Naturlehrweg Gamsgrube

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Blick in den Gamsgrubentunnel
der Gamsgrubenweg beginnt auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe links des Besucherzentrums
am Gamsgrubenweg
am Gamsgrubenweg, der Pfeil markiert die Oberwalderhütte
im Gamsgrubentunnel
Schautafeln entlang des Gamsgrubenwegs informieren die Besucher über Natur und die Berge
Wiedereröffnung am 4. Juli 2014

Der Gamsgrubenweg ist ein Naturlehrweg von der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe am Endpunkt Gletscherstraße, einer Stichstraße der Großglockner Hochalpenstraße vom Kreisverkehr Guttal auf Kärntner Seite.

Geschichte

Nachdem am 1. August 1936 die Straßenverlängerung vom Parkplatz unterhalb der alten Kaiser-Franz-Josefs-Höhe bis zum Parkplatz Freiwandeck (heute Nationalparkplatz) fertiggestellt war, begannen die Arbeiten für den Promenadenweg zum Wasserfallwinkel, dem heutigen Gamsgrubenweg. Dieser wurde vom Parkplatz aus (es gab noch kein Besucherzentrum und kein Parkhaus) bis zum Wasserfallwinkel-Gletscher gebaut.

Der zwei Meter breite Weg wurde durch zwei durch Fels geschlagene Stollen am Südwesthang der Freiwand geführt. Sein Ende befand sich damals beim Abfluss des Wasserfallwinkel-Gletschers. Das waren damals mächtige Moränenablagerungen und Gletschereis, die ein weiters Vordringen unmöglich machten.

Der Weg wurde als Promenadenweg zum Wasserfallwinkel am 28. Juni 1937 von Bundeskanzler Dr. Kurt Schuschnigg eröffnet.[1]

Allgemeines

Der wohl eindrucksvollste Wanderweg an der Großglockner Hochalpenstraße im Nationalpark Hohe Tauern ist der Naturlehr- und Sagenweg Gamsgrube auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe. Nach umfangreichen Felssicherungsarbeiten, die bereits im Spätherbst 2013 begonnen hatten, ist dieser Panoramaweg seit Anfang Juli 2014 wieder frei und sicher begehbar.

Dieser bequeme, breite und ohne wesentliche Steigungen (der Höhenunterschied beträgt 200 Meter) Panoramaweg verläuft oberhalb des imposanten Gletscherstromes der Pasterze, genau gegenüber des alles überragenden Großglockners.

Am Ende des Weges, nach knapp einer Stunde Wanderung, kann man eine außerordentliche Rarität in den Alpen bestaunen: Gigantische Gletscherschliffe. Das sind auffallend glatte Felsen, die der mittlerweile abgeschmolzene Wasserfallwinkel-Gletscher einst regelrecht poliert hatte. Denn ein Kubikmeter Eis wiegt fast eine Tonne. Ein langsam gleitender Gletscher von zehn Meter Dicke fräst somit den Fels mit fast zehn Tonnen Gewicht je Quadratmeter ab.

in Verlängerung der sichtbaren Straße führt der Gamsgrubenweg; man sieht deutlich die Linie des Höchststandes der Pasterze

Unterhalb des Gamsgrubenweges fällt eine eigenartige Linie auf. Oberhalb Bewuchs mit Gras und Blumen, unterhalb nichts als glatter Fels. Diese Linie markiert den Höchststand der Pasterze um 1856, als Kaiser Franz Joseph I. bis zu der nach ihm benannten Höhe aufgestiegen ist.

Verlauf

Der Wegbeginn liegt auf 2 369 m ü. A., das Wegende im Wasserfallwinkel auf 2 542 m ü. A. Die Weglänge beträgt 2,43 Kilometer, die durchschnittliche Steigung 7,1 %. Unmittelbar nach dem Besucherzentrum durchstoßen zwei Stollen von 78 m und 42 m Länge eine aus Grünschiefer bestehende Felsrippe. Die Innenabmessungen der Stollen betrugen im Jahr der Eröffnung 2,50 mal 2,50 Meter.

Anschließend an die beiden Stollen führt der Weg am Südwesthang der Freiwand oberhalb der Randmoräne des Pasterzengletschers entlang und erreicht eine Zone kahler Plattenschüsse. Ein Weg zweigt zu der im September 2016 abgerissenen Hofmannshütte ab. Weiter führt der Weg zur Randmoräne des Wasserfallwinkelkessels.

Bergkristall, ewiges Eis und verschwundene Hochalm

Neben dem Besucherzentrum auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe beginnt der Weg, der zunächst durch sechs Tunnels führt. Im längsten von ihnen, dem Gamsgrubentunnel, taucht der Wanderer in die geheimnisvolle Welt der Sagen rund um die Entstehung der Pasterze ein. Sie erzählt von einem Ereignis in längst vergangener Zeit, wo am Frauentag ein großer Jahrmarkt mit einer Feldmesse abgehalten wurde und durch den Übermut einiger wohlhabenden Bauern das Schicksal gnadenlos seinen Lauf nahm. Auf einer Länge von 650 m hat die Kärntner Designerin Michaela Fink Installationen aus Stein, Licht, Ton und Malerei errichtet. Bei sieben interaktiven Stationen wird der Besucher eingeladen, die mystische Welt des Berges zu erleben. Am Ende der sagenhaften Reise durch den Tunnel der Vergangenheit wird er mit einem grandiosen Blick auf die Pasterze und den Großglockner belohnt.

Der Wanderer sieht nun Firndome und Gletscherbrüche, an den Berghängen Felsgrate, tief unten den Pasterzengletscher und gegenüber Österreichs höchsten Gipfel, den Großglockner. Blickt er nach vorne, so sieht er den 3 453 Meter hohen Johannisberg, der sich auf der Grenze Osttirol-Kärnten befindet. Vorbei am Sonderschutzgebiet Gamsgrube, Lebensraum für einige der seltensten Pflanzen in ganz Europa, wird zuletzt sogar der Rand des ewigen Eises, das Wasserfallwinkel Kees erreicht.

Gamsgrubenweg führt auch zur Oberwalderhütte

Manche schaffen es bis zum Hochalpinzentrum Oberwalderhütte, das über den bestens markierten alpinen Steig Gamsgrubenweg inklusive kurzem Gletscherübergang in rund 2,5 Stunden auch für Gäste mit weniger alpiner Erfahrung zu erreichen ist (vom Wasserfallwinkel etwa 400 Höhenmeter). Der Wirt der Oberwalderhütte, Wolfgang Hackl, freut sich bis zu 120 Besucher zu bewirten und zu beherbergen. Auch Sepp Forcher arbeitete schon vor über 60 Jahren als Lastenträger auf der Oberwalderhütte und hat dort nicht nur die Großglockner Hochalpenstraße („meine Traumstraße“) sondern auch seine Ehefrau „Heli“ kennen und lieben gelernt.

Juli 2014: Gamsgrubenweg wieder sicher begehbar

Die Arbeiten zur Steinschlag-Schutzverbauung der sechs Gamsgrubentunnel am Gamsgrubenweg auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe wurden Ende Juni 2014, gut einen Monat früher als geplant abgeschlossen. Schon seit dem Jahr 2003 führt der erste Abschnitt des Weges aufgrund der hohen Steinschlaggefahr durch sechs Tunnels. 2013/14 kam eine weitere Schutzverbauung hinzu.

Nun haben wir um knapp 900.000 € auch die Tunnelausgänge überbauen lassen - damit sind die sensationellen Ausblicke für die nächsten Jahre im wahrsten Wortsinn wieder „gesichert“!“ meinte Dr. Johannes Hörl, Vorstand der Großglockner Hochalpenstraßen AG, bei der Wiederöffnung des Weges Anfang Juli 2014.

Die Gesamtkosten von knapp drei Millionen Euro wurden verteilt über einen Zeitraum von 12 Jahren vom Land Kärnten, dem Oesterreichischen Alpenverein (OEAV) und der Großglockner Hochalpenstraßen AG (GROHAG) getragen. Der Gamsgrubenweg wurde 2011 vom „E.C.O. Institut für Ökologie“ als Themenweg des Jahres ausgezeichnet.

Infos zur Wanderung

Ausgangspunkt: Kaiser-Franz-Josefs-Höhe (2 362 m ü. A.) an der Großglockner-Hochalpenstraße
Gehzeit: drei bis vier Stunden (hin und retour)
Höhendifferenz: ca. 200 m
Schwierigkeit: leichte Wanderung im hochalpinen Gelände
Charakteristik: Breiter, nahezu ebener Weg
Familientauglicher Wanderweg
Beste Jahreszeit: Juli - Oktober

Vom Anfang Juli bis Anfang September wird täglich eine kostenlose, geführte Wanderung am Gamsgrubenweg mit Nationalpark-Rangern angeboten. Treffpunkt: 11.00 Uhr, Informationsstelle im Besucherzentrum an der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe.

Bildergalerie

Bilder vom Weg und Ausblicke vom Weg

Bilder von den Sicherungsarbeiten 2013/14

 Gamsgrubenweg Sicherungsarbeiten – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

weitere Bilder

 Naturlehrweg Gamsgrube – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Weblinks

Quellen

  • Presseaussendung GROHAG 4. Juni 2014, sowie Informationen auf deren Homepage
  • www.nationalpark-hohetauern.at
  • Wallack, Franz: Die Großglockner Hochalpenstraße - die Geschichte ihres Baues, zweite Ausgabe, anlässlich der 25-Jahr-Feier der Großglockner Hochalpenstraße, 1960, Springer Verlag, Wien
  • Oesterreichische Illustrierte Zeitung, 1. Juni 1937 (OENB)

Einzelnachweise

  1. Quelle Salzburger Volksblatt, 30. Juni 1937: Montag Nachmittag = 28. Juni