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Ernst Graf Gourcy-Droitaumont

Ernst Franz Xaver Graf Gourcy-Droitaumont (* 16. März 1821 in Wien; † 10. Februar 1870 ebenda)[1] war 1860/61 k. k. Landeshauptmann sowie 1869/70 Landespräsident von Salzburg.

Inhaltsverzeichnis

Laufbahn

Ernst Graf Gourcy-Droitaumont begann seine Beamtenlaufbahn als Konzeptspraktikant

  • 1842/43 bei der niederösterreichischen Kameral-Gefällsverwal­tung,* 1843/44 beim k. k. Kreisamt im Viertel unter dem Wie­nerwald (),
  • 1844 bis 1846 beim k. k. Gubernium in Graz und

1846/47 beim k. k. Kreisamt in Cilli, slowenisch Celje (Untersteiermark).[1]

In der Folge war er

  • von 1847 bis 1849 als Kreisamtskommissär beim k. k. Kreisamt in Bruck an der Mur (Steiermark),* von 1849 bis 1854 als Konzipist bezie­hungsweise 1854 bis 1856 Statthaltereisekretär bei der k. k. Statthalterei in Graz,
  • von 1856 bis 1859 als Ministerialsekretär im k. k. Ministerium des Innern sowie
  • 1859/60 als k. k. Kreis­vorsteher in Graz

eingesetzt.[1]

In Salzburg wirkte er 1860/61 als Landeshauptmann und interimistischer Landespräsident sowie 1869/70 als Landespräsident, dazwischen von 1861 bis 1868 als k. k. Statthaltereirat in Niederösterreich und 1868/69 als k. k. Statthaltereirat in Innsbruck.[1]

Salzburg

Ernst Graf Gourcy-Droitaumont wurde am 30. April 1860 zum Landeshauptmann von Salzburg ernannt. Zugleich wurde aber die bisherige Landesregierung aufgelöst und das Herzogtum Salzburg der Linzer Statthalterei unterstellt.[2]

Die neu geschaffene Stellung eines Landeshauptmannes war eine merkwürdige: Er war Chef des politischen Bezirksamtes Salzburg und Umgebung. Zugleich war er aber ein „bleibend exponiertes“ Organ der Linzer Statthalterei und in einigen Agenden für das ganze Kronland Salzburg zuständig. Die übrigen Bezirksämter hatten in der Regel direkt mit Linz zu verkehren (diese „Verwaltungsreform“ erfolgte zur Entlastung der kriegsbedingt angespannten Staatsfinanzen).[2]

Doch bald ging der politische Kurs des Landes wieder in Richtung Selbstständigkeit. Im März 1861 fanden die ersten Wahlen zum – freilich noch ständisch zusammengesetzten – Salzburger Landtag statt.[2]

Dabei vollzog Graf Gourcy-Droitaumont die Politik der Reichsregierung, gemäßigt liberale Kandidaten zu forcieren. So wurden wunschgemäß – mit massiver bürokratischer Intervention – Josef Lasser, Erzabt Albert Eder sowie der Mattseer Stiftsdechant Dr. Josef Halter in den Landtag gewählt.[2]

Ein kaiserliches Handschreiben vom 29. März 1861 verfügte die Wiedererrichtung selbstständiger Landesbehörden, insbesondere der Landesregierung: diese unterstand anfangs interimistisch dem Grafen Gourcy-Droitaumont. Sie nahm am 15. Mai 1861 ihre Amtstätigkeit auf.[2]

Am 31. August 1861 schied Graf Gourcy-Droitaumont aus seinem Amt.[2]

Im Jahr 1869 wurde er als Landespräsident abermals an die Salzburger Verwaltungsspitze berufen. Er verstarb im darauffolgenden Jahr.[2]

Familie

Graf Gourcy-Droitaumont entstammte einer französischen Adelsfamilie, die zur Zeit der Revolutionskriege nach Österreich ging.[3]

François Antoine Comte de Gourcy de Droitaumont (* 1751 Charey; † 1827 Wien) hatte Claire Thérèse Antoinette Marquise d'Yve († 1809 Wien) im Jahr 1782 in Namur (Belgien, damals österreichische Niederlande) geehelicht. Der Ehe entstammten zumindest

  • Felix Graf Gourcy-Droitaumont (* 1783; † 1838), k. k. Hofkämmerer und Ornithologe, sowie
  • Ernst (Ernest André Victor) Graf Gourcy-Droitaumont (* 14. Jänner 1788 Château de la Grange aux Ormes [bei Metz (Lothringen, Frankreich)].

Letzterer Ernst heiratete am 22. Oktober 1816 Elisabeth Anna Antonia, Tochter des Industriellen Franz Xaver Freiherrrn von Mayr, Mitgliedes der Niederösterreichischen Landstände und Besitzer der Herrschaft Penzing. Der Ehe entsprossen fünf Kinder:

  • Franz Joseph Ernst
  • Ernst Franz Xaver (* 1821)
  • Heinrich Felix Theodor (* 1822)
  • Karl Franz Xaver
  • Maria Josephine (* 28 April 1825; † 5 September 1854 Schloss Idolsberg [Niederösterreich]), verheiratet (4. September 1849) mit Eugen Freiherrn von Wacken, Besitzer der Herrschaften Mittergrabern und Idolsberg

Unser Graf Ernst (* 1821) heiratete am 5. Februar 1861 in Graz Christina Gräfin Albertoni[4]. Aus dieser Ehe ging zumindest der Sohn Felix Franz Maria Dominik Ernst (* 4. August 1862 in Wien) hervor.

Quellen und Anmerkungen

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Voithofer, Richard: „… dem Kaiser Treue und Gehorsam …“ Ein biografisches Handbuch der politischen Eliten in Salzburg 1861 bis 1918. Wien (Verlag Böhlau) 2011. ISBN 978-3-205-78637-5. S. 55nbsp;f, gestützt auf Hundert Jahre selbständiges Land Salzburg, S. 103f; Kielmannsegg, Erich: Bei­träge zur Geschichte der niederösterreichischen Statthalterei. Die Landeschefs. und Räthe die­ser Behörde von 1501 bis 1896,Wien 1897, S. 484.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 Haas, Hans: Salzburg in der Habsburgermonarchie, in: Dopsch, Heinz; Spatzenegger, Hans (Hrsg.): Geschichte Salzburgs, Stadt und Land, Band 2, Teil 2, Neuzeit und Zeitgeschichte; Verlag Anton Pustet Salzburg 1988; ISBN 3-7025-0243-4. S. 720, 723, 748, 757.
  3. Quelle des Abschnitts "Familie": Ch. Poplimont: La Belgique Héraldique - Recueil historique, chronologique, généalogique et biographique complet de toutes les maisons nobles reconnues de la Belgique, tome V (Gobl-Ho). Paris 1866. S. 105-107(die dort durchwegs französischen Vornamensformen wurden im vorliegenden Salzburgwiki-Artikel teilweise verdeutscht).
  4. Offenbar eine Schwester der im Artikel Moll erwähnten Clara Francesca Albertoni di Macherio (*1828), Tochter des Francesco Lodovico Albertoni Conte di Macherio (* 1796; † 1848) und der Maria Amalia Marchesa Erba-Odescalchi (* 1802), die mit Josef Ludwig [italienisch: Giuseppe Luigi] de Moll (* 1807; † 1882) verheiratet war.
Landespräsidenten von Salzburg