Zentral-Fischzuchtanstalt

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Die (Erste) Österreichische Central-Anstalt für künstliche Fischzucht war eine von der k. k. Landwirtschafts-Gesellschaft in Salzburg 1865 in Salzburg-Morzg errichtete Fischzucht-Anstalt, die 1882 geschlossen und unter der Bezeichnung Erste österreichische Zentral-Fischzuchtanstalt Hintersee der k.k. Landwirtschaftsgesellschaft Salzburg an den Hintersee verlegt wurde.

Erste Anfänge der Fischzucht in Salzburg, Einfluss der k. k. Landwirtschafts-Gesellschaft

Im Land Salzburg befassten sich ab der Mitte des 19. Jahrhunderts einzelne Privatmänner in Böckstein (Gasteinertal) und am Hintersee mit der künstlichen Fischzucht. Ein Mann ist in dieser Zeit besonders hervorzuheben: der in Salzburg tätige Fischzüchter und -händler Josef Aigner, der auf Anregung der k. k. Landwirtschafts-Gesellschaft eine Abhandlung über seine Methodik der künstlichen Fischzucht in Salzburg publizierte.

Trotz dieser ersten viel versprechenden Anfänge fehlte in Salzburg nach wie vor eine den Verhältnissen dieses Landes gerecht werdende Fischzucht-Anstalt. Dieser Umstand wurde besonders von der k. k. Landwirtschafts-Gesellschaft in Salzburg bedauert. 1862 wurde diese jedoch seitens des k. k. Ministeriums für Handel und Volkswirtschaft dringlichst aufgefordert, ihr Augenmerk auf die Förderung der künstlichen Fischzucht im Kronland Salzburg zu richten. Nun wurden rasch die Weichen für die Etablierung der künstlichen Fischzucht gestellt.

Die Österreichische Central-Anstalt für künstliche Fischzucht

Erhaltene Teichanlage der Österreichischen Central-Anstalt für künstliche Fischzucht auf dem Gelände des Maria-Theresien-Schlössls in Morzg

Die Ära Nawratil

Gymnasial-Professor Josef Nawratil war maßgeblich an der Realisierung dieses Projekts beteiligt:

  • 1862 bis 1864 besuchte er mehrmals die damals bereits etablierten Fischzucht-Betriebe (Kuffer in München und Hüningen im Elsass), um den Stand der Technik kennenzulernen.
  • 1864 wurde die Sektion für künstliche Fischzucht der k. k. Landwirtschaftsgesellschaft gegründet. Nawratil fungierte als Geschäftsführer.
  • Am 15. Juni 1865 konstituierte sich die Sektion unter dem endgültigen Namen „Österreichische Central-Anstalt für künstliche Fischzucht“. Als Protektor wurde Erzherzog Karl Ludwig gewählt, der Präsident des Verwaltungsausschusses wurde Landes-Chef Eduard Graf Taaffe.
  • Am 25. August 1865 wurde der Kauf des Grundstücks in Salzburg-Morzg (auf dem Gelände des heutigen Maria-Theresien-Schlössls) beschlossen. Bereits am 30. August wurde von Baumeister Valentin Ceconi mit der Errichtung der Fischzucht-Anstalt begonnen, welche 1866 vollendet wurde.
  • Die Fischzucht wurde Ende Oktober 1865 eröffnet, Josef Nawratil zum Direktor und technischen Leiter bestellt.
  • In dieser Eigenschaft modifizierte Nawratil die damals üblichen Erbrütungsvorrichtungen und verbesserte die Methoden zum Transport angebrüteter Eier.

Leitung unter Sylvester Gottein

  • Am 1. Oktober 1869 wurde Sylvester Gottein vorerst zum provisorischen technischen Leiter, später zum Direktor bestellt. Die Oberleitung des Betriebes wurde von einem Komittee aus drei Gesellschaftsmitgliedern gebildet.
  • 1882 wurde die Anstalt in Morzg geschlossen. Die Tätigkeiten der Central-Anstalt wurden an den Hintersee verlegt. Auf dem Gelände wurde 1901 das Maria-Theresien-Schlössl errichtet. Einige Fischteiche haben sich bis heute erhalten.

Der Betrieb

Die Anstalt wurde durch 18 Quellen mit dem nötigen Wasser versorgt. Die Bruthalle bestand aus vier Kanälen, in denen mehr als eine Million Eier ausgebrütet werden konnten. Auf dem Grund der Anstalt befanden sich 30 Weiher mit einer Wasserfläche von insgesamt 2 000 Quadratklafter (= ca. 7 200 Quadratmeter). Später wurden zwar die Teichanlagen erweitert, jedoch mussten weitere Brutanstalten am Hintersee und am Wallersee errichtet werden, da die Anstalt in Hellbrunn langfristig nicht die nötigen Kapazitäten aufwies.

Die Anstalt hatte zwei Fischwasser gepachtet, den Wallersee und den Hintersee samt den dazugehörigen Stromgebieten. Diese dienten zur Gewinnung der für die Anstalt benötigten Eier.

Gezüchtet wurden: Seesaiblinge, Bachforellen, Seeforellen, Lachse (von der Fischzucht-Anstalt Hüningen im Elsass erhaltene Eier), Renken und Hechte. Daneben wurden auch Kreuzungsexperimente durchgeführt sowie diverse Mast-, Zier- und Futterfische gezogen.

Wurden im ersten Betriebsjahr 1865/66 lediglich 150 000 Eier erbrütet, so waren es ab 1872/73 bis 1879/80 jährlich ca. eine Million Eier. Es wurden sämtliche Provinzen der Österreichischen Monarchie mit angebrüteten Eiern beliefert, daneben auch Deutschland, England, Frankreich, Niederlande und Rumänien. Weiters wurden Besatzfische produziert und vor allem in den Hintersee, den Wallersee und den Fuschlsee eingesetzt.

Der Wunsch Josef Nawratils nach einer staatlich geführten Fischtzucht-Anstalt ging nicht in Erfüllung, doch gewährte das k. k. Ackerbauministerium zumindest in den ersten Betriebsjahren eine jährliche Subvention von 6.000 Gulden.

Gründe für die Schließung und Übersiedlung an den Hintersee

Der Standort der Fischzucht in Morzg erwies sich auf Dauer (für damalige Verkehrsverhältnisse) als wenig geeignet. Die weiten Transportwege für die befruchteten Eier (vom Hintersee, Wallersee, z. T. auch Fuschlsee, Mondsee, Altausseer See]] und Grundlsee (See)|enns:Grundlsee]]) ließen es sinnvoll erscheinen, Anstalten dort zu errichten, wo auch die Eier gewonnen wurden, denn deren Transport war stets mit großen Risiken verbunden. Zudem war die Fischzucht-Anstalt längst an ihre Kapazitätsgrenzen angelangt und eine Ausweitung des Betriebes war am Standort Morzg nicht möglich.

Die Erste österreichische Zentral-Fischzuchtanstalt Hintersee

Die Anstalt befand sich in Vordersee, zehn Minuten vom Hintersee entfernt.

Leitung der Anstalt

  • Sylvester Gottein leitete die Fischzucht bis 1893.
  • Ende 1893 schied Gottein aus der k. k. Landwirtschafts-Gesellschaft aus. Sein Nachfolger in der Fischzucht-Anstalt wurde Josef Kollmann. Unter seiner Leitung erwarb sich die Anstalt in der Fachwelt einen ausgezeichneten Ruf. 1900 erhielt die Fischzucht auf der Allgemeinen Fischereiausstellung in Salzburg die silberne Staatsmedaille, 1906 errang sie auf der Mailänder Ausstellung für Fischerei die goldene Medaille.
  • Nach Kollmanns Ableben wurde am 13. April 1912 dessen ehemaliger Schüler Hans Freudlsperger zum Fischereidirektor der k. k. Landwirtschaftsgesellschaft und zum Nachfolger in der Fischzucht ernannt.
  • Die Leitung der Fischzucht während des Ersten Weltkriegs und das weitere Schicksal der Anstalt in der Nachkriegszeit sind bislang wenig erforscht und durch Quellen kaum erschlossen. Fest steht, dass sie sich noch 1919 im Besitz der Landwirtschafts-Gesellschaft befand.

Der Betrieb

Nach einer Erhebung des k. k. Ackerbauministeriums, Stand 1904, besaß die Fischzucht-Anstalt zwei Fischbehälter, vier Wasserläufe und Aufzuchtsgräben mit insgesamt 1 000 m Länge sowie 75 Brutapparate. Die Anlage wurde von Quellwasser gespeist.

Gezüchtet wurden Seeforellen, Bachforellen und Seesaiblinge, daneben wurden auch Kreuzungen produziert. Jährlich wurden im Durchschnitt ca. eine Million Eier erbrütet. Die Gewinnung der Eier erfolgte durch Laichfischfang in den zur Fischzucht gehörigen Gewässern (Hintersee samt Stromgebieten). Es wurden sämtliche Länder der Monarchie und auch das Ausland mit angebrüteten Eiern beliefert. Daneben wurde auch Besatzmaterial produziert, vorrangig für den Hintersee und seine Zubringer.

In der Fischzucht-Anstalt wurden alljährlich 14tägige Fischerei-Lehrkurse abgehalten, die großen Anklang fanden. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde 1919 (kriegsbedingt nach längerer Pause) wieder ein Kurs – wahrscheinlich einer der letzten - angeboten.

Literatur und Quellen

  • Salzburgwiki-Artikel Josef Kollmann und dortige Quellen
  • Salzburgwiki-Artikel Josef Nawratil und dortige Quellen
  • Salzburgwiki-Artikel Maria-Theresien-Schlössl und dortige Quellen
  • Aigner, Josef, zitiert in Zetter, Johann Theophil Max: Vortrag über die Einbürgerung der künstlichen Fischzucht in Salzburg. In: Monats-Blatt der k.k. Landwirthschafts-Gesellschaft in Salzburg 12. Jahrgang, 1862. Seite 19 - 23, 35 - 39, 49 - 53.
  • Anonym: Aus dem Vereine. In: Monats-Blatt der k.k. Landwirthschafts-Gesellschaft in Salzburg, 12. Jahrgang, 1862. Seite 65
  • Anonym: Erste österreichische Centralanstalt für künstliche Fischzucht in Salzburg. In: Statistischer Bericht der Handels- und Gewerbekammer für das Herzogthum Salzburg an das hohe k.k. Handelsministerium über die Produktions- und Verkehrsverhältnisse nach den Ergebnissen des Jahres 1870. Verlag der salzburger Handels- und Gewerbekammer. Salzburg, 1872. Seite 32 – 36
  • Anonym: Erste österreichische Centralanstalt für künstliche Fischzucht in Salzburg, in: Mittheilungen des oesterreichischen Fischerei-Vereines, 3. Jahrgang, 1883, Seite 112 - 116
  • Anonym: Erste österreichische Centralanstalt für künstliche Fischzucht in Salzburg. In: Statistischer Bericht über die gesammten wirtschaftlichen Verhältnisse des Kronlandes Salzburgs in den Jahren 1871 - 1880. Verlag der Handels- und Gewerbekammer. Salzburg, 1883. Seite 36 – 40
  • Anonym: Fischzucht. In: Bericht über die wirthschaftlichen Verhältnisse des Herzogthumes Salzburg im Jahre 1893. Verlag der Handels- und Gewerbekammer, Salzburg, 1894. Seite 33
  • Anonym: Beiträge zur Statistik der Binnen-Fischerei in Österreich - Statistik der Fischzuchtanstalten, in: Beilage zur statistischen Monatsschrift N.F. 13. Irrgang, Brünn, 1908, 98 Seiten
  • Fischzucht-Gesellschaft: Die österreichische Central-Anstalt für künstliche Fischzucht in Salzburg, Verlag der Fischzucht-Gesellschaft, Salzburg, 1867, elf Seiten.
  • Freudlsperger, Johann: Zentral-Fischzuchtanstalt Hintersee. In: Rechenschaftsbericht des Zentral-Ausschusses der k. k. Landwirtschafts-Gesellschaft des Herzogtums Salzburg für das Jahr 1912. Verlag der k. k. Landwirtschafts-Gesellschaft, Salzburg, 1913. Seite 278 – 280
  • Micoletzky, Heinrich: Zur Kenntnis des Faistenauer Hintersees bei Salzburg, mit besonderer Berücksichtigung faunistischer und fischereilicher Verhältnisse. In. Internationale Revue der gesamten Hydrobiologie und Hydrographie, 3. Jahrgang, 1911. Seite 506 – 542
  • Salzburger Landes-Fischereiverein: Hauptversammlungsbericht. In: Österreichische Fischerei-Zeitung, 17. Jahrgang, 1920. Seite 73
  • Zetter, Johann Theophil Max: Zum neuen Jahre! In: Monats-Blatt der k.k. Landwirthschafts-Gesellschaft in Salzburg, 10. Jahrgang, 1860. Seite 1 - 6

Einzelnachweise