Wallfahrtskapelle Maria Elend

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Wallfahrtskapelle Maria Elend aus dem Jahr 1842
Innenaufnahme
Deckenansicht Wallfahrtskapelle Maria Elend

Die Wallfahrtskapelle Maria Elend in Embach, Pfarre Embach, Gemeinde Lend im Pinzgau, steht an einer der ältesten Wallfahrtsstätten des Pinzgaus. Das Patrozinium wurde, passend zur verehrten Pietà, am 15. September, am Gedenktag der Sieben Schmerzen Mariens begangen,[1] in den letzten Jahren allerdings am 2. Juli,[2] Mariä Heimsuchung, der eigentlich am 31. Mai gefeiert werden sollte.[3]

Wallfahrtslegende

Elend, Ellend bedeutet einsame Gegend. Die erste Kapelle wurde aufgrund eines Gelöbnisses der Taxenbacherin Ursula Penninger um 1552 errichtet. Man erzählt sich, dass sich ihre zwölfjährige, blinde und geistig behinderte Tochter, im Elend verlaufen hätte. Nach drei Tagen fand man sie beim heutigen Augenbründl wieder auf, sie war wie durch ein Wunder sehend und geistig gesund geworden. Da gelobte Ursula Penninger vom Ansitz Penninghof eine Kapelle errichten zu lassen, einen Mesner anzustellen und eine ewige Messstiftung: jährlich sollte am Barbaratag (4. Dezember) eine Messe gehalten werden.

Augenbründl

Neben der Ursprungskapelle befindet sich das Augenbründl, in dem sich die Pilger die Augen waschen und dem besondere Heilkraft nachgesagt wird.[4]

Ursprungskapelle

Blick über Ursprungskapelle und Augenbründl in das Salzachtal

Die Ursprungskapelle befindet sich etwas unterhalb der Gnadenkapelle an dem Ort, in das Mädchen nach der Überlieferung aufgefunden worden war. Sie stammte vermutlich aus dem 16. Jahrhundert, wurde aber 1755 erneuert.

Geschichte 1552–1783

Da sich am Fundort des Mädchens bereits eine Kapelle befunden hatte, die heutige, 1755 erneuerte Ursprungskapelle, ließ Ursula Penninger etwas oberhalb davon auf einer kleinen Anhöhe eine neue und größere Kapelle mit dem Bildnis der schmerzhaften Mutter Maria errichten. Die um 1552 errichtete Kapelle entwickelte sich bald zu einem Wallfahrtsort, sodass sie um 1707 zur Wallfahrtskirche ausgebaut wurde. Im 18. Jahrhundert kamen dann jährlich an die 30 000 Pilger zu derselben. In einem Mirakelbuch sind alle Wunder, die sich auf die Fürbitte Mariens ereignet haben, eingetragen.[5]

Kirche, 1783 abgetragen
Die letzten Erweiterungsbauten nahm man Mitte des 18. Jahrhunderts vor, 1764 weihte Fürsterzbischof Sigismund die Kirche persönlich neu ein.[6] Hofbauverwalter Wolfgang Hagenauer untersuchte 1782 das Vicariats-Gotteshaus Embach und die Wallfahrtskirche Maria Elend, die abermals hätte erweitert werden sollen. Dabei stellte er gravierende Mängel am Bau fest: es floss Wasser durch den Bau, man hatte schon einen Ablauf-Kanal durch die Kirche gegraben, durch die Hanglage bedingt war Feuchtigkeit ins Mauerwerk eingedrungen und hatte die Steine mürbe gemacht etc.[7] Vermutlich waren die Baufälligkeit der Wallfahrtskirche und die zugleich vorgebrachten Sanierungspläne zur Embacher Kirche der willkommene Anlass für Fürsterzbischof Hieronymus, erstere abtragen zu lassen. Im Gegensatz dazu ließ er die Vikariatskirche von Embach sanieren und erweitern und erlaubte danach die Aufstellung des Gnadenbildes in derselben.[8]

Brauchbare kirchliche Gegenstände gab man an andere Kirchen weiter, so steht z. B. das Tabernakel jetzt in der Pfarrkirche von Taxenbach, die Kanzel und die Orgel verbrachte man in die 1784 errichtete Kirche Bucheben in der Gemeinde Rauris. Diese Orgel übernahm 1896 der Tiroler Orgelbauer Franz Reinisch II. (* 1840, † 1921), ohne dafür eine Entschädigung bezahlt zu haben, wie der Pfarrer von Bucheben, Johann Ghedina, protestierend bemerkte, seither ist sie verschollen. Lediglich ein paar vergoldete Verzierungen dürften vom alten Gehäuse auf das neue übernommen worden sein. Die Kanzel aus der abgerissenen Wallfahrtskirche allerdings ist in Bucheben erhalten geblieben. Das alte Gnadenbild, eine gemalte Pietà aus dem 18. Jahrhundert, befindet sich jetzt im Hochaltar der Embacher Pfarrkirche. Das heutige Gnadenbild in der Wallfahrtskapelle ist eine Steingussstatue von Petrus Schmid (1768). Sie stand schon in der Ursprungskapelle und wurde beim Neubau der Gnadenkapelle 1842 in diese übersiedelt. Von den einstmals zahlreichen Votivtafeln haben sich nur mehr wenige erhalten.

Ölbergkapelle 1824

Ölbergkapelle

In Teilen der Bevölkerung stieß der Abriss der Kirche auf Entsetzen; also Ersatz wurde 1824 am Ölberg, auf dem Fußweg zwischen der Pfarrkirche Embach und der Wallfahrtskapelle Maria Elend, unterhalb einer Kreuzigungsgruppe, eine kleine neue Kapelle mit Walmdach errichtet. In deren halbrunder Apsisnische steht die Figur Christus an der Geißelsäule.[9] Die Ölbergkapelle wurde von Wallfahren kaum angenommen.

Wallfahrtskapelle 1842

Daher wurde 1842 am Standort der abgerissenen Wallfahrtskirche die noch heute existierende neue Wallfahrtskapelle mit 20 Sitzplätzen errichtet, in der das in Stein angefertigte Gnadenbild der Mutter Maria, das zuvor in der Ursprungskapelle gestanden hatte, verehrt werden kann.[10] An den Seitenwänden wurden außerdem einige der erhalten gebliebenen Votivtafeln angebracht.

Ursula Pennigers Grabplatte

Grabplatte der Ursula Penninger in der Wallfahrtskapelle Maria Elend

In der 1842 errichteten Kapelle befindet sich eine an der Seitenwand eingemauerte Grabplatte. Sie war für Ursula Penninger, geborene Heill, vorbereitet, dann aber offenbar nicht für ihr Grab verwendet worden, denn das Sterbedatum ist anläßlich ihres Todes nicht nachgetragen worden. Die Inschrift lautet:
Hie ligt begraben des Edlen
und Veste Ulrichen Pennigers
zu Penningberg selige nachge
lassne Wittib Ursula aine geboren
Heillin welche diese Capeln zu
unser Fraur im Elend gepaut
die am Tag ... des Monats
... ir zeitliche Tag zu dem
ebigen beschlossen im 15... Jar.

Information

Anmeldung für eine Messfeier beim Pfarramt Embach, Telefon 0 65 43 - 72 18 oder Pfarramt Lend Telefon 0 64 16 - 72 42. Andachten können jederzeit auch ohne Anmeldung in der Kapelle gehalten werden. Die Kapelle ist immer offen und fasst etwa 30 Personen, davon 20 Sitzplätze.

Relikte der alten Kirche

Quellen

  • Dehio Salzburg, Wien 1986.
  • Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde in fünf Bänden, Band 5, Wien 1958.
  • Mirakelbücher. Wunderberichte, aufgearbeitet u.a. von Hahnl, Adolf, medizinisch gedeutet von Thurner, Josef. In: Salzburgs Wallfahrten in Kult und Brauch, Katalog der 11. Sonderschau des Dommuseums zu Salzburg, hg. von Johannes Neuhardt, Salzburg 1986, S. 101–304. Betreffend Embach/Maria Elend S. 161–166.
  • Neuhardt, Johannes (Hg.): Salzburgs Wallfahrten in Kult und Brauch. Katalog der 11. Sonderschau des Dommuseums zu Salzburg, Salzburg 1986.
  • Neuhardt, Johannes: Wallfahrten im Erzbistum Salzburg, München und Zürich 1982.
  • Österreichische Kunsttopographie 25: Die Denkmale des politischen Bezirkes Zell am See (ÖKT 25), hg. vom Kunsthistorischen Institute des Bundesdenkmalamtes, Baden bei Wien 1933.
  • Schmeißner, Roman: Orgelbau in Salzburger Wallfahrtskirchen, Duisburg & Köln: WiKu-Verlag 2015, ISBN 978-3-86553-446-0 (zugleich Dissertation: Studien zum Orgelbau in Wallfahrtskirchen der Erzdiözese Salzburg, Universität Mozarteum 2012).
  • www.pfarre-lend.at

Fußnoten

  1. Personalstand der Welt- und Ordens-Geistlichkeit der Erzdiözese Salzburg für das Jahr 1957 (Schematismus 1957), hg vom Erzbischöflichen Ordinariat Salzburg 1957, S. 273.
  2. [1] Angabe der Erzdiözese Salzburg, Pfarrverband Dienten – Embach – Lend unter Gottesdienstzeiten: (abgerufen am 6. Mai 2014).
  3. Unter Papst Pius V. war der Festtag am 2. Juli in den allgemeinen römischen Kalender aufgenommen worden. Da der 2. Juli nach dem Johannstag (24. Juni) liegt (genau einen Tag nach dem Oktavtag des Johannesfestes), zog die nachkonziliare Liturgiereform Mitte der 1960er-Jahre das Fest auf den 31. Mai vor (bis dahin Termin des Fests Maria Königin), so dass es zugleich als Abschlussfest des traditionellen Marienmonats gefeiert werden kann.
  4. siehe auch Salzburger Quellen
  5. Vergleiche dazu: Mirakelbücher. Wunderberichte, aufgearbeitet u.a. von Adolf Hahnl, medizinisch gedeutet von Josef Thurner. In: Salzburgs Wallfahrten in Kult und Brauch, Katalog der 11. Sonderschau des Dommuseums zu Salzburg, hg. von Johannes Neuhardt, Salzburg 1986, S. 101–304. Betreffend Embach/Maria Elend S. 161–166.
  6. Johannes Neuhardt: Wallfahrten im Erzbistum Salzburg, München und Zürich 1982, S. 118.
  7. AES: Pfarrarchiv Embach, Karton Nr. 3, Bausachen, Kostenvoranschläge (Salzburg, 20. November 1782)
  8. AES: Kasten 9, Fach 93, Faszikel 10 (Teil1), betreffend Embach/Maria Elend (Salzburg, 30. Juli 1783).
  9. Dehio Salzburg, Wien 1986, S. 87.
  10. Neuhardt: Wallfahrten, S. 118.