Stadtbrand Salzburg 1818

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Der Stadtbrand Salzburg 1818 vom 30. April bis 4. Mai 1818 kostete 74 Menschen das Leben und vernichtete viele Gebäude in der rechtsseitigen Altstadt.

Der Brand

Der 30. April 1818 war ein strahlend schöner Tag. Kein Wölkchen trübte den Himmel, es war ungewöhnlich warm für die Jahreszeit. Aus Südosten blies kräftiger Wind. Es war Christi Himmelfahrt, und Salzburg präsentierte sich im Feiertagsgewand. Hoher Besuch weilte in der Stadt, Feldmarschall Prinz von Würtemberg. Ihm zu Ehren waren die Truppen der Garnison auf dem Residenzplatz und dem Mirabellplatz angetreten. Jeden Moment konnte die königliche Hoheit eintreffen, um den feierlichen Salut zu empfangen. Da zerriss ein Knonenschuss von der Festung Hohensalzburg die erwartungsvolle Stimmung. Die Schaulustigen hielten ihn für den ersten Salut. Doch die Kanone kündigt nicht den Prinzen an, sondern die sich anbahnende Katastrophe.

Von der Festung aus hat man nämlich als Erstes bemerkt, dass über der rechten Altstadt Rauchsäulen aufsteigen. Später stellte sich heraus, dass das Feuer im rechten, an die Dreifaltigkeitsgasse anschließenden südlichen Trakt des Priesterhauses ausgebrochen, und zwar im zweiten Stock des rückwärtigen Teiles. Es ist der Gebäudeteil, in dem heute die Rupertus Buchhandlung ihren Sitz hat. Damals, im Jahr 1818, befand sich dort die sogenannte "Virgilianum-Kaserne", ein als Soldatenunterkunft genutzter Teil des Gebäudekompexes der Kirche. Zwei Soldatenfrauen waren zeitgemäßen Angaben zufolge in Streit geraten, dabei war ein kleines Herdfeuer unbeobachtet geblieben und hatte sich so rasch ausgebreitet, dass eine Eindämmung nicht mehr möglich war.[1] Allerdings wurde diese als Gerücht verbreitete Ursache nie durch amtliche Untersuchungen belegt.[2] Es war die Unterkunft ausgerechnet jener Dragoner, die auf dem Residenzplatz für den Herzog strammstanden.

Doch die Soldaten warfen jetzt die Waffen weg und stürzten nach Hause. Als sie ankamen, stand das Gebäude in Flammen, die von dem stürmischen Wind immer neu angefacht wurden und rasch auf andere Gebäude übersprangen. Der Salzburger Kaufmann Anton Corbinian Rauchenbichler hielt die dramatischen Ereignisse in seinem Tagebuch fest: "Der Brand wütete durch vier Tage und Nächte fort", schreibt er. Am Ende lag fast die gesamte rechte Stadthälfte in Schutt und Asche.

Die Feuerwehrspritze wurde aus dem Erzstift St. Peter mitgenommen, doch als die Mannschaften am Feuerherd angelangt waren, stand die Kaserne bereits in Vollbrand. Die Flammen hatten bereits den Graf-Lodron´scher Sekundogeniturpalast jenseits des Lodronbogens erfasst. Auch die Gebäude entlang der Bergstraße standen in Flammen, die St.-Sebastians-Kirche mit den Fresken von Paul Troger wurden Raub der Flammen, die alte Andräkirche wurde stark in Mitleidenschaft gezogen und der Sternwarteturm im Schloss Mirabell, in dem sich zum Zeitpunkt des Feuerausbruchs der Mathematiker, Geodät, Erfinder und Professor Simon von Stampfer aufhielt, brannte nieder (und wurde nicht mehr errichtet).

Von Stampfer berichtete, dass er in der Hektik wohl einige wichtige Gerätschaften zusammen mit seinem Diener Max retten konnte, jedoch wurde auf das Aufzeichnungsheft aller bisherigen Forschungen und Erkenntnisse vergessen. Sein Diener kehrte in den bereits brennenden Turm zurück, um diese wertvollen Dokumente zu retten, und wurde dabei vom Rauch ohnmächtig. Unterdessen hatte von Stampfer drei Männer - gegen versprochener Bezahlung - in den Turm mit nassen Decken geschickt, die Max liegend am Boden fanden und ins Freie trugen. Von Stampfer ließ Max in seine Wohnung bringen. Nach der Genesung des Dieners Max war dieser jedoch nicht mehr der Diener seines Herrn, sondern wurde von diesem wie ein Freund betrachtet.

298 Familien mit insgesamt 1 154 Personen verloren bei diesem Stadtbrand ihr gesamten Hab und Gut. 74 Menschen starben.

Durch das Feuer wurden 74 Wohnhäuser, 4 Kirchen und 15 Magazin-Gebäude und Stadel vernichtet. Die gerichtliche Aufnahme des Brandschadens ergab in Gulden für Gebäude 652 763, Fahrnisse 384 131, zusammen 1.036 894, wovon nur 107 150 Gulden - etwa 10 Prozent - durch Feuerversicherungen gedeckt waren.[3] Für das staatliche Aerar, auf dessen Besitz der Stadtbrand seinen Anfang genommen hatte, ergab diese Bilanz einen ungeheuer großen Imageschaden.

Die Opfer wurden von der Obrigkeit mit einem Bettelverbot belegt. Die Feuersbrunst suchte eine Stadt heim, die nach den napoleonischen Kriegen ohnedies in Armut und Bedeutungslosigkeit gesunken ist. "Familien, die sich wohlhabend nennen durften, hatte das Feuer den Erwerb eines ganzen Lebens vernichtet", berichtete der in Salzburg lebende Schriftsteller Aloys Weißenbach in einem Brief an einen Freund in Wien wenige Wochen nach der Katastrophe.

Besonders dramatisch ist das Schicksal des Buchhändlers Kaspar Zaunrith. Er war der Besitzer der Mayrischen Buchhandlung mit Sitz in der Bergstraße 12. Dort betrieb er eine Leihbibliothek und Buchhandlung. Das Haus brannte lichterloh. Der Buchhändler konnte sich zunächst retten. Als er aber bemerkte, dass sein Sohn noch im Gebäude war, stürzte er zurück. Beide kamen in den Flammen um.

Die Trauer um Zaunrith war groß. Er war ein geachteter Bürger. Jahre zuvor war das noch ganz anders, wie Thomas Weidenholzer, Historiker am Stadtarchiv Salzburg, den SN erklärt. Um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert, in den turbulenten Jahren nach der Französischen Revolution, stand Zaunrith unter dem Verdacht, im Geheimen Jakobiner zu sein und aufrührerische Schriften zu verbreiten. So beobachtete der Abt von St. Peter, Dominikus Hagenauer, die Aktivitäten Zaunriths mit Argusaugen. Der Kirchenmann hatte sogar gegen dessen Leihbibliothek¬Konzession interveniert - allerdings ohne Erfolg.

Zurück zum 30. April 1818: Die Bergstraße stand komplett in Flammen, auch die gesamte Dreifaltigkeitsgasse und das Schloss Mirabell, in dem die Marmorstiege und der Marmorsaal einstürzen. Der Turm an der Frontseite zum Mirabellplatz, der als Sternwarte diente, wird nie wieder errichtet werden. Bis in die Vorstadt nach Froschheim reichte das Flammenmeer.

Die Linzer Gasse brannte nur zur Hälfte. Der starke Föhn, der vom Kapuzinerberg herunterfällt, trug die Funken in die Dachstühle der linken Gassenseite. Im Sebastiansfriedhof ließ die Hitze die Grabplatten aufspringen. Die bergseitige Häuserzeile der Linzer Gasse und die Steingasse blieben hingegen wie durch ein Wunder verschont. Auch das Leihhaus, das damals noch wie ein Riegel vor der Dreifaltigkeitsgasse stand, konnte gerettet werden - durch Wannen voll Wasser auf dem Dachboden und ständiges Wassertragen.

"Erst nach 30 Jahren waren die Spuren des Brandes beseitigt", sagt der Stadthistoriker Weidenholzer. Entschädigungen und Hilfen für die Brandopfer hatten jedoch sofort nach der Katastrophe begonnen. Die Salzburger Kaufmannschaft organisierte über ihre internationalen Beziehungen und Handelspartner eine große Spendenaktion. Selbst aus St. Petersburg und London traf Geld ein. Davon zeugen heute noch Dankestafeln an die Kaufmannschaft, die man nach dem Wiederaufbau angebracht hat. Wer im Haus Linzer Gasse 25 (Galerie Weihergut nach dem Eingang nach rechts oben) blickt, kann eine solche Plakette sehen.

Nachbarschaftshilfe

Im Buch Die Flammen lodern wütend ist das kurze Kapitel über die Nachbarschaftshilfe über Grenzen hinweg sehr bemerkenswert.

Bewohner aus den bayerischen Städten und Gemeinden Berchtesgaden, Laufen, Teisendorf und Traunstein eilten den Salzburgern beim Salzburger Stadtbrand zu Hilfe. Zur Bekämpfung des Reichenhaller Stadtbrandes von 1834 rückten dann Helfer aus Salzburg, Siezenheim, Wals und Viehhausen mit Feuerspritzen an. Alois Lergetporer, Bürgermeister von Salzburg, ließ auf Kosten der Salzburger Bürgerschaft Lebensmittel nach Reichenhall liefern. Salzburger Arbeiter halfen bei der Beseitigung der enormen Schuttmengen, während mehrere Hilfslieferungen mit Möbeln, Betten, Hausrat, Brettern und Werkzeug aus Salzburg eintrafen. Außerdem brachte eine Spendensammlung in der Stadt Salzburg innerhalb von zwölf Tagen die beachtliche Summe von 2.000 Gulden für die Brandopfer zusammen.

Lergetporer und weitere führende beteiligte Persönlichkeiten erhielten später von König Ludwig I. dafür einen Orden.

Literatur

Weblink

Quellen

  • Andreas Hirsch Bad Reichenhall. Textteil "Nachbarschaftshilfe über Grenzen hinweg"

Fußnoten