geschichte

Entdeckung der Erzlagerstätte

Das Rohmagnesitvorkommen auf der Inschlagalpe wurde im Zuge von den nach der Schließung der Erzbergbaue im Schwarzleotal erfolgten Kartierungen entdeckt. Diese fanden in den Jahren 1905 bis 1912 und 1919 bis 1923 durch den Geologen Dr. Theodor Ohnesorge statt.

Das Rohmagnesitvorkommen auf der Inschlagalpe und seine Mineralien

Die Rohmagnesitvererzung auf der Inschlagalpe ist an Dolomitabfolgen der sog. „Südfazies“ gebunden. In der Lagerstätte tritt der Rohmagnesit als typisch grobspätiger Magnesit, auch „Spatmagnesit“ oder „Pinolitmagnesit“ genannt, auf. Der Eisengehalt beträgt zwischen 2,12 und 5,07 Gewichts-Prozent. Die häufig zu beobachtende Braunfärbung der Rohmagnesite infolge Limonitbildung durch Verwitterung ist auf diesen Eisengehalt zurück zu führen. Dieser Eisengehalt nimmt auf der Inschlagalpe mit der Teufe zu und war letztlich einer der wichtigsten Gründe für die Aufgabe dieses Abbaues.

Eine Seltenheit bilden die flachrhomboedrischen, bis 1,5 cm großen und teilweise durchsichtigen Magnesitkristalle, die in Hohlräumen „eines dolomitfreien grobspätigen nahezu reinweißen Magnesits der Inschlagalpe“ vorkommen. Eine weitere Seltenheit sind die ebenfalls vorkommenden pseudokubischen Kristalle. In Randbereichen des Rohmagnesitvorkommens auf der Inschlagalpe treten Konzentrationen an Strontium auf. Dort finden sich Mineralien wie Strontianit, Cölestin und Aragonit

Abbaurechte, Bergrechte, Betriebsorganisation, Beginn des Bergbaus

Die Abbaurechte auf der Inschlagalpe sicherte sich das Bergbauunternehmen Ing. Adolf Reitsch und Josef Weilguny aus Mühlbach im Pinzgau. Stille Teilhaber waren Ing. Alfons Mauser und Ing. Karl Krieger aus der Stadt Salzburg. Es wurde 50-Jahres-Pachtverträge mit den Grundbesitzern abgeschlossen und die magnesithöffigen Bereiche durch Freischürfe bergrechtlich gesichert. Eine Expertise aus den Jahren 1924 und 1925 sah die Errichtung diverser bergbaulicher Anlagen wie ein Magnesitwerk samt Brennöfen und Ziegelei, sowie Wasserkraftanlagen zur Energieversorgung vor. Es folgten personelle Veränderungen bei den Bergrechten und Geschäftsanteilen. 1936 verpachtete man die Abbaurechte an Hans Brabec und nun wurde von der Salzburger Montangesellschaft Brabec & Co.KG auf der Inschlagalpe mit dem Rohmagnesitbergbau begonnen.

Betriebsperiode 1936 bis 1939

Die Firma Jordan aus Villach in Kärnten errichtete eine 5,4 km lange Seilschwebebahn, die 400 Höhenmeter überwinden musste. Sie verfügte über eine Verlade-, Zwischen- und Entladestation samt Schleppbahngeleisen am Verladebahnhof Leogang. Das Hauwerk wurde mittels eiserner Muldenkipper im Handbetrieb auf Feldbahngeleisen zur Seilschwebebahn gebracht, dort umgeladen und mit der Seilbahn zum Verladebahnhof Leogang transportiert, wo das Material erneut umgeladen und mit der Bahn zur Weiterverarbeitung nach Radenthein in Kärnten gebracht wurde.

Auf der Inschlagalpe wurde zur selben Zeit eine Betriebsbaracke samt Mannschaftsunterkunft erbaut. Im Nahbereich der Verladestation entstand eine Schmiede- und Werkzeughütte.

Betriebsperiode 1939 bis 1945

Vor 1938 stand der Rohmagnesitbergbau knapp vor dem Konkurs. Durch die Veränderung der politischen Verhältnisse wurden die bisher geltenden Pachtverhältnisse gelöst und von Josef Weilguny übernommen. Der Textilfabrikant Emil Chmel aus Aachen fungierte als stiller Teilhaber. Durch den erhöhten Bedarf der kriegsbedingten Rüstungsindustrie erlangten ab 1938 auch kleinere Rohmagnesitvorkommen wie das auf der Inschlagalpe große Bedeutung.

Es waren in der Folge zwei Tagbaue in Betrieb, die an den höchstgelegenen Ausbissen errichtet wurden. Fortschreitend wurde nun von oben nach unten abgebaut. Der westliche Tagbau wies eine Ausdehnung von 50 Metern und eine Höhe von zwölf bis 15 Metern auf, der östliche Tagbau hatte eine Länge von 20 Metern und eine Höhe von acht Metern.

Die Belegschaft bestand 1942 aus zwei Arbeitspartien mit je zwei Sprenghauern und zwölf österreichischen und deutschen Arbeitern, sowie aus 13 oder 14 Kriegsgefangenen – meist Russen, die als Steinschläger, Füller und Förderer eingesetzt wurden. 1944 bestand die Belegschaft aus vier Angestellten, einer Köchin, 14 österreichischen und deutschen Arbeitern und 33 bis 35 Kriegsgefangenen, meist Russen und Franzosen, darunter auch Francois Duclercq. Die Fördermenge betrug damals im Sommerhalbjahr täglich 80 bis 90, im Winter 60 bis 70 Tonnen Rohmagnesit. Bei einer zehnstündigen Schicht belief sich die Abbaumenge pro Mann auf fünf Tonnen. Die Versorgung mit elektrischer Energie erfolgte über eine zwölf Kilometer lange 5000-Volt-Leitung von Saalfelden aus. Auf der Inschlagalpe war ein 100-KVA-Trafo stationiert. Als bauliche Anlagen existierten eine Betriebsküche, eine Schmiede, ein Werkzeugmagazin und eine Kanzlei- und Mannschaftsbaracke für 16 Mann, wobei die Kriegsgefangenen in einer gesonderten Baracke, von zwei Wächtern bewacht, untergebracht waren. Die schon erwähnte Seilschwebebahn wurde mit einem Siemens-Schuckert-Drehstrommotor mit 24 PS betrieben. 1943 wurde sie komplett saniert und die Transportleistung erhöht. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen stillgelegt. Die Kriegsgefangenen verließen am 4. Mai 1945 das Bergbaugelände. Zurück blieben sechs Arbeiter mit deutscher Nationalität.

Betriebsperiode 1945 bis 1970

Von 1945 bis 1947 wurden lediglich Instandsetzungsarbeiten – vor allem an der Seilschwebebahn - durchgeführt. Im Mai 1947 konnte der Betrieb mit 16 Arbeitern wieder aufgenommen werden, nachdem ein Liefervertrag mit der Österreichisch-Amerikanischen Magnesit AG in Radenthein in Kärnten über zunächst 500 Tonnen und später 1000 Tonnen Rohmagnesit pro Monat abgeschlossen worden war. Es folgten Rationalisierungsmaßnahmen und die Erhöhung der Förderleistung. 1950 wurden monatlich 1000 Tonnen gefördert, für die fünf Hauer, neun Füller, vier Förderer, sieben Seilbahnbedienstete, drei Brecher und Schmiede, eine Köchin und eine Aufsichtsperson tätig waren. In den 50er-Jahren und in der ersten Hälfte der 1960er-Jahre war die Absatzsituation für Magnesitprodukte aufgrund der Hochkonjuktur auf dem Stahlsektor sehr günstig. Allerdings stiegen auch die Qualitätsanforderungen bei Rohmagnesit, insbesondere was den Eisengehalt betrifft. Für den Bergbaubetrieb auf der Inschlagalm eine schwierige Situation, da der dortige Eisengehalt mittlerweile bei 6 % lag und die Obergrenze an Eisengehalt für den Rohmagnesit ebenfalls bei 6 % festgelegt war. Um die entsprechende Durchschnittsqualität zu erhalten mussten mehrere Ansatzstellen für die Gewinnung angelegt werden. Die Belegschaft war schon in den vergangenen Jahren reduziert worden. Das Werk auf der Inschlagalm wurde 1968 dem Magnesitwerk Hochfilzen in der Gemeinde Hochfilzen in Nordtirol angeschlossen.

Stilllegung und Liquidierung

Die erwähnten Schwierigkeiten - insbesondere mit dem Eisengehalt - brachte schließlich das Ende des Bergbaues auf der Inschlagalm. Die Schließung des Betriebes erfolgte über Eingabe der Österreichisch-Amerikanischen Magnesit AG, Werk Hochfilzen in Tirol, am 15. Juli 1970 durch die Berghauptmannschaft Salzburg als zuständige Bergbehörde, die den „Einstellungsplan Leogang“ genehmigte.

Die Tagbaue wurden abgesichert, die Zugänge zu den Grubengebäuden verschlossen, die Betriebsgebäude ober Tag weitgehend abgetragen, die elektrischen Anlagen und die Seilbahnanlage demontiert, und das Betriebsgelände aufgeräumt. Das Mannschaftsgebäude wurde erhalten und zur Nutzung durch Private frei gegeben. Ende August 1972 waren die im Einstellungsplan Leogang vorgesehenen Maßnahmen abgeschlossen und die verbliebenen Belegschaftsmitglieder kamen in den werkseigenen Betrieben in Hochfilzen und in Tux im Zillertal in Tirol unter.

Gegenwart

Das Bergbaurevier Inschlagalpe weist heute mehrere große, bereits verfallene Tagbaue, verbrochene oder zugemauerte Stollenmundlöcher, teils größere Bergbauhalden und Reste ehemaliger obertägiger Betriebsanlagen auf. Die ehemalige Betriebsbaracke wird heute unter der Bezeichnung Jägermeisteralm als Almgebäude genutzt.

Quelle

  • W. Günther, W. H. Paar, „Vom Rohmagnesit zum feuerfesten Magnesitstein“, HG Bergbaumuseumsverein Leogang