Angertalbrücke

Aus Salzburgwiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Angertalbrücke von Vorderschneeberg oberhalb der Angerschlucht aus gesehen. Aufnahme 1992

Die Angertalbrücke, auch Angerschluchtbrücke, ist eine denkmalgeschützte Bogenfachwerkbrücke auf der Tauernbahnstrecke in Bad Hofgastein im Gasteinertal.

Lage

Die Eisenbahnbrücke befindet sich nahe der Haltestelle „Angertal“ bei Baukilometer 25 an der Tauernbahn-Nordrampe in Bad Hofgastein. Sie überquert die Angerschlucht und verbindet die hochgelegenen Ortsteile Angertal und Vorderschneeberg.

Bedeutung

Die Angertalbrücke ist nach dem 8 550 Meter langen Tauerntunnel das größte Bauwerk der Tauernbahn-Nordrampe und stellte ein wichtiges Teilstück des von 1901 bis 1909 gebauten Abschnitts der damals neuen Nord-Süd-Verbindung in die österreichische Hafenstadt Triest im Küstenland (heute Triest, Friaul-Julisch Venetien, Italien) dar.

Sie gilt als bauliche und architektonische Meisterleistung ihrer Zeit und verhinderte mit ihrer Ausführung die Errichtung eines zuvor geplanten Viaduktes mit drei Öffnungen, dessen Spannweiten und Steinbrücken einen weitaus massiveren Eingriff in die landschaftliche Umgebung dargestellt hätten. Durch den Anschluss des Gasteinertals an das Schienennetz der österreichisch-ungarischen Monarchie nahm zudem der Fremdenverkehr im Tal einen wichtigen Aufschwung.

Baugeschichte

Bei der Brücke handelt es sich um eine Zweigelenk-Bogenfachwerkbrücke mit 110 Meter Spannweite und einem trapezförmigen Brückentragwerk. Die theoretische Höhe des Fachwerkbogens beträgt in der Mitte 2,1 Meter und über den Widerlagern 16,1 Meter. Konstruiert und errichtet wurde das Bauwerk von der Brückenbauanstalt Graz der AG R. Ph. Waagner. Die Baukosten beliefen sich auf 395.349,91 Kronen.

Bis zu ihrer Fertigstellung im Jahr 1905 waren insgesamt 76 Eisenbahnwaggons mit je zehn Tonnen Fassungsvermögen und 600 mehrspännige Pferdefuhrwerke nötig um das benötigte Baumaterial zuerst auf der Schiene in die Ortschaft Lend und dann weiter auf der Straße nach Hofgastein zu bringen. An Material wurden insgesamt 522 Tonnen Martinflusseisen, das aus den Werken Donawitz und Zeltweg der Österreichischen Alpinen Montangesellschaft stammte, sowie 31 Tonnen Martinflussstahl, 0,3 Tonnen Roheisenguss und 1,2 Tonnen Blei verarbeitet.

Die Bauleitung des gesamten Projekts oblag dem aus dem oberösterreichischen Hausruckviertel stammenden Sektionschef des Eisenbahnministeriums, Dr. Ing. Carl Wurmb (* 1850; † 1907), der allein für die Sicherstellung des Baus, der für das Land Salzburg so wichtigen Tauernbahn, bereits im Jahr 1901 mit der Ehrenbürgerschaft der Landeshauptstadt Salzburg geehrt wurde. Weitere Ehrungen wurden ihm mit einer Straßenbenennung (1909) und der Enthüllung eines Denkmals (1913) in Salzburg, sowie mit der Verleihung des Ehrendoktorates der Technischen Hochschule in Wien (1906) zuteil.

Denkmalschutz

Nach der Inbetriebnahme der neuen Brücke im Jahr 2016 wurden die Gleise abgetragen. Auch wenn nun kein Zug mehr über die Brücke fährt, und sie auch auch nicht touristisch genutzt werden kann, muss die ÖBB sie aufgrund des Denkmalschutzes sie instand halten. Ab dem Frühjahr 2019 muss die Brücke um 1,9 Millionen Euro aufwendig saniert werden. Das Bundesdenkmalamt hatte entschieden, dass die Erhaltung der Brücke im öffentlichen Interesse ist. Dadurch sind die ÖBB verpflichtet, die nicht mehr von Zügen befahrene Brücke nach dem technischen Stand von heute zu sanieren und zu erhalten.[1]

Neubau

Im September 2006 begann die ÖBB im Zuge des durchgehenden zweigleisigen Ausbaus der Schienenwege im Gasteinertal, direkt neben der bestehenden Brücke, mit der Errichtung einer neuen, etwa 15 Millionen Euro teuren Eisenbahnbrücke. Nach ihrer geplanten Fertigstellung Ende 2007 sollte diese die mittlerweile in die Jahre gekommene historische Angertalbrücke ersetzen.

Die neue zweigleisige Bogenbrücke aus Stahlbeton wurde im Bereich Richtung Bad Hofgastein so verschwungen, dass sie in den geplanten, noch zu erbauenden Bahntunnel Schlossalm führt. Im Zuge des Neubaus wurden zusätzlich eine neue Überfahrtsbrücke für die Angertalstraße und eine Unterführung für den Angertalweg erbaut.

Die alte Brücke wird künftig von der Gemeinde Bad Hofgastein erhalten. Über eine weitere Nutzung nach Inbetriebnahme der neuen Talquerung steht eine endgültige Entscheidung noch aus. Angedacht wurden unter anderem Möglichkeiten, die alte Angertalbrücke für den Autoverkehr oder im Zuge eines neuen Radweges als Fußgänger und Radfahrerübergang zu nutzen.

Für den zweigleisigen Ausbau der Strecke wurde für die 100 Jahre alte Angertalbrücke (Stahlbrücke) eine neue Stahlbetonbrücke gebaut. Obwohl diese Brücke 2009 bereits fertig gestellt war, konnte sie nicht in Betrieb genommen werden. Der Grund liegt in Behördenverfahren. Dabei wurde nur eine "Mini Umweltverträglichkeitsprüfung" durchgeführt, die nun von den Anrainergemeinden beeinsprucht wurde und am 28. und 29. Oktober 2009 neu durchgeführt wurde.

Die Behörden erweckten den Anschein, die 1,7 Kilometer lange Hofgasteiner Angertalbrücke samt Rampen "durchwinken" zu wollen. Man befürchtet nun, dass mehr Güterzüge, vor allem in der Nacht, die Strecke befahren sollen. Dadurch könnte aber Bad Hofgastein, das derzeit rund 2,5 Millionen Nächtigungen pro Jahr zählt, der Kurorte-Status aberkannt werden. 2009 benutzen 135 Güterzüge die noch alte Angertalbrücke täglich, die ÖBB wollen bis 2025 198 Züge täglich führen, die Anrainer aber befürchten bis zu 285 Züge täglich[2].

Die Bürgerinitiative Lebenswertes Gastein, der Gemeinde Bad Gastein und die Landesumweltanwaltschaft haben 2010 dann einen Rechtsstreit um die neue Brücke über das Angertal mit den Bundesbahnen begonnen, der diese Millionen kosten wird. Denn die ÖBB müssen nun bis zum Entscheid, der mehrere Jahre dauern kann, die alte Brücke weiter benützen und zu diesem Zweck aber sofort sanieren.

Die Hintergründe des Streits

Der Verwaltungsgerichtshof hatte im September 2008 einen Bescheid des Verkehrsministeriums aufgehoben, nach dem keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) notwendig ist. Dieser Bescheid erging jedoch erst zwei Jahre nach Baubeginn. Im März 2010 wurde diese UVP schließlich positiv abgeschlossen. Dagegen legten die Gasteiner Beschwerde ein, der aufschiebende Wirkung zuerkannt wurde. Darüber hinaus muss erst noch der Ausgang des laufenden Naturschutzverfahren bei der Bezirkshauptmannschaft abgewartet werden. Ein Gutachten, das von der Bürgerinitiative und der Gemeinde Bad Gastein in Auftrag gegeben wurde, stellte fest, dass der Bahnlärm durch die Beseitigung der Engstelle Angertal massiv zunähme. Und dies obwohl eine Stahlbetonbrücke wesentlich Lärm armer zu befahren sei als eine Stahlbrücke. Die alte Brücke ist einspurig, die neue wäre zweispurig ausgeführt. Die neue Angertalbrücke ist zwar seit dem Baustopp so gut wie fertig, nur die Schienen und die Oberleitung fehlen noch. Das Baulos Angertal wird insgesamt 20 Millionen Euro kosten, für den Rechtsstreit haben die ÖBB bislang zwei Millionen Euro ausgegeben. Wie hoch die Kosten für die Sanierung sein werden, stand im Juli 2010 noch nicht fest[3].

Schlichtung in Sicht

Im Jänner 2011 konnten die beiden Kontrahenten, Bad Gastein und Bad Hofgastein eine für beide Seiten tragbaren Kompromiss finden. Die ÖBB müssen an der Bestandsstrecke den Lärmschutz verbessern Im Gegenzug könnte die Gemeinde Bad Gastein, die Bürgerinitiative Lebenswertes Gastein und die Landsumweltanschaft ihre Einsprüche gegen den zweigleisigen Ausbau zurückziehen[4].

2016 ging sie in Betrieb

Sieben Jahre nach ihrer Fertigstellung kann die neue Brücke im Frühjahr 2016 nun endlich in Betrieb gehen. Diese Hoffnung schöpfen die ÖBB, Anrainer und Gemeindepolitiker nach dem Erhalt eines positiven Bescheids des Verkehrsministeriums im Herbst 2015. Auch der Salzburger Landesumweltanwalt Wolfgang Wiener gibt sich jetzt zufrieden. Er werde gegen die Genehmigung nicht berufen, da die Forderungen der Umweltanwaltschaft zu großen Teilen erfüllt und die Lärmschutzbauten in Bad Gastein bis Ende 2015 fertiggestellt sein werden. Dass der noch ausstehende Naturschutzbescheid der Bezirkshauptmannschaft St. Johann im Pongau zum Stolperstein werden könnte, glaubt keiner der Beteiligten[5].

Am 25. April 2016 ging sie dann auch tatsächlich in Betrieb.

Während der Sperre der Tauernbahnstrecke am Wochenende vor der Inbetriebnahme wurde im Dreischichtbetrieb intensiv an der Fertigstellung gearbeitet. Insgesamt wurden für die Inbetriebnahme der 136 Meter langen und rund 70 Meter hohen Stahlbetonbogenbrücke mehr als 3.000 Meter Oberleitung und 2.200 Meter Gleise verlegt. Parallel zu den Abschlussarbeiten an der neuen Angertalbrücke wurden mehr als zehn Einzelmaßnahmen wie Schienen wechseln, Mauersanierung, Kabeltrogverlegung, Geländer-Erneuerung oder Baum- und Strauchschnittarbeiten entlang der Bahnstrecke durchgeführt.

Durch die Inbetriebnahme der neuen Brücke werden bis Juli 2016 auch die Lärmschutzmaßnahmen in diesem Bereich finalisiert. Somit sorgen zusätzlich die Lärmschutzwände auf einer Länge von insgesamt 1.500 Metern (1.300 Meter links der Bahn und 200 Meter rechts der Bahn) für deutlich ruhigere Nächte im Gasteinertal.

Ausstellung - Die Angertalbrücke im „Museum Tauernbahn“

Das Museum Tauernbahn in Schwarzach im Pongau (direkt neben dem Bahnhof) zeigt die umfangreiche Geschichte des Tauernbahnbaus im Bereich der Nordrampe von Schwarzach über Bad Gastein bis Böckstein.

Im Rahmen der Sonderausstellung "Die Angerschlucht - Brückenbau einst und heute" werden im Jahr 2007 sowohl der Brückenbau vor mehr als 100 Jahren als auch das aktuelle Neubauprojekt umfassend dargestellt.

Literatur

Weblinks

Quellen

  • Manfred Fischer, Christian Dirninger, Roman Höllbacher und Fritz Lorber: Historische Wirtschaftsarchitektur in Salzburg. Bauten – Einrichtungen – Werkzeuge Verlag Anton Pustet Salzburg – München, 1997, ISBN: 3-7025-0354-4
  • Medien Ende April 2016

Fußnoten

  1. Salzburger Nachrichten, 23. Juli 2018
  2. Quelle Salzburger Nachrichten, 28. Oktober 2009
  3. Quelle Salzburger Nachrichten, 7. Juli 2010
  4. Salzburger Nachrichten, 27. Jänner 2011
  5. Salzburger Nachrichten, 23. September 2015