Eduard Bertel

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Aufnahme von Eduard Bertel eines Teiles des Salzburger Hausregiments Erzherzog Rainer Nr. 59 aus dem Jahr 1912
Parte

Eduard Bertel (* 28. Jänner 1856 in Prag, Böhmen; † 26. Mai 1923 in Wien-Gersthof) war ein Salzburger Schauspieler, Erfinder, Theaterkritiker, Lokalpolitiker, Unternehmer und Fotograf.

Leben

Eduard Bertel kam 1878 nach Salzburg. 1884 findet sich eine Erwähnung von ihm in Salzburg.[1]) Er hatte sein erstes Atelier in Salzburg beim Kreuzersteg. Daneben führte er eine Filiale in Reichenhall. Zusammen gründete er vorübergehend mit Hugo Koller das Atelier "Makart" in der Dreifaltigkeitsgasse. Schließlich wurde er 1904 Partner von Carl Pietzner und übernahm die Leitung des Ateliers Würthle & Sohn als Filiale Pietzners. 1909 verkaufte er diese an Karl Ellinger und zog nach Wien und gab den Beruf als Fotograf auf. Es muss aber auch eine gemeinsame Firma Bertel & Pietzner gegeben haben, da im Beitrag Otto Spängler ein Bild mit diesem Firmennamen existiert.

Er fotografierte als einer der ersten bei elektrischem Licht und war bekannt für seine Kompositionsbilder (bis 500 "Köpfe").

Am 13. Dezember 1886 besuchte Erzherzog Ludwig Viktor sein Atelier und ließ sich durch ihn einige Aufnahmen anfertigen.[2]

Anfang 1887 wurde im der Titel "k. u k. Hof-Photograph" verliehen.[3]

Im September 1903 hatte er eine Filiale, "Atelier 'Makart'" in der Dreifaltigkeitsgasse 18 neben dem Hotel zum römischen Kaiser. Die Hauptanstalt befand sich am Franz Josefs-Quai beim Kreuzersteg (im Haus Müllner Hauptstraße 2).[4]

Bertel und das das Erstes Salzburger Elektricitätswerk

Am 26. November 1885 suchte er gemeinsam mit dem Architekten Karl Demel um eine Konzession für die Errichtung einer Zentralstation für elektrische Beleuchtung an. Diese wird auch 1886 erteilt.[5] Am 9. August 1886 erhielten sie dann diese Konzession.[6] Das Erste Salzburger Elektricitätswerk wurde letztendlich von Karl Leitner gebaut. Bertel beteiligte sich auch zwei Jahre später an der Salzburger Elektrizitäts-Aktiengesellschaft.

Bertel als Schauspieler

Das "Salzburger Volksblatt" schreibt auf der Titelseite seiner Ausgabe vom 21. Dezember 1883:[7]

Der letzte Benefiziant, Hr. Ed. Bertel, erzielte bis jetzt das vollste Haus. Warum? Weil er den „Böhm' in Amerika" gewählt hatte. Hätte er ein besseres Stück gegeben, wäre die Einnahme entschieden viel geringer ausgefallen. Traurig, aber wie die Thatsache zeigt, leider nur zu wahr. Wir gönnen übrigens Herrn Bertel den erzielten Kassen-Erfolg von ganzem Herzen und anerkennen auch gerne, daß der strebsame Benefiziant redlich bemüht war, als Titelheld eine gute Leistung zu bieten.

Familie

Eduard Bertel war seit 12. Mai 1884 mit Johanna († 8. Juli 1921 in Wien)[8] verheiratet. Das Ehepaar hatte zwei Töchter, Andrea (* 4. Mai 1885)[9] und Emma, die am 24. März 1920 Dr. Schrödinger in Wien heiratete sowie einen Sohn Karl (* 14. Oktober 1886)[10]

Nachruf

Ein Nachruf im "Salzburger Volksblatt" in der Ausgabe vom 20. Juni 1923:[11]

Eduard Bertel. Wie berichtet, ist in Wien der, ehemalige Hofphotograph Eduard Bertel gestorben. Mit ihm ist eine vielseitige Natur dahingegangen. Eduard Bertel, in Salzburg, wo er seit vierzig Jahren ansässig war, wohl bekannt, hat sich um das geistige und gesellschaftliche Leben der Stadt und um deren Hebung viele Verdienste erworben. Der Bau des Elektrizitätswerkes ist seiner Initiative zu danken, die Urkunde im Grundstein des Theatergebäudes anerkennt seine Mitwirkung an der Verwirklichung des Planes. 25 Jahre hindurch war Bertel Bezirksvorfteher von Mülln-Lehen. Die Stabilität seines Geistes, sein Ideenreichtum und sein künstlerisches Empfinden bewährten sich in unermüdlicher Schaffensfreude Jahrzehnte hindurch bei den Veranstaltungen der Stadt. Im Verein mit dem ebenfalls bereits verstorbenen Architekten Karl Demel verfolgte er schon in den Neunzigerjahren den Plan der Erbauung eines Mozart-Festspielhauses; die Pläne der Firma Hellmer und Fellner lagen bereits fertig vor und eine Broschüre sollte der Werbetätigkeit dienen; leider erlahmte damals das Interesse einer geldkräftigen Öffentlichkeit. Aus seinem eigentlichen beruflichen Gebiet war Bertel stets voran; nebenbei betätigte er sich als Poet, Schauspieler, Schriftsteller usw., beschäftigte sich in den letzten Jahren mit Hypnose, wobei er in Wort und Schrift dafür eintrat, sie als obligate Disziplin an den medizinischen Fakultäten einzuführen, um sie als Heilmittel richtig werten zu können. Durch zehn Jahrs war Bertel Theaterkritiker der „Salzburger Zeitung". Seine ungewöhnliche geistige Beweglichkeit, die ihn einen glänzenden Gesellschafter sein ließ, führte ihn auch unter die Erfinder. Insgesamt darf sein Schaffen ihm ein ehrendes Gedenken bei seinen Salzburger Mitbürgern sichern.

Quellen

Einzelnachweis

  1. ANNO, Salzburger Chronik, Ausgabe vom 29. Juni 1884, Seite 3
  2. ANNO, Salzburger Volksblatt, Ausgabe vom 13. Dezember 1886, Seite 5
  3. ANNO, Salzburger Chronik, Ausgabe vom 2. Februar 1887, Seite 2 sowie ANNO, Salzburger Volksblatt, Ausgabe vom 18. Mai 1898, Seite 7
  4. Quelle anno, Salzburger Chronik, Ausgabe vom 26. September 1903, Seite 6
  5. ANNO, (Linzer) Tages-Post, Ausgabe vom 16. März 1886, Seite 2
  6. ANNO, Salzburger Volksblatt, Ausgabe vom 12. August 1886, Seite 2
  7. ANNO, Salzburger Volksblatt, Ausgabe vom 21. Dezember 1883, Seite 1
  8. ANNO, Salzburger Chronik, Ausgabe vom 7. Juli 1921, Seite 6; interessant an dieser Parte ist, dass sie im Namen des Sohnes Karl verfasst ist und sein Vater Eduard, † erst 1923, namentlich nicht aufscheint;
  9. ANNO, Salzburger Chronik, Ausgabe vom 22. Mai 1885, Seite 3
  10. ANNO, Salzburger Chronik, Ausgabe vom 15. Oktober 1886, Seite 3
  11. ANNO, Salzburger Volksblatt, Ausgabe vom 20. Juni 1923, Seite 5