Helmut Till

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Arch. Ing. Helmut Till (* Juli 1923; † 22. Jänner 2019) war Architekt, Direktor Technischer Geschäftsführer der Gemeinnützigen Salzburger Wohnbaugesellschaft (GSWB) und ÖVP-Gemeinderat (1962? bis 1982?) der Stadt Salzburg.

Leben

Helmut Till war von 1941 bis 1984 im sozialen Wohnbau tätig, und zwar in der Neuen Heimat und deren Nachfolgerin GSWB, von 1966 bis 1984 als Technische Geschäftsführer tätig.

In den mehr als vierJahrzehnten seiner Tätigkeit wurden rund 17 000 Wohnungen gebaut. Zu den großen Projekten dieser Zeit gehörten die Errichtung der Goethesiedlung und großer Wohnanlagen in Taxham und Lehen.

Bedeutung

Porträt: Helmut Till – „Urgestein“ des sozialen Wohnbaus in Salzburg

Helmut Till ist ein freundlicher Herr, nie würde man ihm die 90 Jahre ansehen, die er seit vergangener Woche alt ist. Und Helmut Till hat viel zu erzählen, nicht nur aus seinem Leben, mit vielen Reisen auf alle Kontinente, sondern vor allem über den sozialen Wohnbau in Salzburg. Er ist einer der Pioniere, der noch während des Zweiten Weltkriegs seine ersten Erfahrungen machte, etwa als Bauleiter für die „Südtiroler-Siedlung“ in der Salzburger Radetzkystraße.

Till gewann 1941 mit seiner Maturaarbeit zu neuen Normen für das 1939 beschlossene Gemeinnützigkeitsgesetz einen „Reichswettbewerb“ mit seinen Entwürfen für Doppelhäuser. „Das Konzept wurde angekauft“, erzählt Till. „Meine Doppelhäuser wurden dann auch tatsächlich in Parsch gebaut.“ Nach dem Gewinn des Wettbewerbs wurde er von den Nazis zur „Neue Heimat|Neuen Heimat“ abkommandiert und musste dort im Bereich „Ausführung und Vergabe“ arbeiten. „Ich war aber Techniker und hatte keine Ahnung von Verträgen“, erzählt Till: „Gleich am ersten Tag musste ich einen Bauvertrag abschließen. Ich habe mich mit einem Ordner alter Verträge auf dem Klo eingesperrt, um einmal nachzulesen, wie so ein Vertrag überhaupt ausschaut.“

Die Vorgaben aus Berlin waren klar definiert, die Wohnungen mussten etwa 24 Quadratmeter Wohnfläche/Küche aufweisen, dazu 16 Quadratmeter Schlafzimmer und zehn Quadratmeter Kabinett. Die Arbeitsbedingungen sind heute unvorstellbar: „Ich musste als Bauleiter zwei Projekte in Mauterndorf und Tamsweg kontrollieren. Ich bin dorthin mit dem Fahrrad und dem Zug gefahren. Zurück ging es mit einem Kohletransport-Lkw nach Obertauern, mit dem Rad ins Tal und dann mit dem Zug zurück“, erinnert sich Till.

Nach Kriegseinsatz und Gefangenschaft in den USA kehrte er wieder nach Salzburg zurück, meldete sich beim Arbeitsamt und wurde gefragt, ob er denn schon bei der „Neuen Heimat“ nachgefragt habe? „Ich dachte mir, diese Gesellschaft wird es wohl nicht mehr geben, aber sie existierte weiter und dort haben sie gleich gesagt: ,Auf Sie warten wir ja schon.‘“ So fing er bei seinem „alten“ Arbeitgeber wieder an, studierte Architektur und legte die Ziviltechnikerprüfung ab. 1964 wurde dann die „Neue Heimat“ mit der „Salzburger Wohnsiedlungsgesellschaft“ zur GSWB fusioniert, die heute je zur Hälfte im Eigentum der Stadt und des Landes Salzburg steht. Till: „1966 wurde ich technischer Leiter der GSWB und war 17 Jahre lang Geschäftsführer.“ Unter seiner Ägide wurden 9000 Wohnungen gebaut.

Nach dem Krieg herrschte in Salzburg eine große Wohnungsnot“, erzählt der rüstige Pensionist: „Das erste Bauvorhaben war der Polizeiblock in der Ignaz-Harrer-Straße, der jetzt abgerissen wurde.“ Wiederaufbau bestehender Objekte war kaum nötig, mit Ausnahme einer Anlage in Hallein. „Damals war Lehen unser größtes neues Vorhaben“, sagt Till: „Das war aber nicht leicht, weil alles von Wien aus geleitet wurde. Der Bundeswohn- und Siedlungsfonds vergab die Mittel.“ Außerdem waren die meisten Baustoffe wie Zement oder Holz nur auf Bezugsschein erhältlich, was sich etwa beim Projekt Aiglhof als extrem mühsam herausstellte.

Die offiziellen Vorgaben waren einfach, aber klar: Es musste Wohnraum geschaffen werden, der möglichst billig war, aber ein gewisses Maß an Qualität aufwies. Till: „Die durchschnittliche Wohnungsgröße lag bei etwa 60 Quadratmetern, auf Balkone wurde verzichtet.“

In den Fünfziger- und Sechzigerjahren sei es dann mit dem sozialen Wohnbau bergauf gegangen, die „Qualität der Wohnungen ist viel besser geworden“. Das größte Problem war aber schon damals die Grundstücksbeschaffung. Till: „Das war schwierig, weil keiner verkaufen wollte.“ Geholfen habe die Möglichkeit, im Baurecht zu bauen. „Die Gemeinden hatte eigene Gründe, zum Beispiel in Seekirchen. Sie hat die Gründe zur Verfügung gestellt mit einem Baurecht auf 90 Jahre. Danach gehören die Häuser der Gemeinde“, erzählt Till. 80 Prozent der Bautätigkeit der GSWB sei damals über solche Baurechte gelaufen.

Allerdings musste sich die GSWB in dieser Zeit noch aktiv um Bauvorhaben bemühen, denn „von selbst ist keiner zu uns gekommen“. Till: „Wenn ich damals in den SN am Samstag gelesen habe, dass eine Gemeinde bauen will, bin ich am Sonntag in die Kirche gegangen und habe den Bürgermeister abgepasst.“ Bei einem Frühschoppenbier nach der Messe sei man dann handelseins geworden.

Die einzige Organisation, die von sich aus die GSWB angerufen hat, war das Bundesheer. „Der zuständige Oberst hat mir mitgeteilt, dass sie Personalhäuser brauchen, offizielle dürfe er aber keinen Vertrag abschließen. Wir haben das per Handschlag vereinbart und dann in Hellbrunn, St. Johann und Bischofshofen gebaut.“ Erst mit der Gründung der Buwog sei dieses Geschäft dann wieder weggefallen.

Zu den heute noch sichtbaren Bauten in Salzburg aus seiner Zeit gehören laut Till die Großwohnanlage Itzling, das Bauprojekt Taxham, die Scherzhauserfeldsiedlung, der Kinderhort und der Kindergarten Lehen sowie das Lehener Hochhaus. Till: „Weggerissen wurde eigentlich nichts davon.“

Modelleisenbahnanlagenbauer

Helmut Till hat sich große Verdienste um die Modelleisenbahnanlage SMEC im Stellwerk 7 in Salzburg-Parsch erworben. In unzähligen Arbeitsstunden hat er die Fantasie-Stadt „Altburg“ aufgebaut, in der man Salzburg maßstabgetreu wiedererkennen kann. Diese Anlage findet international und national große Beachtung. Hiefür wurde er mit dem Bürgerbrief der Stadt Salzburg geehrt.

Ehrungen


Quellen