Bebauungsgeschichte der Salzburger Neustadt

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Die Bebauungsgeschichte der Salzburger Neustadt hat ihren Schwerpunkt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Gründerzeit) und den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts.

Gründerzeit

Die Gründerzeitbebauung besteht vor allem aus geschlossener Bebauung aus Mehrfamilien-Zinshäusern des Historismus. Echte Villen­bebauung ist in diesem Areal in der Minderzahl. Die Villenbe­bauung der Salzachufer unterscheidet sich trotz gleicher Entstehungszeit von den neu ausgewiesenen Bereichen durch ihre andere historische Funk­tion. Die repräsentativen Salzachufervillen entstanden im Rahmen des Trends zur „Saisonstadt“. Ihre Funktion erschöpfte sich nach der ursprünglichen Planungsintention in dieser bloßen Nutzung mit Sommerfrische-Charakter. Der Zinshauscharakter fehlt diesen Villen vollkommen. Damit unterscheiden sie sich von den Objekten in offener Verbauung im Erweiterungsgebiet, denn diese Objekte waren für eine Ganzjahresnutzung geplant worden, nachdem die „Saisonstadt-Idee“ aufgegeben worden war und vor allem neuer Wohnraum für die zugezogenen Bevölkerungsschichten geschaffen werden musste.

Die vor der alten Stadtbefestigung liegenden, zu Froschheim und Schallmoos gehören­den Gebiete waren bis in das erste Viertel des 19. Jahrhunderts gering besiedelt und wurden landwirtschaftlich genutzt.

Die erste Bauwelle wurde vom Bau der Westbahn (1860) und dem Abbruch der Bastionen, die Kaiser Franz Joseph I. im Jahr 1866 der Stadtgemeinde geschenkt hatte, ausgelöst und durch den damaligen allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung und das Aufblühen des Fremdenverkehrs begünstigt.

Vor 1870 entstanden nur wenige Bauten: Die evange­lische Kirche, das Fünfhaus, das Hotel Pitter und das Hôtel de l'Europe.

Von 1872 bis 1875 wurden die sogenannten Faberhäuser an der Rainerstraße (damals: Westbahnstraße) errichtet, zwei monumentale, aus je drei Einzelhäusern bestehende Palais. Dahinter bauten die Wiener Bauunternehmer Heller und Pollak die sogenannten Hellerhäuser, geschlossene Baublöcke innerhalb der Franz-Josef-Straße.

Während im Bereich der alten Basteigründe die gemischte Bauweise vor­herrschte, wurde außerhalb der Franz-Josef-Straße eher die offene Verbauung gepflegt, damals auch „Saisonstil“ genannt (villenartige Häuser mit vermietbarem Hauptgeschoß). Dieser Stil wurde später zugunsten von Zinshäusern aufgegeben.

Nach der endgültigen Parzellierung von 1873 begann die Bebauung der Franz-Josef-Straße, Ernest-Thun-Straße, Schrannengasse, Haydnstraße, Hubert-Sattler-Gasse, Auerspergstraße und Wolf-Dietrich-Straße.

Nach 1887 griff die Stadterweiterung auf das sogenannte „Pichlerfeld“ (zwi­schen Arnogasse, Rupertgasse und Auerspergstraße) über, das parzelliert und von Baumeister Jakob Ceconi verbaut wurde. Dieses Viertel mit seinem von Gewerbebetrieben bestimmten Vorstadtcharakter weist keine Villen mehr auf.

Erst um 1900 wurde die Lasserstraße angelegt und verbaut.

Der Baustil der Gründerzeit ist der sogenannte „strenge Historismus“ (Faber­häuser, Hellerhäuser, Städtisches Schulgebäude St. Andrä usw.).

Um 1900 ist eine schrittweise Abkehr von diesem Stil feststellbar, die zu interessanten Misch­formen und zu einem romantisierenden „Heimatstil“ führte. Auch der „Jugendstil“ ist vertreten (Franz-Josef-Straße 28 bis 32).

Zwischenkriegs-, Kriegs- und Nachkriegszeit

Nach dem Ersten Weltkrieg ist außer einigen Großbauten (Sanatorium Wehrle, Turnhalle in der Rupertgasse, Gebäude der Wiener Städtischen und Wohnblock der Arbeiter­unfallversicherung) kaum mehr eine Zunahme an Bausubstanz zu verzeichnen.

Im Zweiten Weltkrieg wurden ungefähr 60 Gebäude durch Bomben zerstört, darunter die Andräkirche, die Schranne, das Hotel Pitter und die Handelskammer.

Die Nachkriegszeit brachte dem Historismus und den darauffolgenden Stilen wenig Wertschätzung entgegen. Viele Gebäude verloren ihre Fassadengliederung und ihren dekorativen Schmuck. Die Neubewertung der Epoche setzte erst um 1970 ein. Heute werden die Zeit des Historismus und diese Bauten der Neustadt als bedeutsame Epoche bzw. als wichtiger Bestandteil eines kulturellen Erbes angesehen.

Literatur

Quelle