1. Internationales Großglockner Rennen auf der Großglockner Hochalpenstraße

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Mario Tadini auf Alfa Romeo von der Scuderia Ferrari, Sieger 1935 in der Rennwagenklasse.
Martin Schneeweiß aus Wien in der Motorradklasse über 500 cm³.
Scuderia Ferrari, Fahrer Carlo Pintacuda, Modena, Italien, auf Alfa Romeo 3000, Sieger der Klasse bis 3 000 cm³.
Bild Mitte rechts Miss Eileen Ellison auf Bugatti.
über das erste Rennen 1935, 2:30 min Video
Das Bild zeigt den Schweizer Hans Stärkle, der mit seiner Frau als Beifahrer die schnellste Zeit in der Beiwagenklasse fuhr.
Das Bild rechts unten zeigt die Vorarlbergerin Maria Wachter, die als Erste die Motorradkonkurrenz eröffnete.

Das 1. Internationales Großglockner Rennen fand am 4. August 1935, nur einen Tag nach der offiziellen Eröffnung der Großglockner Hochalpenstraße statt. Es war das erste von drei Großglockner Automobil- und Motorradrennen.

Einleitung

Beim ersten Großglockner Rennen gab die Prominenz des österreichischen Motorsports eine mächtige Demonstration ihrer Präsenz. So waren u. a. der Führer der Oesterreichischen Sport- und Turnfront, Vizekanzler Ernst Rüdiger Fürst Staremberg, der Generalsekretär der Sport- und Turnfront, Baron Theobald Syfferitz, der Gruppenführer für den Motorsport, Vizepräsident des Oe.A.C.[1], Arthur Graf Pachta-Rayhofen, der Präsident des Wiener Automobil-Clubs, Oberbaurat Ing. Dr. Quidenus, der Präsident des Oe.A.C., seine Exzellenz Alexander Graf van der Straten-Ponthoz und andere Persönlichkeiten angereist.

Von Salzburg waren u. a. der Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl, der Erbauer der Straße Hofrat Franz Wallack, der Präsident des Salzburger Automobil Clubs, Baron Franz Preuschen, Rennleiter Justizsekretär Franz Stengl und der Generalsekretär des Salzburger Automobil Clubs, Ing. Botho Graf Coreth dabei. Im Artikel über Franz Stengl findet sich eine Schilderung von ihm, wie es zu diesem ersten Glocknerrennen gekommen war.

Trotz politischer Probleme (1000-Mark-Sperre) nahmen am ersten Rennen auch viele ausländische Automobilrennfahrer teil: der Schweizer Christian Kautz auf Alfa Romeo, der Franzose Pierre Rey auf Bugatti, die Italiener Carlo Pintacuda und Mario Tadini von der Scuderia Ferrari auf Alfa Romeo, der Deutsche Bobby Kohlrausch auf 745 cm³ MG, Roy Seaman aus England, London, auf E.R.A, der Zürcher Max Christen auf Maserati.

Bei den Motorradfahrern war die Situation umgekehrt: hier stellten die Österreicher das Gros mit den bergerfahrenen Martin Schneeweiß, Michael Geyer, Hermann Deimel und Otto Steinfellner an der Spitze, während nur wenige Ausländer teilnahmen.

Damen beim Rennen

Auch Damen nahmen an diesem ersten internationalen Bergrennen teil: bei den Automobilen war es Miss Eileen Ellison auf Bugatti. Sie erreichte in der Rennwagenklasse bis 1 500 cm³ eine sehr beachtenswerte Zeit, platzierte sich ehrenvoll und erhielt den Damenpreis.

Bei den Motorrädern war es Marie Wachter aus Bürs, Vorarlberg, Österreich, auf Puch 250 cm³, die als erste bei den Motorradklassen startete. Allerdings schied sie im Laufe des Rennens aus.

Der Rennverlauf

Der Start befand sich für das erste Rennen noch im Dorf Fusch (damals bei Kilometer 7,3 der Straße). Auf der anfangs noch regennassen, 19,5 Kilometer langen, damals noch größtenteils aus gewalzter Sandstraße bestehenden Strecke gewann in der 250-cm³-Klasse der Italiener Bianchi auf seiner Miller Balsamo (der Schnellste war eigentlich der Salzburger Ludwig Zangerl auf Rudge gewesen, er wurde aber wegen eines Regelverstoßes disqualifiziert); in der 350-cm³-Klasse gewann der Wiener Hermann Deimel auf Velocette mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 72,7 km/h; in der Halbliterklasse war Michael Gayer, ebenfalls ein Wiener, auf seiner Werks-Husqvarna-Zweizylinder erfolgreich und kam auf 75,4 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit. Die schnellste Motorradzeit absolvierte der damals noch nicht auf Sandbahnen spezialisierte Martin Schneeweiß, ebenfalls aus Wien, in der Klasse über 500 cm³. Mit seiner Austro Omega (600 cm³ JAP Motor) schaffte er eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 76,55 km/h, was einer Zeit von 15:17,57 Minuten entsprach.

Bei den Automobilen gelang die beste Sportwagenzeit dem Italiener Carlo Pintacuda, mit dessen von der Scuderia Ferrari stammender Alfa Romeo eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 76,7 km/h (15:15,69 Min.) hinlegte, nur knapp zwei Sekunden schneller als der schnellste Motorradfahrer. Höhepunkt bei den Rennwagen war die Fahrt von Mario Tadini, der mit seinem Alfa Romeo, ebenfalls von der Scuderia Ferrari, in einer Zeit von 14:42,74 Minuten (79,59 km/h) hinauf schoss.

Trotz des Fernbleibens der damals im Zenit des allgemeinen Interesses stehenden Marken Auto Union und Daimler Benz war das Großglockner Rennen 1935 ein glanzvolles Ereignis.

Ergebnislisten

Motorräder

  • Klasse bis 250 cm³:
1. Ludwig Zangerl, Salzburg, auf Rudge (17:18,09 min. - 67,6 km/h - wurde wegen Regelverstoß nachträglich disqualifiziert)
2. R. Bianchi, Mailand, Italien, auf Miller Balsamo (17:59,17 min.)
3. Hermann Mäser, Vorarlberg, auf DKW (18:32,71 min.)
4. Franz Novotny, Wien, auf Puch (18:24,92 min.)
  • Klasse bis 350 cm³:
1. Hermann Deimel, Wien, auf Velocette (16:05,71 min. = 72,7 km/h)
2. Otto Steinfellner, Wien, auf NSU (16:12,23 min.)
3. Hubert Hubmann, Graz, auf Velocette (16:42,04 min.)
  • Klasse bis 500 cm³:
1. Michael Gayer, Wien, auf Husqvarna (15:30,98 min. = 75,4 km/h)
2. Josef Hofmann, Salzburg, auf Sarolea (16:45,16 min.)
3. Otto Ceconi, Villach, auf Norton (17:00,63 min.)
  • Klasse bis 1 000 cm³:
1. Martin Schneeweiß, Wien, auf Austro Omega (15:17,57 min. = 76,7 km/h)
2. Hans Kaufmann, Zürich, Schweiz, auf NSU (15:25,66 min.)
3. Anton Untermarzoner, Innsbruck, auf NSU (16:01,79 min.)
4. Wilhelm Melichar, Wien, auf BMW (17:04,32 min.)
  • Klasse Beiwagen bis 600 cm³:
1. Hans Stärkle, Basel, Schweiz, auf NSU (16:31,82 min. = 70,8 km/h)
2. Gyula Phato, Budapest, Ungarn, auf NSU (18:59,14 min.)
3. Georg Müller, Wien, auf Gillet Herstal (35:59,34 min)

Automobile

  • Klasse bis 1 500 cm³
  1. genannt von Johnny Graf Lurani-Cernuschi aus Italien, Fahrer Strazza, Maserati 1500, 16:09,74 min.
  • Klasse bis 3 000 cm³
  1. Scuderia Ferrari, Fahrer Carlo Pintacuda, Modena, Italien, auf Alfa Romeo 3000
  2. Zdenek Pohl, Libneves, Tschechoslowakei, auf Bugatti 2300
  3. Carl von Pretz, Bozen, Italien, auf Alfa Romeo 2600
  4. Ing Wilfried Proskowetz, Kvasice, Tschechoslowakei, auf Bugatti 2286
  5. Graf Francois de Bremond, Paris, Frankreich, auf Alfa Romeo 3000
  6. Paul Cocange, Angleur lez Liege, Belgien, auf Bugatti 2300
  7. Johann von Biro, Budapest, Ungarn, auf Alfa Romeo 2300

Nicht gestartet oder gewertet: Dr. Ing. Karl Imhof, Böckstein, auf Bugatti 2300

  • Kategorie A, Rennwagen bis 1 100 cm³
  1. Bobby Kohlrausch, München, Deutschland, auf MG 745
  2. Zdenek Pohl, Libneves, Tschechoslowakei, auf MG 745
  3. Harry Herkuleyns, Amsterdam, Niederlande, auf MG 746
  4. Robert Fleischanderl, Waidhofen an der Ybbs, Österreich, auf Amilcar 1100
  • Kategorie A, Rennwagen bis 1 500 cm³
  1. R. Seaman, London, Großbritanien, auf E.R.A. 1500
  2. Hans Keßler, Zürich, Schweiz, auf Maserati 1500
  3. genannt vom Könglich-Ungarischen Automobilclub, Fahrer Alexander Wilheim, Budapest, Ungarn, auf Bugatti 1495
  4. Miss Eileen Ellison, Great Shelford, Großbritanien, auf Bugatti 1496
  5. Alexander James Cormack, Edinburgh, Schottland, auf Alta 1496
  6. Gigi Platé, Genua, Italien, auf Talbot 1500
  • Kategorie A, Rennwagen bis 2 000 cm³
  1. Max Christen, Zürich, Schweiz, auf Maserati 2000
  2. Black - keine weiteren Daten im Moment bekannt
  3. Nereo Pertile, Padua, Italien, auf P.N. 2000
  4. Hans Muschik, Wien, auf Bugatti 1995

Bildergalerie

Bericht in der Österreichische Auto-Rundschau, Ausgabe vom 16. August 1935
Allgemeine Automobil-Zeitung, Ausgabe vom August 1935

weitere Bilder

 1. Internationales Großglockner Rennen auf der Großglockner Hochalpenstraße – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Karten

Der Verlauf der Rennstrecke des 1. Internationales Großglockner Rennens auf der Großglockner Hochalpenstraße. Bei den beiden anderen erfolgte der Start dann nicht mehr in Dorf Fusch, sondern bei der Mautstelle Ferleiten.
Das Längen- und Höhenprofil der Rennstrecke.

Weblink

Quellen

Einzelnachweis

  1. Österreichischer Automobil Club, wie er damals noch hieß
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