Franziska Kobler

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Franziska "Fanny" Kobler

Maria Theresia Franziska Kobler (* 25. September 1796 in Salzburg, genannt „Fanny“, in der Familie „die Höllbräuin“; † 12. Juli 1886 ebenda) war „vormals Besitzerin des Höllbräuhauses“, heute das Hotel Altstadt Radisson Blu in der Salzburger Altstadt in der Judengasse.

Taufe

Bei der Taufe ist „Johann Anton Hagenauer, bürgerlicher Handelsherr“ Pate; die Todesanzeige für „Franziska Kobler, Private“ unterschreibt ihre Enkelin Fanni Spängler[1].

Fanny Koblers Leben und das Höllbräu

Aus ihrer Jugendzeit liegt eine Sammlung loser Poesieblätter (verschiedentlich „Salzburg 1813“) vor und u. a. eine „aus Freundschaft“ zugeeignete Postkarte von „Math. Jos. Stroebl. 1815“. Ein in Öl gemaltes Porträt zeigt sie als stattliche, selbstbewusste Frau[2].

Ein Dokument von 1837 weist sie mit ihrem Bruder Serafin Kobler junior als Besitzerin der Höllbräuhauses aus: Judengasse No. 67. Eine Behausung sammt Bräuhaus und Bräuers-Gerechtsame pp Ein Keller in ihr sogenannten PerXX Behausung oder Neubau pp Sammt Weinschankrechtssame. Ohne grundherrlichen Verband. Besitzer: Die Geschwisterte Seraphin u. Franziska Kobler zu gleichen Theilen. [...] 1837 [...] Hierauf haftende Hypotheken [...] [Beglaubigung] [...] 1839.“[3] Das Brauhaus hat sie nach dem ersten Mann ihrer Mutter, Franz de Paul Elixhauser (* 1764; † 1793) geerbt, der das Höllbräu von 1791 bis 1793 führte (dieser seinerseits nach seinem Vater Johann Ambros Elixhauser, der das Höllbräu 1788 kaufte).[4]

Fanny Koblers Vater, Seraphin Kobler (* 1774; † 1841 in Salzburg), ist ebenfalls Bierbrauer und stammt aus Raab im Innviertel. Er übernimmt das Höllbräu; 1794 wird er „angehender Höllbräuer“ genannt, 1796 „bürgerlicher Bierbrauer in der Höll“.[5]

Fanny Koblers Testament von 1875 enthält weitere Hinweise zur Familie: „Letzte Willenserklärung der Franziska Kobler. Meine Leiche soll anständig zur Erde bestattet werden, es sollen die gewöhnlichen hl. Messen gelesen werden und fünfzig Gulden an die Armen verteilt werden. Als Allein-Erbin meines ganzen Vermögens oder Nachlaß setze ich meine Enkelin Franziska Schlegel ein. [...] abzuführen. 1.) Der Betti Kobler Tochter meines Vater Bruder [...] alle Jahr fünzig Gulden. [...] 2.) Ihren Bruder Wilhelm Kobler [...] tausend Gulden Ö. W. in einem Zeitraum von einem Jahr [...] 3.) Der Luise Kobler Tochter meines Vaters Schwester [...] zwei Hundert Gulden [...] 4.) Herrn Paul Kobler Sohn meines Vaters Bruder [...] zwei hundert Gulden [...] 5.) Die vier Töchter meines Vaters Schwester [...] jede Zweihundert Gulden [...] 6.) Meinem Schwiegersohn Dr. Richard Schlegel als Andenken sechs silberne Löffel, Messer und Gabeln, seiner Frau Katharina Schlegel ein goldenes Armband mit dem Rubin und die gleiche Brouch [Broche]. Einen jeden von ihren Kindern einen Dukaten in Gold. [...] Franziska Kobler [...] Salzburg 1875. Kundgemacht 1886.“[3]

Weitere Akten sprechen von „1000 Gulden Unterstützung der Oberrealschüler in Salzburg und 200 Gulden der Dienstboten-Erziehungsanstalt in Salzburg“. „Schließlich drücke ich meinen Wunsch aus, daß meine Erbin [... Fanni Schlegel, verheiratet Spängler] die zwei Hausböden [Wohnungen] im Hause No. 10 am alten Marktplatz in Salzburg nicht verkaufen sollen“, sondern die „Localitäten“ an „ordentliche Partheien zu vermiethen“. Ein „Eidesstättiges Vermögensbekenntniß“ ergibt aus dem Nachlass 1886: „2 Hausböden über 2 und 4 Stiegen im Hause N. 10 Marktplatz Salzburg (Wert: 8000 Gulden [fl.]); Bargeld 670 Gulden; Silber (36 Essbestecke = 90 fl., 30 Silberlöffel = 105 fl.), Schmuck (u.a. Brillantschmuck = 120 fl., 22 versch. gold Ringe = 40 fl.); Höllbräuhaus 17.500 fl., Zinsen [Miete] davon ½ Jahr = 316 fl.; Jägerhof 1925 fl., Zinsen davon 102 fl.; Sparkassenbuch 4000 fl.; Wertpapiere 955 fl.; Kleider, Wäsche, Leinzeug, Goldhaube = 240 fl.; Einrichtung u.a. 1 feuerfeste Cassa = 70 fl., 1 alterthüml. Standuhr = 30 fl., 4 Ölgemälde 30 fl., 2 alte Stellenkästen = 10 fl., versch. Bilder, 3 Armleuchter [...] zus. 790 fl.; Küchengeschirr = 25 fl., Porzellan, Gläser = 20 fl., Vermögen insgesamt = 35.014,16 Gulden.“[3]

Eine Tochter

Gruft Nr. 80 (Grafendorfer-Elixhauser-Kobler-Auer) auf dem Salzburger Sebastiansfriedhof

Franziska Kobler bekommt ein Kind, Zäzilia Amalia Kobler, mit (dem in der Geburtsurkunde „nicht eingetragenen“) Francesco Castelli (* 1796 in Brescia, Lombardei; † 1832 in Brescia); Zäzilia Amalia wird am 13. Mai 1821 in Salzburg geboren[6]. Der „Oberlieutenant im Genie Korps“ ist mit ihr verlobt, will aber mit der Heirat warten, bis er Frau und Kind versorgen könne. Als Landvermesser beim Militär verdient er nicht ausreichend. Rührende Briefe z. B. an „Fräulein Malli Kobler. Im Gasthofe zur Hölle Judengasse Nr. 67. Salzburg“ belegen seine Fürsorge für Frau und Kind; bevor er die ersehnte Beförderung zum Hauptmann bekommt, wird er krank und stirbt. Ein Brief des Vaters aus Brescia vom 26. November 1832 sagt u. a.: „Der unglückliche Franz starb den 20 April d. J. in dem Hause seiner Schwester. [...] er starb ohne eine schriftliche oder mündliche Anordnung treffen zu können. – Aber da das Unglück nie allein kommt, muß ich Ihnen bemerken, daß das Geld welches er hatte nach seinem Tode sich nicht mehr vorfand [...]“. Vom späteren Ehemann der Zäzilia Amalia, Richard Schlegel, liegen Briefe vor, u. a. 1845 an „Fräulein Fräulein Amalia Castelli Wohlgeboren in der Hölle“.[3]

Schwiegersohn

Richard Franz Schlegel (* 3. April 1811 in Theresienstadt; † 1. März 1881 in Salzburg), Dr. med., war „Stadtphysikus“, erster Stadtarzt in Salzburg. Er heiratet am 21. April 1846 im Salzburger Dom die „Zäzilia Amalia Kobler (Castelli)“; in zweiter Ehe heiratet er Katharina Arrigler (* 1831; † 1911), und hat mit ihr Kinder (und Nachkommen in den Salzburger Familien Wessely, Teschner, Bergstätter u. a.). Seine erste Frau stirbt bei der Geburt der Tochter, Franziska (Fanni) Schlegel. Richard Schlegel wohnt ebenfalls im „Höllbräuhaus“.[7]

Eine Enkelin

Franziska Schlegel, genannt Fanni (* 1. Juni 1848 in Salzburg; † 21. März 1905 in Krems), heiratet 1872 Dr. Franz Spängler (* 10. April 1839 in Salzburg; † 24. Jänner 1912 in Krems; Franz (II.) Xaver Gregor Spängler). Sie wächst bei der Großmutter in der Höllbräu auf; zahlreiche Briefe aus ihrem ganzen Leben zeugen von der engen und innigen, gegenseitigen Verbundenheit zwischen Fanni Schlegel und ihrer Großmutter Fanny Kobler.[8]

Brief der Franziska Kobler vom 21. Febuar 1876

Ein Brief der Franziska Kobler vom 21. Februar 1876

Fanny Kobler („Fanny“ im Unterschied zu ihrer Enkelin „Fanni“), die Briefschreiberin, ist an diesem Datum 79 Jahre alt. Im Anschluss an einen Brief von Ida Schlögelhofer, einer Salzburger Jugendfreundin ihrer Enkelin, schreibt sie eigenhändig ebenfalls an diese Enkelin, Franziska (Fanni) Spängler, * 1848; † 1905, in Wien, die mit dem späteren Oberlandesgerichtsrat in Krems Dr. Franz Xaver Spängler, * 1839; † 1912, verheiratet ist. Sie planen und erwarten ihr erstes Kind; Franziska (Franzi) Spängler, wird dann am 18. Juni 1877 in Wien geboren als älteste einer Geschwisterreihe (Franzi Spängler ist später Musiklehrerin in Salzburg und stirbt dort am 23. März 1962).

[auf einer vorhergehenden Seite:] Liebe Fanni! Wie mich das glüklich macht heute 8 Tag dich in Geselschaft der guten Mutter [Maria Anthonia Spängler, geb. Lürzer von Zechenthal, * 1803; † 1882 in Salzburg] und erfahrene Frau zu [siehe Abbildung:] wissen kann ich dir nicht beschreiben, nach dem dein Befinden Gott sey Dank immer so gut als es unter diesen Umständen seyn kann ist, so wird alles gut vorüber geh’n. Mein Befinden ist zimmlich gut, daher kannst du auch in dieser Beziehung ruhig sein. Laschanzki [Laschensky = Cäcilia Laschensky; † 1877 in Salzburg, 84 Jahre alt] seine Frau wird auch schon im März entbunden; es [geht] gut soviel ich von seiner Mutter höre welche dich vielmals grüßen läßt. Frau v: Bauernfeind [Paurnfeind = wohl Josefa Baurnfeind; † 1878 in Salzburg, 72 Jahre alt] ist von Reumatischenschmerz im Fuß schon 8 Wochen im Bett. Wenn dein Wuzl Gethauft und eingewikelt ist, so [gib ihm] einen lan lange[n], lange[n] Kuß von mir, was würde ich darum geben wenn ich bey euch sein könnte. Lebe wohl liebe Fanni, grüße deinen Mann. Meine Augen erlauben mir nicht länger zu schreiben. Fanni.[9]

Quellen

  1. Geburts- und Taufschein, Dompfarramt Salzburg; gedruckte Todesanzeige: Seelenamt im Dom, Begräbnis auf St. Sebastian; Partezettel der Firma Pustet in Salzburg
  2. Belege und Bild im Besitz der Familie; wie die anderen Quellen auch: Familie Prof. Dr. Otto Holzapfel, Freiburg im Breisgau
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 Beleg im Besitz der Familie
  4. Das »Höllbräu« zu Salzburg. Geschichte eines Braugasthofes, hrsg. von Erich Marx, Salzburg 1992, S. 183 und passim; Heinz DopschRobert Hoffmann, Geschichte der Stadt Salzburg, Salzburg 1996, S. 189
  5. Vergleiche „Uebergabe Vertrag“ vom 10. Oktober 1791 von Johann Ambrosius Elixhauser, „Stiegl Brauer“, an den Sohn Franz Elixhauser, der dann 1793 stirbt.
  6. Geburts- und Taufschein des Stadtpfarramts St. Andrä in Salzburg
  7. Belege im Besitz der Familie: Geburtsurkunden, „Heiratsvertrag“ 1846, Trauschein, Briefe der Stiefmutter Katharina Schlegel, Todesanzeigen u. a.
  8. Belege im Besitz der Familie: Geburtsurkunde, Trauschein, zahlreiche Briefe, Todesanzeigen u. a.
  9. Briefbeleg im Besitz der Familie [siehe oben], ebenso Partezettel für Laschensky und Baurnfeind