Friedrich Rigele (Alpinist)

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Dr. iur. Friedrich, auch Fritz Rigele (* 12. August 1878 in Wolkersdorf, .; † 10. Oktober 1937 in Bad Reichenhall)[1] war Notar in Saalfelden sowie hervorragender Alpinist und Obmann der örtlichen Sektion des Alpenvereins.

Leben

Jurist und Bergsteiger

Friedrich Rigele war der Sohn des Linzer Notars Dr. Gustav Rigele und seiner Frau Gabriele, geborene Edle von Kraus[2]. Er besuchte die Mittelschule in Linz und studierte an der Universität Wien Rechtswissenschaften. Schon als Schüler gehörte er der Burschenschaft Germania in Oberösterreich an und war Vorsitzender der Skivereinigung Linz. 1909 kam er als Notar nach Oberndorf bei Salzburg, gründete mit Georg Bilgeri am 9. November 1910 den Skiclub Salzburg und wurde zu dessen erstem Obmann gewählt.

1912 wurde er Obmann des neu gegründeten Salzburger Landes-Skiverbandes. Außerdem saß er im Vorstand des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins. Während des Ersten Weltkriegs war er als alpiner Referent in der Ortler- und der Adamello-Gruppe und später als Schulungsoffizier bei den Gebirgsgruppen der Deutschen Reichswehr eingesetzt.[1] 1914 wurde er als Notar nach Saalfelden versetzt.[1]

Saalfelden war Ausgangspunkt zahlreicher seiner Bergtouren, die ihn vor allem in das Steinerne Meer und in die Glocknergruppe führten.[1]

Eispionier

Im Jahr 1924 gelang ihm gemeinsam mit dem Münchner Alpinisten Wilhelm Welzenbach die Erstbegehung der Nordwestwand des Großen Wiesbachhorns in der Glocknergruppe, wobei er erstmals Eishaken einsetzte.[1]

Am Beginn des Eishakeneinsatzes stand ein Missverständnis: Sein Tourenfreund Hermann Angerer hatte Rigele erzählt, dass er mit seiner Partie in einer Felswand in die Dunkelheit geraten sei und, um weiterhin ungehindert Stufen ins Eis schlagen zu können, die Laterne an eingetriebene Haken gehängt habe. Rigele war der Meinung, Angerer hätte diese Haken ins Eis geschlagen, in Wirklichkeit hatte er sie aber in Risse der flankierenden Felsen getrieben. Die Idee bewog Rigele, mit Eishaken zu experimentieren. Als er zusammen mit dem Skipionier Georg Bilgeri in den Eisbrüchen des Krimmler Kees Haken einschlug, froren diese fest, und die beiden Bergsteiger konnten sich sogar an ihnen abseilen.[3]

An der Nordwestwand des Großen Wiesbachhorns war zu jener Zeit ein Eiswulst ausgebildet, der angesichts der damaligen Ausrüstung – Zwölfzacker-Steigeisen gab es noch nicht – als unbezwingbar erschien. In solch steiles Eis hatte sich noch keine Seilschaft gewagt. Als nun Welzenbach im Jahr 1924 zur Wiesbachhorn-Nordwestwand drängte, ließ Rigele beim Saalfeldner Schlossermeister Hilzensauer drei neue „Eishaken“ schmieden: 18 bis 20 Zentimeter lang, schmal, rechteckiger Querschnitt mit Widerhaken und eingelassenem, beweglichem Ring. Als Reserve nahm er normale Fels- und sogar Bilderhaken mit.[3]

Am 15. Juli 1924 brachen die beiden um vier Uhr früh vom Heinrich-Schwaiger-Haus auf, stiegen vom Kaindlgrat zum Wandfuß ab und kletterten im einfallenden Nebel hinan. Tatsächlich konnten sie die 500 Meter hohe Eiswand mit den Haken überwinden, die sie noch während des Aufstiegs bargen, mit einer Reepschnur hinaufzogen und wiederverwendeten.

So revolutionierte Fritz Rigele die Eistechnik. Um elf Uhr standen sie auf dem Gipfel. Beim Abstieg, eine knappe Stunde später, hörten sie, wie eine Eislawine die Wand hinwegfegte, die sie wenige Stunden zuvor durchklettert hatten.[3]

Fritz Rigele war ein begeisterter Skifahrer, hielt Skikurse ab und fuhr bei einigen Wettrennen mit. Von 1926 bis 1928 war er zweiter Vorsitzender des Österreichischen Skiverbandes, dann bis 1931 erster Vorsitzender.

Familie und Ideologie

Im Jahr 1912 heiratete Fritz Rigele Olga Göring (* 1889; † 1970), die Schwester des angehenden Offiziers und späteren NS-Granden Hermann Göring. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor:

Bei Fritz Rigele war sein Neffe Dr. Franz Hueber als Konzipient beschäftigt, der Sohn seiner Schwester Gabriele Hueber, geborene Rigele. Dieser lernte bei ihm Olgas Schwester Paula Göring kennen und heiratete sie schließlich.[5]

Rigele war seit 1921 Gauführer im Pinzgau und Mitglied der Landesleitung des Heimatschutzes. Er hing dem Antisemitismus an und unterstützte z. B. den Agitator Eduard Pichl[6][7] bei seinem Kampf um den Ausschluss der jüdischen Sektion Donauland aus dem Deutschen und Oesterreichischen Alpenverein.[3] 1925 wurde er Notar in Linz. 1933 übersiedelte er nach Deutschland, wo er in engem Kontakt mit seinem Schwager Hermann Göring stand. Dieser war seit 1932 Deutscher Reichstagspräsident. Das ihm zustehende Berliner Reichstagspräsidentenpalais überließ er Rigele, der dort mit seiner Familie einzog. Auch versorgte Göring seinen Schwager in Berlin mit mehreren Aufsichtsratsposten.[8]

Am 17. Juli 1936 wurde im nationalsozialistischen Deutschen Reich der „Reichsdeutsche Sektionentag“ mit Fritz Rigele an der Spitze geschaffen. Dessen Aufgabe war es, die reichsdeutschen Interessen des nationalsozialistisch ausgerichteten Deutschen Bergsteigerverbandes gegenüber dem Deutschen und Oesterreichischen Alpenverein zu vertreten.[9]

Tod in den Bergen

Als die Deutsche Wehrmacht eine Gebirgsbrigade aufstellte, stellte sich Fritz Rigele am 1. Juni 1935 zu deren Ausbildung zur Verfügung. Bei einer Übung des 100. Gebirgsjägerregiments stürzte er am 9. Oktober 1937 in den Berchtesgadener Alpen schwer, als er auf dem Blaueishüttenweg (im Hochkalterstock) einem Muli ausweichen wollte.[3] Tags darauf verstarb er im Krankenhaus von Bad Reichenhall an seinen schweren Kopfverletzungen. Bestattet wurde er im Parkfriedhof in Berlin-Lichterfelde, im Beisein von Göring, der Wachstandarte Feldherrnhalle sowie mehreren deutschen Ministern, des stellvertretenden Gauleiters von Berlin, Staatsrat Artur Görlitzer, des Berliner Oberbürgermeisters Dr. Julius Lippert und des Italienischen Botschafters Bernardo Attolico.[10]

Werke

  • 50 Jahre Bergsteiger. Erlebnisse und Gedanken. „Sport und Spiel“ Verlags- & Vertriebs- G.m.b.H., Berlin 1935.

Quellen

  • Praher, Andreas: „Skifahren ist für uns Deutsche in den Alpenländern mehr als nur ein Sport.“ Der österreichische Skisport als politische Kampfzone der 1930er-Jahre, in: Marschik, Matthias u.a. (Hrsg.): Images des Sports in Österreich. Innensichten und Außenwahrnehmungen. Göttingen (V&R unipress) 2018, S. 208f.
  • Bayr, Hanno: Berlin trifft Mauterndorf. Eine Reise mit Epenstein und Göring. Mariapfarr (Peter Klammer) 2017, S. 119 und S. 168.
  • Glaser, Joachim: Das bizarre Leben des ersten Skipräsidenten, in: Salzburger Nachrichten, Lokalausgabe, 22. November 2021, S. 19.
  • Salzburger Amtskalender

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Eintrag „Rigele, Friedrich“ in Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL), Band 9, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1988, (Lfg. 42, 1985), ISBN 3-7001-1483-4, S. 161; etwas knapper der Eintrag „Rigele, Friedrich“ in Vierhaus, Rudolf (Hrsg.), Deutsche biographische Enzyklopädie 8 (S. 74), 2. Aufl. Walter de Gruyter 2007. ISBN 359825038X, ISBN 9783598250385 S. 419
  2. Taufbuch der Pfarre Wolkersdorf, Band G, S. 8.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 Höfler, Horst: Fragwürdigkeiten im Alpinismus, Teil 7, S.1 bis 3
  4. Knopp, Guido: Göring: Eine Karriere. München: Bertelsmann 2006. ISBN 3-5700-0891-6 "klaus+rigele" S. 156
  5. Slapnicka, Harry: Linz und „Oberdonau“ – wie es nationalsozialistische Spitzenpolitiker sahen, in: Historisches Jahrbuch der Stadt Linz 1990, S. 17 (S. 31)
  6. siehe Ennstalwiki → enns:Eduard Pichl
  7. Verlinkung(en) mit "enns:" beginnend führ(t)en zu Artikeln, meist mit mehreren Bildern, im EnnstalWiki, einem Schwesternwiki des Salzburgwikis
  8. Bayr, Hanno: Berlin trifft Mauterndorf. Eine Reise mit Epenstein und Göring. Mariapfarr (Peter Klammer) 2017, S. 167.
  9. Welsch, Walter: Geschichte der Sektion Bayerland des Deutschen Alpenvereins e.V., Die Zeit des Dritten Reiches 1933-1945. EOS-Verlag und Druck, St. Ottilien, München 2013. ISBN 978-3-00-042387-1. S.24, 41
  10. (Linzer) Tages-Post vom 16. Oktober 1937, S. 6: Notar Fritz Rigeles letzte Fahrt