Schneechaos

Schneechaos - 17.000 Menschen in Salzburg von Außenwelt abgeschnitten

Die Lawinengefahr hat sich am Sonntag in Salzburg wieder verschärft. Es gilt Warnstufe 4 der fünfteiligen Skala. Derzeit sind im Saalachtal, in Obertauern und in Rauris rund 17.000 Personen nicht mit Fahrzeugen erreichbar.

Die L112 ist wegen einer drohenden Lawine gesperrt. Weil kein Flugwetter herrscht, könne die Lawine nicht abgesprengt werden, berichtete das Land Salzburg. Die Bevölkerung ist versorgt. Es gibt eine Rettungsstelle und einen Arzt in Bereitschaft.

Auch in Taxenbach sind im Ortsteil Brandenau etwa 40 Personen nicht mit Fahrzeugen erreichbar. Die Versorung ist sichergestellt. Die Straßenräumung läuft. Im Krimmler Tauernhaus befinden sich fünf Personen, sie sind aber wohlauf und versorgt. In Unken sind 40 Personen nicht erreichbar. In Scheffau und Krispl sind insgesamt 16 Personen nicht erreichbar. In Abtenau im Bereich Unterberg sind sieben Gebäude abgeschlossen und Bad Vigaun (Rengerberg) sowie einige Ortsteile von St. Koloman sind erschwert erreichbar. Die B99 zwischen Untertauern und Obertauern ist seit 9 Uhr gesperrt. Die Verbindung über die Lungauer Seite von Tweng aus sollte am Abend ebenfalls wieder geschlossen werden.

Einen Überblick über die Verkehrssituation finden Sie hier.

Kleines Deutsches Eck wegen Lawinengefahr gesperrt

Das anhaltende Unwetter in Salzburg hat zu weiteren Straßensperren im Bundesland geführt. Das Landratsamt Berchtesgaden-Land sperrt das Kleine Deutsche Eck wegen Lawinengefahr ab 17.00 Uhr. Der Landeseinsatzstab Salzburg verschärfte am Sonntag seine Wetterwarnung: Menschen deren Häuser nahe am Waldrand liegen sollen im Erdgeschoß übernachten.

Auch die B311, die Pinzgauer Straße zwischen Weißbach und St. Martin ist ab Höhe der Lamprechtshöhle ab 17.00 Uhr wieder gesperrt. Somit sind Unken, Lofer und St. Martin sind weder von Salzburger noch von bayrischer Seite her erreichbar. Auf Tiroler Seite wird die Lawinenwarnkommission um 17.00 Uhr tagen. Auch die B178, die Loferer Straße, musste gesperrt werden. Damit sind die drei Gemeinden auf dem Straßenweg nicht mehr erreichbar. Laut dem Land waren rund 17.000 Menschen im Saalachtal, in Rauris und in Obertauern davon betroffen.

Bahnverkehr im Bundesland eingeschränkt

Auch einige Bahnstrecken waren am Sonntag im Bundesland aufgrund der Lawinengefahr unterbrochen. Zwischen Saalfelden und Hochfilzen, Bischofshofen und Stainach-Irdning und am Pass Lueg auf der Salzburg-Tiroler-Bahn war kein Zugverkehr möglich. Die ÖBB haben einen Schienenersatzverkehr eingerichtet, der aufgrund der Sperre der parallel zur Bahnstrecke am Pass Lueg verlaufenden Salzachtalstraße sowie weiterer Streckensperren u.a. im Ennstal eine große Herausforderung darstellte.
Die SEV-Busse verkehren zwischen den Bahnhöfen Golling-Abtenau und Bischofshofen (und retour) wegen der Verkehrslage ohne Zwischenhalt. In Bischofshofen finden Fahrgäste folgende Möglichkeiten zur Weiterreise vor:

* Züge Richtung Schwarzach-St.Veit und weiter nach Klagenfurt sowie Züge nach Saalfelden.
* Züge retour nach Pfarrwerfen und Werfen.
* Busse des SEV in Richtung Schladming - Stainach-Irdning (und weiter nach Graz).

Auch am Montag rechnet die Bahn mit Einschränkungen. Für Auskünfte zu den Reisezeiten können Reisende sich unter der Telefonnummer 05-1717 informieren.

Weiterhin große Lawinengefahr und heikler Triebschnee

Fast im ganzen Land Salzburg herrscht heute große Lawinengefahr. Es gilt Warnstufe 4 der fünfteiligen Skala. Im Verlauf des Tages kann die spontane Lawinenaktivität zunehmen. Es herrscht eine heikle Triebschneesituation und vor allem das Gleitschneethema rücke jetzt in den Vordergrund. "Hier sind auch größere Abgänge möglich. Eine heikle Situation für die Wintersportler, auch aufgrund sehr schlechter Sicht. Wir raten, auf Fahrten im freien Gelände unbedingt zu verzichten", betonte Norbert Altenhofer, Leiter des Salzburger Lawinenwarndienstes.

Salzburger Feuerwehrleute schaufeln jetzt auch in Bayern

Der Katastrophenzug der Freiwilligen Feuerwehr Pongau unterstützt seit Sonntag auch die Einsatzkräfte in Bayern beim Schneeräumen. Zehn Fahrzeuge und 56 Mann rückten aus. Der Katastrophenzug aus dem Lungau, wo nicht so viel Schnee gefallen ist, hilft rund um Golling aus. "66 Lungauer schaufelten in Scheffau, Annaberg und St. Koloman. Sie konnten einige Gebäude von der Schneelast befreien", hieß es von der Feuerwehr. 800 Feuerwehrleute waren am Samstag bei mehr als 190 Einsätze. Auch 230 Soldaten, davon 78 Pioniere aus Villach, halfen im ganzen Land.

Die Stromversorgung ist in weiten Teilen des Landes wieder hergestellt. Sonntagfrüh waren laut Auskunft der Salzburg AG nur noch 50 Kunden ohne Strom. Betroffene Gebiete waren in Fuschl, Gaisberg, Zauchensee/Schwarzwandbahn und Pass Strub.

Feuerwehrleute und Bundesheersoldaten beim freischaufeln eines Daches einer Halle in Ebensee.  SN/APA/BFKDO GMUNDEN/BFKDO GMUNDEN
Feuerwehrleute und Bundesheersoldaten beim freischaufeln eines Daches einer Halle in Ebensee.

Das Wetter in den nächsten Tagen: Es kommt noch schlimmer

Früher als prognostiziert, werde sich heute das Wetter verschärfen. Für Sonntag und Montag werden bis zu 130 Zentimeter Neuschnee erwartet, in tieferen Lagen wird es schütten. Dazu kommt orkanartiger Wind mit bis zu 120 km/h in den Bergen und 80 km/h im Tal. Die Lawinengefahr wird sich wieder verschärfen. Laut Lawinenwarndienst sei die Triebschneesituation durch den starken Windeinfluss weiter heikel. Schon durch einzelne Wintersportler seien Lawinenauslösungen möglich. In den niederschlagsreichreichen Zonen, wie der Osterhorngruppe, über den Hochkönig bis zum Gosaukamm bestehe zudem ein ausgeprägtes Gleitschneeproblem bis in Höhen um 2.100 m mit imposanten Anrissen. Exponierte Wege und Objekte können von spontanen Lawinen betroffen sein.

Unfälle beim Abschaufeln von Dächern, Blechdach von Lagerhalle in Thalgau eingestürzt

In Schleedorf im Flachgau ist Samstagmittag ein Unfall beim Schneeräumen passiert. Ein Feuerwehrmann stürzte vom Dach des örtlichen Kindergartens. Das Rote Kreuz hat den Schwerverletzten mit dem Hubschrauber Christophorus 6 ins Salzburger Unfallkrankenhaus gebracht. Ebenfalls ein Feuerwehrmann ist in St. Gilgen am Samstagvormittag von einem Dach gestürzt. Der Mann befreite das Dach einer Reithalle von den Schneemassen. Er dürfte auf ein Kunststoff-Lichtpaneel, das in das Dach eingearbeitet war, getreten und durchgebrochen sein. Der 30-Jährige stürzte aus sechs Meter Höhe auf den Boden der Halle und verletzte sich, berichtete die Polizei Salzburg. In Seekirchen ist eine Privatperson vom Dach gestürzt.

An der Plainfeldstraße in Thalgau stürzte Freitagmittag das Blechdach einer Lagerhalle unter der enormen Schneelast ein. Feuerwehrmänner drangen mit Gewalt in die Halle ein und begannen sofort nach eventuell verschütteten Personen zu graben. In der Zwischenzeit waren auch das rote Kreuz sowie der Salzburger Notarzthubschrauber "Christophorus 6" eingetroffen. Wenig später konnten die Helfer Entwarnung geben: Es wurden keine Personen verschüttet, niemand wurde verletzt.

Wälder, Parks und Friedhöfe in der Stadt Salzburg gesperrt

Wegen der Schneemengen wurden alle städtischen Wälder, die Stadtberge, die Hellbrunner Allee, alle Spielplätze und städtischen Friedhöfe aus Sicherheitsgründen bis auf Widerruf vom Bezirkseinsatzstab der Landeshauptstadt Salzburg gesperrt.
Es besteht die Gefahr von herabfallenden Ästen und umstürzenden Bäumen. Auf einigen Friedhöfen haben bereits Äste dem Druck nachgegeben und sind herabgefallen. Im Kurgarten ist eine Linde umgestürzt. Das Dach der Eisarena im Volksgarten wird vorsorglich vom Schnee befreit. Grund dafür ist das Eishockeyspiel morgen, Sonntag, bei dem der EC Red Bull Salzburg daheim auf Linz trifft. Die Schneelast am Dach sei hoch, aber noch unkritisch, heißt es vonseiten der Stadt.


Schulen bleiben geschlossen

Aufgrund der Schneesituation mussten weitere Schulen vorübergehend geschlossen werden. Wie die Bildungsdirektion vermeldete, bleiben am Montag 32 Schulen im Bundesland geschlossen, vier haben Notbetrieb und in drei Schulen ist zwar kein Unterricht, sie bieten aber Betreuung an.

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Quelle: SN

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