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Sauterbogen

Sauterbogen
Wappen von Paris Lodron
Sauterbogen; Ansicht: Nord nach Süd
Sauterbogen; Ansicht: Süd nach Nord

Der Sauterbogen ist ein unter Denkmalschutz stehender historischer Torbogen in der rechtsseitigen Altstadt von Salzburg.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Er befindet sich unter dem Goldschlagerhaus Dreifaltigkeitsgasse 6, Ecke Königsgässchen 6.

Geschichte

Der Bogen wurde 1645 unter Fürsterzbischof Paris Lodron gebaut, damit er die Wohnhäuser seiner Familienmitglieder, den Primogeniturpalast an Ende der Dreifaltigkeitsgasse und den Sekundogeniturpalast am Beginn der "Lorettogasse" (Paris-Lodron-Straße) ohne Umweg über die Bergstraße auf direktem Weg erreichen konnte. Zur Errichtung des Bogen mussten zwei Bürgerhäuser, die an der damals dort befindlichen Stadtmauer lagen, abgebrochen werden. Die Besitzer erhielten dafür eine Entschädigung. Die Vorarbeiten für den Durchgang wurden offensichtlich schon etwas früher begonnen. Jedenfalls ist schon 1644 auf der Stadtansicht von Matthäus Merian[1] ein Durchgang an dieser Stelle ersichtlich.

Im Kreuzgratgewölbe unverändert bis heute zu sehen ist das Wappen von Paris Lodron mit der Jahreszahl der Errichtung.

Verkehrsregelung 1869 und 1898

1869 erließ der Gemeinderat der Stadt Salzburg erstmals eine verbindliche Fahrordnung für leichte und schwere Fuhrwerke, sowie Kutschen- und Pferdewagen. Gemäß dieser Verordnung durften diese den "Andräbogen" nur mehr ausnahmsweise, zu bestimmten Gelegenheiten und nur schrittweise passieren. Tatsächlich war der alte Andräbogen (und ist es bis heute) verkehrstechnisch eine Engstelle.[2] Die noch größere Engstelle war das Nadelöhr an der Ecke der "Andreaskirche". Die Durchfahrtsbreite betrug dort nur 3,7 Meter, woran sich seither wenig geändert hat.[3] 1876 wurde die Fahrordnung für den "Andräbogen" neuerlich kundgemacht.[4]1898 wurde mit Wirkung ab 20. Mai die Verkehrsregelung verschärft und ein Verbot für das Befahren der Dreifaltigkeitsgasse durch Hotel-Omnibusse und Lastwägen in Richtung des Platzl (und umgekehrt) erlassen.[5] In der Gemeinderatssitzung vom 1. August 1898 wurde der Beschluss über die verschärfte Verkehrsregelung - sowie auch über den Verkehr in der Linzer Gasse - zur Gänze aufgehoben.[6]

1897 wurde zur Erneuerung des Pflasters beim "Sauterbogen" ein Gemeinderatsbeschluss herbeigeführt.[7]

Den Begriff "Sauterbogen" wurde vom Salzburger Gemeinderat in seiner Sitzung am 1. August verwendet und in zumindest einer Zeitung so zitiert. Die Bezeichnung der Örtlichkeit basierte damals möglicherweise auf den Eigentumsverhältnissen der Gebäude (vergleiche → "Mitterbacherbogen", →"Oppacherbogen", →"Zellereck", usw.). Die Ehrung einer bestimmten Person war damit möglicherweise nicht beabsichtigt. Die Bezeichnung der Örtlichkeit basierte damals auf den Eigentumsverhältnissen der Gebäude (vergleiche → "Mitterbacherbogen", →"Oppacherbogen", →"Zellereck", usw.). Die Verkehrsregelung für die Linzer Gasse und für die Dreifaltigkeitsgasse vom Zellereck bis zum Sauterbogen wurde mit Wirkung vom 1. September 1898 durch Verordnung erlassen.[8] [9] [10]. Die Ehrung einer bestimmten Person war damit nicht beabsichtigt.

Daraus ergibt sich für Mag. Thomas Schmiedbauer, dass Robert Sauter, der 1893/1894 als Hauseigentümer genannt wurde[11] [12], als Namensgeber angenommen werden kann.

20. Jahrhundert

1907 wird unter anderem über eine Verbreiterung der Dreifaltigkeitsgasse auf 16 Meter diskutiert und sollte das Verkaufsgewölbe des Hausbesitzers Robert Sauter demoliert werden.[13]

1926 übergab Robert Sauter nach dem 50-jährigen Berufsjubiläum sein Geschäft und das Haus seinen Enkelsohn Wilhelm Hofer, den Jüngeren.[14]

1937 hatte der "Sauterbogen" nochmals eine zweckmäßige Änderung erfahren. Das dort damals befindliche "Selchwarengeschäft" von Wilhelm Hofer wurde nach den Plänen von Architekt Karl Jahl und durch die Umbauten von Baumeister Ing. Bruck einer gründlichen Erneuerung unterzogen. Dadurch wurde einerseits das charakteristische Bild gewahrt und andererseits erfuhr die gefährliche Passage eine teilweise Verbreiterung. Durch Rückversetzung der Auslage wurde der Bogen geringfügig breiter.[15]

Das Selchwarengeschäft[16] bestand noch viele Jahrzehnte bis Anfang 1970 weiter, es wurde jedoch unter mehrfach wechselnden Inhabern und Namen (u. a. Fleischerei Hofer, Fleischerei Gann) geführt. Dadurch geriet Robert Sauter in Vergessenheit.

Über die mögliche Herkunft des Namens

Die Gasse im Norden des Torbogens wurde Dreifaltigkeitsgasse genannt, nach der dort stehenden Dreifaltigkeitskirche. Die Gasse im Süden des Torbogens hieß damals Andreasgasse, abgeleitet von der alten Kirche des heiligen Andreas. Nach dieser Kirche nannte man bis um 1885 den Bogen "Andreasbogen" oder "Andräbogen", genauer Innerer Andräbogen. Die alte Andreaskirche wurde 1861 abgerissen.[17] Daher verlor die Bezeichnung "Andräbogen" zunehmend ihren Bezug.

Ab 1891 findet sich "Sauterbogen" als neue Bezeichnung.[18] Diese neue Bezeichnung war für die damaligen Stadtbewohner offenkundig verständlich und nicht weiter erklärungsbedürftig.

Der Begriff, seine Bedeutung und Herkunft wurde beinahe über ein Jahrhundert lang nicht beleuchtet.

1985 wurde in dem Buch "Salzburger Stadttore" auch das "St.-Andreas-Tor" mit dem "Sauterbogen" beschrieben und eine Namensgebung nach dem bekannten Salzburger Arzt Dr. Anton Eleutherius Sauter (* 1800; † 1881) festgestellt, der 1860 ein Mitbegründer und von 1864 bis 1874 Vorstand der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde war und als Botaniker eine herausragende Bedeutung erlangt hatte.

1995 verbreitete Peter Blaikner in seinem Buch Ferdinand Sauter Gedichte[19] die Annahme, es sei Anton Sauter, der Vater der beiden Brüder Anton und Ferdinand, als Namensgeber auszuweisen. Entgegenzuhalten ist dieser Annahme, dass Hermann Loimer, der bereits 1944 Ferdinand Sauter in der Publikation "Ferdinand Sauter - Ein Wiener Original aus Salzburg"[20] als Namensgeber ausgeschlossen hatte.

2006 brachten die Nachfolger des Salzburger Landeshistorikers Franz Martin das Standardwerk "Salzburger Straßennamen" in einer überarbeiteten 5. Ausgabe heraus. Dort verzeichnet ist die Dreifaltigkeitsgasse mit dem Verweis, dass der "Sauterbogen" nach dem Salzburger Botaniker Dr. Anton Eleutherius Sauter benannt wurde.[21] Die frühere 2. Auflage von 1949, erwähnt den "Sauterbogen" nur, jedoch ohne namentliche Zuordnung.

Wie entstand die Bezeichnung "Sauterbogen"?

Diese Frage stellte sich trotz der eindeutigen Aussagen im Buch über die "Salzburger Stadttore" im Jahr 2019 Mag. Thomas Schmiedbauer. Bei seiner Recherche fand er Robert Sauter, einen Fleischer- und Selcher, der sich ab 1875 mit seinem Geschäft in im damaligen Andräbogen angesiedelt hatte. Auf Grund dieser Entdeckung und weiterer Fundstellen äußerte Mag. Schmiedbauer im Salzburgwiki die Vermutung, dass der oben angeführte bisherige Namenszusammenhang nicht richtig sein könnte. Er verwies auf den Lebenslauf von Anton Sauter, der seinen Wohnsitz in der Sigmund-Haffner-Gasse hatte, somit einen möglicherweise fehlenden persönlichen Bezug und dass formell für eine ehrende Namensgebung kein Gemeinderatsbeschluss im Jahr 18881 vorliegt.

Die Bezeichnung "Sauterbogen" findet sich in den digitalisierten Zeitungen und Zeitschriften der Österreichischen Nationalbibliothek (ANNO) erstmals in dem Artikel ""Offen lassen" - ein Beitrag zur Portikusfrage" in der Salzburger Chronik 12. Dezember 1891[22]. Dabei ging es – nach Demolierung des Mitterbacherbogens – um die Frage der Neugestaltung der Dreifaltigkeitsgasse, die dringend notwendige Straßenerweiterung, sowie neuerlich um die Verkehrsregelung zwischen dem Salzburger Hauptbahnhof und der Altstadt auf der linken Salzachseite. Bedeutende Fragen, die damals im Salzburger Gemeinderat seit langer Zeit, intensiv und kontrovers diskutiert wurden. Dass die Verkehrsregelung einen Hinweis über den Ursprung der Bezeichnung "Sauterbogen" liefern kann, ist sehr umstritten.

Grundbuch-Eintrag auf "Robert Sauter

Im historischen Grundbuch Salzburg-Innere Stadt, EZ 570, wurde im B-Blatt (Eigentümer) unter Postzahl 1 wie folgt vermerkt: Protokoll-Nr: „5751“ und die Eintragung "Auf Grund des Kaufvertrages vom 21. Oktober 1876 wird das Eigentumsrecht auf das Haus Nr. 529 für Robert Sauter einverleibt". [23] Als nächster Eigentümer scheint ab 1926 Wilhelm Hofer, der Jüngere auf. Nach dessen Tod 1948 Therese Hofer, Witwe. Robert Sauter war 50 Jahre Eigentümer dieses Hauses. Das könnte darauf hindeuten, dass Sauter als Namensgeber des Bogens im Volksmund wurde. Urkundliche Eintragungen dazu fehlen nach wie vor.

Weitere Abklärung der Namensherkunft

In der Folge hatte Dr. Reinhard Medicus auch Nachforschungen bei der Stadtgemeinde Salzburg im Amt für Vermessung und Geoinformation[24], das für die Durchführung der Straßenbezeichnungen zuständig ist, sowie im Stadtarchiv unternommen. Diese ergaben bis dato, dass keine Urkunde bekannt ist, die belegen könnte, dass der Gemeinderat der Stadt 1881 den Sauterbogen so benannt hätte. Derzeit bestätigt nur das Bundesdenkmalamt, eine Behörde, nach eigenen Unterlagen die Aussage, das Haus wäre nach Dr. Anton Sauter benannt.

Versionen möglicher Namensherkunft

Zusammenfassend aufgrund bisheriger Indizien ergeben sich folgende Möglichkeiten, wie der "Sauterbogen" zu seinem Namen gekommen sein könnte:

  • Er wurde doch nach dem Botaniker Sauter benannt, jedoch bei den im Moment in ANNO einsehbaren digitalisierten Zeitungen und Zeitschriften fehlen möglicherweise jene Ausgaben, in denen etwas darüber zu lesen wäre.
  • Er wurde nicht nach dem Botaniker benannt, da im Vermessungsamt auf Anfrage vordergründig keine Urkunde(n) gefunden wurden.
  • Er wurde von den Salzburger Ende des 19. Jahrhunderts so genannt, weil in ihm ein Metzger des Namens Sauter sein Geschäft hatte.
  • Der Metzger Sauter brachte diese Bezeichnung quasi als Firmenadresse in Umlauf.

Quellen

Einzelnachweise

  1. www.ubs.sbg.ac.at/Merian aus: Topographia Bavariae/Salzburg_1644
  2. ANNO, Salzburger Zeitung, 26. März 1869, Seite 3, Fahrordnung 1869 (=Verordnung)]
  3. SAGIS/Hintergrund: "Franciszäischer Kataster" anklicken
  4. ANNO, Salzburger Volksblatt, 4. November 1876, Seite 3
  5. ANNO, Salzburger Chronik, 11. Mai 1898, Seite 2
  6. ANNO, Salzburger Chronik, 3. August 1898, Seite 2
  7. ANNO, Salzburger Chronik, 19. Mai 1897, Seite 2
  8. ANNO, Salzburger Volksblatt, 13. August 1898, Seite 4
  9. ANNO, Salzburger Volksblatt, 20. August 1898, Seite 15
  10. ANNO, Salzburger Volksblatt, 27. August 1898, Seite 4
  11. ANNO, Salzburger Volksblatt, 11. November 1893, Seite 18
  12. ANNO, Reichenhaller Badeblatt, 29. August 1894, Seite 1
  13. ANNO, Salzburger Chronik, 9. Juli 1907, Seite 3
  14. ANNO, Salzburger Volksblatt, 31. Dezember 1930, Seite 18
  15. ANNO, Salzburger Volksblatt, Ausgabe vom 11. Mai 1937, Seite 8
  16. Das Selchwarengeschäft wurde von Wilhelm Hofer dem Jüngeren bzw. nach dessen Tode von dessen Witwe Therese Hofer von 1945 bis 1957 an Georg Hofer (= Namensgleichheit, aber keine Verwandtschaft), Selcher und Fleischhauer mit Hauptgeschäft in der Judengasse) verpachtet. 1958 bis Anfang 1970 wurde das Selchwarengeschäft an Josef Gann, Metzger und Fleischer aus Lehen verpachtet
  17. ANNO, Salzburger Zeitung, 26. März 1869, Seite 3
  18. ANNO Suche "Sauterbogen"
  19. www.blaikner.at
  20. Ferdinand Sauter - Ein Wiener Original aus Salzburg
  21. Franz Martin: "Salzburger Straßennamen" , Mitt. der Gesellschaft Sbg. Landeskunde, 2006 ist auf S. 252 zum Sauterbogen zu finden: "Seit 1881 umbenannt in Sauterbogen. Dr. med Anton Eleutherius Sauter geboren ...." (es folgen lange Ausführungen zu den Verdiensten von A. Sauter.)
  22. Quelle ANNO, Salzburger Chronik, Ausgabe vom 12. Dezember 1891, Seite 33
  23. Im Salzburger Landesarchiv sind das Grundbuch für Salzburg-Innere Stadt und der Kaufvertrag vom 21. Oktober 1876 für jedermann öffentlich einzusehen; eingesehen: 26.06.2019 Mag. Thomas Schmiedbauer
  24. www.stadt-salzburg.at