Bad Fusch

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Bad Fusch, Kirche2
Fürstenquelle Bad Fusch
Bad Fusch, Fürstenquelle2
Bad Fusch, Kneippanlage und Kiosk
Bad Fusch

Bad Fusch war ein Höhenkurort in den Hohen Tauern im Gemeindegebiet von Fusch an der Großglocknerstraße in 1 188 m ü. A.

Geschichte

Das "Bad in der Fusch" am Ende der etwa vier Kilometer langen Badstraße im Weichselbachtal war schon im 15. Jahrhundert im Pinzgau für seine heilende Wirkung bekannt. Die ersten Kurgäste waren wahrscheinlich Bauern aus dem stark versumpften Oberpinzgau, die damals häufig unter dem "Wechselfieber" zu leiden hatten.

Um 1417 soll eine zweitürmige Kirche existiert haben, was aufgrund des Silbererzbergbaus auf dem Kühkarkopf im Weichselbach denkbar wäre. Im 18. Jahrhundert erlangte der Kurort immer mehr an Bedeutung und erlebte schließlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert seine Blütezeit. Ein großer Förderer und Gönner war Erzbischof Friedrich VI. Fürst Schwarzenberg, nach dem die stärkste Quelle, die "Fürstenquelle", benannt ist. Er besuchte von 1829 bis 1843 regelmäßig den Kurort und besaß hier ein Haus. Er war auch als begeisterter Alpinist bekannt und bestieg mit dem Bergführer Johann Holzer, der unter dem Namen Bad-Hans weitum bekannt, viele der umliegenden Gipfel. So wurde der Hohe Tenn von ihm erstmals bestiegen. Der Erzbischof ließ in der Umgebung des Kurortes Unterstandshütten errichten und Spazierwege anlegen. Der heute verfallene Fürstenweg führte von Bad Fusch nach Ferleiten.

Im 17. Jahrhundert zerstörte eine Lawine vom Mitterkar die Kirche und mehrere Gebäude. Man errichtete 1705 die Kirche, die dem Hl. Wolfgang geweiht war, neu an einem sicheren Platz. Sie war dem Hl. Wolfgang deswegen geweiht, weil Wolfgangkultstätten häufig in der Nähe heilkräftiger Quellen zu finden sind. Auch Wallfahrten nach Bad Fusch fanden statt.

1844 beschädigte neuerdings eine Lawine die Kirche und vernichtete auch das Schwarzenbergsche Wohnhaus. Die Schäden wurden wieder behoben, die zerstörte Einrichtung der Kirche von wohltätigen Kurgästen ersetzt. Später erhielten die Gebäude durch ausgedehnte Waldpflanzungen einen natürlichen Schutz.

Ende des 19. Jahrhunderts kamen durchschnittlich 500 Badegäste aus dem In- und Ausland in den Sommermonaten nach Bad Fusch. Die Maler der Romantik entdeckten den Kurort bald als lohnendes Motiv. Es existiert auch eine Reihe von Kupferstichen und Gemälden des "Fuscherbades", unter anderem von Georg Pezolt, Friedrich Loos, Heinrich Reinhold oder Jakob Alt aus dieser Zeit. Auch Hugo von Hofmannsthal besuchte in jungen Jahren mehrmals Bad Fusch.

Neuen Aufschwung erlebte der Ort durch den Bau der Badstraße 1893. Es folgten die Verbesserung der beiden Hotels, die Anlage eines Schwimmteiches, einer Kegelbahn und eines Tennisplatzes. Von Bruck bis Bad Fusch wurde ein Stellwagendienst eingerichtet und im Ort ein Saisonpostamt eröffnet.

Bald nach dem Ersten Weltkrieg setzte jedoch der Niedergang ein. Die ungünstige Verkehrslage, die starke Konkurrenz größerer und bekannterer Kurort, mehrmals wechselnde Besitzer und Brände waren Gründe dafür. Zwar versuchte man nach dem Zweiten Weltkrieg nochmals den Kurort wieder zu beleben, aber das großzügig geplante Projekt musste wegen finanzieller Missgriffe aufgegeben werden.

Heute ist der ehemalige Kurort wegen seiner Weltabgeschiedenheit und schönen Landschaft nahe der Großglockner Hochalpenstraße ein beliebtes Ausflugsziel. Gemeinsam bemühen sich nun Besitzer, Gemeinde und Tourismusverband in kleinen Schritten um die Revitalisierung dieses Ortes. So wurde Ende März 2008 die Badstraße wieder freigegeben, nachdem sie jahrelang wegen Felsturzgefahr gesperrt war.

Ehemalige Heilquellen

Von den elf "Heilquellen" bestehen heute nur noch die Fürstenquelle, die ergiebigste, die Augenquelle und das Leberbründl. Sie enthalten nur wenige mineralische Bestandteile, wie Natriumsulfat, Magnesiumkarbonat oder Kieselsäure. Sie sind aber reich an natürlicher Kohlensäure und haben eine gleichbleibende Temperatur von ca. 6,2 °C. Das Wasser hat eine erfrischende und belebende Wirkung. Es regt den Appetit an, fördert die Verdauung und den Blutkreislauf. Auch gegen Frauenleiden wurde den Quellen eine Heilwirkung zugeschrieben. Patienten, deren Beschwerden auf Schwächungen des Nervensystems zurückzuführen sind, fanden hier Linderung oder Heilung ihrer Gebrechen. Trinkkuren, Bäder und die Höhenluft gehörten zum Therapieangebot im Kurort.

Neben den drei Hauptquellen, der Fürstenquelle, Augenquelle und Leberquelle, gab es auch noch die Adolphinenquelle, Theresienquelle, Marienquelle, Herminen- und Moritzquelle und die Bertaquelle. Die Gold- und die Silberquelle sind bereits 1882 in der Folge der großen Überschwemmung des Weichselbaches vollständig versiegt.

Nachweise zur Charakteristik und heilenden Wirkung der Quellen in Fusch an der Glocknerstraße liegen dem Amt der Salzburger Landesregierung nicht vor. Deshalb sind die o. a. Quellen heute nicht als Heilquellen staatlich anerkannt und die Gemeinde Fusch besitzt heute auch keine Anerkennung als Kurort, beide Feststellungen heute von nicht anerkannten Heilvorkommen im Sinne S.HVG. [1].

Kneippanlage

Hauptartikel: Kneippanlage Bad Fusch

Die Gemeinde Fusch und der Tourismusverband haben zur Wiederbelebung des einstigen Kurbetriebes bereits 300.000 Euro investiert. Im Sommer 2010 konnte die moderne Kneippanlage, die u. a. mit Interreg IV-Mitteln erbaut wurde, eröffnet werden. Sie verfügt über mehrere Anwendungsbereiche, ein Labyrinth und eine Aussichtsplattform, sowie einen Kiosk mit Konsummöglichkeit. Es besteht auch die Absicht, die anderen Quellen, die zur Zeit nicht mehr sprudeln, wieder zum Fließen zu bringen. Die neue Anlage fasziniert Kinder und Erwachsene gleichermaßen, wie jeder Besucher und jede Besucherin feststellen kann. Sie ist formschön und einladend und lässt auf Weiteres hoffen. Vorsicht ist allerdings noch beim Befahren der meist einspurigen, oft schlechten und an vielen Stellen unübersichtlichen Straße geboten.

Weblink

Quellen

Einzelnachweise

  1. Quelle Xxlstier (Diskussion) 12:51, 5. Sep. 2015 (CEST)
Ehemalige Kurorte, Kurbäder und Heilquellen im Land Salzburg