Renngeschichte von 1928 bis zur Gegenwart

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Renngeschichte von 1928 bis zur Gegenwart.

Renngeschichte von 1928 bis zur Gegenwart, Adrenalinrausch auf zwei Rädern, ist der Titel der vierten Sonderschau in den Ferdinand Porsche Erlebniswelten fahr(T)raum in der Flachgauer Marktgemeinde Mattsee, die vom 5. Oktober 2019 bis 29. Februar 2020 zu sehen ist.

Beschreibung

Die inzwischen 4. MotorradClassic Sonderschau handelt von Geschichten, Legenden und Fahrern rund um historische Rennmaschinen und beschreibt die Entwicklung der Motorrad-Weltmeisterschaften samt ihrer einzigartigen Helden. Zu den Exponaten zählen insgesamt 19 Rennmaschinen, u. a. BMW R 57 Kompressor Baujahr 1928, die Honda RS 250 NF5 Baujahr 1987 von Hans Lindner, Yamaha TZ 250 Production Racer Baujahr 1989, KTM 1195 RC 8R IDM Super Bike Baujahr 2011, u. a.; ausgewählt und zusammengestellt von Karl Holzner und seinem Team. Bilder in der Ausstellung stammen von KTM und aus dem Motorrad-Literatur- und Bildarchiv Prof. Dr. Helmut Krackowizer, die Texte von Peter Krackowizer.

Infotainment-Grafiken, Bilder und Führungen erklären die Entwicklung der Motorrad-Weltmeisterschaften anschaulich.

Wer wissen möchte, warum der 1. Mai 1977 der schwärzeste Tag in der Geschichte des Salzburgrings war, wann der Niederösterreicher Rupert Hollaus zum ersten und bislang einzigen Solomotorrad-Weltmeister Österreichs gekürt wurde und welche Länder bzw. Rennfahrer die Weltmeisterschaften dominierten, sollte diese Ausstellung besuchen.

Die Ausstellungsstücke und deren Leihgeber

Baujahr Type Technische Daten Leihgeber
1987 Honda RS 250 NF5 membrangesteuerter Zweizylinder Zweitakt Motor, 250 cm³, ungefähr 80 PS, Kraftübertragung über Trockenkupplung und Kette, ehemalige Rennmaschine von Hans Lindner Eugen Swoboda
1934 Sunbeam M95 RTT Production Racer Einzylinder Viertakt OHV 500 cm³, ca. 30 PS, Vierganggetriebe Anton Bögl
1968 Aermacchi 350 Ala d'Oro 30-40 PS, Sechsgang-Getriebe Anton Bögl
KTM Einzylinder S-Mono Motocross Josef Frauenschuh[1]
1930 NSU 500 Bullus Gerhard Weinzettl
Honda 600 S.SP Karl Fasching
2011 KTM 1195 RC 8R IDM Super Bike mit der Martin Bauer Rennen fuhr KTM
1976 Morbidelli 125 Production Racer mit der Ernst Fagerer Rennen fuhr Ernst Fagerer
1989 Yamaha TZ 250 Production Racer Zweizylinder Viertakt, 250 cm³, ungefähr 75 PS, August Auinger fuhr damit 1989 bei der Motorrad-Weltmeisterschaft Theo Winkler und Wolfgang Palusetti
1988 Honda 750 RC 30 Superbike Rennmaschine, ca. 125 PS Robert Maschner
1974 Yahama TZ 750 OW 31 Rennmaschine Robert Maschner
1954 Puch 250 TFS Sepp Maier
1953 BSA Goldstar 500 Ferdinand Kranawetvogl
1953 Norton Manx 500 Einzylinder Viertakt DOHC mit Königswelle, etwa 40 PX, Vierganggetriebe des ehemaligen Rennfahrers Ernst Kussin Eduard Kranawetvogl
1928 BMW R57 Rennmotorrad 500 cm³, 54 PS Paul Schwab junior
1930 Kettl AJS 500 R 10 Werksrennmaschine Willi Linzer
2011 KTM 1195 RC 8R IDM Super Bike mit der Martin Bauer Rennen fuhr Willi Linzer
1969 Ducati 350 Einzylinder Viertakt Königswelle OHV, Fünfganggetriebe, ca. 35 PS Herbert Schoßleitner
1991 Kawasaki ZXR 750 R Super Bike Vierzylinder Viertakt, 750 cm³, ungefähr 130 PS, Sechsganggetriebe Johann Wieder
Alle Motorrad-Leihgeber, vorne rechts Karl Holzner, Organisator der Ausstellung, ganz rechts Jakob Iglhauser, Geschäftsführer der Ferdinand Porsche Erlebniswelten fahr(T)raum Mattsee.
Blick in die Ausstellung.
Ferdinand Kranawetvogl vor einer Aermacchi 350 Ala d'Oro, Baujahr 1968, 30-40 PS, Sechgang-Getriebe (Leihgeber Anton Bögl), mit der er früher Rennen fuhr.
Ernst Fagerer bei seiner Morbidelli 125 Production Racer, Baujahr 1976, ungefähr 42 PS, Zweizylinder Zweitakt-Motor, Sechsganggetriebe, die er einst fuhr.

Eröffnung am 5. Oktober 2019

Die Eröffnung der Ausstellung „Renngeschichte von 1928 bis zur Gegenwart“ am 5. Oktober 2019 abends im Rahmen der Langen Nacht der Museen statt. Unter den Gästen befanden sich auch die beide ehemaligen Rennfahrer Ferdinand Kranawetvogl und Ernst Fagerer. Peter Krackowizer sprach einführende Worte:

Der Motorradrennsport ist wohl genauso alt wie das Motorrad selbst. 1884 hatten Hildebrand und Wolfmüller mit dem Namen „Motorrad“ das von ihnen erfundene einspurige Fahrzeug patentieren lassen. Bereits 1895 gab es die ersten Langstreckenrennen in Frankreich von einer Stadt zur anderen. Allerdings verstand man damals in Frankreich unter Motorräder noch Dreiräder. Erst 1903 fanden dann die ersten echten Motorradrennen für einspurige Fahrzeuge in Frankreich auf zementierten Radrennbahnen statt. Ein Jahr später gab es mit dem „Coupe Internationale“ in Dourdan bei Paris gewissermaßen den ersten „Großen Preis von Europa“.

Mit einer Laurin & Klement aus Jungbunzlau in Böhmen gewann 1905 Vaclav Vondrich den zweiten „Coupe Internationale“ in Frankreich. Vondrich, noch ohne Ledergewand und Sturzhelm, war fast 87-km/h-schnell.

Ein anderer berühmter österreichischer Rennfahrer auf Laurin und Klement war Alexander Graf Kolowrat-Krakowsky, genannt Sascha. Für ihn konstruierte später Prof. Ferdinand Porsche den berühmten Austro-Daimler-Rennwagen „Sascha“.

Mit dem Exelbergrennen bei Wien im Jahr 1899 fand wahrscheinlich die erste Motorsportveranstaltung in Österreich statt. Wahrscheinlich deshalb, weil bis noch keine Informationen über frühere Motorsportveranstaltungen gefunden wurden.

Wann genau echte Rennmotorräder entstanden waren, lässt sich nicht sagen. Aber beispielsweise 1905 gab es schon ein Peugeot-Einzylinder-Rennmotorrad. In England war es vielleicht James Norton, der ein erstes Rennmotorrad konstruierte. Norton begann 1898 mit der Herstellung von Ketten und 35 Jahre später dominierten Norton-Motorräder auf allen Rennstrecken als die „unapproachable“ – „die Unerreichbare“.

Noch in den ersten Jahren der Motorradweltmeisterschaft nach dem Zweiten Weltkrieg wurden auf Norton Eric Oliver vier Mal und Cyril Smith einmal Beiwagen-Weltmeister sowie Geoff Duke drei Mal Solomotorrad-Weltmeister.

Bei der ersten englischen Tourist Trophy 1907 auf der Insel Man gewann Charlie Collier auf einer Matchless, die sein Vater Henry Herbert Collier konstruiert hatte. Ein anderen englischer Motorradkonstrukteur, Dan Rudge, hatte vor allem in den 1920er-Jahren viele motorsportliche Erfolge mit seinen Rudge-Modellen, die von Spitzenfahrern wie Graham Walker, Ernie Nott, Henry Tyrell-Smith und Wal Handley erreicht wurden.

Nach dem Ersten Weltkrieg fanden ab 1921 einige nationale „Große Preise“ in Frankreich (Le Mans), Belgien (Francorchamps), Italien (Monza) und in der Schweiz statt. Aber der erste richtige Europameisterschaftslauf fand erst 1924 statt. Der Motorradweltverband (FICM) hatte entschieden, dass jeder Fahrer den Titel Europameister tragen dürfe, der ein Rennen im „Großen Preis von Europa“ gewinnt. Diese Veranstaltung fand einmal im Jahr abwechselnd in einem anderen Land statt.

1924 hatten die Österreicher Hugo Höbel und Rupert Karner auf Puch mit den Plätzen zwei und drei beim „Großen Preis von Europa“ in Monza auf diese österreichische Motorradmarke aufmerksam gemacht. Sicherlich ein echtes Rennmotorrad aus Österreich war dann die wassergekühlte Puch mit Ladepumpe im Jahr 1931. Puch hatte mit dem Grazer Siegfried Cmyral und dem Schweizer Elvetio Toricelli zwei erfolgreiche Fahrer. Toricelli gewann im Juli 1931 den „Großen Preis von Deutschland“ vor den bis dahin ungeschlagenen englischen Motorrädern New Imperial, Excelsior und Rudge.

Puch-Motorräder fand man fortan bei Straßen- und Geländerennen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es auch einige Rennmaschinen. So gewann beispielsweise der Salzburger Manfred Magnus 1968 bei mehreren Bergrennen mit einer Puch-125-cm³-Werksrennmaschine.

Und noch eine zweite österreichische Motorradmarke hat sich im internationalen Motorradrennsport einen Namen geschaffen: KTM-Motorfahrzeugbau KG, Kronreif & Trunkenpolz Mattighofen. Die KTM-Mannschaft der ersten Stunde bestand aus Maria Hartmann, einer Tante von Ernst Kronreif – die Geldgeberin für den Beginn von KTM, Ernst Kronreif, Hans Trunkenpolz, Erwin Lechner, Albert Brenter, Eduard „Edi“ Kranawetvogl, Paul Schwarz und das erste KTM-„Rennmotorrad“ war eine Moser 100 mit 98-cm³-Rotax-Sachs-Motor.

Trunkenpolz und Ing. Ludwig Apfelbäck konstruierten dann 1955 den ersten KTM-eigenen 125-cm³-Rennmotor mit 18 PS bei 12 000 Umdrehungen. Damit gewann Paul Schwarz im selben Jahr beim ersten Rupert-Hollaus-Gedächtnis-Rennen in Salzburg-Liefering.

Gegen Ende der 1950er-Jahre hatte KTM noch 125-cm³-Rennmotorräder mit MV-Agusta-Motoren. Erwin Lechner wurde mit sieben Staatsmeistertitel in verschiedenen Motorraddisziplinen der erfolgreichste KTM-Fahrer der Anfangszeit.

Über die Erfolge von KTM in der Straßen-Weltmeisterschaft informiert diese Ausstellung.

Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass auch Frauen seit Beginn des Motorradsports dabei waren. So gewann Gertrude Eisemann 1905 und 1906 bei den Solitude-Rennen in Stuttgart, die seit 1903 stattgefunden hatten (auf 1-Zylinder-NSU 400 cm³, ~ 50 kg).

Bei den Rekordfahrten in der Neunkirchner Allee bei Wiener Neustadt war 1930 Sophie Skorpil mit einem BMW-Gespann dabei. Sie fuhr mit 104 km/h den Damenrekord des Tages.

Maria Wachter aus Bludenz startete beim ersten Großglockner Automobil- und Motorradrennen am 4. August 1935, nur einen Tag nach der Eröffnung der Großglockner Hochalpenstraße. Allerdings schied sie wegen Defekt aus.

Inge Weikinger, verheiratete Kranawetvogl, erlebte zwei Jahre vor ihrer Hochzeit ihr größtes Motorrad-Abenteuer. Sie belegte 1957 bei einer internationalen Wertungsfahrt in Riga, Lettland (damals noch Sowjetunion) bei schwierigsten Bodenverhältnissen (Sumpf, Sand u. ä.) in ihrer Klasse auf KTM unter zwölf Teilnehmern den zehnten Platz.

Diese Ausstellung zeigt aber nicht nur Rennmotorräder, sondern beschäftigt sich auch mit der Straßenmotorrad-Weltmeisterschaft und anlässlich seines 50jährigen Bestehens auch mit dem Salzburgring.

Vorläufer der Motorrad-Weltmeisterschaftsläufe am Salzburgring ab 1971 waren die „Großen Preise von Österreich“. Der erste, der so genannt wurde, fand 1925 auf der 1 100 Meter langen Trabrennbahn in der Krieau im Wiener Prater statt.

Der erste klassische „Große Preis von Österreich“ als Straßenrundrennen fand aber erst 1927 auf einer 10,4 Kilometer langen Strecke in Vösendorf bei Wien statt, an dem 45 Fahrer teilnahmen. Diese Rennen endeten 1930 und Österreich verlor bald den Anschluss an das internationale Motorsportgeschehen, abgesehen von den ersten Gaisbergrennen, den drei internationalen Großglockner-Bergrennen und den Semmering-Bergrennen bis 1933.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden in Österreich zwar wieder internationale Straßenrennen statt, wie beispielsweise in Rankweil oder auf der Autobahn in Salzburg-Liefering, aber noch keine Weltmeisterschaftsläufe, die seit 1949 gefahren wurden, also seit 70 Jahren.

Während man in Zeltweg bereits im August 1964 erstmals einen Formel-1-Weltmeisterschaftslauf ausgetragen hatte, dauerte es für Motorrad-Weltmeisterschaftsläufe bis 1971.

Nachdem im September 1969 der Salzburgring eröffnet worden war, kam es 1970 zur Begehung von Delegierten der FIM, des Motorradsport-Weltverbandes, und nach einigen Änderungen konnten dann am 9. Mai 1971 am Salzburgring sechs Motorrad-Weltmeisterschaftsläufe durchgeführt werden.

In der 125-cm³-Klasse wurden die Österreicher Harald Bartol 1977 Dritter, 1978 und 1979 Zweiter und Gustl Auinger 1982 und 1985 Zweiter.

Doch werfen wir noch einen Blick auf die sogenannten 1. Mai Rennen in Salzburg. Das erste Rennen fand am 6. Juli 1947 statt und erst 1951 wurde es am 1. Mai veranstaltet. Dieses Datum blieb dann bis 1971 fester Bestandteil im Motorradrennsportkalender.

Ab 1958 wurden sie als „Großer Preis von Österreich“ ausgetragen. Und obwohl sie noch nicht zur Weltmeisterschaft zählten, fand sich jedes Jahr die Weltelite der Motorradrennfahrer in Salzburg ein.

Der einzige österreichische Sieg bei einem „Großen Preis“ in Salzburg-Liefering gelang 1964 Bert Schneider in der 125-cm³-Klasse. Von den Weltstars siegten Carlo Ubbiali, Mike Hailwood, Luigi Taveri und Giacomo Agostini, um nur einige zu nennen.

Ich habe selbst noch als Kind einige 1.-Mai-Rennen in Liefering und dann in Anif erlebt. Von einer Trachtenmusikkapelle begleitet schoben die Fahrer ihre Maschinen aus dem Fahrerlager an Start. Dann wurde ein Schild in die Höhe gehalten auf dem stand, wie viele Minuten es noch bis zum Start dauert. Die Zuschauer gingen an den Straßenrand zurück – heute unvorstellbar – die Mechaniker und Betreuer der Rennfahrer verließen ebenfalls den Startraum, die Fahrer setzten ihre Brillen auf und machten ihre Motorräder startklar. Im Moment, in dem die Startflagge fiel, war es totenstill. Dann aber heulten die Motoren auf, die Fahrer schwangen sich auf ihre Motorräder - oder schoben und schoben – und verschwanden auf der Startgeraden zur ersten Kehre.

Nun komme ich auch zum letzten Punkt meines Rückblicks in die Geschichte des Straßenmotorradrennsports – zu den Straßenmotorrad-Weltmeistern aus Österreich.

Der wohl bekannteste von den drei österreichischen Straßenmotorrad-Weltmeistern ist Rupert Hollaus, der bisher einzige österreichische Solomotorrad-Weltmeister. Als er im September 1954, wenige Tage nach seinem 23. Geburtstag, im Training in Monza tödlich verunglückte, stand er bereits als Weltmeister in der 125-cm³-Klasse fest.

Der zweite Weltmeister aus Österreich kam 1917 in Weißbach bei Lofer im Salzburger Land zur Welt: Friedrich „Fritz“ Hillebrand. Später nahm er die deutsche Staatsbürgerschaft an.

1957, auf dem Weg zum Weltmeistertitel, streiften Hillebrand und sein Beifahrer Grunwald im Training zum "Großen Preis von Bilbao" in Nordspanien mit ihrem BMW-Gespann in einer Kurve einen Kilometerstein und wurden gegen einen Laternenmasten geschleudert. Hillebrand war auf der Stelle tot, Grunwald kam mit leichten Verletzungen davon.

Doch in der Weltmeisterschaft reichte es: Friedrich Hillebrand und Manfred Grunwald waren Beiwagen-Weltmeister 1957.

Ebenfalls Beiwagen-Weltmeister waren 2001 die beiden Österreicher Klaus Klaffenböck und Christian Parzer. 2010 konnte Klaus Klaffenböck zusammen mit Beifahrer Daniel Sayle seinen ersten Sieg bei der Tourist Trophy auf der Isle of Man feiern. 2011 beendete er seine aktive Rennsportkarriere und lebt nun auf der Insel Man.

Bilderlink

Quellen

Einzelnachweis

  1. aktiver erfolgreicher Motorradradrennfahrer aus Eggelsberg, seine Erfolge siehe www.frauenschuh-tuning.at
Zeitfolge
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Historische Motorrad-Gespanne

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