Geschichte St. Wolfgang im Salzkammergut

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St. Wolfgang um 1880 mit Hotel Peter
St. Wolfgang 1905

Dieser Artikel behandelt die Geschichte der Salzkammergutgemeinde St. Wolfgang.

Allgemeines

St. Wolfgang nimmt in der Kulturgeschichte der Länder Oberösterreich und Salzburg einen hervorragenden Platz ein. Der oberösterreichische Anteil des Aber- oder Wolfgangsees ist ja verschwindend gering gegenüber den Salzburger Besitzungen. Die Marktgemeinde liegt am Fuße des berühmten Schafberges (seit 1893 Zahnradbahn auf den 1 783 m ü. A. hohen Gipfel) am Nordufer des 13,5 km² großen Aber- oder Wolfgangsees in 539 m Seehöhe als Luftkurort.

Geschichte

Gründung und frühe Wallfahrten

Der Markt verdankt seinen Namen dem hl. Wolfgang, der vor mehr als 1 000 Jahren (um 976) als Bischof von Regensburg in seinem Eigenkloster Mondsee (748 n. Chr. von Odilo dem Baiernherzog, aus dem Geschlecht der Agilolfinger gegründet) Zuflucht suchte. In vielen Legenden, "Beilwurf" und "Quellwunder" am Falkenstein, sind der eigenhändige Bau des ersten Kirchleins am Abersee und die damit verbundenen Wunderheilungen erwähnt. Nach der Heiligsprechung Wolfgangs 1052 trugen die zahlreichen Wundertaten und Heilungen wesentlich zur Verbreitung und Bedeutung der Volksfrömmigkeit und des Wolfgangkultes bei. Das Kloster Mondsee als Eigentümer dieser Region stellte sich in den Dienst der Bekanntmachung und Verbreitung dieses Ritus in und um St. Wolfgang. Ein erster romanischer Kirchenbau ist 1183 von Papst Lucius III. bestätigt. 1291 tauchen urkundliche Berichte von Wallfahrten zum "Kirchlein im Wolfgangland" auf. 1314 bis 1318 Errichtung eines großen Pilgerhauses das im 15. Jahrhundert prächtig ausgebaut wurde, da viele Gläubige aus verschiedenen Ländern darin nicht mehr Platz fanden.

Durch die berühmte Festlegung der "Seidenfadengrenze" unter Abt Maurus II. 1689 ist eine endgültige Bereinigung der vielfältigen Streitigkeiten um Schifffahrt und Landesgrenze zwischen dem Benediktinerstift St. Peter in Salzburg und dem Kloster Mondsee mit den anliegenden Gemeinden herbeigeführt worden. Die "Seidenfadengrenze" wurde schon 1462 von der Mitte der Dittelbachmündung zum Ausfluss der Ischler Ache festgelegt, doch sollte selbe durch den stark wachsenden Schotterkegel im See jährlich nachgemessen und neu justiert werden. Ein Seidenfaden wurde in der Mitte der Dittelbachmündung auf Pflöcke gespannt und zum Ausfluss der Ache gezogen, um die jeweilige Veränderung der beweglichen Grenze, der Großteil des Aber- oder Wolfgangsee gehört heute mit allen Fischerei- und Transportrechten zum Land Salzburg, der Rest zu Oberösterreich.

In dieser Blütezeit konnte sich Wissenschaft und Kunst wie auch der Wolfgangkult durch ihre Auftraggeber der berühmten Mondsee Kultur entfalten. Buchmalerei, die Wunderbericht Aufzeichnungen der "Malerbuben" in der Schreibschule des Klosters Mondsee wurden weltberühmt. Die Maler Wolfgang Huber und Albrecht Altdorfer werden zu den größten Meistern der Donauschule. Die Pilgerströme brachten Reichtum in den Ort, die Einnahmen aus dem Priorat St. Wolfgang waren in dieser Zeit 15.000 bis 18.000 Gulden jährlich für das Kloster Mondsee. In dieser Zeit wetterten die Salzburger Kleriker bei Predigten von der Kanzel: Die Salzburger würden wohl nach St. Wolfgang wallfahren, von ihren Heiligen Rupert und Virgil wüssten Sie aber nichts.

Rege Bautätigkeit

Rege Bautätigkeit unter dem Abt Simon Reuchlin, 1420 - 1463, welcher die Melker Reform einführte, viele neue Kirchen errichtete, alle Klöster und Pfarreien im Mondseeland sanierte. Benedikt Eck erteilte 1471 den Auftrag für den Michael Pacher Altar welcher nach zehnjähriger Tätigkeit 1481 errichtet wurde. Er wurde von Bruneck in Südtirol mit Oxenkarren über den Brenner und auf dem Inn per Schiff nach Braunau am Inn, von dort auf Pferdefuhrwerken bis St. Gilgen und wieder per Schiff bis nach St. Wolfgang transportiert und 1481 in der Kirche aufgestellt. Abt Wolfgang Haberl ein Vertrauter Kaiser Maximilian II., der 1515 den kunsthistorisch bedeutenden Pilgerbrunnen vor der Kirche aufstellen ließ unterstütze auch die Pläne des Kaisers für ein monumentales Grabmal am Falkenstein.

Markterhebung

Wappenbrief zur Markterhebung St. Wolfgangs
Marktschwert 1932

Am 17. März 1567 verlieh Kaiser Maximilian II. dem Ort St. Wolfgang das Marktrecht, nach einem Bittgesuch der Bürger von 1556 "aufs newe" mit Wappen − im Zentrum. Der stehende "Traunerlruderer" ist durch den heiligen Wolfgang mit Bischofsstab und Handbeil als Attributen beschützt.

Als Wahrzeichen der Gerichtshoheit des Marktes diente das Ausstecken des Marktschwertes, der Marktfahne, der Zunft- und Bürgerlade für die Handelsgeschäfte. Der Alltag ist durch die enge Verbindung von Leben und Arbeit gekennzeichnet, aber auch durch die Zugehörigkeit der Handwerker zu den Zünften. Wichtigster Warenumschlagplatz ist der Markt- und Uferplatz. Die Tage, an denen der Markt abgehalten wurde, waren genau durch die Marktregeln festgesetzt. Solange die Marktfahne und das Marktschwert ausgesteckt waren, war das Ein – und Verkaufsrecht den Bürgern vorbehalten. Der Eintägiger reichlich beschickte Wochenmarkt am Donnerstag diente der Lebensmittelversorgung der Bürger und Wallfahrer. Ein 14-tägiger Jahrmarkt um Kathrein und der Kirchtag am Wolfgangitag, den 31. Oktober, fanden jährlich statt. Zusätzliche Märkte wurden auch während der Hauptwahlfahrtzeiten abgehalten, sie erbrachten einen erheblichen Gewinn für die 32 Gewerbe ausübenden Bürger des Marktes.

Sicherlich hängt dieser Zeitpunkt der Markterhebung St. Wolfgangs mit dem Höhepunkt der Wallfahrt und deren Niedergang zusammen. Die Wallfahrer, die oft von weit entfernten Orten angereist kommen, müssen verköstigt werden und brauchen zum Teil ein Nachtquartier. Im Jahre 1650 hat der Ort laut Urkunde folgende Gewerbetreibende: Bäcker, Bader, Barchentweber, Bierbrauer, Drechsler, Eisenkramer, Färber, Fassbinder, Fischer, Fleischhauer, Fuhrleute, Gastwirte, Geigenmacher, Hafner, Handelsleute, Haubenschneider, Kohlenbrenner, Kramer, Kürschner, Lebzelter, Wachszieher, Lederer, Leinenweber, Maurer, Müller, Ölstampfer, (vorwiegend in Ölmühlen beschäftigte) Pechler und Seifensieder, Schiffwerker, Schlingen und Fransenmacher, Schlosser und Schmiede, Sensen und Hackenschmiede in Weinbach. Schneider und Schuhmacher, Teppichweber, Tischler, Tuchmacher, Wollspinner und noch andere.

Um 1750 gibt es schon vier Bäcker, drei Bierbrauer, zwei Schnapsbrenner und Brantweibrenner sowie zwölf Gastwirte im Ort. Die Anzahl der Pilger bei Messbesuchen, welche durch Einwurf einer Erbse gezählt wurden betrug des Öfteren mehr als 6 000. Personen. Daher gab es auch eine ganz besonders verehrte "Heiliger Wolfgang Tragefigur" von 1429 welche bei diesen Prozessionen und Messen im Freien Verwendung fand.

Das Gotteshaus gewann durch die Jahrhunderte vor allem durch die großartige Einrichtung durch Künstler und ihre spendenfreudigen Auftraggeber an Bedeutung. Der mächtige, 1481 fertig gestellte Flügelaltar Michael Pachers, der prachtvolle Barockaltar von Thomas Schwanthaler 1676 mit den Reliquien und der Tragefigur des hl. Wolfgang von 1429, sowie die drei Altäre u. die Kanzel des großen Barockbildhauer Meinrad Guggenbichler 1706 machen die Pilgerkirche zu einem außergewöhnlichen Kunstjuwel welches für die Nachwelt bewahrt wurde. Der Höhepunkt der Wallfahrt war im 15. und 16. Jahrhundert, was sich auch im Kunstschaffen ausdrückte. St. Wolfgang war neben Rom, Aachen und Einsiedeln eine der bedeutendsten Pilgerstätten. Im Zuge der Gegenreformation war noch einmal eine Neubelebung der Wallfahrt. Doch die Bedeutung des Wallfahrtsortes wurde durch Kaiser Josef II. stark eingeschränkt. 1791 kam es zur Auflösung des Klosters Mondsee.

Neuerlicher Aufschwung

Wolfgangseeschiff Kaiser Franz Josef vor dem Hotel Weißes Rößl.jpg
Regional Flugverkehr St. Wolfgang Wien Berlin Salzburg

Neues Aufleben und ein großer Aufschwung für St. Wolfgang brachte die nahe gelegene sommerliche Kaiserresidenz in Bad Ischl (1829 - 1916). Dadurch rückte die Idylle des Salzkammergutes in das Zentrum Europas. Große Anziehung übte der Wolfgangsee mit Schifffahrt und Schafbergbahn für die Gäste aus nah und fern aus. 1873 stach der Schaufelraddampfer Kaiser Franz Josef I. in See, 1893 begann der Bau der Schafbergbahn. Heute führt die Salzburg AG die Schafberg Bahn und die Wolfgangsee Schifffahrt als großen wirtschaftlich bedeutenden touristischen Leitbetriebe im Salzkammergut in die Zukunft.

Berühmte Komponisten, Literaten, Malerpersönlichkeiten des 18. und 19. Jahrhunderts trugen den Charme St. Wolfgangs in die Welt hinaus und hinterließen ihre Spuren. Am 8. November 1930 hatte das Lustspiel "Im weißen Rössl am Wolfgangsee" Premiere in Berlin. Dieses für St. Wolfgang zum Welterfolg und Glücksfall führende Volksrevuestück zog die Filmgrößen aus aller Welt nach St. Wolfgang. Um 1930 Flugverkehr zwischen Berlin, St. Wolfgang, Salzburg und Wien mit der Landung vor dem Grand Hotel in einem Wasserflugzeug.

Das Wolfgangland war auch wirtschaftlich seit frühester Zeit ein Bauernland mit einem sich durch die Wallfahrt um die Kirche entwickelnden handwerklichen Ortskern, der durch die touristische Entfaltung und Erschließung einen fortschrittlichen Aufschwung nahm. St. Wolfgang wurde mit seinem Umland zu einer herausragenden Fremdenverkehrslandschaft und gewann auch hier Österreich weit durch großzügige Hotelneubauten immer mehr an kultureller Bedeutung. Dieser ehemalige kulturgeschichtlich einflussreiche Wallfahrtsort in herrlichster Lage der Naturschönheiten, umgeben von der reizvollen seen- und waldreichen Salzkammergutlandschaft, zählt heute zu den bedeutendsten international bekannten Fremdenverkehrsgemeinden in Österreich.

Die großen Leistungen der einheimischen Bevölkerung der letzten Jahre, Verkehrsberuhigung durch den Tunnel, der Bau des Parkhaus neben dem großartigem attraktiven Kongreßzentrum "Michael Pacher Haus", wie die gute Entwicklung des Fremdenverkehrs und Adventmarktes von St. Wolfgang, haben dazu beigetragen, dass das Erbe der historischen Vergangenheit auch heute noch allen jenen zum Erlebnis wird, die darum wissen, dass man mit Herz und Verstand reisen sollte.

Literatur

  • Friedrich Barth: Ein Heimatbuch St. Wolfgang
  • Dr. Ignaz Zibermayr St. Wolfgang am Abersee 1961
  • Dr. Ignaz Zibermayr St. Wolfgang Legende 1924
  • Der heilige Wolfgang Geschichte und Kunst LA 1976 Schloss St. Wolfgang
  • 1976 forum ooe geschichte
  • Österreichische Heimatblätter 1959
  • Hertha Awecker "Wildeneck" Wien, Österreichische Nationalbibliothek
  • Das Mondseeland Geschichte und Kultur 1982

Verfasser