Michael Geißmayer

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Michael Geißmayer[1] (auch Geismayr, Gaismair, Gaißmair, Gaysmair[2]; * 1490 in Tschöfs bei Sterzing, Südtirol; † 15. April 1532 in Padua) war Bauernführer in Tirol und Salzburg in der Zeit der Salzburger Bauernaufstände und Bauernkriege.

Leben

Jugend

Als Sohn des Bergwerksunternehmers und Landwirts Jacob Geißmayer wuchs Michael in dem kleinen Bergdorf Tschöfs in der Familiengemeinschaft der Brüder seines Vaters, die allesamt dort oben ihre Höfe hatten, auf. Vater Jacob und sein Bruder Erhard hatten sich 1487 die Schürfrechte an drei Grubenfeldern gesichert. Tirol war im ausgehenden 15. Jahrhundert ein europäisches Zentrum der Erzgewinnung, u.a. von Silber und Gold.

Über die ersten beiden Lebensjahrzehnte von Michael Geißmayer gibt es kaum Informationen. Nicht mit letzter Sicherheit nachzuweisen ist sein Jurastudium in Padua. Für einen Nichtadeligen seiner Zeit war ein Jusstudium die einzige Möglichkeit, später im Staatsdienst Arbeit zu finden. 1512 arbeitete er zunächst als Schreiber im Bergbau bei Schwaz in Nordtirol. Spätestens mit 11. Juli 1581 tritt er in der Landesverwaltung als Schreiber von Landeshauptmann Leonhard von Völs ein, dessen Stammsitz die Burg Prösels war. Geißmayer wird bald sein persönlicher Schreiber, und da Geißmayer den korrupten Landeshauptmann bei dessen persönlichen Bereicherung unterstützt, ernennt ihn dieser noch 1518 zum Unterhauptmann.

Politisches Umfeld

Politisch fällt in diese Zeit der Regierungsantritt des Habsburgers Ferdinand I. (* 1503; † 1564),der (in [[Spanien]] aufgewachsen) kein Wort Deutsch konnte, als er 1520 Statthalter von Tirol wurde. Sein Bruder Karl V. (* 1500; † 1558), wurde 1519 zum Kaiser im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation gewählt, was diesen 852.000 Gulden (nach heutiger Kaufkraft etwa 40 bis 50 Millionen Euro) an "Wahlkampfgeldern" gekostet hatte. Ein Vergleich: die Bewerbung von München als Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2018 kostete 33 Millionen Euro. Karl V., sein Bruder Ferdinand I. sowie dessen Vorgänger in Tirol, Sigismund, sie alle brauchten immens viel Geld für ihre Lebenshaltung. Dieses liehen sie sich unter anderem vom Handelshaus der Fugger in Augsburg aus. Als Gegenleistung erhielten die Fugger zahlreiche Besitzungen und Schürfrechte in Tirol. Die Bergknappen wurden aber von den Fuggern schlecht bezahlt und bei der Bezahlung durch "schlechtes Geld" (Geldmünzen aus minderem Material) betrogen.

Einfluss der Lehre Luthers

Geißmayer hatte schon als Bergschreiber Forderungen der Knappen gegenüber dem Landesherrn und den Fuggern unterstützt. Durch seinen Dienstwechsel zum Landeshauptmann schien er sich aber nicht mehr für die unterdrückten und ausgebeuteten Knappen und Bauern zu interessieren. Die Lehre Martin Luthers wurde durch umherziehende Prediger verbreitet, und die Bauern sahen in der von Luther verbreiteten Meinung, "alle Menschen seien frei", die Botschaft, sich von Leibeigenschaft und Knechtschaft befreien zu dürfen. In ganz Mitteleuropa brachen Bauernaufstände aus.

Aufstieg und Fall Geißmayers

Spätestens im Jänner 1524 war Geißmayer zum Hauptmann befördert worden und war nun kaum mehr in der Schreibstube tätig. Er war mit der Rekrutierung von Soldaten im Land beschäftigt. Dafür erhielt er auch stets große Mengen Bargeld, denn die Rekruten erhielten bei ihrer Anwerbung gleich die erste Hälfte ihres Soldes, der vier Gulden für das Fußvolk und zehn Gulden für einen Reiter (der aber sein eigenes Pferd mitbringen musste) betrug. Und genau dieses Soldgeld sollte 1526 Geißmayer von seiner steilen Karriereleiter stoßen. Denn wie auch bei anderen Hauptmännern üblich, zweigte er einen Teil für seinen eigenen Lebenswandel ab. Doch bei einer Kontrolle durch die Landesbeamten aus Innsbruck wurde ein solcher Diebstahl bemerkt, und Geißmayer musste das Hauptmann-Gewand ausziehen und wurde Hilfsschreiber eines Schreibers des Bischofs von Brixen, ebenfalls ein korrupter Landesfürst. Diese in den Augen Geißmayers ungerechte Behandlung schien die Motivation für sein weiteres Handeln zu sein. Er war stets darauf bedacht, einen standesgemäßen Titel zu tragen.

Beginn der Bauernunruhen

Geißmayer war bereits verheiratet und hatte ein Kind. Seine Frau stammte aus gutbürgerlichem Haus und beide lebten und kleideten sich wie Adelige. Der Sturz vom Hauptmann zum Schreiber bedeutete zwar finanzielle Einbußen, jedoch hatte Geißmayer offensichtlich auch gute Einkünfte aus den Gruben, die er zusammen mit seinem Bruder nach wie vor betrieb. Jedenfalls empfand Geißmayer seine Bestrafung als ungerecht, und dies schien der Grund seiner Wandlung hin zur Unterstützung der Bauern und Unterdrückten im Jahr 1526 gewesen zu sein.

Auslöser für die Bauernaufstände waren eine ebenfalls ungerechte Handlung des Bischofs von Brixen am Fischer Peter Pässler aus Antholz in Südtirol. Nachdem er und sein Komplize verhaftet wurden, sein Komplize hingerichtet war und Pässler ebenfalls zum Schafott geführt wurde, brach in Brixen eine Revolte aus, bei der Michael Geißmayer zum Anführer gewählt wurde. Rund 5000 Bauern und Bürger plünderten dabei das Kloster Neustift bei Brixen.

Geißmayer hatte nun wieder mit Feldhauptmann einen standesgemäßen Titel. Nach zwei sogenannten Teillandtagen berief Ferdinand für Juni einen Landtag nach Innsbruck ein. In der Folge kam es zu Gesprächen mit Erzherzog Ferdinand, dem Landesfürsten. Doch dieser war ein geschickter Taktierer und verstand es, den Beginn und später die Dauer des Landtags hinauszuzögern. Denn zwischenzeitlich trafen immer mehr Nachrichten aus dem Ausland ein, dass dortige Bauernaufstände (blutig) niedergeschlagen wurden. Beim Landtag wurde dann die von Geißmayer aufgestellte erste Tiroler Landesordnung diskutiert, die im Grunde auf eine Republik ohne Mitsprache des Adels und des Klerus hinauslief, wohl aber Ferdinand als Landesfürsten anerkannte. Jedenfalls gelang es Ferdinand, die obere Bürgerschicht durch Zusagen (die er in Folge nicht einhielt) zu besänftigen und von den radikalen (unteren, ärmeren) Schichten des Bürgertums und der Bauern zu spalten.

Geißmayers Flucht

Geißmayer, der sich wohlweislich selbst nicht nach Innsbruck begab, wurde dann im Herbst 1525 vom Hofrat nach Innsbruck eingeladen, um Bericht zu erstatten. Geißmayer hatte eine Anzahl von "Befehlen" von Ferdinand erhalten, die er in Südtirol als "Feldhauptmann" umzusetzen hätte. Nichts Böses ahnend reiste Geißmayer nach Innsbruck, wo er bald, unter Angabe fadenscheiniger Beschuldigungen, festgenommen wurde. Seine Familie in Südtirol wurde enteignet und teilweise ebenfalls gefangen genommen. Doch im Oktober gelang Geißmayer die Flucht, und nach mehreren Schreiben an den Landesfürsten wurden seine Familienmitglieder wieder auf freien Fuß gesetzt. Denn Geißmayer war noch immer der Ansicht, keine Revolution zu wollen, den Landesfürsten zu achten, aber er wollte seine Rehabilitation und Entschädigung für seine Kerkerhaft. Er sah sich als Helfer Ferdinands, der sich ja schon lange von Klerus und Adel "befreien" wollte.

Aber mit seiner Flucht hatte Geißmayer wohl auch die letzten Sympathien seines Landesfürsten verspielt, der ein Kopfgeld auf Geißmayer aussetzte. Nun begann eine Flucht über den Vintschgau ins Schweizer Engadin nach Zürich, wo er den Reformator Zwingli traf. Gemeinsam überlegten sie Möglichkeiten, wie sie die Habsburger (in Tirol) angreifen konnten, da auch die Schweiz Habsburg-feindlich eingestellt war. Während er weiter nach Luzern zog, auf der Suche nach Sympathisanten, folgte ihm seine Frau Magdalena mit den Kindern über Zürich nach Luzern. Gemeinsam verbrachte die Familie dann den Winter im Hochtal des Prättigau in Klosters (Graubünden. Dort schrieb Geißmayer seine zweite, radikalere Tiroler Landesordnung. Durch den Wortbruch des Hofrats (ihn bei Erscheinen in Innsbruck freies Geleit gegeben zu haben) fühlte er sich hintergangen, durch die (unhaltbaren) Anschuldigungen in seiner Ehre gekränkt. Doch kam er durch ständige Verfolgung von Spionen und Häschern des Erzherzogs nicht mehr zur Ruhe.

Geißmayer und Salzburg

Trotz der Zusage von Straffreiheit für Aufständische des Jahres 1525, die Erzherzog Ferdinand gewährt hatte, kam es in den folgenden Monaten zu brutalen Verhaftungswellen und Hinrichtungen von Weggefährten Geißmayers. Mehrere hundert Menschen wurden umgebracht oder eingesperrt. In den süddeutschen Gebieten wurde noch brutaler gegen die Bauern vorgegangen. Sie wurden in Jauche ertränkt oder verbrannt oder ihnen wurde bei lebendigem Leib die Augen ausgestochen oder die Zunge herausgeschnitten. Frühere Zusagen der jeweiligen Landesfürsten von Straffreiheit und Verbesserungen der Lebensbedingungen wurden schlicht und einfach nicht eingehalten oder unter dem Vorwand, sie seien während der Aufstände "erpresst" worden, als ungültig bezeichnet.

Bereits 1525 war auch der Salzburger Erzbischof Matthäus Lang von Wellenburg durch Bauern in Bedrängnis gekommen. Nur durch Hilfe von Truppen des Schwäbischen Bundes unter Führung von Georg von Frundsberg mit bayerischer Unterstützung konnte der Erzbischof den Aufstand beenden. Den Vertrag, Straffreiheit und Prüfung der Anliegen der Bauern, hatte der Erzbischof bald vergessen und unternahm im Herbst 1525 einen Straffeldzug gegen [[Enns:Schladming. Beim Landtag am 11. März 1526 bewilligten ihm die Abgeordneten eine Entschädigung von 100.000 Gulden, mit denen er ein Heer gegen die immer noch aufständischen Pinzgauer organisierte. Doch noch vor dem Einsatz dieses Heeres überfielen Pinzgauer Aufständische das provisorische Heer bei Golling in der Nacht vom 20. auf den 21. April 1526. Am 21. April besetzten die Aufständischen den strategisch wichtigen Pass Lueg.

Geißmayer, der mittlerweile in Klosters wohnte, zog mit 700 Mann in den Pinzgau, wo er seinen alten Bekannten, Peter Pässler, wieder traf. Die Unruhen hatten sich auf den Pongau ausgeweitet. Die unzufriedenen Pongauer Bauern und Bergknappen griffen als erstes Ziel am 14. April 1526 Radstadt an. Es begann die Belagerung von Radstadt. Doch im Vertrauen auf die Mächtigkeit der Festungsmauern der Stadt weigerte sich Christoph Graf von Schernberg, Pfleger von Radstadt, den Forderungen der Aufständischen Folge zu leisten. Er verschanzte sich mit seinen 150 Landsknechten hinter den Mauern. Sechs Wochen tat sich nichts. Dann stieß Geißmayer mit seiner Truppe zu den Aufständischen, und gemeinsam boten sie nun rund 5000 Mann auf. Am 4. Juni blies Geißmayer zum ersten Sturmangriff, der jedoch ergebnislos blieb. Am 19. Juni näherte sich ein Entsatzheer des Schwäbischen Bundes vom zerstörten Schladming über den Mandlingpass her. Geißmayer wich einer offenen Schlacht aus und rückte nach Altenmarkt ab. Er versteckte seine Leute in Wäldern, umging das anrückende Heer und besetzte in ihrem Rücken den Mandlingpass. Hauptmann Philipp Stumpf vom Entsatzheer saß mit seinen 1.600 Mann in der Falle. Stumpf versuchte den Ausbruch und scheiterte jämmerlich. Doch Geißmayer konnte alle diese Vorteile nicht für sich nutzen, hatte eigene Versorgungs- und Nachschubprobleme und zudem blieb die aus dem Pinzgau versprochene Unterstützung aus. Geißmayer zog sich mit dem Rest seiner Leute über St. Johann im Pongau aus dem Pongau in den Pinzgau zurück. Geißmayer floh über die Alpen nach Venetien. Es folgten noch mehrmals vergebliche Versuche, erneut Aufstände anzuzetteln, von Graubünden, der Toskana und Venedig aus. Als schließlich Venedig 1529 Frieden mit den Habsburgern schloss, zog sich Geißmayer endgültig auf ein Landgut in der Nähe von Padua zurück. Er starb nach bereits mehreren fehlgeschlagenen Attentaten, von bezahlten Mördern überfallen und erstochen, am 15. April 1532 auf seinem Anwesen in Padua.

Geißmayers Werk

Geißmayer war ein Visionär des frühen 16. Jahrhunderts, der einen Kampf für eine gerechtere Welt focht, den er damals noch nicht gewinnen konnte. Er trat für eine Republik der Bauern und unteren Bürger ein, die ohne Adel und Klerus auskommen sollte. Für gerechtere Verteilung von Einkommen, für den Rückbau der Städte zu kleinen Dörfern, für die Selbstverwaltung der Gemeinden und vieles mehr.

Sein Problem waren die damaligen Strukturen in der Welt, durch die der Adel und Klerus über größere Geldreserven (für Söldnerheere) und Beziehungen (Anforderung von Entsatzheeren des Schwäbischen Bundes) verfügten. Die Bauern, die Geißmayer anfangs begeistern konnte, musste ja irgendwann wieder auf den Hof zurück und für ihre Familie arbeiten. Die verstanden noch nicht die Bedeutung Geißmayers Tun. Wohl waren sie unterdrückt und litten. Aber doch noch zu wenig, um langfristige Änderungen herbeiführen zu können.

Straßenbenennung

Michael Geißmayer ist Namensgeber der Geißmayerstraße im Salzburger Stadteil Parsch.

Quellen und Einzelnachweise

  1. vgl. auch Geschichte der Regierung Ferdinand des Ersten: aus gedruckten und ungedruckten Quellen, Herausgeber Ritter Franz Bernhard von Bucholtz, Band 9, Wien 1838 - gefunden in google books
  2. Quellen Salzburg, die Geschichte einer Stadt, Heinz Dopsch, Robert Hoffmann, Verlag Anton Pustet, 2. aktualisierte Auflage 2008, ISBN 978-3-7025-0598-1, Seite 270 sowie Buch Eine Leiche in Habsburgs Keller: Der Rebell Michael Gaismair und sein Kampf um eine gerechtere Welt, Ralf Höller, Otto Müller Verlag, 2011, ISBN 978-3-7013-1182-8