Hôtel de l'Europe

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Kulstrunk Panorama Salzburg Stadtansicht 1916 Detail: Hôtel de l'Europe
Das Hôtel de l'Europe
Das Hôtel de l'Europe in der Elisabeth-Vorstadt gegenüber dem Salzburger Hauptbahnhof war das erste Luxushotel der Landeshauptstadt Salzburg.

Es wurde 1865 eröffnet und 1938 an die Deutsche Wehrmacht verkauft. 1944 fiel es teilweise einem Bombenangriff zum Opfer. In den ersten Nachkriegsjahren diente es (in teilweise stark beschädigten Zustand) als Flüchtlingsquartier. 1949 wurde das einst mondäne Gebäude gesprengt.

Baugeschichte

Das "Hôtel de l'Europe" wurde von Louis Jung in Auftrag gegeben und in den Jahren 1863 bis 1865 nach Plänen des Baden-Badener Architekten Lang von der Salzburger Baufirma Valentin Ceconi errichtet. Es war damals das erste Luxushotel Salzburgs und eines der modernsten und führendsten Häuser in der österreichisch-ungarischen Monarchie. So verfügte es neben zahlreichen Speise- und Unterhaltungsräumen zum Beispiel über eine damals noch wenig bekannte und in Salzburg einmalige "American Bar", die vom späteren Besitzer, dem Maler Georg Jung (* 1899; † 1957), in den 1930er Jahren mit Dekorationen ausgestattet wurde.

In den Jahren seines Bestehens folgten zwei große Aus- und Umbauphasen, um es den jeweiligen Bedürfnissen seiner Zeit anzupassen. Nach Plänen der Architekten Jakob Ceconi (* 1857; † 1922) und Karl Pirich (* 1875; † 1956) wurde es 1894 erheblich ausgebaut und modernisiert. Im Zuge einer erneuten Erweiterung und Umgestaltung durch Max Fabiani in den Jahren von 1907 bis 1908 erhielt es die bekannte repräsentative Auffahrtsseite und eine lange, geschwungene Gartenfront.

Ausstattung und Blütezeit

Das nunmehrige "Hôtel de l'Europe" verfügte über 300 Zimmer und Appartements, Musik-, Rauch-, Billard-, Lese- und Damensalons sowie über größere Hallen, in denen Konzerte abgehalten werden konnten, Lifte, Veranden, Terrassen und über ein eigenes Kurbad. Das Herzstück war der 60.000 m² große, einladende, Hotel eigene Park, durch den 1898, nur wenige Wochen vor ihrem Tod, Kaiserin Elisabeth von Österreich wandelte und in dem von 1901 bis 1925 auch das an sie erinnernde Kaiserin-Elisabeth-Denkmal stand. Am 9. Februar 1928 brannte es in den oberen Stockwerken des Hotels.

Ein Höhepunkt der Amtsperiode des Salzburger Bürgermeisters Rudolf Biebl war am 19. September 1877 die Zusammenkunft des österreichisch-ungarischen Außenministers Graf Gyula Andrássy mit dem deutschen Reichskanzler Otto Fürst Bismarck im Hôtel de l'Europe.

Gemeinsam mit dem Aufschwung der Salzburger Festspiele in den 1930er Jahren erlebte auch das Grand Hotel seine Blütezeit. Kaiser und Könige, Adelige aus aller Herren Länder und die Stars der noch jungen Spielfilmära zählten genauso zu den Gästen wie führende Persönlichkeiten aus der Finanz-, Industrie- und Kunstwelt. Mit dem Postamt "Salzburg 8" war damals sogar eine eigene Poststelle – mit dazugehörigem Sonderstempel – im Hotel untergebracht.

In der Zwischenkriegszeit wurden 5-Uhr-Tees und Tanzabende im Park des Hotels veranstaltet. Dabei wurden in den Kronen der mächtigen Bäume Beleuchtskörper gehängt. Am Samstag, den 18. Juli fand der erste Tanzabend im Jahr 1925 statt.[1]

Verkauf und Niedergang

1935 übernahm der Sohn des Gründers, Georg Jung, den Hotelbetrieb. Dieser, ein ausgezeichneter Maler und seit 1922 vornehmlich in der Kaiserstadt Wien tätig, beschäftigte sich nach der Betriebsübernahme einige Zeit mit Fresko, Sgraffito und Möbelentwürfen, stattete selbst die "American Bar" mit Dekorationen aus, widmete sich dann aber doch wieder seiner eigenen Laufbahn als Künstler. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich verkaufte er das "Hôtel de l'Europe" an das Generalkommando der Deutschen Wehrmacht, die das Gebäude dem Bedarf des Militärs anpasste und darin für die Zeit des Zweiten Weltkrieg ihren Hauptsitz einrichtete.

Am 17. November 1944 wurde das ehemalige Hotel durch eine amerikanische Fliegerbombe schwer beschädigt. Es war beim dritten Bombenangriff auf Salzburg, knapp nach 12 Uhr mittags, als die 15. Air Force der amerikanischen Luftwaffe aus etwa 8000 m Höhe das Gelände um den Salzburger Hauptbahnhof bombardierte.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs diente die Ruine als Durchgangslager für Flüchtlinge, vorwiegend für die als "Displaced Persons" bezeichneten Juden aus osteuropäischen Ländern, die auf dem Weg nach Israel waren, bevor die letzten Überreste des einst mondänen Baus 1949 gesprengt wurden.

Nachfolgende Flächennutzung

Auf der einst weitläufigen und geräumigen Parkanlage wurden in den 1950er- und 1960er-Jahren großteils gesichtslose und mehrstöckige Wohn- und Geschäftshäuser errichtet.

Anstelle des altehrwürdigen Hotels aus der Gründerzeit entstand in den Jahren 1956/1957 nach Plänen des Architekten Josef Becvar mit dem 15-geschossigen "Hotel Europa" das erste Hochhaus der Landeshauptstadt.

Literatur- und Quellenangaben

Fußnoten

  1. Quelle anno, Salzburger Volksblatt, Ausgabe vom 20. Juli 1925, Seite 7