Virgil Widrich

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Virgil Widrich (* 16. Mai 1967 in Salzburg) ist österreichischer Regisseur, Drehbuchautor, Filmproduzent und Multimedia-Künstler und lebt in Wien. Seine Eltern sind Gerheid Widrich und Hans Widrich.

Leben

Virgil Widrich wuchs in einem 500 Jahre alten Haus auf dem Mönchsberg in Salzburg auf. Sein Nachbar war Peter Handke, häufiger Besucher der Familie war Wim Wenders.

1980 bekommt Widrich seine erste Super-8-Kamera geschenkt und dreht noch im selben Jahr seine ersten drei Filme:

  • "My Homelife", eine Dokumentation über das Haus der Eltern,
  • "Gebratenes Fleisch", einen von Roald Dahl inspirierten Kannibalismus-Krimi und
  • ein Portrait des Kärntner Spiegelkünstlers Arnulf Komposch mit dem Titel "3 x Ulf'".

1982 beginnt Widrich mit der Inszenierung seines ersten Films mit richtigen Schauspielern, "Monster in Salzburg". Dabei werden ganze Straßenzüge von Salzburg als Modell nachgebaut. Im selben Jahr beginnt Virgil Widrich mit dem theoretischen Studium des Mediums Film mittels zahlreicher Filmbücher und gezielter Drehbuchanalyse.

1983 startet Widrich nach langen Vorbereitungen mit der Arbeit an seinem ersten abendfüllenden Spielfilm "Vom Geist der Zeit". Um sich das Budget für den Film zu finanzieren, beginnt Widrich als Statist und als Requisiteur bei den Salzburger Festspielen zu arbeiten. Im Herbst 1985 besteht Widrich die Matura am Akademischen Gymnasium in Salzburg und beginnt das Studium an der Wiener Filmakademie, das er nach wenigen Wochen wieder abbricht, um sich ganz dem Drehbuchschreiben widmen zu können.

1987 gründet Widrich mit zwei Partnern den Filmverleih "Classic Film", der sich um den Vertrieb von künstlerisch wertvollen Filmen bemüht. Zwischen 1988 und 1997 arbeitet Widrich an zahlreichen Multimedia-Projekten. So ist Widrich Mitgestalter der Retrospektive der Filme von Laurel & Hardy (1989), arbeitet als Assistent von John Bailey bei dessen Science-Fiction-Komödie "The Search for intelligent life in the universe" in Hollywood (1990), wird Mitbegründer der Diagonale (1993), erstellt eine Filmdatenbank im Auftrag der Austrian Film Commission (1995) und arbeitet an diversen CD-Rom-Projekten mit.

1997 entsteht schließlich das Drehbuch für "Heller als der Mond". Die Geschichte von Fremden in der Welt − Ausländern ebenso wie Inländern − wird noch im selben Jahr mit dem Drehbuchpreis der Stadt Salzburg ausgezeichnet. Ein Jahr später realisiert Widrich gemeinsam mit Martin Reinhart den Kurzfilm "tx-transform", der erstmals ein neues Filmverfahren vorstellt, das die Raum- und Zeitachse miteinander vertauscht.

Im Jahr 2000 dreht Widrich den Kurzfilm "Copy Shop" mit Johannes Silberschneider, der darin insgesamt 280 Rollen verkörpert. Der Film hat 2001 in Rotterdam Premiere und gewinnt noch im selben Jahr 30 internationale Preise. Im März gründet Widrich mit Stefan Reiter, Stefan Unger und Dieter Göschler die checkpointmedia AG, die Multimediaaktivitäten betreibt. Im August 2000 wird die Amour Fou Filmproduktion GmbH gemeinsam mit Gabriele Kranzelbinder, Alexander Ivanceanu und dem Wiener Volksbildungsverein/Polyfilm gegründet. Aufgabe des Unternehmens ist die Produktion ästhetisch anspruchsvoller Filme, vorwiegend junger Filmschaffender.

In den nächsten Jahren folgen zahlreiche Projekte der checkpointmedia Gmbh und der Amou Fou Filmgesellschaft, unter anderem die Produktion "Crash Test Dummies" mit Regisseur Jörg Kalt und der Beginn der Dreharbeiten zu "Kurz davor ist es passiert" von Anja Salomonowitz.

Widrich war 2004 Jurymitglied der Ars Electronica und von 2004 bis 2007 Obmann im Verband Filmregie Österreich. Er ist zudem Mitglied der Akademie des Österreichischen Films. Für die Eröffnung des "Mozarthauses Vienna" im Jänner 2006 entwickelt Widrich mit seinem Team audiovisuelle Installationen, die von den Medientechniken und "Wunderwelten" aus Mozarts Zeit inspiriert sind. Von 2007 bis 2010 war Virgil Widrich Univ.-Prof. für die Klasse „digitale Kunst“ an der Universität für angewandte Kunst Wien tätig. Seit 2010 leitet er ebenda als Univ.-Prof. den Masterlehrgang „Art & Science“.

Am 14. Jänner 2007 wurde Virgil Widrichs Sohn Zino Salomonowitz, am 20. Juli 2008 Oskar Salomonowitz und am 6. April 2014 Sol Salomonowitz geboren.

Leistungen

Virgil Widrichs Kurzfilm "Copy Shop" gewann 35 internationale Preise und wurde für den Oscar nominiert. "Fast Film" wurde 2003 in Cannes uraufgeführt und gewann bisher 36 Filmpreise.


Heller als der Mond (Europa 2000)
Copy Shop (A 2001)
  • Oscar-Nominierung 2002 in der Kategorie „life action short“ durch die Academy of Motion Picture Arts and Sciences
  • Prix de la meilleure creation sonore / Best Music and Sounddesign – Festival du Court-Métrage de Clermont-Ferrand (26. Jänner 2001–3. Februar 2001)
  • Best Experimental Short – Toronto – International Short Film Festival (6. Juni 2001–10. Juni 2001)
  • Kodak Award – Jury's choice for short film – Puchon International Fantastic Film Festival 2001 (12. Juli 2001–20. Juli 2001)
  • Jury Price – IMAGO 2001 – Covilha, Portugal (25. September 2001–30. September 2001)
  • Silberne Taube – 44. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm (16. Oktober 2001–21. Oktober 2001)
  • Best Short film – Lleida 2001 – inCurt (7. November 2001–11. November 2001)
  • Best Experimental – Shorts International Film Festival New York 2001 (12. November 2001–15. November 2001)
  • 1st. Comunidad de Madrid Award – Best Film – Madrid – Semana de Cine Experimental (16. November 2001–23. November 2001)
  • Best Short film – Barcelona L’alternativa 01 (16. November 2001–24. November 2001)
  • Prize of the Jury – Leuven Kort 2001 – International Short Film Festival (23. November 2001–2. Dezember 2001)
  • Best Of Festival – Boston Underground Film Festival (20. Februar 2002–24. Februar 2002)
  • Prix des televisions europeennes – Brussels International Fantastic Film Festival (15. März 2002–30. März 2002)
  • Special Prize – Hiroshima Kokusai Animation Festival 2002 (22. August 2002–26. August 2002)
  • Best Experimental Film – Thessaloniki 02 – Panorama of Ind. Film and Video Makers (14. Oktober 2002 – 21. Oktober 2002)
  • Spezialpreis der Jury – Tehran International Animation Festival (23. Februar 2003–27. Februar 2003)
Fast Film (A, LUX 2003)
  • Official selection Festival de Cannes (2003) (Nominierung)
  • Best Animated Short (C.O.R.E. Digital Pictures Award) – Worldwide Short Film Festival, Toronto (2003)
  • Großer Preis für Animation (Grande Prémio Animação) – Festival Internacional de Curtas Metragens de Vila do Conde, Portugal (2003)
  • Best Experimental Short Film – 52. Int. Film Festival, Melbourne (2003)
  • Audience Award – Bearded Child Film Festival, Grand Rapids, MN / Boulder, CO USA (2003)
  • Most Imaginative Film – Odense Film Festival, Odense (2003)
  • High Risk Award – Fantoche – 4. Internationales Festival für Animationsfilm, Baden (Schweiz) (2003)
  • Best Experimental Film – Panorama of Independent Film & Video Makers, Thessaloniki (2003)
  • Innovativster Kurzfilm – Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm (2003)
  • Grand Prix – Uppsala International Short Film Festival (2003)
  • Premio de la Comunidad de Madrid a la Mejor Película – Semana de Cine Experimental de Madrid (2003)
  • Onda Curta, 2. Preis und Besondere Erwähnung der Jury – Cinanima Portugal (2003)
  • Innova Award – Animadrid, Spanien (2003)
  • Film Critics Award – Animafest Zagreb (2004)
  • ASIFA Korea Prize for best Experimental SICAF (2004)
  • Cartoon d’Or – bester Animationsfilm Cartoon Forum Galicia (2004)

Ausstellungen

  • 2006: Gestaltung der interaktiven Medien für das Mozarthaus Vienna
  • 2008: Präsentation von 13 Arbeiten von Virgil Widrichs Studenten im Rahmen der "Essence08" im Museum für angewandte Kunst (Wien)
  • 2009: Im Rahmen von Linz − Kulturhauptstadt 2009 künstlerische Leitung der Ausstellung "Linz. Stadt im Glück" im Stadtmuseum Nordico.
  • 2009 "Alias in Wonderland" (25. Juni bis 12. Juli 2009) im Freiraum/quartier 21, Museumsquartier Wien, realisiert mit den Studenten der digitalen Kunst an der Universität für angewandte Kunst.
  • 2009: 10 Arbeiten von Studenten der digitalen Kunst wurden im Rahmen der "Essence09" in der Expositur Vordere Zollamtstraße ausgestellt.
  • 2010: 15 Arbeiten von Studenten der digitalen Kunst waren im Rahmen der "Essence10" im Künstlerhaus Wien zu sehen.
  • 2010: Künstlerische Leitung der Ausstellung "90 Jahre Salzburger Festspiele" im "Salzburg Museum"
  • 2011: Künstlerische Leitung der Ausstellung “parameter{world} - parameters for every or no thing” des Masters "Art and Science" an der Universität für angewandte Kunst (30. März bis 1. April 2011)
  • 2012: Arbeiten von Studenten der Klasse "Art & Science" waren im Rahmen der "Essence12" im Künstlerhaus Wien zu sehen.
  • 2013: "Crucial Experiments": Ausstellung der Universität für angewandte Kunst Wien im Rahmen der Vienna Art Week 2013, MuseumsQuartier Wien/Ovalhalle, Leitung: Bernd Kräftner, Virgil Widrich
  • 2014: Von 26.6. bis 13.7.2014 stellen im Rahmen der "Essence14" der Universität für angewandte Kunst 2 StudentInnen der Klasse "Art & Science" ihre Werke im Künstlerhaus Wien aus.
  • 2015: "Parallaxis" – Medieninstallation als Beitrag für die Ausstellung "Farbenrausch" im Leopold Museum
  • 2016: [dis]placement – Information through Sound - der Klasse "Art & Science", Citygate Shopping, 1210 Wien

Musiktheater

  • 2012: Konzeption (gemeinsam mit Martin Haselböck und Frank Hoffmann), Gestaltung von Bühne und Filmprojektionen für das Musiktheaterprojekt "New Angels", welches am 19. November 2012 im Théâtre National du Luxembourg uraufgeführt wurde.

Filmografie

  • 1980: My Homelife (AUT) 6 min. (in dieser Dokumentation geht es um ein altes Haus)
  • 1980: Gebratenes Fleisch (AUT) 11 min. (Ein Kriminalfilm um die Ermordung einer Frau in einem Gasthaus), das Buch zum Film "Gebratenes Fleisch" stammt von dem in Salzburg lebenden Kunsthistoriker Mag. Stefan Grüner, der 1980 Schulfreund Virgil Widrichs im Akademischen Gymnasium gewesen war
  • 1980: 3 mal Ulf (AUT) 12 min. (Dokumentation über Arnulf Komposch)
  • 1981: Auch Farbe kann träumen (AUT) 12 min. (Zeichentrickfilm, in dem ein Wurm und ein kleiner Mann vor der Umweltzerstörung flüchten)
  • 1982: Monster in Salzburg (AUT) 12 min. (Trickfilm, in dem ein Monster in Salzburg wütet)
  • 1983–1985: Vom Geist der Zeit (AUT) 112 min. (Viele Genres bunt gemischt)
  • 1998: tx-transform (AUT) 5 min. (Experimenteller Trickfilm, mit sehr interessanter Technik)
  • 2000: Heller als der Mond (Europa) 88 min. (Komödie, die das Fremdsein in Wien behandelt)
  • 2001: Copy Shop (AUT) 12 min. (Ein Mann kopiert sich selbst so lange, bis die Welt nur noch aus ihm selbst besteht)
  • 2001: LinksRechts (AUT/FRA) 4 min. (Interviews über das Thema „Links und Rechts in Film und Politik“)
  • 2003: Fast Film (AUT/LUX) 14 min. (Trickfilm mit ausgedruckten Filmkadern über eine Verfolgungsjagd)
  • 2010: make/real (AUT), 5 min. (found-footage Film für die Ausstellung "Roboterträume" im Kunsthaus Graz und Museum Tinguely Basel
  • 2011: warning triangle (AUT), 6 min. (found-footage Film für die Ausstellung "Fetisch Auto. Ich fahre, also bin ich." im Museum Tinguely Basel
  • 2015: back track (AUT), 7 min. (found-footage Film in 3D)
  • 2016: Die Nacht der 1000 Stunden (Spielfilm)

Seit 2011 Projektentwicklung für den abendfüllenden Trickfilm "Micromeo" (Drehbuch gemeinsam mit Jean-Claude Carrière).

Weblinks

Quellen