Von Hier. Und Dort. Ausstellungseröffnung

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Begriffsklärung
Dieser Artikel berichtet über die Ausstellungseröffnung. Einen Artikel über die Ausstellung findet du unter Von Hier. Und Dort..
Mag. Michael Weese und Ingrid Weydemann MAS vor der Vitrine mit dem Rupertus Kreuz

Die Ausstellungseröffnung 'Von Hier. Und Dort.' fand am 19. Mai 2016 statt.

Einleitung

Landesrätin Mag.a[1] Martina Berthold, Landtagspräsidentin Dr. Brigitta Pallauf, Bürgermeister Dipl.-Ing. Adi Rieger und wissenschaftlicher Leiter im Landesmuseum Burgenland, Mag. Michael Weese, erläuterten in ihren Reden ihre Blickwinkel zum Thema dieser Schau: „Geschichte(n) von Migration und Integration im Salzburger Land.“ Museumsleiterin Ingrid Weydemann MAS, die geistige Schöpferin dieser Ausstellung "Von Hier. Und Dort.", und der Obmann des Museumsvereins Fronfeste, Dr. Ulrich Sinnißbichler, konnten sich über eine komplette Neugestaltung des Museums in der Fronfeste freuen.

Neumarkt war seit jeher Drehscheibe von Flüchtlingen

In seinen Begrüßungsworten meinte Bürgermeister Adi Rieger, er sei stolz darauf, dass die junge Stadt Neumarkt am Wallersee Teil der Landesausstellung 20.16 sei. Und er sei stolz auf den so aktiven Museumsverein unter Leitung des Obmanns Dr. Ulrich Sinnißbichler, dem es gelungen ist, diese Ausstellung nach Neumarkt zu bringen. Sie zeigt die lokale Geschichte professionell aufgearbeitet.

Mag. Weese stellte freundlicherweise seine bemerkenswerte Rede für das Salzburgwiki zur Verfügung, die nachstehend zu lesen ist. Es wird ersucht, diese nicht zu verändern, da es sich um eine wortgetreue Wiedergabe der Rede handelt.

Rede Mag. Michael Weese

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Frau Landesrat, sehr geehrter Herr Bürgermeister, liebe Freunde und Freundinnen des Museums Fronfeste, liebe Vordenker, Mitdenker und Unterstützer dieser Ausstellung, meine sehr geehrten Damen und Herren

Anlass der Ausstellung

Es ist nicht oft der Fall, dass die Eröffnung einer Ausstellung in einem Stadtmuseum eine solch hohe Beteiligung erfährt, dass sie vis a vis in ein größeres Haus ausweichen muss[2], es ist nicht oft der Fall, dass eine Ausstellung ein solch hohes Engagement, ein so reges Interesse, und auch so viele Diskussionen bereits schon im Vorfeld erweckt. Das zeigt, dass diese Ausstellung eine ganz besondere ist, besonders deswegen, weil sie sich nicht scheut, ein heute aktuelles Thema in seiner historischen Tiefe zu beleuchten, um von dort wieder in der Gegenwart anzukommen und sich ihren Fragen zu stellen. Ein Thema, dass die Stadtgemeinde Neumarkt betrifft und gleichzeitig betroffen macht.

Ich freue mich sehr, dass das Museum Fronfeste mir angeboten hat - als einem nach Köstendorf Zugereisten und mich nun in Neumarkt sehr heimisch und mit dem Museum Fronfeste sehr verbunden Fühlenden – hier die einführenden Worte zu dieser Ausstellung zu sprechen.

Warum zeigt das Museum Fronfeste aus Anlass der Salzburger Landesausstellung 20.16 eine große Sonderausstellung mit dem Titel „Von Hier. Und Dort. Geschichte(n) von Migration und Integration im Salzburger Land“?

Unterschiedliche Formen von Migration waren und sind keine Besonderheiten in diesem Land. Sie konnten im Lauf der Geschichte in Form von Ein- und Auswanderung, als Flucht und Vertreibung erfolgen, sie konnten in Form von grenzüberschreitender Migration oder als Arbeits- und Binnenmigration, z. B. als Stadt- oder Landflucht geschehen. Vergessen wir nicht: Im Jahr 1816 – also vor jenen 200 Jahren, in denen Salzburg an Österreich gefallen ist - waren hier im schönen, malerischen Salzburger Alpenvorland alte, ausgediente Menschen oft zur unfreiwilligen Wanderschaft gezwungen - sie zogen als Einleger von einem Hof zum anderen. Jüngere blieben als wandernde Dienstboten oft ihr Leben lang besitzlose Knechte und Mägde, und besonders die weiblichen Dienstboten hatten damals unter der Rechtlosigkeit ihres Standes zu leiden. Zumeist wurden ihre Kinder ausgestiftet und schon im Kindesalter als billige Arbeitskräfte von ihren Müttern weg zu Bauern in den Dienst geschickt. 200 Jahre später sind nun so viele Kinder, jüngere und ältere Menschen unterwegs wie noch nie. Und noch nie wurden diese Bewegungen so stark thematisiert und problematisiert.

Wir erleben derzeit, wie sich am Thema Migration unsere Gesellschaft polarisiert und zwei Sorten von Antworten zu geben versucht: Folgern die einen, dass der Mensch seit seiner Vertreibung aus dem Paradies – übrigens ein altiranisches Wort und Bild, das selbst weiter gewandert ist und erst sehr viel später von der Bibel übernommen wurde – ständig in Bewegung ist und dass Migration nicht der Ausnahmezustand sondern der Normalfall des Menschen ist, kommen andere zum Schluss, dass Wanderungsbewegungen durch staatliche oder bauliche Maßnahmen zu steuern oder weitestgehend zu unterbinden sind. Migration gerät heute zunehmend unter negativen Vorzeichen auf die Titelblätter auflagenstarker Tageszeitungen. Sie wird dann zuallererst als Problemfeld wahrgenommen, auf dem über Obergrenzen und über die Ausweitung der Grenzkontrollen berichtet, auf dem über ein Zuviel des Guten oder ein Zuwenig des Getanen debattiert, über Unterwanderung und Übergriffe, über Parallelgesellschaften und Grundwerte gestritten wird. Begleitet werden diese Debatten von der Bedeutungszunahme der politisierten und ethnisierten Kategorie der Heimat – gerade der Bundespräsidentenwahlkampf hat dies zuletzt mehr als deutlich gezeigt.

Bewusst stellt unsere Ausstellung im Museum Fronfeste solche zumeist negativ ausgelegten Diskurse nicht in den Mittelpunkt der Präsentation. Sie fokussiert stattdessen auf Erzählungen, die jeden Menschen beschäftigen. Mit der Ausstellung „Von Hier. Und Dort.“ verdeutlicht unser Museum, dass Stadt- und Migrationsgeschichte nur zusammen denkbar sind. Die Beteiligung von Bewohnerinnen und Bewohnern unserer Gemeinde und unserer Region mit ihren überlieferten oder ihren persönlichen Erzählungen war ein wesentlicher Ansatz dieser Ausstellung.

Damit knüpft das Museum Fronfeste an eine seiner lebendigsten Traditionen an, nämlich über Heimaten – hier bewusst im Plural gewählt – nachzudenken und dieses Nachdenken auch auszustellen: Über das Bedürfnis nach Heimaten, über das selbst gewählte oder das erzwungene Fortgehen und das Vertriebenwerden aus Heimaten, über das Ankommen und die Neuanfänge hier an diesem Ort. Es ist aber – und das scheint mir ganz wichtig zu sein - keine Ausstellung für Flüchtlinge geworden, sondern eine für alle Menschen. Sie legt damit ein klares Bekenntnis für die Vielfältigkeit von Menschen und ihren jeweiligen Kulturen ab.

Als der frühere Präsident der Europäischen Kommission, Jacques Delors, vor nun bereits 20 Jahren einmal auf die Vielfalt des neuen Europas und die damit verbundenen Veränderungen angesprochen wurde, hat er auf diese Frage geantwortet: „Die eigentliche Aufgabe, die wir haben, ist, Europa eine Seele zu geben“. Diese, seine Forderung scheint heute aktueller denn je. Und sie gehört heute vielleicht zu den wesentlichsten Aufgabe, die auch die Kultur sich vornehmen kann: Heute ist die Vielfalt das charakteristische Zeichen der salzburgischen und der europäischen Gesellschaften – auch, wenn weite Teile Europas das momentan zu vergessen scheinen.

Wir denken, dass gerade für ein Orts- und Regionalmuseum die zukünftige Herausforderung und seine kulturelle wie auch seine soziale Verantwortung darin bestehen wird, Vielfalt als eigenen Wert zu erkennen. Vielfalt als Wert zu entdecken, erfordert, dass ein Museum sich heute in Wertediskussionen einzubringen hat, dass es kritisches und differenziertes Wissen fordert und fördert und dass es Räume bereitstellt, die Vielfalt überhaupt erst ermöglichen. Im Mittelpunkt steht dabei der Wert der Begegnung. Vor allem der Wert der Begegnung mit Menschen und der Wert der Begegnung mit ihrer Geschichte und ihren Geschichten.

Idee der Ausstellung

Diesem Wert der Begegnung haben wir auch bei der Ausstellungsgestaltung versucht Rechnung zu tragen: Die gestalterischen Leitmotive dieser Ausstellung sind der Kreis und das Haus. Warum? Kreise schließen ein und sie können auch ausschließen. Dort, wo sich zwei Kreise berühren oder überschneiden, entstehen Zwischenräume des Miteinanders. Das Motiv des Hauses wiederum nehmen die Raumtexte und die Vitrinen der Ausstellung auf: In ihrer schematischen Vereinfachung symbolisieren sie so etwas wie eine Grundform des Zuhauses, sie sind aber auch als Speicher zu interpretieren – als Speicher von unterschiedlichen Erinnerungen und Gedächtnissen. Das Gestaltungsteam toikoi unterstützt damit kongenial den kuratorischen Gedanken der Begegnung mit dem Anderen und dem Eigenen in zweifacher Weise. Es hat damit wunderschöne Bedeutungsräume geschaffen, die ein schwieriges Thema sinnlich erfahrbar machen.

Das Ausstellungskonzept im Obergeschoss des Museums verdeutlicht die Normalität und lange Tradition von internationalem Austausch und von kultureller Vielfalt in unserem Land. Landesarchäologe Raimund Kastler, Felix Lang und Belinda Simon erinnern in einem der ersten Räume, dass schon mit der Expansion des Römischen Reiches sich nicht nur die Bevölkerungszusammensetzung in unserer Region ganz beträchtlich änderte, sondern auch die Kultur in diesem Raum: Durch die Verlegungen der römischen Truppen konnten sich hier rasch neue Ideen, neue Moden, mediterrane Sitten und Gebräuche, neue Techniken und neue Waren rasch verbreiten. „Brain-Gain“ (dt. wörtlich: Gehirn-Gewinn) – ein Begriff der aktuellen Migrationsdebatte, der beschreibt, dass durch Wanderungsbewegungen auch für das Einwanderungsland ein langfristiger Gewinn entstehen kann – gab es also schon vor 2 000 Jahren.

Auch die Idee des Asyls kennen wir bereits aus der Antike. Ein "Asylon" galt dort als heiliger Bereich, von dem Schutzsuchende nicht mit Gewalt entfernt werden durften. Und dieses Asylon der griechischen und römischen Heiligtümer ging später in abgewandelter Form in das kirchliche Asylrecht über. Nur wenige wissen heute um die Schutz-Symbolik, die sich noch im Eingangsbereich vieler unserer Kirchen wiederfindet. So findet sich etwa über dem Eingang der Kirche St. Leonhard in Mühlberg in Seekirchen und am Portal der Franziskanerkirche die Schwurhand als heute noch sichtbares Zeichen von Kirchenasyl.

Apropos Kirche: Unter den ehemaligen Bischöfen und Erzbischöfen, die in Salzburg die politische und kirchliche Macht innehatten und die großen Einfluss auch auf Neumarkt ausübten, befanden sich viele Zuwanderer: Bereits der erste Bischof Salzburgs, der heilige Rupert, stammt nicht aus Salzburg, sondern aus dem fränkischen Worms. Auch der wegen seiner außergewöhnlichen Leistungen als „Vater des Landes Salzburg“ bezeichnete Eberhard II. von Regensberg, hat auswärtige Wurzeln. Er stammt aus dem Kanton Zürich in der Schweiz. Durch ihn wird im Jahr 1240 auch Neumarkt an der Nordgrenze des Erzbistums gegründet. Ein weiterer bedeutender Salzburger Erzbischof, Paris Graf von Lodron, entstammt dem Trentino im Norden Italiens. Auch Paris Lodron hinterlässt in Neumarkt seine Spuren - in seiner Amtszeit erweitert Dombaumeister Santino Solari den Schanzwall und errichtet das Schanzhäusl. Sigismund III. Christoph Graf von Schrattenbach entstammt einem Adelsgeschlecht, das zur Mitte des 15. Jahrhunderts aus Franken in die Steiermark eingewandert war, und der letzte Fürsterzbischof Salzburgs stammt eigentlich aus Wien - Hieronymus Graf von Colloredo. Diesen Zuwanderern im Zeichen des Glaubens und der kirchlichen Macht hat die Historikerin Sabine Veits-Falk im selben Ausstellungsraum die Belege von Binnenmigration im 19. Jahrhundert gegenübergestellt – Armutszeugnisse, Arbeits- und Wanderbücher der umherziehenden Knechte und Dienstboten. Die Hoffnungen auf wirtschaftlichen Aufstieg erfüllten sich für die wenigsten von ihnen.

Die Flucht als prägendes biografisches Ereignis wird von Hemma Ebner anhand der Kriegserlebnisse – Erster Weltkrieg - des aus Thalham (Neumarkt am Wallersee) stammenden Johann Sinnhuber rekonstruiert, und Siegfried Goellner thematisiert die Vertreibung von Menschen, die seit Generationen hier gelebt hatten und deren Leben in den 1930er und 40er Jahren aufgrund der politischen Radikalisierung nun von Ablehnung und Abschiebung, von Verfolgung und Vertreibung bestimmt waren. Die durch den Zweiten Weltkrieg ausgelösten Fluchtbewegungen erreichten in den 1940er Jahren auch Neumarkt – für Umsiedler aus Südtirol wurden in Neumarkt – auf enteigneten Gründen – Wohnbauten errichtet, „Volksdeutsche“ aus dem Sudetenland und aus Ungarn fanden vorübergehend oder dauerhaft hier Aufnahme, Kinder aus den von Luftangriffen betroffenen Städten Westdeutschlands wurden in jenen Jahren ins ungefährdete Neumarkt verschickt. Zu Kriegsende befanden sich mehr als 2 000 Flüchtlinge in Neumarkt-Köstendorf.

Das Untergeschoss des Museums wählt eine andere Erzählperspektive und bringt damit auch andere Aspekte von Flucht ins Spiel. Die dort zugrunde gelegte Idee ist, die geschichtliche Präsentation des Obergeschosses um künstlerische Positionen zu ergänzen. So zeigt etwa die Köstendörfer Filmproduzentin und Drehbuchautorin Gabriele Neudecker den unter Beteiligung der einheimischen Bevölkerung gedrehten und vielfach preisgekrönten Film „Deserteur!“.

Jakob Brossmann weitet mit seinem, mit dem Österreichischen Staatspreis ausgezeichneten, Film „Lampedusa im Winter“ den Blick über die Landesgrenzen und alle Zäune hinweg und macht damit klar, dass Lampedusa uns heute alle angeht.

'Der persische Künstler Farshido Larimian war in Neumarkt zu Gast und hat Erinnerungsstücke, die Menschen auf der Flucht aus ihrer Heimat mitnahmen, zu einer ebenso anschaulichen wie eindrücklichen Kunstinstallation verarbeitet. Und Ina Fasching setzt Spuren auf die Fassade des Museums Fronfeste und greift dabei einen Gedanken Johann Wolfgang Goethes aus dessen „Wahlverwandtschaften“ auf: „Und doch ist nichts so flüchtig, das nicht eine Spur zurücklasse“.

Ergänzt werden all diese vielleicht überraschenden Perspektiven durch persönliche Zitate im Eisenhutzimmer. Dieses Zimmer öffnet sich auch außerhalb dieser Sonderausstellung immer einmal pro Woche als Begegnungscafé für AsylwerberInnen und engagierte NeumarkterInnen. Für diesen Raum haben wir Kuratoren Einheimische, Zugezogene und Heimatsuchende gebeten, der Ausstellung ihre persönlichen Gedanken zum Fortgehen, zum Ankommen und zum Bleiben mitzugeben. In kurzen Statements erzählen sie, was Neumarkt heute für sie bedeutet. Die Besucherinnen und Besucher unserer Ausstellung sind zur Begegnung mit all diesen Geschichten und mit den Menschen hinter den Geschichten eingeladen. Einiges wird vielleicht für Sie verstörend sein, anderes erhellend, anderes wiederum zum Weiterdenken in Bezug auf gesellschaftspolitische wie auch auf menschliche Fragen zu Migration und Integration anregen. Dass es für jeden Einzelnen auch die Möglichkeit gibt, in der Ausstellung nicht nur „den anderen“ sondern auch sich selbst zu begegnen, ermöglicht ein „Identitätsausweis“, der allen Besucherinnen und Besuchern unserer Ausstellung mit der Eintrittskarte mitgegeben wird und der ihr Schauen und ihren Rundgang durch Fragen begleitet. Es sind dies so Fragen, wie: „Woher kommst Du, woher deine Eltern und Großeltern?“, „Zu welchen Kreisen zählst Du Dich?“ und ähnliche mehr. Am Ende des Ausstellungsrundganges erwartet die Besucherinnen und Besucher ein Computertest, der ihr bisher erworbenes Wissen zu Migration abfragt und ihnen gleichzeitig die Möglichkeit anbietet, noch mehr erfahren zu können.

Danksagung

Die Ausstellung von „Von Hier. Und Dort.“ kann also auf sehr unterschiedliche Zugänge und auf zahlreiche Beiträge aufbauen. Sie hat – im Rahmen des finanziell und personell Möglichen – ganz bewusst den Weg eines vielschichtigen Ausstellungsprojekts mit unterschiedlichsten Blickweisen eingeschlagen, welches auf soziologischen, geschichtlichen, archäologischen, ethnographischen und biografischen Recherchen in Verbindung mit künstlerischen Positionen basiert. Es ist mir an dieser Stelle ein persönliches Bedürfnis, dem gesamten engagierten Team zu danken, dass wir nun gemeinsam „Von Hier. Und Dort.“ zeigen können. Ihr seid es, die aus einer Idee letztendlich die Ausstellung gemacht haben: Liebe Ingrid Weydemann, liebe Belinda Simon, Maria Berngruber, Christina Dax , liebe Chiara Riccardi, Isabelle Blanc– ganz herzlichen Dank!

Schlussgedanke

Meine Damen und Herren, ich komme zum Schluss, erlauben Sie mir noch einen letzten Gedanken: Historische Erinnerung darf nie ausschließlich rückwärtsgewandt sein, sondern sie ist stets auch ein Bindeglied zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Das Erinnern an unterschiedlichste Geschichten von Flucht und Vertreibung, vom Fortgehen und vom Hier-Ankommen, macht aufmerksam, hält Erinnerung lebendig und transportiert sie ins Heute.

Wir hoffen, dass damit auch die Geschichte von Zu- und Abwanderung vermehrt Platz findet im historischen und kulturellen Gedächtnis unserer Region. Möge es dem Museum Fronfeste, der Stadtgemeinde Neumarkt am Wallersee und dem Land Salzburg - als wichtigem Unterstützer dieser Ausstellung - gelingen, einen kleinen Beitrag zu einer fundierten Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart von Migration und Integration zu leisten – im Sinne eines toleranten und solidarischen Miteinanders.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Zwei Kastanien als Erinnerung

Landesrätin Mag.a Berthold betonte, dass heute bei der Begegnung mit Asylwerbern die Loslösung von Nummern hin zu den Namen dieser Menschen ein zentrales Anliegen und wichtiger Schritt zur Eingliederung dieser Menschen in unser Leben darstellt.

"Die Auseinandersetzung mit Flucht und Vertreibung bewegt diese Tage viele Salzburgerinnen und Salzburger. Die Ausstellung liefert einen wichtigen Beitrag zur bewussten Auseinandersetzung mit dem Thema der Migration. Sie regt zum Nachdenken an", so Landesrätin Berthold.

Beeindruckt zeigte sich die Landesrätin von der Kunst-Installation „Pocket Memories“ des iranischen Künstlers Farshido Larimian. Der persische Künstler installierte Erinnerungsstücke, die Menschen auf der Flucht aus ihrer alten Heimat mitnahmen. Und Berthold überlegte sich, was sie wohl als Erinnerungsstück mitnähme, müsste sie flüchten. Sie fand dazu beim Anziehen in ihrer Jackentasche zwei Kastanien – diese wären ihre Erinnerungsstücke an ihre Heimat.

"Die Ausstellung greift nicht nur das aktuell präsente Thema Migration und Integration auf, sie spürt auch der Frage nach Zugehörigkeiten und Identitäten nach. Migration ist kein Phänomen der Gegenwart, sondern ist Teil der Menschheitsgeschichte und auch Teil von Neumarkt", so Landtagspräsidentin Dr. Pallauf, die auf die "besondere Bedeutung der Regionalmuseen, nicht nur heuer im Jubiläumsjahr 2016“ hinwies.

„Er hat jetzt still zu sein und merke auf, …“

Museumsleiterin Ingrid Weydemann MAS und der Obmann des Museumsvereins Fronfeste, Dr. Ulrich Sinnißbichler, freuten sich über den Andrang bei der Eröffnung der Ausstellung am Abend des 19. Mai 2016. Diese fand in weiser Voraussicht des zu erwartenden Publikumsinteresses in der alten Feuerwehr statt, da das Museum dafür zu klein gewesen wäre.

Der Festakt in der alten Hauptfeuerwache wurde vom Quartett der Trachtenmusikkapelle Neumarkt am Wallersee und Leonardo Bartolovic, der Musik aus Kroatien, Italien und Bosnien spielte, musikalisch umrahmt. Der Rotary Club Neumarkt-Wallersee sorgte für das leibliche Wohl, die Erlöse des Verkaufs werden dem Museum in der Fronfeste zugutekommen.

Unterhaltsam war der Auftritt der Theatergruppe Neumarkt am Wallersee mit dem zeitgenössischen Stück um 1816, „Grenzwatsch’n“, in dem es um eine Streiterei zwischen einer „Häuslerin“ und einem Bäcker ging. Ein Zeughaus der Feuerwehr gehört jeweils zur Hälfte den Streithanseln, die nun jeweils den gesamten Besitz verlangten. Der Amtmann, dargestellt von Rupert Lenzenweger, verbat sich zu Beginn die Einmischung von Bürgermeister Adi Rieger in „seine Amtshandlung“: „Er hat jetzt still zu sein und merke auf, damit er in 200 Jahren es ebenso gut mache“ meinte der Amtmann zu Rieger. Gelöst wurde übrigens die Streiterei, in dem der Sohn der Häuslerin zum Bäcker in die Lehre ging, der im Zeughaus seine Bäckerei erweitern wollte. == Das Museum in der Fronfeste erstrahlt in komplett neuem Glanz == Im Anschluss an den Festakt bestand die Möglichkeit die nach moderner Museumspädagogik gestaltete Ausstellung im komplett neu gestalteten Museum in der Fronfeste zu besuchen. Schon rein äußerlich hat es durch die Sanierung aller Fenster und Türen sowie dem einheitlichen Weiß aller Wände im gesamten Haus und neuem Bodenbelag im Eingangsbereich sehr gewonnen. Leitsymbole im Boden führen den Besucher durch die Ausstellung, Kreise und Hausdarstellungen ziehen sich ebenfalls als rote Fäden durch sie. Jeder Besuch erhält einen „Identitätspass“, in dem er seine einigen Wurzeln und seine Herkunft erforschen und schriftlich festhalten kann. Wer sich Zeit für die Ausstellung nimmt, erfährt viel über Migration und Integration in Neumarkt am Wallersee und kann abschließend sein Wissen bei einem Computer-Quiz testen.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung ist vom 20. Mai bis 31. Oktober 2016 Donnerstag von 10:00 Uhr bis 12:00 Uhr sowie Freitag, Samstag und Sonntag von 14:00 Uhr bis 17:00 Uhr zu sehen. Nach Voranmeldung für Gruppen, Führungen, Kulturvermittlungsprogramme, Workshops und Projekttage.

Anmeldungen

Ingrid Weydemann Telefon 06 60 – 7 38 98 34 oder museum@neumarkt.at
oder kulturvermittlung@neumarkt.at

Bilderlink

Quellen

Einzelnachweise

  1. Bis 2006 war "Magister" (männlich) bzw. (seit 1993) "Magistra" (weiblich) der übliche akademische Grad für die meisten Studien auf Master-Niveau. "Mag." ist die gesetzliche (§55 Universitätsgesetz 2002) Abkürzung sowohl für "Magister" als auch für "Magistra", wohingegen aber auch (aus gleichstellungspolitischen Motiven) die Abkürzung "Mag.a" für "Magistra" propagiert und verwendet wird.
  2. Die Eröffnung fand aus Platzgründen nicht im Museum selbst statt, sondern im ehemaligen Gebäude der Hauptfeuerwache der Freiwilligen Feuerwehr Neumarkt am Wallersee