Gstättentor

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Gstättentor (Südseite), Foto: Juli 2007
Karte

Das Gstättentor am Beginn der Gstättengasse ist ein unter Denkmalschutz stehendes historisches Gebäude in der Altstadt von Salzburg.

Namen

Dieses Stadttor hatte im Laufe der Geschichte verschiedene Namen.

Das Wort "Gstätten" leitet sich vom Gestade = Ufer ab. Die Salzach war im Stadtgebiet bis 1852 nicht reguliert, sodass der Fluss seinen Lauf und das Bett - vor allem durch ein Hochwasser - ändern konnte. Die natürliche Fluss-Uferzone reichte in historischer Zeit bis an die Gstätten heran, nur ein kleiner Bereich im Raum des heutigen Badergässchens und direkt am Fuß des Mönchsbergfelsens war im Mittelalter bebaut.

Geschichte

Das Tor war vor 1300 eines der drei Haupttore der Stadt im Mittelalter. Zudem waren die Stadttore damals nur einfach vorhanden. Das Westertor führte über Mülln nach Westen, das Ostertor am rechten Salzachufer nach Osten und das Nonntalertor nach Süden ins Gebirge.

Zur Zeit der ersten Stadtbefestigung vom 11. bis 13. Jahrhundert war das Tor - nach der späteren Stadtansicht von 1533 - ein gemauertes, wohl mit einem Satteldach versehenes gut einstöckiges Torgebäude, das zum Ufer-Gestade der Salzach hin an die erste Stadtmauer anschloss. Vor dem Tor befand sich ein aus dem Felsen gehauener Graben samt Zugbrücke und davor im Spätmittelalter eine Sicherung aus starken Holzbohlen. Durch den Graben floss nach 1337 das Wasser des Städtischen Armes des Almkanales. Direkt an das Tor grenzte und grenzt bis heute die Bürgerspitalskirche (Blasiuskirche) und das Bürgerspital St. Blasius‎‎ mit dem Spitalsfriedhof.

1327 nannte man es Westertor. Im Stiftsbrief des Bürgerspitals vom Erzbischof Friedrich III. von Leibnitz wurde es als "porta, quae respicit ad occidentes terras" ('die Pforte, die auf die Länder im Westen zurückblickt') angeführt. 1367 wurde es als die "Klaus an der Gstäiten" bezeichnet. In der Chronik von Salzburg des Judas Thaddäus Zauner wurde erwähnt, dass Erzbischof Pilgrim II. von Puchheim (1386–96) die "innere Klause" und äußere Klause mit einer Mauer - die auf alten Stadtansichten noch teilweise sichtbar ist - verbunden hat. Das alte Wort "Klause" oder "Kluse" bedeutet 'Engstelle'. Darum nannte man die beiden die Stadt gegen Westen abschließenden Tore die beiden Klausen, die damals vom Felsen bis zum Wasser der Salzach reichten. Das äußere Tor, seit Anfang des 12. Jahrhunderts bestehend, heißt noch heute Klausentor.

1469 wird das Tor "Der Spitalthurm am Graben" gernannt. 1464 rückte Fürsterzbischof Burkhard II. von Weißpriach die Mauer zwischen dem Armenleutbad und dem Gstättentor weiter zur Salzach hinaus.

Nach dem Bau des Städtischen Arm,es des Almkanales in der Mitte des 14. Jahrhunderts entstand neben dem Tor eine erste Mühle erbaut. Die Schleifmühle und der Name "Schleifertor", leiten sich von der seinerzeit weitum berühmten fürsterzbischöfliche Kristallschleiferei ab. Teilweise wird die Bezeichnung "Schleifertor" noch heute gebraucht. 1605 brannte das Tor ab und es blieb 10 Jahre ohne Dachgeschoß. Die äußere Klause, das Klausentor, übernahm teilweise die Aufgabe als Haupttor.

1618 wurde das Gstättentor durch Fürsterzbischof von Markus Sittikus von Hohenems neu errichtet oder über altem Bestand wesentlich erneuert und so weitgehend in seine heutige Form gebracht. Markus Sittikus baute das Tor als dreistöckigen Turm mit breitovalen Festern im Obergeschoß wieder auf. Die Toröffnung gegen die Getreidegasse wurde mit einem Steinquaderportal umrahmt, in dessen Schlusskeil die bronzene Ziffer "26" angebracht wurde. Die Ausmauerung mit ihren einst geschwungenen Aufsätzen trug Kugelspitzen. Bergseitig liegt bis heute die Steinstiege des Wehrbaues, deren Gitter jedoch aus der Zeit der Aufklärung stammt. Seit 1618 ist auch die Bezeichnung "Spital- oder Schleiferbogen" gebräuchlich.

Gegen die Getreidegasse baute Markus Sittikus salzachseitig ein Torsteherhäuschen mit einer Stiege zum Stadtbrunnhaus. Über dem Eingang desselben war ebenso ein Wappen von Markus Sittikus angebracht.

1804 wurde das Torgebäude vom k. k. Kameralärar an Josef Schnöbb, einen Zinngießer, um 838 Gulden verkauft, der den vierten Stock aufbaute und das Gebäude in die heutige Gestalt brachte. 1823 ging laut Vermächtnis der zu einem Wohngebäude hergerichtete Schleiferturm am Bürgerspital in das Eigentum des k. k. Fiskalamt sowie die deutsche Schule über. 1825 wohnte darin Franz Jung, ein Schneidermeister aus der Gemeinde Liefering. 1839 war Josef Kreil, ein Schuhmachermeister, der Besitzer. 1851 bis 1880 war es im Besitz der Familie Oberhuber und 1880 wurde es versteigert. Jakob Feichtner, ein Kaminfeger, erstand es und renovierte es gründlich. Er ließ oberhalb dem Außenportal die Tafel "Renoviert 1892 I. F." anbringen. Die Tafel wurde im 20. Jahrhundert wieder entfernt.

1896 wurde bergseitig der Gehweg von der Stadtgemeinde errichtet. Bis etwa 1925 stand das Gebäude im Besitz der Familie Feichtner.

Wappen und Inschriften

(innere Seite): Wappen von Markus Sittikus von Hohenems über dem Gstättentor
nach Süden.
(äußere Seite): Wappen von Markus Sittikus von Hohenems über dem Gstättentor
nach Norden

Innere Seite des Gstättentores

An der inneren Seite nach Süden gegen die Getreidegasse befindet sich einem Rundbogen-Portal aus Steinquadern, dessen Schlusskeil die bronzene Ziffer "26" trägt. Darüber befindet sich eine Tafel mit Rollwerkumrahmung und die lateinische Inschrift:

PUBLICO DECORO MARCUS SITTICUS SALISBURGENSIUM PRAESUL EREXIT A(NNO) D(OMINO) M.DC.XVIII.
(Das Gebäude) zur öffentlichen Zierde hat Markus Sittikus das Oberhaupt Salzburgs errichtet im Jahr des Herrn 1618.

Darüber befindet sich ein Wappen mit dem Steinbock als Wappentier.

Äußere Seite des Gstättentores

An der äußeren Seite nach Norden gegen die Gstättengasse befindet sich ein Rundbogen-Portal aus Konglomerat mit gequaderter Torumrahmung, beidseitig gequaderte toskanische Lisenen, darüber dreiteiliges Gebälk mit gesprengtem Segmentgiebel, dazwischen das Wappen des Markus Sittikus von Hohenems.

Darüber zwischen den Fenstern im ersten Stock eine Tafel mit Rollwerkumrahmung verziert und der lateinischen Inschrift:

MARCUS SITTICUS EX ALTA EMBSIIS COMITIBUS ARCHIEP(ISCOPUM) ET PRINCEPS. INDECORAM PRIUS ET ANGUSTAM PORTAM IN HANC AMPLEXITUDINEM APERVIT ET ORNAVIT. ANNO D(OMI)NI M.DC.XVIII.
Markus Sittikus aus dem Geschlecht derer von Hohen-Em(b)s, Erzbischof und Fürst, hat das zuvor enge und schmucklose Tor zu dieser Weite geöffnet und geschmückt im Jahr des Herrn 1618.

Wissenswertes

Unmittelbar vor dem Gstättentor befand sich seit 1429 eine Backstube, die bis heute ihr Aussehen, also ihre Hausfront nicht verändert hat: in einem Rundbogen stehen zwei steinerne Sessel und ein Tisch, ein Fenster lässt in das Innere blicken und durch eine Tür kann man es betreten.

Erreichbarkeit

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Quellen

  • Walter Kirchschlager; Salzburger Stadttore, Edition Salis, Sbg. Druckeri, Sbg, 1985
  • Franz Fuhrmann: Salzburg in alten Ansichten, die Stadt, Residenz Verlag, Sbg. 1963
  • Lehrerarbeitsgemeinschaft am Pädagogischen Institut Salzburg unter der Leitung von Josef Hübl: Heimatkunde Stadt Salzburg, Salzburger Druckerei, Ausgabe Mai 1974