Christoff I. Weitmoser, Salzburgs erster Frühkapitalist

Aus Salzburgwiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Christoff I. Weitmoser, Salzburgs erster Frühkapitalist ist ein Beitrag von Walter Thaler über Christoff Weitmoser, dem bedeutendsten Gewerke des 16. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum, erschienen in den Pongauer Nachrichten am 23. Mai 2019.

Christoff I.Weitmoser war der größte Goldproduzent imdeutschen Sprachraum

Das geistliche Fürstentum Salzburg erlebte im 16. Jahrhundert gleich mehre schmerzhafte Krisen. Eine besonders starke Aufnahme fanden die Lehren des Reformators Martin Luther bei den Bergknappen des Gasteiner und Rauriser Tales. Der Gewerkensohn Christoff Weitmoser aus Gastein hatte 1523 sein Studium in Wittenberg aufgenommen, wo er Luthers reformatorische Ideen und seine Kritik am Ablasshandel aufnahm, jedoch bis ans Lebensende dem Katholizismus treu blieb. Dazu kam der stark abnehmende Abbau von Gold und Silber und das durch den Goldabbau erfolgte Waldsterben. Als Erzbischof Matthäus Lang von Wellenburg durch Erlass alle Wälder zum Besitz des Landesfürsten erklärte, wurde das von den Gewerken als Kriegserklärung aufgefasst. Die Folge war der Bauernaufstand der Jahre 1525/1526, der von den Gewerkenfamilien angeführt wurde.

Die erste urkundliche Erwähnung der Weitmoser findet sich im Jahr 1480 im Bauernweiler Gadaunern bei Hofgastein. Die beiden ersten Weitmoser-Gewerken waren das Brüderpaar Erasmus und Hans I. Weitmoser, denen es gelang, Grubenrechte zu sichern. Der erfolgreichste jedoch war Christoff I. Weitmoser (* 1506; † 1558). Nach dem Tod seines Vaters Hans im Jahr 1526 übernahm Christoff I. im Alter von 21 Jahren das Bergbauunternehmen. Seine Glückssträhne fand er im Jahr 1530, als er auf eine besonders ertragreiche Goldmine stieß. Bald rühmte man sein Bergbauunternehmen als „Schatzkammer des Erzbischofs“. In der Folge wurde er zum reichsten Mann Salzburgs, der den Fürsten des Reiches Gold lieh. Zu Christoffs I. größten Schuldnern zählten Erzherzog Ferdinand von Tirol, der Bruder Kaiser Karls V. und spätere Kaiser, und Herzog Ernst von Bayern. So kann man Christoff I. mit Fug und Recht als den „Fugger von Salzburg“ bezeichnen.

Wie jeder erfolgreiche Unternehmer hatte der Bergbauunternehmer die Konkurrenz der beiden Gasteiner Gewerkenfamilien Strasser und Zott zu meistern. Strasser wollte verhindern, dass Weitmoser den sogenannten Fürstenweg baute, der der heutigen Straße vom Bertahof in Hofgastein zum Mozartplatz in Bad Gastein entspricht. Doch Weitmoser setzte sich durch. Als Erzbischof Matthäus Lang 1540 starb, schuldete er Weitmoser 200.000 Gulden. Ein Gulden entsprach dem Wochenlohn eines Bergknappen. Die „Gasteiner Chronica“ aus 1540 erwähnt, dass Weimoser zwischen 1534 und 1540 jährlich 40.000 Gulden Reingewinn erwirtschaftete.

Christoff I. Weitmosers Aufstieg schien nicht zu bremsen. Als ihm 1552 der Titel eines kaiserlichen Rates verliehen wurde, fehlte ihm nur noch die Aufnahme in den Landadel. Voraussetzung waren ein entsprechend großer Grundbesitz und ein repräsentativer Landsitz. Daher verlegte Christoff I. die üble Gerüche verursachende Schmelzhütte unterhalb des Schlosses Hundsdorf (heute Weitmoserschlössl) nach Lend und löste damit das Problem des bislang fehlenden prunkvollen Landsitzes.

Christoff I. Weitmoser gehörten aber nicht nur Bergwerke im Gasteiner Tal, sondern auch im südlichen Rauriser Tal. Zu seinem Montanunternehmen zählten Bergwerke in Flachau und Fusch, im Oberpinzgau, im bayerischen Teisendorf und in Bleiberg. Zudem hatten die Weitmosers Beteiligungen im Ennstal (Schladming und Haus), am Kupferabbau in Kitzbühel und am Silberbergwerk in Schwaz. Eine besondere Leistung Weitmosers war, dass er mit den Gewerkenfamilien Strasser und Zott die „Lender Handelsgesellschaft“ gründete. Deren Ziel war es, eine Zersplitterung der Nahrungsversorgung der Bergknappen zu verhindern und eine Kosteneinsparung zu erwirken.

Christoff I. war zwei Mal verheiratet: Zunächst mit Berta von Moosheim, dann mit Elisabeth Vötzl, mit der er zwölf Kinder hatte. Von denen erreichten aber nur sieben das Erwachsenenalter. Als Weitmoser im Jahr 1558 starb, hinterließ er seinen drei Söhnen den Bergwerksbesitz, die Töchter wurden mit jeweils 80.000 Gulden abgefertigt. Die Töchter heirateten Angehörige der angesehensten Adelsfamilien aus den Geschlechtern der Preysing, der Khevenhüller, der Windischgrätz und der Fugger.

Mit Christoff I. Weitmosers Tod war der Höhepunkt des Gasteiner Goldbergbaus erreicht. Sein Sohn Christoff II. hatte drei Töchter, so starb nach 1600 der männliche Stamm der Weitmosers aus. Doch Christoffs I. Ruhm lebteweiter. Ihm wurde eine zeitgenössische Ausgabe der Werke des Meistersingers Hans Sachs gewidmet. Christoff I. Weitmoser war nicht nur der reichste Gasteiner, sondern auch der erste Frühkapitalist Salzburgs.

Anmerkungen zu dem Beitrag in den „Pongauer Nachrichten“ von W. Thaler

Der Autor des 2017 erschienenen Buches Die Weitmoser und ihr Edelmetallbergbau in den Hohen Tauern (Montanverein "Via Aurea") Professor Fritz Gruber, Montanhistoriker und Autor zahlreicher Publikationen zum Thema Bergbau, schreibt im Detail folgendes:

  1. Dass bereits um 1480 am Neureitgut in Gadaunern ein Erasmus Weitmoser nachweisbar wäre, lässt sich aus den Originalquellen trotz intensiver Nachforschungen nicht verifizieren. (Seite 36)
  2. Hier schreibt Gruber auf Seite 60 ausführlich über die falsche Information, Berta von Moosham seit Weitmosers erste Frau gewesen. Diese Information geht auf eine vom Salzburger Historiker Franz Dückher (* 1609; † 1671) verbreitete Sage eines Brautschleiers im Zusammenhang mit Berta zurück. Gruber führt hingegen den Ehevertrag von Weitmoser an, in dem zunächst zwar "Sibilla von Moosham"[1] stand, doch das ist im Original durchgestrichen und darunter steht Elisabeth Vötzlin. Grubers Ausführungen nach könnte zwar eine Sibilla aus dem Haus Moosheim kurzfristig die Frau von Weitmoser gewesen sein, aber in der Brautschleiersage von Dückher ist nur die Rede von einer "Braut". Denkbar wäre also, dass die Braut - Sibilla - noch vor der Eheschließung gestorben sein könnte. Auch lässt sich bis dato kein Nachweis über die Existenz einer Sibilla von Moosheim erbringen, so Gruber weiter. Gruber: Christoff Weitmoser heiratete am 2. November 1531 die Elisabeth "des edlen und festen Pauln Vötzl zu Schwaz ehleibliche Tochter." (Seite 61).
  3. Gruber schreibt zwar auf Seite 65 von Schwägerschaften der Familien Vötzl und Penninger, aber im Buch finden sich keine Hinweise, dass Weitmoser auch einen Schwiegersohn aus der Familie der Windischgrätz oder der Fugger gehabt hätte. Richtig ist der Tiroler Name „Füeger“, heute meist „Fieger“ geschrieben. Hier gab es einen Schwiegersohn (Buch Namensregister Seit 479, mehrere Eintragungen im Buch).
  4. Grubers Forschungen ergaben keine Hinweise auf Beteiligungen von Weitmoser am Silberbergbau in Schwaz. Auch von einem Bergbau in Haus im Ennstal ist keinerlei Hinweis auf einen Weitmoser in Grubers Buch zu finden, wohl aber in der Walchen in Öblarn im Ennstal (Seite 153 und 155).
  5. Die im Artikel von Thaler erwähnten Schulden des Kardinals Matthäus Lang bei seinem Tod betrugen gegenüber dem Christoph Weitmoser I. nicht 200.000 Gulden, sondern 10.000 Gulden für 1540 und 5.000 Gulden für 1539 (Seite 175). Richtig ist natürlich, dass Weitmoser mehrmals größere Darlehen der kaiserlichen Finanzkammer in Innsbruck gewährte (Seite 210).
  6. Ob der Titel „Salzburgs erster Frühkapitalist“ in Bezug auf Christoph Weitmoser I. ganz korrekt ist, müsste ebenfalls noch genauer geprüft werden. Denn es gab bereits in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts einen Konrad Decker, der den gesamten Edelmetallbergbau im Gasteiner- und Raurisertal sowie die Salzburger Münzstätte beherrschte. Was im Sinne der Überschrift ganz unberücksichtigt blieb, ist die Betrachtung in gleicher Weise für die Gewerken Strasser und Zott.

Irrtümer in der Geschichtsschreibung zur Gewerkenfamilie Weitmoser

Ein Schreiben von Professor Dr. Fritz Gruber[2]:

In den „Pongauer Nachrichten“ vom 23. Mai 2019 erschien von dem renommierten Zeitgeschichte-Forscher Walter Thaler auch ein Artikel „Salzburgs erster Frühkapitalist“ (gemeint ist Christoff Weitmoser), der bedauerlicherweise die neuere Fachliteratur zu diesem Thema ignoriert und sich auf das Ergebnis einer langen Autorenkette stützt, in deren Rahmen seit Beginn des 19. Jahrhunderts gewissenhaft von Generation zu Generation immer das Gleiche weitergeschrieben wurde. Leider ist das so Tradierte in vielerlei Hinsicht falsch. Der Verfasser (Anm.: Fritz Gruber) hat sich über 30 Jahre immer wieder mit dem Thema „Weitmoser“ beschäftigt und sieht sich veranlasst, die nachstehenden Richtigstellungen zu treffen:

Bemerkungen zu Leben und Wirken Christoff Weitmosers

  1. Hans Weitmoser I. war nie mit einer Berta von Moosham (oder einer Berta Zott) verheiratet. Der Name „Berta“ ist in der infrage kommenden Zeit ganz allgemein extrem selten. Er ist weder bei den Zott, noch bei den Mooshamern noch bei den Gewerken Weitmoser, Strasser, Krünner, Säntl, Hundsdorfer, Pruckmoser etc. bislang nachweisbar. Die Gattin Hans Weitmosers I. (und somit Mutter von Christoff Weitmoser I.) lebte nachweislich in Gmünd in Oberkärnten. Ihr Vorname dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit „Sibilla“ gewesen sein, eventuell auch „Anna“. Ihr Familienname war nicht ermittelbar.
  2. Entgegen den Angaben W. Thalers war keine der vier Töchter von Christoff Weitmoser I. mit einem Fugger aus Augsburg verheiratet. Zwei Weitmoser-Töchter heirateten zwei Brüder mit phonetisch ähnlich klingendem Namen, nämlich „Füeger“, später meist „Fieger“ geschrieben (Männer aus dem Tiroler Adel). Es bestand nie ein Kontakt welcher Art auch immer zwischen Mitgliedern der Familie Weitmoser und jenen der Familie Fugger (Handelshaus aus Augsburg). Christoff Weitmosers I. Söhne waren später mit einem Windischgrätz verschwägert. Ähnliches gilt für Wilhelm von Preysing. Dazu Details ausführlich im Weitmoser-Buch des Verfassers!
  3. Christoff Weitmoser I. war 1523 an der Universität Wittenberg immatrikuliert, wo Martin Luther predigte. Dass, wie W. Thaler meint, der 17-jährige Studiosus daraufhin den Ablasshandel verurteilte, mag sein. Überliefert ist diesbezüglich absolut nichts. Später, als großer Gewerke, ließ Christoff Weitmoser I. keine Sympathien für das Luthertum erkennen, es sei denn, dass er, wie alle anderen Gewerken, nicht aktiv gegen die Protestanten unter den Bergarbeitern vorging. Dies tat in den Folgejahren nicht einmal Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau, wohlgemerkt, trotz seines 1589 erlassenen Emigrations-Befehls für die Protestanten in Salzburg. Christoff Weitmoser I. lebte und starb als Katholik. Ihm wurde 1558 ein katholisches Begräbnis mit großem Gepränge bereitet, bei dem höchstrangige Vertreter des Salzburger Erzbischofs Michael von Kuenburg sowie zahlreiche Adelige, vor allem aus Tirol, anwesend waren.
  4. W. Thaler schreibt, dass Kardinal Matthäus Lang als Salzburger Landesherr alle Wälder zum Besitz des Landes erklärte und damit eine „Kriegserklärung“ gegen die Gewerken setzte, die deshalb um 1525 den „Bauernkrieg“ (Gewerkenkrieg?) begannen. Lang brauchte von den Wäldern nicht „Besitz ergreifen“, denn sie gehörten laut dem vom Kaiser verliehenen Regalrecht auf alle Bodenschätze und natürlich auch auf alle Wälder ohnedies ihm. Er verlieh einzelne Waldbereiche auf bestimmte Zeit weiter an die Gewerken, die sich nicht immer an die ihnen gesetzten räumlichen und zeitlichen Grenzen hielten und auch rechtswidrig in nicht-verliehene landesherrliche Wälder griffen. Letztgenanntes war es, das Matthäus Lang – im völligen Einklang mit dem damals geltenden Recht – „fürderhin“, also für die Zukunft, verbot. Es ist richtig, dass die Gewerken darüber verärgert waren, aber es war nicht der einzige und nicht der wichtigste Grund, dass sie bei der Verschwörung vor der Grube „Silberpfennig“ (im innersten Angertal) den Aufstand gegen Kardinal Lang ausriefen.
  5. Christoff Weitmoser stieß nie auf eine „Goldmine“. Richtig hingegen ist, dass er einen stillstehenden Stollen kaufte und in diesem etliche Jahre durch taubes Gestein weiterarbeitete, bis er endlich auf reiche Vererzungen traf. Diese verhalfen ihm zu Reichtum. Die Phrase von der „Schatzkammer des Erzbischofs“ bezog sich nicht, wie W. Thaler zu wissen glaubt, auf Christoff Weitmosers I. Stollen, sondern – viel früher – auf Edelmetall, das (angeblich) in einer Kammer des Erzbischofs Leonhard von Keutschach lagerte. Als man 1732, also zur Zeit des staatlichen Bergbaues, eine edelmetallreiche Vererzung („Niere“, eine Art „Bonanza“, von spanisch „edelmetallreicher Fund“) im Radhausberger Stollen St. Elisabeth erschloss, benützte man die Phrase, nun im übertragenen Sinn, für diese edelmetallreiche Stelle. Diese „Schatzkammer“ war übrigens innerhalb weniger Monate bergmännisch leergeräumt.
  6. Weiters irrt W. Thaler, wenn er schreibt, dass Christoff Weitmoser I. irgendjemandem „Gold“ (!) geliehen hätte. Alles von ihm produzierte Gold und Silber musste er, wie auch alle anderen Gewerken, zwangsweise und unter strengster Kontrolle an den Landesherren abliefern. Dieser bezahlte dann das eingelieferte Edelmetall mit geprägten Silbermünzen zurück an die Gewerken, allerdings deutlich unter dem normalen Handelswert. Wollte beispielsweise Erzherzog Ferdinand I. Gold (!) bekommen, so musste er sich an den Salzburger Landesherrn wenden. Von Christoff Weitmoser I. bekam er Silbermünzen, in einem seltenen Ausnahmefall auch einige Goldmünzen, aber nie die begehrten „Gold-Zainl“ (Barren).
  7. Christoff Weitmoser I. war Großkreditgeber für Erzherzog Ferdinand I., den späteren Kaiser. Dass er den „Fürsten des Reiches“ (welchen? den protestantischen Kurfürsten?) jemals Gold geliehen hätte, ist aus den Originalschriften nicht belegbar.
  8. W. Thaler schreibt, dass es das Weitmoser-Schlössl als „prunkvoller Landsitz“ war, der dem Christoff Weitmoser I. zum Adelstitel verhalf. Dies ist nicht richtig, denn zur fraglichen Zeit war Christoff Weitmosers I. Familiensitz in Hundsdorf ein gemauertes Haus, kaum halb so groß, wie es sich heute präsentiert. Auch die beiden Erkertürme wurden erst viel später dazu gebaut. Es war keinesfalls in seinem Urzustand in irgendeiner Form „prunkvoll“. Die Verlegung von Christoff Weitmosers I. Schmelzhütte nach Lend, 1547, war für eine allfällige Adelsverleihung völlig irrelevant. Vielmehr erwies sich für Christoff Weitmoser I. der käufliche Erwerb der Hofmark Winkl (am Chiemsee, im Jahr 1539 f.) für entscheidend. Dies, und zweifellos seine guten Kontakte zu den damaligen Bayern-Herzögen[3] (Badekuren in Bad Gastein!), verschafften ihm die Aufnahme in den bayerischen Adel, mit Recht auf einen Sitz im bayerischen Landtag. Erst in der Folge, 1555, wurde er auch im Erzstift Salzburg als adeliger „Landsasse“ anerkannt, nachdem er schon 1552 von Erzherzog Ferdinand I. zum „Kaiserlichen Rat“ ernannt worden war.
  9. Christoff Weitmoser I. war mit letzter Sicherheit nie als Silbergewerke in Schwaz engagiert. Die dortigen Produktionslisten sind im 16. Jahrhundert für die hier maßgeblichen Jahre alle erhalten. Den Namen „Weitmoser“ sucht man vergebens. Auch dass er in Haus im Ennstal Bergbau betrieben hätte, ist unwahrscheinlich, da es aus dem Originalschrifttum nirgends einen Hinweis gibt. Schurfversuche wären möglich, sind aber nicht belegt.
  10. Die Gründung der „Lender Handelsgesellschaft“, 1568, an der neben den Weitmoser-Söhnen auch die Strasser und Zott und – ganz wesentlich, aber von W. Thaler unerwähnt! – auch der Salzburger Landesherr mit aliquoten Anteilen beteiligt waren, ging es nicht nur, wie W. Thaler meint, lediglich um die Nahrungsmittelversorgung der Bergarbeiter, sondern insgesamt um die Weiterexistenz des gesamten, sich dem kompletten Niedergang nähernden Bergbaubetriebes in Gastein, Rauris und Bleiberg. Wollte man es verkürzt und stark komprimiert ausdrücken, so war es ein erster Schritt zur Verstaatlichung des gesamten Montanistikums (Bergbau und Hüttenwesen), die dann ja auch um 1616 dadurch erfolgte, dass es außer dem Landesherrn, mit einer winzigen Ausnahme, keine privaten Gewerken mehr gab.
  11. Schließlich hat W. Thaler seinen Beitrag allzu sehr auf eine Darstellungsweise hingetrimmt, die Christoff Weitmoser I. als „Frühkapitalisten“ (nach marxistischer Diktion) erscheinen lassen soll. Es wäre besser und richtiger gewesen, seine Rolle als Salzburgs ersten eingesessenen großen Privatunternehmer, der mehreren tausend Männern Arbeit und materielle Sicherheit bot, im historischen Bewusstsein zu verankern. Für die Salzburger Wirtschaft ist in der Person von Christoff Weitmoser I. einer der ersten Pioniere zu sehen: Dies ist es, was hervorgehoben zu werden verdient!

Anmerkungen zur Bewertung Christoff Weitmosers I. als „Frühkapitalisten“

Heute hängt dem von Thaler verwendeten Begriff „Frühkapitalismus“ eine gelegentlich negative Konnotation an, die in manchen Fällen den Gedanken an Ausbeutung zu insinuieren vermag. Wird man damit dem großartigen Christoff Weitmoser I. gerecht? Das Lebenswerk Christoff Weitmoser I. charakterisiert ihn wohl am ehesten als „Großunternehmer und Großgeldverleiher“. Diese beiden Tätigkeitsbereiche flossen schon sehr früh in dem Begriff „Kapitalismus“ zusammen. Damit stößt man an eine schwierige Definitionsfrage: Was charakterisiert eigentlich den „Frühkapitalismus“ und was den „Kapitalismus“ – nur der Zeitunterschied („früher“ versus „später“) – oder doch mehr? Siehe dazu unten das zu Konrad Decker noch zu Sagende. Die Anzahl differierender Meinungen zu Wesen und Entwicklungsgeschichte von „Kapitalismus“ ist bis zum heutigen Tag bedeutend. W. Thaler und etliche andere schlossen sich dem historischen Verständnis von Friedrich Engels und Karl Marx an, für die, verkürzt gesagt, die meisten (alle?) Reichen des 16. Jahrhunderts (also auch Christoff Weitmoser I.) noch „Frühkapitalisten“ waren, und zwar häufig solche, die Rücksichtnahme auf die Arbeiterklasse vermissen ließen.

Andere Wirtschaftshistoriker fanden abweichende Definitionsansätze. Der Verfasser schließt sich Ernst Bruckmüller an, der im 16. Jahrhundert die Fugger, Welser und Hochstätter in ihren Funktionen als bevorzugte Financiers der Habsburger mit dem Fachausdruck „Kapitalisten“ punzierte. Alle drei genannten „Kapitalisten“ waren übrigens im Gastein-Rauriser Bergbau vor den Weitmosern vertreten. Von den kapitalistischen Fuggern ist bekannt, dass sie zum Wohle ihrer Arbeiter die für damalige Zeiten vorbildliche „Fuggerei“ (Wohnsiedlung für Arbeitnehmer) begründeten.

Christoff Weitmoser I., als Geldverleiher per definitionem quasi zwangsweise ein „Kapitalist“ wie die Fugger und die anderen oben Genannten, war im 16. Jahrhundert ein heimatverbundener Salzburger Großunternehmer und agierte zusätzlich als Geldverleiher in der Zeit des beginnenden Kapitalismus. Aus heutiger Sicht kann man ihn in solchen Zusammenhängen wohl als „Kapitalisten“ bezeichnen, weil er sein Edelmetall selbstverständlich nicht unabgebaut in den Stollen ruhen ließ, oder weil er es zugute brachte und dann heimlich thesaurierte (was in der praktischen Durchführung völlig unmöglich gewesen wäre), sondern weil er es in Form von Münzen arbeiten ließ. Er war aber keinesfalls „Früh-Kapitalist“ im negativen Sinne dieses Wortes wie vor ihm Konrad Decker (siehe unten). Der Verfasser hätte als Überschrift für einen Artikel in den Pongauer Nachrichten gewählt: „Christoff Weitmoser – Salzburgs bedeutendster Privatunternehmer des 16. Jahrhunderts“.

W. Thaler will Christoff Weitmoser I. „mit Fug und Recht als den Fugger von Gastein“ bezeichnet wissen, doch ist W. Thalers sprachliche Erfindung völlig unangebracht. Nach der Einflussnahme der Fugger in die Politik in Tirol war der Name „Fugger“ bei den Salzburger Erzbischöfen als den Landesherren nicht mit freundlichen Vorstellungen assoziiert. Man wollte mit den Augsburger Superreichen und deren Beeinflussung der habsburgischen Landespolitik absolut nichts zu tun haben.

Im Salzburg des 16. Jahrhunderts wäre die von W. Thaler erfundene Bezeichnung, hätte sie damals jemand zu äußern gewagt, aus politischer Aversion gegen die Fugger nie gebräuchlich geworden. Anders als die Fugger, versuchte Christoff Weitmoser I. nie, sich in irgendeiner Form in politische Fragen einzumischen.

Und noch ein wesentlicher Punkt bleibt zu bedenken: Will man der Wahrheit Genüge tun, so muss man mit Nachdruck aussprechen, dass der Reichtum Christoff Weitmosers I. immer noch dimensionenweit unter jenem der Fugger lag. Auch fehlten Christoff Weitmoser I. die von den Fuggern in halb Europa ausgeübten umfassenden wirtschaftlichen Aktivitäten in Bergbau und Handel (!). Christoff Weitmoser I. beschränkte seine „ausländischen“ montanistischen Aktivitäten auf die an das Salzburger Erzbistum angrenzenden Länder Steiermark, Kärnten und Tirol. Abgesehen vom (letztendlich doch nur kurzstreckigem!) Pfennwerthandel, der zur Versorgung seiner Bergarbeiter diente, betrieb Christoff Weitmoser I. nie irgendeine Form von Fernhandel. Dieser blieb den Welsern und vor allem den Fuggern vorbehalten. Resümee: Niemandem wäre im 16. Jahrhundert eingefallen, Christoff Weitmoser als „Fugger von Salzburg“ zu bezeichnen, und der Verfasser rät, diese irreführende Bezeichnung in der heutigen Zeit möglichst schnell dem Vergessen anheimfallen zu lassen.

Christoff Weitmoser I. könnte man, je nach gewählter Definition, als „Kapitalisten“ bezeichnen. In gleichem Atemzug müsste man dazu aber auch die Namen der beiden anderen Großgewerken anführen, nämlich die der Zott und der Strasser. Von einem „ersten“ Salzburger Frühkapitalisten zu sprechen, ist überhaupt definitiv falsch. Sieht man über das zwanzig Jahre umfassende Gastein-Rauriser Bergwerksengagement von Jakob und Ulrich Fugger (1489–1509) einmal ab, so war der erste „Früh-Kapitalist“ in Salzburg der aus Judenburg stammende Konrad Decker. Er hatte als Pächter alle Bergwerke in Gastein und Rauris übernommen und betrieb zeitweise zusätzlich auch noch die Salzburger Münze in Eigenregie und auf seinen Gewinn. Er verband das gegenüber früheren mittelalterlichen Phasen („Ordo“-Gedanke, es genüge, das „Auskommen“ zu haben!) nun in den Vordergrund tretende neue Gewinnstreben unter Ausnützung der aus dem Spätmittelalter noch zumindest teilweise vorhanden feudalistischen Strukturen (Unterpacht-System) in sehr arger Weise. Als Wechsler, Landrichter und Bergrichter hielt er alle Facetten der Macht in seiner Hand. Er drängte in seiner zusätzlichen Funktion als Geldverleiher den Bergbauinteressierten (als Kleingewerken in spe) Produktionskredite auf, die nur allzu oft in einem unternehmerischen Desaster endeten (50 ausführliche Schuldscheine zu seinen Gunsten sind überliefert). Konrad Deckers extrem frühkapitalistisches Wirtschaftsgebaren erregte unter seinen Bergleuten Unwillen. Als sich sogar eine Salzburger Kirchenversammlung mit Härte gegen „erwiesene Wucherer“ stellte, rettete sich Konrad Decker vor den aufgebrachten Schuldnern durch eine hastige Flucht über die Tauern.

Erst rund 150 Jahre später waren es dann die großen Augsburger Fugger, die im Zeitraum von 1489 bis 1509 ihre „mit kapitalistischem Geist“ gestraffte Organisation zum montanistischen Erfolg führten. Ein großer Prozess gegen ihren betrügerischen Gasteiner Faktor vor dem erzbischöflichen Gerichtshof ließ sie erkennen, dass sie im Erzstift nicht erwünscht waren, und sie zogen sich gänzlich vom heimischen Bergbau zurück.

Natürlich bemühte sich Christoff Weitmoser I. als Unternehmer um Gewinn, doch nichts von dem rücksichtslosen Vorgehen des oben erwähnten Konrad Decker lässt sich in seinem Fall auch nur andeutungsweise erkennen. Es ist kein Beleg im Originalschrifttum überliefert, der zeigen könnte, dass die Arbeiter sich gegen seinen „Kapitalismus“ erhoben hätten, was auch W. Thaler nicht schrieb.

Schließlich bleibt zu bedenken, dass er mehreren tausend Männern samt deren Familien ihr berühmtes „Stückl Brot“, also die Arbeit, sicherte und ihnen wöchentliches „Freigeld“ auszahlte. Ihnen ging es im Durchschnitt deutlich besser als den Arbeitern im ländlichen Wirtschaftsbereich, die kaum jemals Bares in die Hand bekamen (ausgenommen in der Funktion als Belagerer Hohensalzburgs im Bauernkrieg von 1525; da bekam jeder, gleicherweise wie die mitstreitenden Bergarbeiter, einen Gulden pro Belagerungswoche!).

Der oben erwähnte Konrad Decker forderte für Darlehen bis zu 100 % Zinsen und in einem Fall sogar noch mehr. Christoff Weitmoser erhielt für seine verliehenen Gelder (Silbermünzen!) nicht mehr als die damals überall üblichen fünf Prozent an Zinsen, die sogar vonseiten des Reiches ab 1500 (1548, 1577) dekretiert waren. Er war als Bergbauunternehmer und Kreditgeber genauso sehr oder genauso wenig ein ausbeuterischer Kapitalist wie etwa ein Gasteiner Bauer, der in jener frühen Zeit von seinem Feld auch kaum jemals mehr als 5% Überschuss auf der Ertragsseite erzielte. Christoff Weitmoser I. und seine Söhne gingen völlig legal ihren unternehmerischen und geldgeberischen Geschäften nach – und er ließ viel von seinem Reichtum auch den Armen zukommen, direkt (Testament!) – oder auch indirekt (Hilfsgelder bei misslungenen bergmännischen „Lehenschaften“!).

Objektiv gesehen, muss man Christoff Weitmoser I. selbstverständlich auch zugutehalten, dass er bei all seiner Geschäftstüchtigkeit mehrmals im Leben großes Glück hatte, welches die Natur ihm schenkte, wie in gleicher Weise auch den anderen großen Gewerken, speziell den Zott und den Strassern. Aber sozial gleichschaltende Gerechtigkeit ist in der Natur unbekannt. Letztendlich war es der montanistische Zufall, der aus ihm einen wirtschaftlich sehr Großen machte. Christoff Weitmoser I. formulierte in einem Brief an den Bayern-Herzog Ottheinrich, Pfalzgraf bei Rhein: „In Summa aller Weisheit so muss man es Gott und dem Glück überlassen!“ Wen das Glück mit Naturgaben bevorzugt, der muss aber nicht zwangsläufig sofort ein etwas anrüchiger („schlechter“) Mensch sein. Daher ist die Bezeichnung „Frühkapitalist“ (siehe oben Konrad Decker) für Christoff Weitmoser I. dezidiert abzulehnen. Hingegen wollte W. Thaler unbedingt alles „Früh-Kapitalistische“ (in nicht-marxistischer Diktion: alles „Kapitalistische“) in Zusammenhang mit Leben und Wirken des Christoff Weitmoser I. besonders herausstreichen. Da eine solche einseitig betonende Darstellung nicht der historischen Wahrheit entspricht, hat sich der Verfasser veranlasst gesehen, auf die vielen faktischen Fehler (siehe oben) hinzuweisen, z. B. 200 000 Gulden statt richtig 10 000 Gulden.

Dr. Fritz Gruber

Die Quellen für die oben dargebotenen Tatsachen sind mit Hilfe des Index in dem Weitmoser-Buch von Fritz Gruber zu finden.

  • Fritz Gruber: Die Weitmoser und ihr Edelmetallbergbau in den Hohen Tauern, hrsg. vom Montanverein „Via aurea“, Bad Hofgastein 2017, 494 Seiten, 969 Anmerkungen, größtenteils Quellenangaben. Index auf den Seiten 477-492.
  • Fritz Gruber: Das Gold der Fugger. Gastein und Rauris – Bergbau im Salzburger Land, context-verlag Augsburg 2014

Karl-Heinz Ludwig und Fritz Gruber: Gold- und Silberbergbau im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit, Köln Wien, 1987, 400 Seiten, 1689 (!) Anmerkungen, größtenteils Quellenangaben

Quellen

Einzelnachweise

  1. Einzelnachweis 49 im Buch: Franz Karl Wissgrill, Schauplätze des landsässigen nieder-österreichischen Adels, 1804, hat eine "Sabine von Moßheim". Die Sache ist mysteriös.
  2. E-Mail-Versand von Fritz Gruber an Redaktionen und Personen am 26. Mai 2019
  3. siehe Ludwig X. von Bayern