Feuerhalle Salzburg

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Krematorium Salzburg; Ansicht Nord nach Süd
Portalöffnung und Schiebetüre
"Asche zu Asche" — "Staub zu Staub"
Krematorium Salzburg; Ansicht Ost nach West

Die Feuerhalle Salzburg dient zur Kremation (Einäscherung) von Verstorbenen aus dem gesamten Bundesland Salzburg. Sie befindet sich in der Stadt Salzburg auf dem Salzburger Kommunalfriedhof im Stadtteil Gneis. Das Gebäude zählt zu den denkmalgeschützten Objekten in der Stadt.

Geschichte

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhielt die Feuerbestattung immer mehr Bedeutung. Die erste Feuerhalle (Krematorium) wurde in Thüringen in Gotha im Jahr 1878 in Betrieb genommen.

1929 wurde die Auflösung des Volks-Feuerbestattungsvereines in Salzburg und der Anschluss an den Arbeiter-Feuerbestattungsverein beschlossen. Damit traten die langjährigen Bestrebungen nach Errichtung eines Krematoriums in Salzburg in das Stadium einer baldigen Verwirklichung.[1][2]

Ursprünglich war geplant das alte Leichenhaus umzubauen, wobei die Verbrennungsanlage jenseits der Gneiser Straße, mit dem stehenden Trakt durch einen Tunnel verbunden, gedacht war. Der Plan wurde teils infolge der errechneten hohen Kosten, teils infolge des unterirdisch angelegt gedachten, also ungünstig gelegenen eigentlichen Ofens fallen gelassen. Ein weitere Überlegung war die Benützung des neuen Leichenhauses. Auch hier wäre der Verbrennungsofen jenseits der Straße zu stehen gekommen, allerdings oberirdisch, durch einen Bogen mit der Zeremonienhalle verbunden.

Der schließlich zustande gekommene, 19301931 ausgeführte Bau eines eigenen Krematoriums hing mit der anlässlich der Friedhoferweiterung notwendig gewordenen Errichtung eines Urnenfeldes zusammen. Man legte das Krematorium als einen für sich bestehenden Bau in die verlängerte Hauptachse des Friedhofes in das Zentrum des künftigen Urnenhaines, der sich elliptisch um das Gebäude gruppiert.[3]

Die Baubewilligung erteilte die damals noch selbständige Gemeinde Morzg.[4] Die Bauleitung hatte Eduard Wiedenmann, die Ausführung lag in den Händen von Karl Ceconi und Martin Bloding.

Das Krematorium wurde am 8. November 1931 durch eine vom Arbeiter-Feuerbestattungsverein „Die Flamme" veranstaltete Feier dem Betriebe übergeben und am Tag darauf die erste Feuerbestattung (Einäscherung) vorgenommen.[5][6] Die Eröffnung löste heftige Proteste der Katholischen Kirche aus, die gegen eine Feuerbestattung war. Zu jener Zeit gab es Feuerhallen in Wien (seit 1923) Steyr (1927) und Linz (1929), beide in Oberösterreich.

Da im Bundesland Salzburg eine liberale Einstellung herrscht - im Gegensatz zu den angrenzenden Ländern - fanden im Krematorium in der Stadt Salzburg auch Einäscherungen von Verstorbenen aus dem bayrischen Raum bis aus dem Chiemgau, aus Nord- und Südtirol sowie aus dem gesamten Salzkammergut (einschließlich dem Inneren Salzkammergut) statt. Von den 2 080 Einäscherungen im Jahr 1977 entfielen auf das Land Salzburg, das Salzkammergut und Tirol 841, auf Bayern 674 und auf die Stadt Salzburg 565. Mit 3 485 Verbrennungen im Jahr 1992 wurde die Kapazitätsgrenze von 4 000 möglichen Verbrennungen fast erreicht. Durch die Errichtung von Feuerhallen in Innsbruck und im bayrischen Traunstein kam es zu einer Entspannung der Situation. 806 Verbrennungen gab es 2004, denen 446 Erdbestattungen gegenüberstanden. Daher wurde die Erweiterung aus dem Jahr 1979 im Jahr 2006 neuerlich vergrößert.

Der erste Abschnitt für einen eigenen Urnenfriedhof innerhalb des Kommunalfriedhofs wurde 1950 eingerichtet. 1963 erfolgte die Umstellung der Verbrennungsanlage von Holz auf Strom. Die Aufbahrungshalle an der Rückseite des Baues wurde 1979 errichtet. Die Umstellung auf moderne Technologie und der Einbau von Gasöfen mit Filterung fand 2005 statt.

Architektur und Bestattungskonzept

Die Lage der Baustelle an der Kreuzung der beiden großen Friedhofsachsen führte zur architektonischen Überlegung, das Bauwerk auf diese beiden Achsen symmetrisch auszurichten, weshalb der Kamin in dessen Mitte angeordnet wurde. Um den Kamin nicht allzu unangenehm in Erscheinung treten zu lassen, wurde ein erster und ein zweiter Stock angenommen und so entstand das Konzept einer Stufenpyramide. Die Architektur jener Zeit war bestrebt, den Kamin nicht zu verbergen und diesen so in das Bauwerk einzugliedern, dass er einen harmonischen Teil des Ganzen bildete.

Die Stufenpyramide war technisch vollkommen begründet und damit auch eine sichere Grundlage für eine gute, künstlerische Wirkung gegeben. Jedenfalls mutet diese Form als sehr modern an, sie bringt den neuzeitlichen Gedanken der Leichenveraschung gut zum Ausdruck.

Den Eingang in das Krematorium bildet eine Treppenanlage. Die Feuerhalle hat eine offene Vorhalle mit einem 200 Quadratmeter großen Vordach. Im Innerbereich stehen die Trauernden vor einer kunstgewerblich reich gestalteten Schiebetüre, 4,10 x 2,70 Meter, gefertigt aus Schmiedeeisen mit rückwärtigem Belag aus Gelbmetall. Der Entwurf zum figuralen plastischen Schmuck der Schiebetüre stammt Oberbaurat E. Wiedemann, die Modellierung erfolgte durch den Bildhauer Ficker, in Kupfer getrieben wurde diese von Bildhauer Putz. Die Portalöffnung wird von dunkelgrünem Marmor umrahmt.

Die Schiebetüre gibt den Eintritt in den großen Einäscherungsraum frei. Dort steht links die Verbrennungsanlage. Wenn der Sarg oberhalb der Treppe an der Pforte zu den letzten Feierlichkeiten abgesetzt wird, kann mittels Vorhängen eine halbkreisförmige Nische hergestellt werden, die sich gegen die Treppe zu öffnet. Geräuschlos schließen sich die Türen nach den Zeremonien.

Das ganze Gebäude umfasst etwa 1 850 Kubikmeter umbauten Raumes. Es hat das Aussehen einer Pyramide mit stufenförmigem Aufbau. Unauffällig erhebt sich in der Mitte der 17,2 Meter hohe Kamin.

Oberbaurat Ing. Wiedenmann ging bei Ausarbeitung des Entwurfes von dem Gedanken aus, dass am Friedhof eine erst im Jahre 1913 erbaute, geräumige Aussegnungshalle bereits besteht, und dass in dieser — besonders bei schlechtem Wetter — auch die Trauerfeierlichkeiten für die einzuäschernden Leichen stattfinden können. Es wurde also aus Gründen der Sparsamkeit von der Projektierung einer Zeremonienhalle für das Publikum abgesehen und nur ein Ofenhaus (Feuerhalle) in Aussicht genommen. Demnach wird die zu verbrennende Leiche zum Krematorium getragen, wie zum offenen Grabe. Die Leiche wird dann hinter dem offenen Schiebetor des Ofenhauses einem nach allen Seiten leicht beweglichen Wagen abgestellt. Die Trauergäste bleiben vor dem Schiebetor unter dem zirka 200 Quadratmeter großen Vordach stehen wie vor dem offenen Grabe und es können nun auch, wenn die Witterung es erlaubt, von dem Podest der Freitreppe aus Ansprachen gehalten werden. Nach der Zeremonie, die bei schlechtem Wetter möglichst abzukürzen ist, wird das Schiebetor geschlossen, der halbkreisförmige Vorhang, der nur dazu da ist, eine dekorative Nischenrückwand zu bilden, wird weggeschoben, und der erwähnte wendige Wagen mit dem Sarge steht für die weiteren Hantierungen günstig in der Nähe des Ofens. Das Ofensystem liefert Manoschek in Wien. Die Kühlanlage, mit der auch das Salzburger Krematorium ausgestattet wird, stellt die Firma Gellert & Co. her.

Die Bauleitung oblag dem städtischen Baumeister Kubesch. Die Baufirma war Blodig. Die Baukosten betrugen etwa 180 000 bis 190 000 Schilling.

Die rechtlichen Beziehungen zwischen dem Verein "Flamme" und der Stadtgemeinde Salzburg sind in einem Baurechts-, Bau- und Betriebsführungsvertrag geregelt worden.[7]

Im Jahr 1981 wurde die technische Anlage im Rahmen eines vollständigen Umbaus um einen zusätzlichen Elektroofen erweitert.

Kontakt

Feuerhalle Salzburg
Gneiser Straße 8
5024 Salzburg
Telefon: (06 62) 82 03 450
Telefax: (06 62) 82 03 45 4333
E-Mail: wv@wienerverein.at

Weblinks

Quellen

Einzelnachweise

  1. ANNO, Salzburger Volksblatt, 8. April 1929, Seite 5
  2. ANNO, Salzburger Wacht, 16. Dezember 1930, Seite 4
  3. ANNO, Salzburger Volksblatt, 7. November 1931, Seite 8
  4. ANNO, Salzburger Volksblatt, 12. März 1931, Seite 8
  5. ANNO, Salzburger Wacht, 9. November 1931, Seite 1
  6. ANNO, Salzburger Chronik, 9. November 1931, Seite 5
  7. ANNO, Salzburger Chronik, 28. Oktober 1930
Salzburger Kommunalfriedhof