Pfarrkirche hl. Sebastian

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Die Pfarrkirche 2012 mit neuem Kirchendach, besonders erwähnenswert ist das bei der Kirche sichtbare Friedhofskreuz, das von Franz Wesenauer geschaffen wurde
Pfarrkirche Sankt Sebastian in Hof, Innenansicht
Chor mit Chorgestühl und seitlichem Kruzifix
Darstellung der vier Evangelisten auf dem Predigtstuhl
Kirchenorgel, seitliche Ansicht
Gotisches Portal aus Adneter Marmor, 1506
verschindelte Wetterseite

Die Pfarrkirche hl. Sebastian ist die Pfarrkirche der Pfarre Hof bei Salzburg. Sie zählt zu den denkmalgeschützten Objekten in der Gemeinde.

Geschichte

Eine Seelsorgestelle mit einer Kirche wird in den Urkunden zum ersten Mal 1502 erwähnt. Die großräumige Mutterpfarre Thalgau wurde, wie auch andere Pfarren seit der Mitte des 16. Jahrhunderts, in kleinere Einheiten (Vikariate, Lokalkaplaneien) aufgegliedert. Auch Hof wurde dadurch 1785 zu einem Vikariat. Die Stellung einer selbstständigen Pfarre erhielt Hof erst im Jahre 1858.

Am 4. August 1859 brannte die Kirche samt Postgebäude infolge eines Blitzschlages ab.[1] Der Absolvent eines Grazer Gymnasiums und angehende Theologiestudent Ferdinand Kaplan kam während seiner Fußwanderung von Graz nach München am 10. August 1860 auch durch Hof. Er schrieb in seinen Tagebuchnotizen: "Um halb ein Uhr kamen wir nach Hof. Dieser Markt besteht aus wenigen neu gebauten Häusern, weil im Jahre 1859 der ganze Markt sammt [sic!] der Kirche in Flammen aufging. Das Unglück soll durch einen Blitzstrahl beim Posthause seinen Ausgang genommen haben. Die Kirche ist bereits wieder aufgebaut. Hier verweilten wir nicht lange [...]".

Bei der Wiedererrichtung wurde der Turm nicht mehr als Zwiebelturm, sondern von Hofzimmermeister Peter Huber mit einem achtseitigen, etwa um fünf Meter niedrigeren Pyramidenspitz ausgeführt. Die Turmhöhe beträgt seither samt Kreuz 38 Meter. Die aus ca. 1850 stammende, älteste Darstellung des Ortszentrums von Hof ist ein Aquarell des Wiener Malers Josef Gerstmeyer (* 1801; † 1879). Auf diesem Bild ist die Kirche noch mit dem Zwiebelturm dargestellt. (Das Original des Bildes ist im Eigentum der Gemeinde Hof bei Salzburg).

Namensherkunft

Das Gotteshaus ist dem Märtyrer Sebastian geweiht. Sein Name ist von dem griechischen Wort „Σεβαστός“ abgeleitet, das „der Erhabene“ (lateinisch: „Augustus“) bedeutet. Geschichte und Legenden über sein Leben sind vermischt, da die ursprünglichen Urkunden verloren gegangen sind. Er war Offizier beim römischen Militär und wurde wegen seines christlichen Glaubens zur Regierungszeit des Kaisers Diokletian (284 - 305) zum Tod verurteilt und von numidischen Bogenschützen erschossen. Eine fromme Witwe, die hl. Irene, die ihn eigentlich für das Begräbnis vorbereiten wollte, zog seine Pfeile aus seinem Körpger und pflegte ihn wieder gesund. Er wird daher immer mit Pfeilen, die in seinem Körper stecken, dargestellt. Später wurde er hingerichtet, indem man ihn mit Keulen erschlug. Seit dem Jahr 354 wird sein Fest am 20. Jänner gefeiert. 1761 wurde zu Ehren des Pestpatrons eine Gebetsgemeinschaft, die Sebastians-Bruderschaft gegründet. Das alte, schön ausgestattete Bruderschaftsbuch ist noch vorhanden. Hof war bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts ein bekannter Wallfahrtsort. Jährlich fand auch ein Bittgang aus der Stadt Salzburg zum Pestpatron nach Hof statt. (P. Beda Müller: „Nichts ist lebendiger als ein toter Heiliger“).

Unter den rund 40 Seelsorgern, die seit der Vikariatserhebung gezählt werden, befindet sich auch Joseph Mohr. Eine Gedenktafel im südlichen Eingangsraum erinnert an ihn:

IN PIAM MEMORIAM
(Zum frommen Gedenken)
Der Dichter des Weihnachtsliedes
„Stille Nacht“
R.D. Joseph Mohr
(R.D. = Referendissimus Dominus = Hochwürdigster Herr)
wirkte in Hof von September 1827
bis Jänner 1828
als Vikariats-Provisor

(Vikariat = Seelsorgestelle einer Mutter-Pfarre, in diesem Falle von Thalgau, Provisor = in diesem Falle Seelsorger des Vikariats)

Nach dem erwähnten Brand bekam die Kirche eine völlig neue Ausstattung im neugotischen Stil. Der Hochaltar aus dem Jahre 1862, nach einem Entwurf von Professor Hollweg aus München vom Wiener Bildhauer Johann Scheidl ausgeführt, zeigt in der Mitte den hl. Sebastian mit zwei Engeln, daneben auf gleicher Höhe die Heiligen Florian und Georg. Darüber befinden sich rechts der hl. Rochus (ebenfalls ein Pestpatron) und links der hl. Leonhard. Ganz oben steht eine Herz-Jesu-Statue.

Der linke Seitenaltar wurde 1873 von Georg Zuckerstätter aus Fuschl gefertigt. Die hl. Maria mit dem Sternenkranz steht im Mittelpunkt, begleitet vom hl. Rupert und der hl. Elisabeth von Thüringen. Im Tabernakel befindet sich die Krippe aus dem Jahre 1888 des Grödner Schnitzers Franz Schmalzl.

Der rechte Seitenaltar stammt aus dem Jahre 1890 und ist dem hl. Joseph geweiht. Ihm zur Seite stehen der hl. Petrus und der hl. Paulus. In der Aufsatznische steht der hl. Antonius von Padua. Der Aufbau stammt von Joseph Stumpf aus Kufstein, der auch die Kanzel mit den Halbreliefs der vier Evangelisten und das Chorgestühl fertigte.

Die Figuren des Altars, wie auch jene des hl. Franz Xaver gegenüber der Kanzel, schuf Joseph Rifesser aus Gröden. An der Nord-Seite des Altarraumes ist ein großes Kreuz angebracht, dessen Herkunft unbekannt ist (vermutlich 19. Jahrhundert; es ist nicht im Kircheninventar des Diözesanarchivs enthalten); daneben befinden sich die Statuen von Maria und Magdalena. Das schöne, barocke Prozessionskreuz wurde um ca. 1730 vermutlich von Paul Mödlhammer aus Neumarkt am Wallersee geschaffen.

Im Altarbogen sind die Statuen der hl. Mutter Anna und des hl. Aloisius (ebenfalls von Rifesser) zu sehen. Bemerkenswert sind auch zwei Figuren an der Brüstung der Empore neben dem Orgelpfeifensatz: Die Statue der Hl. Cäcilia vom Hofer Bildhauermeister Franz Wesenauer um 1990 und die von ihm restaurierte Statue der Hl. Barbara aus der alten Kirche. Die 14 Tafeln des Kreuzweges aus dem Jahre 1867 sind von den Meistern Josef Führich, Georg Hitzl und Martin Klotz aus Salzburg, sowie von Georg Tiefenthaler aus Seekirchen am Wallersee. Die alte Orgel stammte aus dem Salzburger Dom und wurde 1981, nach Installierung einer neuen Orgel (Fa. Dreher & Reinisch, Salzburg) von der Dompfarre wieder zurückgekauft.

Besonders eindrucksvoll ist auch das kunstvolle, noch von der alten Kirche erhaltene, gotische Kirchenportal von 1506 aus Adneter Marmor. Im Giebelfeld befindet sich ein schönes Relief mit dem heiligen Sebastian, dem hl. Leonhard und der hl. Barbara. Links außen befindet sich das Wappen der „Kirchpüchler“. Der Name dieses ausgestorbenen Geschlechts lebt im Bauernhof Kirchbichl in Vorderelsenwang weiter. Das Kriegerdenkmal stammt aus dem Jahre 1922, das Friedhofskreuz wurde von Franz Wesenauer 1993 geschaffen.

Im Verlauf der beiden Weltkriege wurden die Glocken zweimal abgenommen und eingeschmolzen. Das heutige Geläute besitzt vier Glocken: Das alte Sterbeglöcklein aus 1860, sowie drei neue Bronze-Glocken aus dem Jahre 1949 (Stimmung E, G, A, Gewichte: 1041 kg, 618 kg und 439 kg, alle von der Glockengießerei Oberascher in Kasern). Viele Restaurierungsarbeiten hat die Kirche schon hinter sich und auch der Friedhof, der 1801 errichtet wurde, musste mehrmals erweitert werden. Unter Pfarrprovisor GR Mag. Joseph Sams wurde 2005 ein umfangreiches Renovierungsprogramm in die Wege geleitet (Taufbecken-Neugestaltung, Kirchenheizung, Sakristei, Ausmalung u. a.), das weitgehend abgeschlossen und sehr gut gelungen ist.

Bilder

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Quellen und Literatur

Hinweis: die richtige Betonung der römischen Namen erfolgt entgegen der landläufigen Meinung auf der letzten Silbe: bei Diokletian also auf dem a!

Einzelnachweise

  1. Quelle Salzburger Chronik, Ausgabe 4. August 1875, Rubrik "Salzburger Chronik Kalender", Seite 1