Gaißauer Bergbahn GmbH

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Die Gaißauer Bergbahn GmbH sind die Betreiber der Liftanlagen in Krispl-Gaißau.

Geschichte

Johann Pesendorfer (82/2019) ist der Gründer der Gaißauer Bergbahnen. 1969 errichtete der Flachgauer dort den ersten Zweier-Sessellift. 1969 wurde Pesendorfer erstmals beim Krispler Bürgermeister vorstellig. "Ich kannte das Gebiet und habe immer schon darauf gespitzt. Die Gemeinde hat meine Pläne für einen Skilift unterstützt", sagt der Flachgauer.

Der Bürgermeister habe ihm zugesagt, eine Straße zu dem geplanten Lift zu bauen. Dies sei eine Bedingung gewesen, um eine Baubewilligung vom Bund zu bekommen. "Plötzlich wollte die Gemeinde dann nichts mehr von alledem wissen. Es hieß, dass kein Geld dafür da ist", sagt Pesendorfer.

Das Gaißauer Skigebiet schien am Ende, noch ehe es überhaupt aufgesperrt hatte. Nach langem Hin und Her konnte der Geschäftsmann mit dem damaligen Landeshauptmann Hans Lechner (ÖVP) einen Kompromiss aushandeln. "Das Land hat den Großteil der Kosten für die Straße übernommen, ich den Rest", sagt Pesendorfer. Zuvor hatte der Salzburger bereits Skilifte in Faistenau, Hof bei Salzburg und im Mühlviertel gebaut.

1970 wurde der Sessellift in der Gaißau eröffnet. "Die Geschäfte liefen vom Start weg gut, auch wenn wir schon damals manchmal Probleme mit dem Schnee hatten", sagt der 82-Jährige. Er baute das Gebiet binnen weniger Jahre zu einer Skischaukel mit mehreren Liftanlagen aus. Der 1978 eröffnete Lift nach Hintersee war die erste Dreier-Sesselbahn im gesamten Bundesland. "Das war damals eine echte Attraktion", sagt Pesendorfer.

Der 82-Jährige hatte Pläne für einen weiteren Ausbau des Skigebiets. Aber: "Ohne Hotels direkt im Ort ist ein Skigebiet auf lange Sicht nicht rentabel", sagt Pesendorfer. Die Bürgermeister der Gemeinden Krispl und Hintersee hätten dies jedoch stets anders gesehen: "Sie wollten die Orte beschaulich und ruhig halten." Immer wieder habe es deswegen Konflikte gegeben. Pesendorfer zog sich 1985 zurück und verkaufte das Skigebiet mit Gewinn an die Bergbahnen Saalbach-Hinterglemm.

Die Saalbacher Bergbahnen GmbH hatten die Gaißauer Bergbahn GmbH 2014 übernommen und sollten nach schneeärmeren Wintern in den nächsten Jahren zwischen 20 und 25 Millionen Euro in das Skigebiet investieren. Dafür suchten sie Investoren. Der Grund für die notwendigen Investitionen lag in den zu geringen Bettenkapazitäten für länger bleibende Gäste in dieser Region, sowie fehlende Beschneiungsanlagen, um auch in schneeärmeren Wintern wie 2007/2008 überleben zu können. Der Winter (2014/15) brachte dann den Saalbacher Bergbahnen mit der Gaißauer Bergbahn GmbH einen Verlust 600.000 Euro.

Anfang 2010 wurde von den Saalbacher Bergbahnen die Gesamtverschuldung der Gaißauer Bergbahn GmbH mit 2,5 Millionen Euro angegeben. Sie boten die Anlagen um drei Millionen Euro zum Verkauf an. Im Spätherbst 2010 war man mit einem Investor aus Bayern im Gespräch und fand schließlich einen chinesischen Investor. Die vom neuen chinesischen Mehrheitsbesitzer angekündigten Investitionen wie eine neue Gondelbahn auf die Anzenberghöhe sowie eine teilweise künstliche Beschneiung des Skigebiets wurden aber immer wieder verschoben. Das gilt auch für eine geplante Kapitalerhöhung von einer auf fünf Millionen Euro für die Gaißauer Bergbahn GmbH.

Geschäftsführer war seit der Übernahme durch die Saalbacher Bergbahnen GmbH Gernot Leitner, der unter anderem für die Salzburger Olympiabewerbung 2014 zuständig war. Im August 2016 schien Leitner jedoch nicht mehr als Geschäftsführer auf. An seiner Stelle scheint ein 42-jähriger Chinese namens Yang Zheng im Firmenbuch auf.

Eigentumsverhältnisse 2016

Nach dem Geschäftsführerwechsel sind die Eigentumsverhältnisse unverändert:

  • 75 Prozent hält die J&Y Holding Group Ltd. in Peking
  • 10 Prozent hält der Hinterseer Hotelier Albert Ebner
  • acht Prozent hält Gernot Leitners Masterconcept GmbH
  • sieben Prozent hält die SPDM GmbH von Wolfgang Mayerhofer

2017: Insolvenz abgewendet

Die Gaißauer Bergbahn GmbH hatte am 13. Jänner 2017 beim Landesgericht Salzburg Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung eingebracht. Das Verfahren wurde dann am 16. Jänner eröffnet. Mit der Entschuldung sollte der Betrieb langfristig abgesichert werden, denn der Mehrheitseigentümer hatte weitere Investitionen – etwa in eine Beschneiungsanlage – in Aussicht gestellt.

Von der Pleite waren rund 90 Gläubiger und 26 Dienstnehmer betroffen. Den Schulden von gut 1,8 Millionen Euro standen Aktiva von 400.000 Euro gegenüber. Den Gläubigern wurde eine Quote von 20 Prozent innerhalb von zwei Jahren angeboten. Damit der Betrieb im Winter 2016/17 bis Ende März möglich ist, hatte der chinesische Mehrheitseigentümer, die J&Y Holding Group Ltd., weiteres Geld ins Unternehmen gepumpt.

Die Gründe für die Insolvenz lagen unter anderem vor allem in den vorangegangenen drei Wintern, in denen es zu wenig Naturschnee gab. So war in der letzten Saison 2015/16 lediglich an 71 Tagen ein Skibetrieb möglich. Und auch in der Saison 2016/17 fiel das Geschäft in den Weihnachtsferien mangels Schnee aus – zum vierten Mal in Folge.[1]

Die Lifte waren aber dann dennoch bis 12. März 2017 in Betrieb.

Bei der Gläubigerverhandlung am 31. März 2017 war der vom chinesischen 75-Prozent-Eigentümer entsandte Geschäftsführer nicht erschienen. Die rund 35 erschienenen Gläubiger konnten sich zu keinem Sanierungskonzept entschließen. Der Schuldner, die Bergbahnen, hatte das Angebot von 20 auf 30 Prozent erhöht und dies als Barquote angeboten und nicht wie bisher auf zwei Jahre. Es gab dafür zwar eine relativ knappe Mehrheit an Köpfen, aber nicht an der Summe der Masse, weil vor allem die großen Gläubiger Bundesforste und Raiffeisen nicht zustimmten. Ihnen dürfte es einerseits um die Kosten eines eventuellen Abbaus von Liftanlagen und andererseits um die Bewertung von Sicherheiten gehen. Die Bundesforste hatten 408.000 Euro für den Abbau und die Entsorgung von Liftanlagen im Fall der Stilllegung angemeldet. Ein Pachtvertrag mit dem großen Grundstückseigentümer Bundesforste lief mit 31. Mai 2017 aus. Richter Rudolf Havas ärgerte sich darüber, dass "es Gläubiger gibt, die nicht wissen, wie hoch ihre Forderungen sind."

Am 12. April 2017 stimmten dann die Gläubiger dem Sanierungsplan zu und damit war der Konkurs abgewendet. Der Sanierungsplan sah eine Ausschüttung einer 30-Prozent-Quote vor, die innerhalb von 14 Tagen ausgeschüttet werden soll.[2]

2018: Kein Geld in Sicht

Im Dezember 2018 wartete man vergebens um zugesagte Geldmittel der chinesischen Investoren. Anfang Jänner 2019 gaben die Gaißauer ihre Hoffnung auf Geldtranfers auf. 1,5 Millionen Euro wären im Landesbudget als Subventionen für das Skigebiet reserviert. Seit 2009, also zehn Jahren. Mangels schlüssigem Konzept kam bisher kein Euro zur Auszahlung, denn diese Zahlung ist an neue Investitionen gebunden.

Trotz der stillstehenden Lifte herrscht in Gaißau-Hintersee reger Betrieb. Hunderte Tourengeher zieht es auf die verschneiten Hänge. Das Parkchaos bei den Talstationen könnte ein Ende haben. Die nicht geräumten Parkflächen sind an die Bergbahnen verpachtet. Auf Anfrage, ob man den Platz vom Schnee befreien dürfe, erhielt man zunächst keine Antwort aus China. Diese liegt nun vor: Selbstverständlich dürften die Parkplätze geräumt werden, heißt es darin.

"Man sollte alles in Konkurs gehen lassen."

Seit 2016 gehören die Gaißauer Bergbahnen mehrheitlich der chinesischen J&Y Holding Group Ltd. um Gesellschafter Zhonghui Wang. Zumindest im Winter 2018/2019 dürften die Lifte stillstehen. "Man sollte alles in Konkurs gehen lassen. Dann wäre der Weg für einen neuen Eigentümer frei", sagt Pesendorfer. Es sei fraglich, ob Herr Wang tatsächlich noch Interesse habe, in der Gaißau zu investieren. "Ohne Schneekanonen wird es nicht gehen", sagt Pesendorfer. Erst dann könne man über neue und modernere Liftanlagen nachdenken. Pesendorfer selbst hat keinerlei Interesse, wieder bei den Bergbahnen einzusteigen .

März 2019: Bundesforste lösen Vertrag mit chinesischem Eigentümer der Skischaukel auf

Weil die Gaißauer Bergbahnen die Pacht für das Skigebiet bis März 2019 noch immer nicht bezahlt hatten, reichte es dem größten Grundbesitzer, den Bundesforsten, jetzt. Die Bundesforste haben nun die Finanzprokuratur der Republik beauftragt, alles in die Wege zu leiten, damit der Vertrag mit der Liftgesellschaft aufgelöst wird. Der Grund: Die Pachtzahlungen für die Saison 2018/2019 seien trotz der Aufforderungen im Dezember 2018 noch immer nicht geleistet und auch die geforderte Bankgarantie nicht beigebracht worden, erklärte Bundesforste-Sprecherin Pia Buchner. Die Skiliftgesellschaft hatte in dieser Saison den Betrieb nicht aufgenommen, obwohl - noch immer - beste Schneebedingungen herrschen.

Wenn der chinesischen Haupteigentümer der Gaißauer Bergbahnen, Zhonghui Wang, doch noch zahlt, womit kaum jemand in Krispl-Gaißau und Hintersee rechnet, könnte der Vertrag theoretisch gültig bleiben. Wenn der Vertrag aufgelöst wird, wäre - ebenfalls theoretisch - der Weg frei für einen neuen Vertragspartner. Das Ziel der Bundesforste sei, das Skigebiet aufrechtzuerhalten, betont Buchner. In der Praxis gibt es in diesem Fall aber große Hürden: Ein neuer Partner könnte das Skigebiet nicht einfach wieder aufsperren, weil die Anlagen den alten Betreibern gehören und technisch zumindest überholt werden müssten.[3]

Mittlerweile hatten die Gaißauer Bergbahnen auch bezahlten Saisonkarten 2018/2019 wieder zurückbezahlt.

August 2019

Es ist ein Gerücht, das sich seit mehreren Wochen in der Region hartnäckig hält: Zhonghui Wang - mit seiner J&Y Holding Group Ltd. Mehrheitseigentümer der Gaißauer Bergbahnen - soll finanziell schlechter aufgestellt sein als gemeinhin angenommen. Der chinesische Unternehmer Wang sei möglicherweise in Geldnöten. Die J&Y Holding Group Ltd. machte in den vergangenen Jahren Verluste in Millionenhöhe. 2017 steht demnach ein Verlust von 3,01 Millionen Euro in der Bilanz, 2018 waren es 1,85 Millionen Euro. Das Unternehmen weist kein negatives Eigenkapital auf, weil aus den Vorjahren ein Gewinnvortrag angehäuft werden konnte. Dieser betrug mit Ende 2016 4,84 Millionen Euro. Laut der Kreditauskunftei hat die J&Y Holding Group Ltd. 35 Tochtergesellschaften. Der Liquiditätsgrad des Unternehmens wird als "schwach" eingeschätzt. Aber: In China selbst habe das Unternehmen einen guten Ruf und genieße höchste Reputation.[4]

Die Geschichte des Skigebiets Gaißau-Hintersee

  • 1969: Johann Pesendorfer lässt den ersten Skilift in der Gaißau bauen. Ein Jahr später eröffnet der Zweierlift, sieben weitere Anlagen folgen.
  • 1985: Pesendorfer verkauft das Skigebiet an die Bergbahnen Saalbach-Hinterglemm.
  • 2011: Die Renwag AG mit Sitz in Wien wird neuer Mehrheitseigentümer.
  • 2016: Neuer Mehreitseigentümer wird die chinesische J&Y Holding Group Ltd. 2017 entrinnt das Skigebiet nur knapp dem Konkurs.

Weblinks

Quellen

Einzelnachweise

  1. Quelle www.salzburg24.at, abgefragt am 13. Jänner 2017
  2. Quelle www.salzburg24.at, abgefragt am 12. April 2017
  3. Quelle www.sn.at Gaißau-Hintersee: Bundesforste lösen Vertrag mit chinesischem Eigentümer der Skischaukel auf, 15. März 2019
  4. Salzburger Nachrichten vom 13. August 2019.