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Bergbaugeschichte Leogang

Knappenkapelle St. Anna
Verbrochenes Stollenmundloch des Johannesstollen im Bergbaurevier Vogelhalte
Schwarzleotal, Halde im Bergbaurevier Nöckelberg
Westlicher Tagbaubruch Inschlagalpe

Die Bergbaugeschichte Leogang hat die Gemeinde Leogang im Pinzgau und deren Umgebung wirtschaftlich bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts entscheidend geprägt.

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Die Katastralgemeinde namens Hütten mit ihrem historischen, auf den Bergbau zurückgehenden Gebäudeensemble, darunter die Knappenkapelle St. Anna und das Bergbaumuseum Leogang, erinnert heute noch augenscheinlich an die bewegte und bedeutende Bergbaugeschichte der Mitterpinzgauer Gemeinde Leogang. Im Revier Schwarzleo, wo sich ein Schaubergwerk befindet, und in den Revieren Vogelhalte, Nöckelberg und Inschlagalpe wurden einst Silber, Kupfer, Nickel, Kobalt, Blei und Quecksilber und im 20. Jahrhundert auch Rohmagnesiterz abgebaut.

Leoganger Bergbaureviere

Im Bergbaurevier Nöckelberg an der orografisch linken Talseite im Schwarzleotal, das sich namentlich von Nickel ableitet, wurden einst Kobalt und Nickel und später auch Rohmagnesiterz abgebaut. In der Vogelhalte, ebenfalls im Schwarzleotal an der orografisch linken Talseite gelegen, wurden Silber und Quecksilber gewonnen. Im Bergbaurevier Schwarzleo im Schwarzleotal betrieb man Bergbau auf Silber, Blei, Quecksilber und Kupfer. Auf der Inschlagalpe südwestlich des Bergbaurevieres Nöckelberg, bzw. unmittelbar nördlich des Bergbaurevieres Vogelhalte in 1150 bis 1400 m ü. A. entdeckte man Rohmagnesiterz, das man im 20. Jahrhundert abgebaut hat.

Abbauperioden und Gewerken

Laut Lahnsteiner gab es der Überlieferung nach schon um 1200 kleine Abbaue in Permooseck und Gunzenreit im Gemeindegebiet von Leogang. Die Abbaugebiete im Schwarzleotal werden urkundlich zum ersten Mal im Jahr 1425 erwähnt. 1434 wird den Friesacher Bürgern Niclas Stockarawer und Hans Schmelzer erlaubt, in der Lewgane und in Tumerspach „alte, verlegene Paue abgabenfrei auf sechs Jahre zu bearbeiten.“ (Lahnsteiner)

1585 sind die bayrischen Gewerken Alexander Schöttl und Matthias Röchseisen „in der Schwarzleo“ bergmännisch tätig. Sie kauften in Hütten eine Hufschmiede und planten, dort eine Schmelzhütte zu errichten. Beim Erzbischof beantragten sie die Nutzungsrechte des Waldes im Winkl am Winklberg und den Schattseitwald zu Grießen unter dem Horn. Erstere wurden bewilligt und dazu noch „andere 600 Stamm zum Pucher, Schmelzhütte und Kohlbarm“. (Lahnsteiner)

Ab 1591 treten die Rosenberger als Gewerken auf den Plan. Carl Rosenberger und Hans Marquart jammern über den schlechten Ertrag, treiben aber 1593 dennoch „den Herrenstollen 320 Klafter tief ins Gebirge hinein. Sie haben elf Lehenschaften (Erzörter) in Betrieb, 60 Knappen im Berg, 7125 Pfund Blei, 2400 Pfund Kupfer und einiges Silber gewonnen und 1593 einen Reingewinn von 1317 Gulden erzielt.“ (Lahnsteiner) Der Sage nach haben die Leoganger Knappen ihre Stollen damals so weit Richtung Glemmtal getrieben, dass sie die Kirchenglocken der Saalbacher Kirche läuten gehört haben sollen.

Das in Leogang gewonnene Silber war in der Qualität erstklassig und wurden daraus vom Pfennigmeister Hans Empacher die berühmten Salzburger Silbertaler geprägt.

Wirtschaftlicher Aufschwung

Ab 1680 nahm der Bergbau in Leogang einen kräftigen Aufschwung, der Ertrag steigerte sich um das fünf- bis siebenfache. 1681 tritt als Gewerke der Gastwirt Hans Pirmbacher auf und beginnt auf der Kieprandtalm mit dem Abbau von Eisenerz. 1691 suchen Wilhelm Kobalt, Virgil Hölzl von Salzburg, die Burger Hans Lechner, Benedikt Rieder, Christian Schläffer und Hans Stöckl, alle aus Saalfelden, beim Erzbischof um die Genehmigung für die Fortsetzung der bereits bestehenden Bergwerke und um die Berechtigung zu Neuschürfen an. Unter der Bedingung, dass sie katholisch bleiben, wird ihnen das gestattet und auch das nötige Holz für den Bergbau und für die Schmelzöfen zugewiesen. Für Neuaufschläge bekommen sie für drei Jahre Abgabenfreiheit und errichten in der Folge ein „Verweshaus“ (Verwalterhaus), heute Forsthaus, in Hütten. Dort stehen im Jahr 1702 dieses Verweshaus, eine neue Schmelzhütte und ein Röstofen. Da dieser zu nahe bei den anderen Gebäuden steht und die erzeugte Hitze deren Dächer mehrfach zum Brennen brachte, wurde ein neuer Röstofen auf dem Grieß, jenseits des Baches erbaut. Bereits damals kommt es zu Entschädigungsforderungen für Rauchschäden an den Feldfrüchten. 1717 scheint Silvester von Pruggheim als Gewerke auf.

1761 erwirbt Fürsterzbischof Schrattenbach das gesamte Berg- und Hüttenwerk von Jacob Prugger von Pruggheim um 16.000 Gulden.

Den am Nöcklberg tätigen Hans Grafinger und fünf Mitgewerken wird vom EB Georg von Kuenburg 1586 das nötige Holz bewilligt und er befreit sie auch von der Fron. Am Spielberg gab es bereits um 1504 Bergbau. Auch der Abbau in der Vogelhalte ist sehr alt. Hier wurden neben Kupfer, Blei und Silber auch Quecksilber, Kobalt und Nickel gewonnen. Während Kobalt zum Färben eingesetzt wurde – Kobalt ergibt einen tief blauen Farbton -, wusste man mit dem anfallenden Nickelerz zuerst nichts anzufangen. Erst ab 1820 gelang es aus dem Roherz Nickelmetall zu gewinnen. Leoganger Nickelmetall wurde ab 1870 vor allem zur Erzeugung deutscher Nickelmünzen eingesetzt, wodurch der Betrieb in Leogang Ansehen und Wohlstand erlangte. Ebenfalls 1870 kaufte der Großindustrielle Karl Krupp das Bergwerk am Nöckelberg, sowie zwei Schmelzöfen und die Bauerngüter Salegg, Neudegg, Loibl und Priel, wodurch er sich das für die erwähnte Münzerzeugung nötige Rohmaterial sicherte. Beim Prielgut ließ er einen Hochofen mit hohem Schlot, sowie ein Schmelzhütte errichten. Damals war der Wert dieses Metalls um das Dreifache gestiegen. Mehr als 60 Millionen Menschen hantierten nun täglich mit Scheidemünzen aus Nickel, das aus Leogang stammte.

Der Konkurrenz durch die Nickelproduktion in Übersee hielt der Leoganger Bergbau aber nicht stand und musste der Nickelerzabbau in der Folge 1884 eingestellt werden. Der Betrieb wurde aber 1915 wegen des kriegsbedingt hohen Metallbedarfs erneut aufgenommen, jedoch 1918 endgültig eingestellt. Seither verfallen die Baue und das Berghaus auf dem Nöcklberg, das zunächst noch als Almhütte genutzt wurde, fiel mittlerweile dem Abriss zum Opfer.

Niedergang

Nach dem Ankauf durch den Erzbischof erlebte der Bergbau „in der Schwarzleo“ einen wirtschaftlichen Aufschwung bei einem jährlichen Reinertrag von 3.000 bis 4.000 Gulden. Allerdings beginnt ab 1783 ein Abschwung. Dem wirtschaftlichen Niedergang wird mit Verbesserungs- und Rationalisierungsmaßnehmen begegnet, diese können ihn aber nicht mehr aufhalten. 1817 richten darüber hinaus starke Schmelzwässer große Schäden an den Bergwerksanlagen an, 1825 musste das Werk still gelegt werden. Ab diesem Zeitpunkt kommt es nur mehr zu kleineren Erzförderungen und 1833 wurde das gesamte Inventar für einen geringen Erlös versteigert.

Rohmagnesitbergbau Nöcklberg und Inschlagalpe

Das Rohmagnesiterzvorkommen wurde im 20. Jahrhundert entdeckt und ab 1937 unter dem Gewerken Weilguny mit dem Abbau begonnen. 1951 übernahm den Betrieb die Österr.-Amerikan. Magnesit-AG Radenthein. 1970 wurde auch der Rohmagnesitbergbau Inschlagalpe in Leogang eingestellt, was das vorläufige Ende der Bergbaugeschichte Leogangs gebracht hat.

Hütten

Hier entstand das erste Schmelzwerk 1585, 1800 verfügte die Hütte über vier Stichöfen und einen kleinen Garherd. Das große Gebläse mit vier Windkästen, aus dicken Brettern gezimmert, wurde mittels Wasserrad betrieben. Insgesamt bestanden eine Schmelzhütte mit Probiergaden, eine Wohnung für den Verweser (Verwalter), jenseits des Baches ein Röstofen, ein Flammofen zum Bleirösten, das Verweserhaus, heute ein Forsthaus, das Gasthaus, Hüttwirt genannt, in dessen Garten die Kaiser-Franz-Josef-Jubiläumslinde Schatten spendet, die Knappenkapelle St. Anna und vier hölzerne Häuser. Zeitweise wurden auch die Erze vom Limberg und von Thumersbach nach Hütten transportiert und hier verarbeitet. Leogangs Silbererze wurden aber wegen der umständlichen Scheidearbeit in die Hütte nach Lend gebracht.

Protestantenemigration 1731 und 1732

Die protestantische Bewegung erzielte in Leogang eine frühere und stärkere Auswirkung als in den umliegenden Gemeinden, was sicherlich im Zusammenhang mit dem Bergbau und den dort beschäftigten Knappen zu sehen ist. Es fanden zahlreiche Zusammenkünfte in Leogang und Umgebung statt und nach dem Erlass des Emigrationspatentes musste aus Leogang eine hohe Anzahl an Personen auswandern.

Namen, die an den Bergbau erinnern

In Hütten sind dies die Hausnamen Hüttwirt, Hüttkrämer, Hüttschmied, Hüttwagner, Hüttbäck oder Schmelzerhäusl und Pucherschmied. Im Schwarzleograben sind es Pucher am Berg und Pucherhäusl. In Leogang ist es der Platz auf der Schmelz (heute Tischlerei Höll und Brent).

Mineralien

Bemerkenswert ist, dass das Bergbaugebiet Leogang eine hohe Anzahl an unterschiedlichen und mitunter selten vorkommenden Mineralien in wunderschönen Stufen aufweist, deren Fundstellen in den heute geschlossenen und teils verbrochenen Stollen aber nicht mehr zugänglich sind. Zölestin, Covellin, Strontianit und Aragonit werden hier stellvertretend für alle erwähnt. Mineralstufen aus Leogang zählen zu den Glanzstücken in Museen im In- und Ausland und beeindrucken auch in einer Dauerausstellung im Bergbaumuseum Leogang.

Siehe auch

Quellen

  • Diverse Artikel im Salzburgwiki
  • Josef Lahnsteiner, Mitterpinzgau, Eigenverlag, Hollersbach, 1962
  • Wilhelm Günther HG, Salzburgs Bergbau und Hüttenwesen im Wandel der Zeit, Buntmetalle und stahlveredelnde Metalle, Verleger Leoganger Bergbaumuseum