Berg, die (Substantiv, feminin) - Frauen im Aufstieg

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Bildtitel der Einladung zur Eröffnung der Ausstellung: "Ladies Scottish Climbing Club".
Blick in die Ausstellung.
Blick in die Ausstellung.
Historisches Schuhwerk, das man bei alpinen Touren trug.
Heiligenbluter Bergführer sowie zwei Frauen in regionalen Trachten.
Bei der Eröffnung der Sonderausstellung. Im Hintergrund der Großglockner.
Im Bild von links: Dr. Johannes Hörl (Vorstand Großglockner Hochalpenstraßen AG), Landesrätin Sara Schaar (Nationalpark- und Frauenreferentin, Kärnten), Landeshauptmann Wilfried Haslauer (Salzburg, Aufsichtsrats-Vorsitzender Großglockner Hochalpenstraßen AG), Gerlinde Kaltenbrunner (Ausnahme-Alpinistin) und Sepp Forcher ( Bergsteiger-Legende).
Im Bild von links: Sibylle Kampl (Ausstellungskuratorin), Sepp Forcher, Gerlinde Kaltenbrunner, Nicole Slupetzky, Wilfried Haslauer und Dr. Johannes Hörl.

Berg, die (Substantiv, feminin) - Frauen im Aufstieg ist eine Dauerausstellung anlässlich 150 Jahre Frauen am Großglockner im Besucherzentrum auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe, die am 6. Juli 2019 eröffnet wurde.

Der Großglockner wird weiblich

Mit "Berg, die" greift die Daueraufstellung am Ende der Gletscherstraße, einer Stichstraße der Großglockner Hochalpenstraße die Besteigungen des Großglockners im Jahr 1869 durch Mary Whitehead und Anna von Frey auf. Sie nimmt das 150-jährige Jubiläum dieser erstmaligen Besteigung des Berges von Frauen zum Anlass, ab Juli 2019 alpine Pionierinnen zu präsentieren.

Die Ausstellung geht der Frage nach, wer sich hinter diesen und anderen Gipfelstürmerinnen verbirgt und welchen gesellschaftlichen Vorurteilen und Hindernissen sie in diesem Zeitraum trotzten.

Die Ausstellung wird von Gerlinde Kaltenbrunner, der erfolgreichsten Profibergsteigerin der Welt und anderen Personen begleitet.

Die Eröffnungsfeier am 6. Juli 2019 um 14 Uhr (links) mit Blick auf den Großglockner (Bildmitte rechts).

Die Frauen auf dem Großglockner – erstmals gewürdigt

Anlass für die neue Dauerausstellung war das 150-jährige Jubiläum der ersten dokumentierten Besteigungen des Großglockners durch eine Frau im Jahr 1869, die durch die Alpinistin Mary Whitehead aus England (am 24. Juli) und die Salzburgerin Anna von Frey (am 21. August) erfolgten. Ein entsprechendes Jubiläum wurde – im Gegensatz zu allen „männlichen Erstbesteigungen“ - nie gefeiert, weshalb dies im Jahr 2019, in dem auch 100 Jahre gelebtes Frauenwahlrecht begangen wird, nun nachgeholt werden sollte.

Das Kuratoren-Team der Ausstellung – Sibylle Kampl, Andreas Zangl und Markus Meirhofer – versuchte auch in enger Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Alpenverein der Frage auf den Grund zu gehen, welche Geschichten sich hinter den Leistungen der beiden ersten Glockner-Bezwingerinnen verbargen – und kam zu dem Schluss, dass vermutlich schon viel früher andere Frauen den Gipfel des Großglockners bezwungen hatten. War die erste Frau am Großglockner am 30. Juni 1868 die unbekannte Einheimische – und deshalb als nicht „dokumentierenswert“ erachtete – Kalserin Elisabeth Hanser? Oder war es gar schon im September 1857 Sidonia Theres Schmidl aus Heiligenblut? Sie sei übrigens, so ist es überliefert, von den (männlichen) Bergführern nur bis zum Kleinglockner begleitet worden, um einer Frau den Triumph der Erstbesteigung des Großglockners zu verwehren. Einträge in Gipfelbüchern und andere Aufzeichnungen legen jedenfalls nahe, dass bereits vor Whitehead und von Frey Einheimische und damit von der Öffentlichkeit nicht beachtete Frauen am Gipfel gestanden sein dürften.

Zitate bei der Eröffnung der Ausstellung

Unter den prominenten Eröffnungsgästen war die österreichische Ausnahme-Alpinistin Gerlinde Kaltenbrunner, die als erste Frau der Welt alle 14 (!) Achttausender ohne zusätzlichen Sauerstoff und Hochträgerunterstützung bewältigt hatte. Im Gespräch mit Bergsteiger-Legende Sepp Forcher relativierte sie ihre alpinistischen Erfolge: „Viele Leute sagen, ich hätte damit Geschichte geschrieben. Aber ich bin der Meinung, dass es da noch ganz andere Frauen vor mir gegeben hat, auf die diese Behauptung viel eher zutrifft! Damals, vor 150 Jahren, als eine Frau ausschließlich eine gute Ehefrau und Mutter zu sein hatte, haben einige unerschrockene Pionierinnen mit ihrer Tapferkeit und ihrer enormen Beharrlichkeit andere Frauen ermutigt, ihren eigenen Weg zu gehen.

Und diese eignen Wege waren oft beschwerlich und gefährlich, wie die Geschichten der Alpinistinnen in der Ausstellung verdeutlichen. Auch Landeshauptmann Wilfried Haslauer zeigte sich angesichts der weiblichen bergsteigerischen Leistungen beeindruckt: „Damals wie heute, sind es oft die so wichtigen Leistungen der Frauen, die zu wenig oder mitunter überhaupt nicht gewürdigt werden. Schön, dass mit dieser Ausstellung die Bergsteigerinnen, die Alpinistinnen, die Kletterinnen vor den Vorhang der Geschichte und damit aus der Vergessenheit geholt werden.'“ Auch die Kärntner Nationalpark- und Frauenreferentin Landesrätin Sara Schaar betont die Rolle der Frauen als Vorreiterinnen im Gebirge: „Die Alpen sind weiblich und Frauen im Aufstieg! Es ist eine große Freude, zu sehen, dass endlich einmal auch die sensationellen Leistungen alpiner Pionierinnen in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt werden. Die Geschichten dieser mutigen, zielstrebigen Frauen, egal ob sie privilegiert oder weniger privilegiert waren, werden durch diese Ausstellung lebendig. Und sie ermutigen Mädchen und junge Frauen dazu, ihren Weg zu gehen – auch abseits überholter Rollenbilder.

Nicole Slupetzky, Vizepräsidentin des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV), zeigte sich erfreut: „Der Großglockner, der höchste Berg Österreichs, blickt auf eine eindrucksvolle alpinistische Geschichte zurück – es ist höchste Zeit geworden, dass auch einmal die weibliche Geschichte des Glockners unter die Lupe genommen wurde!

Johannes Hörl, Vorstand der Großglockner Hochalpenstraßen AG (GROHAG), freute sich über das große Interesse an der Ausstellung: „Wie wir wissen, ist die Geschichtsschreibung oft eine rein männliche – und genauso verhält es sich auch mit der Geschichte des Alpinismus. Darum werfen wir in unserer neuen Ausstellung „Berg, die – Frauen im Aufstieg“ einen Blick auf die weibliche Seite des Bergsteigens und möchten damit einen Beitrag zur Füllung dieser historischen Lücke leisten.

Ausstellungskuratorin Sibylle Kampl sagte „Besonders spannend war es für uns, im Zuge der Vorbereitung für diese Ausstellung der Frage auf den Grund zu gehen, mit welchen gesellschaftlichen Vorurteilen und Hindernissen all diese Frauen zu kämpfen hatten. Welchen Ungerechtigkeiten und Schwierigkeiten zum Trotz sie dann dennoch die Berge für sich – und damit auch für alle nachkommenden Frauen – erobert haben.“.

Zur Ausstellung „Berg, die“ – Frauen im Aufstieg

Der Rundgang durch die Ausstellung im zweiten Obergeschoß des Besucherzentrums entführt die Gäste in die weibliche Welt des Alpinismus vor rund 150 Jahren:

Zu Beginn der Ausstellung geht es um die Frage, ob es damals überhaupt Frauen in den Bergen gab. Und ja, die gab es durchaus! Allerdings handelte es sich bei den ersten Alpinpionierinnen beinahe ausschließlich um privilegierte Frauen aus aristokratischen und großbürgerlichen Kreisen – Frauen wie Kaiserin Elisabeth, Hortense de Beauharnais oder Marie von Preußen wurden zu prominenten Vorbildern. Die alpine Bevölkerung dagegen hatte zu dieser Zeit wenig Verständnis für die Abenteuer dieser wohlhabenden Damen, die in nobler Bekleidung mit Rock, Bluse und Hut in die Berge gingen. Denn für viele einheimische Frauen war das Begehen der Berge ganz alltäglich. Sie verdienten ihren Lebensunterhalt als Sennerin, als Botin, als Schmugglerin oder als Ehefrau eines Bergführers oder Hüttenwirt. So manche wurde dabei als Lastenträgerin ungewollt zur Erstbesteigerin – aber diese Leistungen wurden natürlich nicht dokumentiert und diese Frauen bleiben bis heute unerkannt und unbekannt.

Ein weiterer Abschnitt der Ausstellung widmet sich ebenjenen Frauen – von gekrönt und adelig über bürgerlich und wohlhabend bis hin zu einheimisch und arm – die als Pionierinnen des Alpinismus gelten. Angefangen bei der Magd bzw. Kellnerin Marie Paradis, die 1808 überredet worden sein soll, auf den Mont Blanc zu steigen bis hin zu den Französinnen, Britinnen oder Amerikanerinnen, die aus den starren Konventionen ihrer Zeit ausbrachen und begannen, die Berge an der Seite ihre Ehemänner, aber auch durchaus allein, zu erobern. Oft nehmen diese Pionierinnen auch in gesellschaftlicher Hinsicht eine Vorreiterrolle ein: Sei es als Kämpferinnen für das Frauenwahlrecht, als Gründerin von sozialen Einrichtungen oder als Autorinnen in Zeitschriften.

Vielen Bergsteigerinnen wurde früher vorgeworfen, sie seien unfähig zu wahrer Freundschaft und Kameradschaft und daher nicht in der Lage, alpine Leistungen zu vollbringen. Auch heute noch haben sowohl Frauen aber auch Männer in den unterschiedlichsten Lebensbereichen mit Vorurteilen zu kämpfen. An einer interaktiven Station können die Besucherinnen und Besucher unter dem Motto „Schlag das Vorurteil!“ anhand verschiedener Fragen herausfinden, wie es denn so um die eigenen Vorurteile bestellt ist. Man darf auf die Ergebnisse gespannt sein!

Ingried Runggaldier, die Autorin des Buches „Frauen im Aufstieg“, hat die Ausstellung insbesondere mit Fotorechten unterstützt und ist „Namensgeberin“ der Ausstellung.

Bilder

 Berg, die (Substantiv, feminin) - Frauen im Aufstieg – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Quellen

Sonderausstellungen der Großglockner Hochalpenstraße
Dauerausstellungen der Großglockner Hochalpenstraße