Hauptmenü öffnen

Hotel Münchnerhof

Begriffsklärung
Dieser Artikel behandelt nur die Geschichte des nicht mehr bestehenden Hotel Münchnerhof. Die Hausgeschichte selbst ist im Artikel Münchnerhof zusammengefasst, in dem sich auch allgemeine Bilder des Hauses (innen und außen befinden).
Geschlossen
geschlossen  Der hier beschriebene Betrieb oder die Einrichtung existiert in dieser Form nicht mehr. Dieser Beitrag beschreibt die Geschichte.
Hotel Münchnerhof um 1915
Hotel Münchnerhof um 1915
das Lesezimmer, 1928
das Vestibül, 1928
das große Speisezimmer, 1928
die Weinstube, 1928
Beispiel Zweibettzimmer, 1928
Beispiel Badezimmer, 1928
Bauplan des Treppenhauses
Bauplan des Treppenhauses


Im Hintergrund Frisier Salon Ulbert, früher Zimmer 31, Michaela's Geburtsstelle
Fini Hofinger, geborene Schwediauer, um 1930
Münchnerhof, Blick nach oben im Stiegenhaus 1963

Das Hotel und Pension Münchnerhof ist ein nicht mehr existierendes Unternehmen in der Salzburger rechtsseitigen Altstadt.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Dieses Fremdenverkehrsunternehmen befand sich an der Dreifaltigkeitsgasse. Noch heute kann man allerdings den Namen Münchnerhof am Eingang zum Gebäude lesen.

Geschichte

Die Entstehung des Hotels

Im Jahre 1900 hatte Michael Hofinger bereits die Häuser Dreifaltigkeitsgasse 3 - erstmals im Jahre 1374 urkundlich verzeichnet - und Lederergasse 8, erworben. Diese beiden Häuser hatte er mit großen geliehenen Geldsummen im Jahre 1912 renoviert. Im Jahre 1917 ging das Nebenhaus, das ehemalige Schlammbräu in der Lederergasse 10 (zum erstenmal erwähnt 1431) bankrott und Hofinger kaufte das Gebäude von der Stieglbrauerei. Dieses Haus wurde damals genannt Haus am Eck in der Ledrergassen. Der spätere Besitzer Georg Payr, Metzger, 1722, nannte es Gasthaus Zum Roten Ochsen oder Bauernjodl Haus.

Zwischen diesen Gebäuden gab es einen Pferdestall, der abgerissen wurde, so dass die anderen Häuser mit dem Haus Lederergasse 10 verbunden werden konnten. Als letztes kaufte Hofinger das Haus Lederergasse 6 und im Jahre 1922 wurde eine Renovierung vorgenommen, bei der die Küche zentralisiert wurde. Der verschachtelte Häuserblock hatte nur wenige Fenster, die auf ein oder zwei dunkle Innenhöfe gingen und nur wenig Tageslicht auf die unteren Stockwerke zuließ. Deswegen wurde die Küche mit einem Glasdach ausgestattet. Der Rest der Häuser blieb nach wie vor unattraktiv und dunkel.

Es war klar, dass eine radikale Renovierung vorgenommen werden musste. Hofinger beauftragte einen Architekten, neue Pläne zu zeichnen. Mit keinem Vorschlag war er allerdings zufrieden. "Man müsste die Mitte sprengen und von vorne anfangen" sagte Hofinger. Der Architekt erklärte, dass ein solcher Vorgang unmöglich sei. Hofinger akzeptierte diese Antwort aber nicht. Er wollte das beste und modernste Hotel in ganz Salzburg bauen. Es sollte das höchste Niveau der Hotellerie darstellen. Die unüberwindlichen Schwierigkeiten sollten seinen Arbeitseifer und Unternehmungsgeist nicht hemmen. Hofinger war ein Pionier und sein neues Hotel wurde ein Beispiel der Innovation.

Die Bauarbeiten begannen im Herbst 1927. Von einem Anbau konnte keine Rede sein, denn der bestehende Grundriss diktierte, dass nur eine Änderung innerhalb des bestehenden Gebäudes möglich war. Vom Keller bis zum Dach wurde die Mitte des Hauses mit Dynamit teilweise implodiert. Mühsam wurden die restlichen Wände von vielen Arbeitern mit der Hand abgerissen und die Trümmer mit Schubkarren entfernt. Manchmal waren da 80 bis 130 Arbeiter mit den Arbeiten beschäftigt, die fast durchwegs von Salzburger Firmen ausgeführt wurden. Nach sieben Monaten Umbau, der das Eröffnen um ein Monat wegen eines Arbeiterstreikes verzögerte, wurde am 30. Juni 1928 die große Wiedereröffnung des Hotel Münchnerhof's gefeiert. Alle Besucher waren sehr beeindruckt über Hofinger's neuen Betrieb, so sehr, dass mehrere Salzburger Hotelbesitzer ihre Häuser ebenfalls zu renovieren begannen.

Als Prunkstück hat Hofinger einen Steinmetz beauftragt das Wahrzeichen des Münchnerhof's, nämlich das Münchner Kindl, aus Untersberger Marmor zu meisseln. Diese Statue wurde aussen über dem Eingang aufmontiert. Um Erinnerungsgeschenke an seine persönlichen Freunde, Geschäftsfreunde und prominente Personen auszuteilen, beauftragte er einen Holzschnitzer, hunderte von kleinen Münchner Kindln zu schnitzen.

Traurigerweise ist Maria, Hofinger's Frau das Opfer eines Autounfalles geworden und sie verstarb am 15. September 1928.

Ab 1928 hießen die vier Gebäude nun Hotel Münchnerhof. Zuvor nannten sich die beiden Häuser, die Hofinger 1900 erworben hattem Gasthof Münchnerhof, wobei das Stammhaus das Haus an der Lederergasse Nr. 10 war.

Michael Hofinger war sehr beliebt bei seinen Gästen und Freunden. Täglich um 10 Uhr vormittags gab es 'a Jausn', wozu er den feinsten Speck aus Oberösterreich und Wein aus Südtirol servierte. Darum haben ihn seine Freunde dann liebevoll 'Speckmichl' genannt.

Die Ausstattung

Hofinger hatte die Vision, einen Lichtschacht zu bauen. Mit dem neuen Lichtschacht würde Licht durch die Räume fluten und das Vestibül würde ebenfalls dem ganzen Haus ein freundlicheres Gesicht geben.

Erst wurde ein Gerüst um das große Loch gebaut. Die vier Stockwerke wurden miteinander durch ein Treppenhaus verbunden, welches aus schwerer dunkler Eiche gezimmert wurde. Die Geländer auf vorspringenden Trägern rund um jeden Stock waren ebenfalls dunkle Eiche. Dieser 'Gang' machte die hundert neuen Hotelzimmer zugänglich. Von jedem Stock hatte man einen fantastischen Blick auf das elegante Foyer mit dessen aus Eichenholz getäfelten Wänden und verzierten Fries. Über dieses Treppenhaus wurde ein riesiges Glasdach installiert, von dem ein prächtiger Kristallluster herunter hing. Jedoch war dieser Luster nie mit elektrischem Strom verbunden.

Auf alten Bildern in einer Broschüre, die in Französisch geschrieben ist, die vermutlich erst aus dem Jahre 1928 stammen, erkennt man verschiedene Räume: das Lesezimmer, das große Speisezimmer, ein Badezimmer, ein Zweibettzimmer und das Vestibül. Zu erkennen ist auch ein elegantes Bad mit Dusche, Waschbecken und WC.

Das Hotel Münchnerhof war eines der ersten Häuser in Salzburg, das einen elektrischen Aufzug hatte. Dieser lief auf Magnetspulen und musste händisch mit einem Hebel in Bewegung gesetzt werden. Das Innere der Kabine war elegant mit Eichenholz vertäfelt, hatte eine Sitzbank, einen Spiegel an der rückwärtigen Wand und Deckenbeleuchtung. Das ganze Haus wurde mit Zentralheizung beheizt. Hofinger ließ eine teure Entlüftungsanlage mit Delbag-Filtern einbauen. Diese Anlage versorgte alle Gesellschaftsräume und Speisesäle stets mit gefilterter reiner Luft ohne Zugluft. Rauch und Speisegerüche wurden dabei abgesaugt. Jedes Zimmer hatte fließendes kaltes und warmes Wasser sowie ein Telefon und Lichtsignal. Dieses verständigte das Servierpersonal, wenn der Gast Bedienung im Zimmer wünschte.

Die Gästezimmer im ersten Stock waren besonders elegant. Um jeglichen Lärm zu dämpfen waren die Türen Leder gepolstert mit Messingstecknagelköpfen. In den Zimmern gab es eine kleine Waschanlage und einen eingebauten Kleiderschrank. Einige Zimmer hatten Vollbad. Es gab auf jedem Stock gemeinsame Badezimmer für jene Zimmer, die kein Vollbad hatten.

Um das schöne Stadtpanorama zu genießen konnte man im Sommer mit dem Lift auf die Dachterrasse fahren und dort speisen. Es gab Tische mit Sonnenschirmen und getöpfte kleine Bäume, sowie Spalier mit Efeu bedeckt und blühende Kletterpflanzen, die einen Garten darstellten.

Die Wäscherei befand sich im fünften Stock. Zwei massive Heizkessel besorgten heißes Wasser für die beiden Waschmaschinen. Nach dem Waschen wurde die Bettwäsche und Handtücher in eine Schleudermaschine (Zentrifuge) gegeben um das meiste Wasser zu entfernen. Alles musste auf Stricken zum Trocknen aufgehängt werden, denn es gab noch keine elektrischen Wäschetrockner. In einem anderen Raum befand sich die Bügelmaschine. Zwei riesige gepolsterte Rollen liefen gegeneinander um die Wäsche zu glätten.

Die Kulinarik des Münchnerhofs

Um mehr Gäste in sein Restaurant anzulocken, stellte Hofinger geschickte kulinarische Menüs zusammen. Er hat sich eine Druckmaschine angeschafft, womit er die täglich neue Speisekarte druckte und in ein beleuchtetes Fensterkasterl neben dem Hoteleingang ausstellte. Auf seiner Speisekarte fanden sich Gerichte wie gebackenen ungarischen Fogos [1], Bachforelle blau, Filet Mignon, Chateaubriand, Herrenpilze, Champignons, das all-beliebte Wiener Schnitzerl, Schweinebraten mit Sauerkraut und Semmelknödeln, Leberknödelsuppe und Fridattensuppe. Als Nachspeise gab es eine siebenstöckige Dobostorte, Sachertorte mit Schlag, Linzertorte oder Walderbeeren mit Schlag. Immer gab es die berühmten Salzburger Nockerl. Für die weniger anspruchsvollen einheimischen Bürger gab es billige Hausgerichte, wie Hirn mit Ei, Beuschl mit Knödel, Goulasch oder heißen Leberkäse mit Kartoffelsalat.

Fini, die Seele des Münchnerhof's

Der Tod seiner Frau traf Hofinger sehr. Sie hatte 30 Jahre an seiner Seite mit ihm gearbeitet. Im Jahre 1929 wandte sich Hofinger an seinen Cousin, Michael Schwediauer in Wien, und bat, dass dieser seine jüngste Tochter Fini nach Salzburg schicke, um ihm beim Hotelbetrieb zu helfen. Fini hatte eine sehr gute Schulausbildung an der Wiener Handelsakademie absolviert. Sie konnte fließend Englisch und Französisch sprechen und schreiben, Stenographieren[2] und mit der Schreibmaschine schreiben; auch konnte sie andere Büromaschinen bedienen. Sie war gescheit, talentiert und hatte einen wunderbaren Frohsinn. Sie war bei allen Gästen, wie auch beim Hotelpersonal sehr beliebt.

Der New Yorker Börsensturz im Oktober 1929 hatte sich auch in Europa ausgewirkt. Wenig Gäste stiegen ab, daher waren die Einkünfte geringer und das Personal musste eingeschränkt werden um Geld zu ersparen. Fini war überall im Einsatz: in der Rezeption, im Büro, sie übersah die Wäscherei und das Personal. Am meisten hatte sie aber als Küchenkassiererin fungiert. Am 2. Oktober 1933 heirateten Fini und Rudolf, ältester Sohn von Michael Hofinger. Fini arbeitete täglich viele Stunden, manchmal bis 2 Uhr morgens, alles ohne Gehalt. Sie war unermüdlich, verlässlich und hat nie geklagt. Sie hatte sich nie Freizeit genommen, weil der Münchnerhof und ihr Schwiegervater sie brauchten. Mit wenig Geld hatte sie die Fremdenzimmer geschmacklich ausgestattet. Fini liebte die Kunst, speziell die Musik. Sie selbst konnte wunderbar Klavier spielen. Ihre charmante Gastfreundlichkeit brachte viele Gäste ins Haus, die oft als Stammgäste zurückkehrten. Jedes Jahr sind viele Festspiel-Künstler im Münchnerhof abgestiegen, darunter war der bekannte Opernsänger Richard Mayr ein regelmäßiger Gast. Auch andere Persönlichkeiten von den Salzburger Festspielen sind eingekehrt, wie Dirigenten, Schauspieler, Opernsänger und Bühnenbildner.

Im Jahre 1938 wurde sie mit Brustkrebs diagnostiziert. Sie hatte mehrere Operationen in Wien, München und Salzburg, aber sie konnte nicht gerettet werden. Jedes Mal, wenn sie vom Spital zurück kam sah sie blässer aus, aber sie hatte weiter an der Küchenkasse gearbeitet, so lange es ihr möglich war. Sie starb am Freitag, 25. Oktober 1940 im Landeskrankenhaus Salzburg. Mit großer Traurigkeit wurde sie am 30. Oktober 1940, an ihrer Tochter Liselotte's vierten Geburtstag, zu Grabe getragen. Viele Salzburger Bürger und prominente Geschäftsleute nahmen an ihrem Begräbnis teil. Sie war nur 39 Jahre alt geworden.

Michael Hofinger erkrankte im Frühjahr 1944 und starb am 25. Mai 1944 an einem Schlaganfall. Da sein Sohn Rudolf viel auf Reisen war und sein Sohn Otto im Krieg war, hatte er noch vor seinem Tode einen Familienrat gegründet. Er wählte vorsichtig sechs Salzburger Geschäftsfreunde und seinen persönlichen Freund, den Kunstmaler Karl Reisenbichler, zu diesen ehrenamtlichen Stellungen. Der Familienrat trat in Kraft um wichtige zukünftige Entscheidungen für den Münchnerhof zu treffen. Dieser Familienrat wurde mit Otto's Rückkehr aus dem Kriege am 13. Oktober 1945 aufgehoben.

Eine Zeitbombe fiel auf den Münchnerhof

Am 14. November 1944 landete eine Zeitbombe im Innenhof der Küche. Das Dienstpersonal, Gäste und Arbeiter waren glücklicherweise im Bombenschutzkeller des Kapuzinerberges. Es gab nur fünf Minuten Warnung. Drei Häftlinge aus dem KZ Dachau wurden herangezogen, um die Bombe zu entschärfen. Bevor dies geschehen konnte, ging die Bombe in die Luft und tötete die drei Männer. Die Küche wurde dabei schwer beschädigt, sowie mehrere Hotelräume; jedoch hat das Nebenhaus den meisten Schaden abbekommen.

Am 4. Mai 1945 marschierte die 3. US-Infanteriedivision "Rock of the Marne" der US Streitkräfte in Salzburg ein. Das Hotel Münchnerhof wurde beschlagnahmt und eines der Hauptquartiere der Besatzungstruppen. Das Personal wurde entlassen und alle Bewohner vertrieben. Als Otto aus dem Krieg zurück kam, hatte er kein Zuhause, jedoch wurde ihm Wohnerlaubnis verliehen, als er seine Nichten aus Mondsee zurückholte. Die Familie durfte in die alte Privatwohnung in die Lederergasse 6 zurückziehen. Im Jahre 1948 ist die amerikanische Besatzung dann ausgezogen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Da das Hotel durch den Bombenschaden keine Einkommensmöglichkeit hatte, konnte Otto um Unterstützung bei der US Regierung einreichen. Aus dem Marshall-Plan erhielt er eine Anleihe, die nur vier Prozent Verzinsung verlangte. Mit dieser Anleihe hat Otto den Münchnerhof im Jahre 1948 erneut renovieren lassen. Die Bauarbeit erstreckte sich über mehrere Monate. Die Küche und die beschädigten Hotelzimmer wurden repariert; auch das Foyer wurde verschönert und die Weinstube modernisiert.

Otto hatte nicht das gastronomische Talent wie sein Vater oder Fini. Andere Hotelbetriebe Salzburg's hatten viel bessere Vorteile gegenüber dem Hotel Münchnerhof, besonders wenn diese eine gute Aussicht für Gäste boten. Noch dazu wurden die drei Parkplätze vor dem Hotel von der Stadtgemeinde nicht genehmigt, weil der Obus durch die Dreifaltigkeitsgasse fuhr. Immer weniger Gäste stiegen ab. Otto entschloss, das Hotel in ein Bürohaus umzuwandeln. Dies geschah am 1. Jänner 1960 und das Haus heißt seither nur mehr Münchnerhof. Seine beiden Nichten, Michaela und Liselotte, ebenso Teilhaber des Münchnerhofs, sind im Jahre 1956 nach Kanada ausgewandert. Otto Hofinger starb am 7. Juni 1990. Er blieb unverheiratet und hatte keine Nachfolger. Er war der letzte männliche Nachfolger Michael Hofingers. Mit seinem Tode ist die 'Hofinger Dynastie', ausgestorben. Der Münchnerhof wurde verkauft und hat jetzt neue Besitzer.

Bildergalerie

Quellen

Einzelnachweise