Johanna Raudaschl

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Johanna Raudaschl (* 26. August 1904 in Steinbach am Attersee; † 24. November 1993) war die Köchin von Maria Augusta Freifrau von Trapp und Baron Georg Ludwig von Trapp.

Leben

Ihre Mutter, Theresia Raudaschl, war am Hof ihrer Eltern am Holzberg am Attersee (oberhalb von Unterach am Attersee) bei ihren Brüdern Franz und Matthias als Magd tätig, als sie Johanna als lediges Kind gebar. Die Geburt erlebte Theresia aber nicht auf dem Hof ihrer Eltern, da ihre Geschwister wenig bis gar kein Verständnis für sie hatten, sondern bei ihrer Schwester Johanna. Diese führte eine kleine Landwirtschaft am gegenüberliegenden Ufer in Steinbach am Attersee. Damit Theresia übersetzen konnte, musste sie den Fährmann am anderen Ufer verständigen. Dies geschah, indem sie ein Leintuch am Balkon des Hofes am Buchberg spannte.

Verständnisvoller als die Brüder der Mutter war da Johanna, die als Tante Johanna Raudaschl am 27. August zur Taufe trug und die ihr als Taufpatin auch den Namen „Johanna“ gab. Gerufen wurde sie aber „Hannerl“. Schon wenige Tage nach der Geburt, es war weniger als eine Woche, musste aber Theresia wieder heim auf die andere Seite des Sees. Es war Erntezeit und um 1900 wurde jede Hand dabei gebraucht. Nicht Maschinen erledigten die Arbeit, sondern mit Sichel und Sense wurde gemäht. Zwar war das „Holzberggut“ nicht reich an Wäldern, wie man aufgrund des Namens hätte vermuten können, aber immerhin gehörten 10 bis 15 Hektar Wald zum Besitz. Auch dort gab es immer etwas zu tun.

War die kleine Johanna anfangs noch mit ihrer Mutter am Feld, so blieb sie später dann bei ihrer Großmutter am Hof. Im trockenen, aber durchaus fruchtbaren Sommer 1911 hatte am 24. August ein verheerender Sturm am Attersee großen Schaden angerichtet. Davon blieb das Holzberggut glücklicherweise weitgehend verschont. Dies (als gutes Omen gedeutet) nahmen Hannerls Großeltern zum Anlass, den Hof an ihren Erstgeborenen Franz zu übergeben. Sie zogen mit Hannerl ins Austragsstüberl. Seit Mai dieses Jahres besuchte Hannerl die katholische Volksschule in Unterach am Attersee. Fünf Kilometer lang war ihr täglicher Schulweg. Im Winter, es gab ja noch keine Hosen für Mädchen, war es oft bitterkalt. Oft kam Hannerl durchfroren in der Schule an, durfte sich aber, weil sie eine fleißige Schülerin war, neben den wärmenden Kachelofen setzen. Waren die rauen Schafwollstrümpfe einmal aufgetaut, begannen sie nicht nur zu trocknen, sondern juckten auch unbeschreiblich.

Schon bald wurden Hannerl Aufträge mit auf den Schulweg gegeben, denn man wusste von ihrer Zuverlässigkeit. Der Kriegsbeginn 1914 brachte Veränderungen, aber am Holzberggut merkte man nicht viel davon. 1918 schloss Hannerl bei Frau Oberlehrer Hölzl die Volksschule ab. Johannas Mutter gebar noch im Alter von 41 Jahren 1919 ein weiteres lediges Kind. Hannerls geliebte Großmutter verstarb am 2. März 1920. Dazu vermerkte Hannerl in ihrem Tagebuch: „Da ging für mich die Sonne unter“.

Über Verwandte erhielt Johanna 1918 eine Lehrstelle als Köchin im Gasthof Wiesinger in Nußdorf am Attersee, zu dem auch eine Fleischhauerei gehörte. Dort kehrte sehr gerne der Gastwirt und Fleischhauer Matthias Engljähringer aus Strobl am Abersee ein. Da Johanna bereits recht passabel kochen konnte, fragte er sie einmal, ob sie nicht bei ihm kochen möchte. Johanna, durch nichts mehr an den Attersee gebunden, nahm an und fuhr nach Strobl. Die Fahrt von Nußdorf nach Strobl mit einem Fuhrwerk dauerte einen halben Tag.

In Strobl blieb Johanna Raudaschl bis Herbst 1928. Am 1. November des Jahres trat sie eine neue Stelle als Köchin und Wirtschafterin im Sägewerk Hollweger in St. Lorenz am Mondsee an. Dort musste sie für 20 bis 30 Personen kochen, manchmal auch für Jagdgesellschaften. So weilte im Herbst 1930 Baron von Trapp im Salzkammergut, und als Gast Hollwegers lernte er Johanna und ihre Kochkünste kennen. Auf der Stelle wollte er sie mitnehmen nach Salzburg, wo er in Aigen die Trapp-Villa besaß. Die 25jährige Johanna willigte ein, bat aber um einige Zeit Geduld, bis ihr Arbeitgeber Ersatz für sie gefunden hatte.

Köchin in der Trapp-Villa

Rund zwei Monate und einige Tage nach dem Treffen mit Baron von Trapp begann Johanna Raudaschl am 6. Juni 1931 ihren Dienst im Hause des Barons. Einen neuen Hut um 16 Schilling und ein neues Kleid um 29 Schilling kaufte sie sich für den Dienstbeginn. Im Haus des Barons waren bereits neun Kinder und weitere Bedienstete neben den Herrschaften, die Johanna verpflegen musste. Die Baronin schätzte schon bald Johannas Anwesenheit. Einerseits lag der Baronin das Führen des Haushalts nicht so sehr (sie liebte es umso mehr, sich voll und ganz ihrer Familie zu widmen), andererseits mögen Parallelen in der Kindheit beider für ein gegenseitiges Verstehen und Annehmen die Gründe gewesen sein. Baronin von Trapp verlor früh ihre Eltern und wuchs in einem Pensionat auf, bevor sie zu den Benediktinerinnen im Benediktinenstift Nonnberg in Salzburg kam.

Aber schon Ende 1931 bat Johanna Raudaschl um Abschied von der von ihr sehr geschätzten Familie von Trapp. Man nimmt an, dass sie damals schon ihren späteren Mann, Johann Georg Hemetsberger, kennengelernt hatte und eine Familie gründen wollte. Am 2. Jänner 1932 beendete Johanna ihren Dienst beim Baron und kehrte an den Attersee zurück. Am 15. Mai 1933 heirateten die beiden, und Johanna wurde Erbhofbäuerin am Niedermayrhof.

Zum Hof gehörte auch ein Sägewerk, die Niedermayrsäge, die ab 1933 Georg Hemetsberger mit seiner Frau Johanna führte (heute leitet Sohn Manfred Hemetsberger mit seiner Frau Anna die Niedermayrsäge)[1].

Kochbuch

Irmgard Wöhrl, ihre Enkelin, brachte 2010 Das Trapp-Kochbuch im Verlag Anton Pustet mit Rezepten und der Lebensgeschichte ihrer Großmutter heraus. Auf mehr als 40 der rund 120 Seiten wird das einfache und doch interessante Leben von Johanna Raudaschl geschildert. 28 ganzseitige anregende Bilder von Landschaften und Gerichten, acht Rezepte für Vorspeisen, Suppen und Beilagen, neun für Hauptgerichte und 20 für süße Nachspeisen bilden den Rest des Buches.

Quellen und Einzelnachweise