Josef Thorak

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Josef Thorak (* 7. Februar 1889 in Wien;[1]25. Februar[1] 1952 auf Schloss Hartmannsberg am Chiemsee, Bayern) war ein österreichischer Bildhauer (und einer der populärsten Bildhauer der nationalsozialistischen Ära).

Leben

Josef Thorak war der Sohn des aus Ostpreußen gebürtigen Töpfers Josef Thorak und der Salzburger Buchbinderin Mathilde Emig[1]. Gleich nach der Geburt zog seine Mutter – die Eltern heirateten erst sieben Jahre später[1] – mit ihm von Wien wieder in ihre Heimatstadt Salzburg. Er wurde zur Erziehung in ein Salzburger Kloster gegeben, früh Waise und verbrachte seine Kindheit und frühe Jugend in Heimen.

Er ging auf Wanderschaft und erlernte in Bulgarien das Töpferhandwerk. Nach der Keramiklehre wurde er an der Wiener Kunstakademie aufgenommen, an der er bis 1914 studierte; 1913 erhielt er eine Goldmedaille für seine künstlerische Arbeit. Er beendete sein Studium in Berlin.

1917 heiratete er zum ersten Mal. Seit 1920 lebte er mit seiner Frau Herta und den Söhnen Siegfried und Klaus in Bad Saarow bei Berlin. Nun konnte er sich bereits ein eigenes Haus mit Atelier leisten. 1926 ließ er sich scheiden. In den 1920er-Jahren machte er sich vor allem durch Plastiken in Wachs einen Namen, so dass er bereits 1928 mit dem Staatspreis der Preußischen Akademie der Künste ausgezeichnet wurde. Nun war er so bekannt, dass ein Film über ihn gedreht wurde und der Kunsthistoriker Wilhelm von Bode ein Buch über ihn verfasste.

Hilda Thorak geb. Lubowski, die zweite Ehefrau

Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete Josef Thorak 1929 die Berlinerin Hilda Lubowski (* 16. Mai 1897 Bad Wilfersdorf[2]). Diese war Jüdin, sodass dem Bildhauer, nachdem die Nationalsozialisten im Jahr 1933 die Macht ergriffen hatten, zunächst sämtliche Aufträge entzogen wurden. Sogleich, im Jahr 1933, ließ sich Josef Thorak von Hilda scheiden. Eine Zeit lang lebte sie noch in seinem Haus, ehe sie sich zur Emigration gezwungen sah. Die Möglichkeit, eine persönliche „Sondergenehmigung“ Adolf Hitlers (Erlaubnis, weiterhin mit der jüdischen Frau zusammen zu leben) zu erwirken, versuchte Thorak nicht zu nutzen. Seine Frau und der gemeinsame Sohn Peter emigrierten nach England und gelten als verschollen.

Thorak stieg dank seinem den Nationalsozialisten zusagenden Stil und seinem Hang zur Monumentalplastik zu einem der am meisten beschäftigten und geförderten Künstler des NS-Reiches auf. 1937 wurde er zum Professor an der Kunstakademie München ernannt.

Zu seinen für nationalsozialistische Auftraggeber geschaffenen Arbeiten gehören mehrere Darstellungen Adolf Hitlers, eine Skulptur „Siegesgöttin“ für das Nürnberger Reichsparteitagsgelände sowie die Figur „Mutter und Kind“ für das Lebensbornheim in Steinhöring.

Aber auch die Türkei erteilte ihm eine Reihe von Staatsaufträgen. So schuf er 1934 das türkische nationale Befreiungsdenkmal in Eskişehir und in Ankara das Kemal-Atatürk-Denkmal (mit sich aufbäumendem Ross)[3].

Das Atelier in Baldham

Hitler beschloss, Josef Thorak ein repräsentatives Staatsatelier zur Verfügung zu stellen. Deshalb beauftragte er 1938 seinen Architekten Albert Speer, im oberbayrischen Baldham ein Ateliergebäude für Thorak zu errichten. Da die Ausmaße von Thoraks Plastiken – mit bis zu 17 Metern Höhe – gewaltig waren, musste das Atelier sehr großzügig bemessen sein. Auch war es sehr komfortabel ausgestattet. Die Kosten betrugen nicht weniger als rund 500.000 Reichsmark.

Thorak und der Nationalsozialismus

Paracelsus-Denkmal im Kurgarten in Salzburg
Kopernikus-Denkmal

Josef Thorak wird in Bezug auf den Nationalsozialismus vorwiegend als Karrierist betrachtet. Er trat der NSDAP bei, um der Gunst Hitlers und Albert Speers (Hitlers Architekt) sicher zu sein, war mit Speer und mit Hitlers persönlichem Sekretär Martin Bormann befreundet und ließ sich, wie erwähnt, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten von seiner jüdischen Frau scheiden. Hitler wollte die "Reichsautobahn" München – Salzburg mit einer 20 Meter hohen Skulptur von Thorak schmücken. Sie hätte am Walserberg aufgestellt werden sollen.

1943 kaufte er das „arisierte“ Schloss Prielau im Pinzgau und schenkte Salzburg als Dank dafür die Skulpturen „Fischer von Erlach“ und „Paracelsus“. Für Prielau ließ er sich vom NS-Kunsträuber Kajetan Mühlmann gotische Türen und Skulpturen aus Frankreich und den Niederlanden herbeischaffen.

1944 nahm Thorak an der Ausstellung „Deutsche Künstler und die SS“ in Salzburg teil, bei der er auch seine Hitler-Büste präsentierte.

„Eines der dunkelsten Kapitel seines Lebens war die Funktion als künstlerischer Berater der SS-eigenen Porzellanmanufaktur Allach auf dem Gelände des [[KZ Dachau]], wo er persönlich die KZ-Häftlinge bei ihrer Arbeit in der Fabrik inspizierte“, sagte die Salzburger Historikerin Susanne Rolinek als Ergebnis ihrer Forschungen.

Josef Thorak war bis zuletzt vom „Endsieg“ Hitlerdeutschlands überzeugt.

Josef Thorak: Pietà, Friedhof von St. Peter
Josef Thorak: Kreuz aus Tonreliefplatten mit Szenen aus der Passionsgeschichte, Friedhof von St. Peter

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Thorak wegen seiner Nähe zum nationalsozialistischen Regime vor der Spruchkammer München angeklagt. Ihm wurde vorgeworfen, er habe in seinen Werken die nationalsozialistische Ideologie verbreitet und von der Gunst der Machthaber auch wirtschaftlich sehr profitiert. Er wurde jedoch in beiden Instanzen freigesprochen.

Werke

Neben dem Grab auf dem Friedhof von St. Peter und der Paracelsus-Statue im Salzburger Kurgarten gibt es in Salzburg heute auch noch den "Kopernikus" neben dem Zauberflöten-Spielplatz im Mirabellgarten in der Stadt Salzburg.

Die Thorak-Grabstätte auf dem Friedhof von St. Peter

Für das Grab seiner Mutter Mathilde Thorak (* 1853; † 1948) schuf Josef Thorak auf dem Friedhof von St. Peter das Skulpturenensemble Pietà. Die Darstellung führt die Kreuzabnahme, die Beweinung Christi und die Grablegung in gleicher Weise vor Augen. Die Gottesmutter Maria hält ihren Sohn auf dem Schoß. Links kniet Maria Magdalena, rechts der Jünger Johannes – in dessen jugendlich-kraftvoll-männlicher Gestalt sich der Bildhauer selbst zu verewigen getrachtet hat.

Die Steinfiguren hatte Thorak bereits im Jahr 1945 geschaffen und auf das Grab gestellt. Er selbst bestimmte die Grabstätte und deren Ausstattung, in der seine sterblichen Überreste einmal neben seiner geliebten Mutter ruhen sollten.

Von seinen Ehefrauen – Thorak hatte am 1. Jänner 1952 in dritter Ehe Erna Hönig geheiratet[1], die im Juni 2004 im Alter von 90 Jahren in Bayern starb – ist keine in dieser Gruft bestattet.

Lebensende

Josef Thorak starb im Alter von 63 Jahren auf Schloss Hartmannsberg bei Endorf am Chiemsee. Er wurde am 29. Februar 1952 im Beisein führender Politiker von Stadt und Land sowie von Vertretern der Künstlerschaft auf dem Salzburger Friedhof von St. Peter (Arkadengrab Nr. XXV) beigesetzt.

Würdigungen und Ehrungen

Die Stadt Salzburg ehrte den Bildhauer Hitlers nach 1945, organisierte 1950 eine Ausstellung und stellte von ihm geschaffene monumentale Skulpturen im Mirabellgarten auf, wo sie heute noch stehen.

Am 15. Juli 1950 begann im Zwergelgarten in Salzburg eine Ausstellung seiner Großplastiken, die er vornehmlich zwischen 1937 und 1945 geschaffen hatte.

Ihm wurde in Salzburg-Aigen die Josef-Thorak-Straße gewidmet.

Quellen

  • Hauptquellen:
    • 7.1 Entnazifizierung? Der Fall des NS-Bildhauers Josef Thorak, in: Die letzten und die ersten Tage. Amerikaner und Bayern begegnen sich – Fremdsicht und Eigenwahrnehmung am Ende des Zweiten Weltkriegs im Landkreis Ebersberg. Ein Geschichtsbuch von Schülern für Schüler, herausgegeben von Silvia Wimmer unter Mitarbeit von Sabine Berger, Eva Breitenbach-Grill, Claudia Friemberger, Ferdinand Kramer, Dora Ostendorf, Bettina Scherbaum. Robert Bosch Stiftung, Vaterstätten/Ottobeuren 2008. (webspace.st-michaelsbund.de/dioezesanarchiv/Broschuere.pdf, abgerufen am 9. April 2010; am 17. Jänner 2016 nicht mehr online).
    • Über Zeugen und Zucht. Ein Gespräch mit Andreas L. Hofbauer anlässlich eines Vortrages, gehalten am 17. Juni 2009 im Kunstpavillon München (abgerufen am 9. April 2010 bzw. am 17. Jänner 2016).
  • Zur Pietà:
pieta-von-thorak, in: Prometheus 94/2004 (Museum of European Art, New York) © 2004 West Art.
  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Taufbuch der Pfarre Alser Vorstadt zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit, fol. 138/1889.
  2. Laut Reisepass
  3. Vgl. „Joseph Thorak“ auf der türkischen Wikipedia.

Literatur

  • Reingruber, Gunhild: Josef Thorak. Leben und Werk des umstrittenen Künstlers, mit Berücksichtigung der nach Kriegsende und der posthum geführten Diskussionen. Diplomarbeit, Salzburg, 1997/98.