Sigfried Uiberreither

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Dr. iur. Sigfried Uiberreither (* 29. März 1908 in Salzburg; † 29. Dezember 1984 in Sindelfingen, Deutschland)[1] war österreichischer Jurist und NS-Funktionär.

Passant, willst du wissen, wo du stehst? Willst du wissen, Unschuldiger, wer du bist? Wie du dich krümmst, wenn du der Macht verfällst, zu ihrem Spielball und Opfer wirst? Willst du wissen, wie du vor Schmerz schreist? Ich, Sigfried Uiberreither alias Friedrich Schönharting, ging hier vom 9. Juni 1938 bis 31. März 1940 meiner Arbeit nach. Ich brachte als Landeshauptmann der Steiermark und in der Ausübung meiner sonstigen Ämter viele Menschen um. Ich tat es nicht alleine. Ich tat es nicht selbst. Ich hatte Mitarbeiter. Wenn du durch das Tor gehst, schäme dich nicht nur für mich. Wer suchte nach mir? Wer stellte mich vor Gericht? Warum hast du geschwiegen? Wer hat dich zum Komplizen gemacht?[2]

Leben

Uiberreither wurde in Salzburg als Siegfried Josef Überreiter geboren. Sein Vater war der k. k. Bezirks-Ingenieur und spätere Landesbaudirektor Hofrat Josef Überreiter (* 19. Dezember 1877 in Salzburg-Nonntal; † 25. Juli 1962 in Salzburg), der Sohn des Holzhändlers Egid Überreiter (* 1851) und seiner Frau Anna (* 1853), der Tochter des Stieglbräuers Josef Schreiner; seine Mutter war die Pongauer Wirtstochter Maria-Anna Überreiter, geborene Prem (* 16. Oktober 1885 in St. Johann im Pongau; † 13. Dezember 1956 in Salzburg).[3] Der Schulleiter der Volksschule Bruck an der Großglocknerstraße, Rudolf Uiberreither war sein Bruder.

Seit 1924 war er Mitglied der später in der Hitlerjugend aufgegangenen Schilljugend.

Nach Absolvierung der Realschule Salzburg übersiedelte er 1927 nach Graz, wo er Jus studierte und 1933 promovierte. Wie sein Vater war er Angehöriger der Burschenschaft Cheruskia.

Am 19. August 1930 trat er aus der römisch-katholischen Kirche aus, war seit 1931 Mitglied der SA und änderte 1933 seinen Namen in Sigfried Uiberreuther.

Seit 1930 war er als Sekretär für die Arbeiterkrankenkasse für Steiermark in Graz tätig. Nach dem Anschluss, den er als Führer der Befehlsstelle Süd der illegalen SA-Gruppe Steiermark (seit Oktober 1937) förderte, wurde er im März 1938 zunächst kommissarischer Polizeidirektor von Graz, dann durch Adolf Hitler am 22. Mai zum NS-Gauleiter für die Steiermark ernannt. Seit 10. April 1938 war er Abgeordneter des Deutsche Reichstages ("Fraktion Österreich"). Am 9. Juni 1938 erfolgte seine Ernennung zum Steirischen Landeshauptmann. Seit 1938 saß er im Aufsichtsrat mehrerer Unternehmen der Rüstungsindustrie, wie der "Reichswerke AG ‚Hermann Göring’ Linz" (heute VÖEST), der "Steyr-Daimler-Puch AG" (Wien) und der "Nibelungenwerke GmbH" (St. Valentin). Am 9. November 1938 wurde er zum SA-Gruppenführer ernannt.

Seit 1939 war er verheiratet mit Katharina (* 1918; † 9. Jänner 2012 in Sindelfingen, Deutschland), einer Tochter des deutschen Polarforschers Alfred Wegener, die ihm vier Söhne schenkte.

Bei Kriegsbeginn meldete er sich 1939 freiwillig zur Wehrmacht und nahm, nachdem die Landeshauptmann-Funktion am 31. März erloschen war, im April 1940 als Gebirgsjäger an der Besetzung Norwegens teil. Noch im April wurde er als Leutnant aus der Wehrmacht entlassen und zum Reichsstatthalter der Steiermark ernannt. Nach der Annexion der Untersteiermark 1941 verfolgte er als Chef der Zivilverwaltung eine gnadenlose Germanisierung des Landes und ließ jeden Widerstand brutal verfolgen. So kam es umfangreichen Deportationen und gegen Kriegsende auch zu Massenerschießungen.

Nach Kriegsende stellte er sich am 9. Juni 1945 bei Murau den Briten und war ab 12. Oktober 1945 Zeuge bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen. Als auch gegen ihn Ermittlungen liefen, gelang es ihm zu fliehen und unterzutauchen. Seitdem lebte und arbeitete er seit 1947 unter dem Namen Friedrich Schönharting unbehelligt im Württembergischen Sindelfingen, wo er 1984 von Alzheimer gezeichnet verstarb.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Taufbuch der Pfarre Salzburg-St. Andrae, Band 18, S. 68
  2. Textinstallation des Künstlers Jochen Gerz in der Bogenlaibung des Grazer Burgtors als NS-Mahnmal, 2008
  3. Trauungsbuch der Pfarre St. Johann im Pongau, Band VIII, S. 142