Schaffner-Haus

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Das "Schaffner-Haus" Waagplatz 2
Karte

Das Schaffner-Haus ist ein unter Denkmalschutz stehendes historisches Gebäude in der Salzburger Altstadt am Waagplatz Nr. 2.

Einleitung

Das Schaffner-Haus hat einen geschichtlichen Zusammenhang mit dem Haus der heutigen Adresse Rudolfskai 32. Baulich handelt es sich jedoch um zwei Gebäude, die seit der letzten Besitztrennung auch zwei verschiedene Adressen besitzen. Im direkt an den Waagplatz grenzenden Gebäude befindet sich heute das K+K Restaurant am Waagplatz, in dem ein historisches Gewölbe aus dem 12. Jahrhundert als Freysauffkeller (Name eines früheren Hausbesitzers) genutzt wird.

Der hintere Teil, der über einen kurzen Weg an der linken Gebäudeecke erreichbar ist, trägt heute die Adresse Waagplatz 1a und wird seit 1975 als Georg-Trakl-Haus bezeichnet. Dieser Teil des Gebäudes ist das Geburtshaus des Dichters Georg Trakl (* 1887; † 1914). In diesem hinteren Gebäude und um dessen Hof herum befinden sich heute eine Gedenkstätte mit Museum für Georg Trakl sowie der Sitz der Salzburger Kulturvereinigung.

Der Großteil der Bausubstanz beider Gebäudeteile stammt aus dem 16. Jahrhundert. Die Fassade am vorderen Haus wurde um 1860 im Stil des Rokoko historisierend neu gestaltet.

Geschichte der Gebäudeteile

Der Fund eines römischen Mosaikbodens unter der Toreinfahrt belegt, dass sich in diesem Bereich das alte Iuvavum befand.

Um 1181–83 wird ein Meinhard vor der Pforte als Besitzer des Hauses genannt. Damit wurde ausdrückt, dass Meinhard vor der damals dort gelegenen Pforte zur Bischofsburg wohnte − im Gegensatz zu seinem Sohn oder Enkel, den man um 1231 als Meinhard an der Pforte bezeichnete.

1250 findet sich in den Büchern des Domkapitels eine Geldanweisung an die Söhne von Karl von Gutrat, Otto und Chuno, die im Hause Meinhard an der Pforte wohnten. Dieses Haus hatten die Gutrater zu Erbrecht, den noch 1364 den Namen des drugsazz haws' - die Gutrater waren des Erzstifts Erbtruchsesse.

Jüngerer Admonter Hof

Erzbischof Friedrich III. von Leibnitz tauschte 1327 mit dem Benediktinerstift Admont deren älteren Admonter Hof, um das Bürgerspital St. Blasius zu errichten, gegen zwei Häuser am Brotmarkt, ein steinernes und ein hölzernes. Daher kommt auch der Name "(jüngerer) Admonter Hof".

1412 gab Abt Georg Lueger[1][2] von Admont das Haus dem Goldschmied Peter zu Leibgeding (auf drei Leib: Peter, seiner Frau und Schwester).

1443 bekam die Hälfte des Hauses der Maler Hanns Mynner zu Erbrecht, die andere Hälfte Oswald Kramer.

1454 besaß es oder wohnte darin der Apotheker Zacharias Stewitz. 1476 ging es im Erbrecht von dessen Kindern auf den Bürgermeister (1468, 1469, 1476 und 1477) Jakob Schönperger über.

Aber noch zu dieser Zeit bestand die Verpflichtung, Mönchen von Admont während ihres Aufenthalts in Salzburg mit Dach und Fach zu versorgen.

1496 findet sich die Erwähnung als des von Admont haws, 1514 wohnte der abgedankte Abt Michael Kollin[3] im oberen Stübchen des Hauses.

1500 erhielt Afra Stumpf das Gebäude zu Leibgeding, 1526 war es des Stumphen und Rudolph-haws.

Das Gebäude ging dann höchstwahrscheinlich 1575 in das erzbischöfliche Urbar über und befand sich noch 1650 in demselben.

Paurnfeind'sche Behausung

1593 erwarb es Wolf Baurnfeind durch Kauf, des Mathias Baurnfeind Witwe, geb. Zapler, wieder verheiratete Fraißsauf, erhielt 1641 beide Häuser.

1647 besaß Egidius Berner den hinten errichteten Neubau, das Bernerstöckl. Seine Frau Sophia war eine Tochter Baurnfeinds. Frau von Kimpflern, geb. Baurfeind, vereinigte dann 1676 beide Häuser zu einem Besitz..

Mehrere Verwandte erhielten die Gebäude und es kam immer wieder zu Teilungen. Auch wird wiederkehrend eine Unterscheidung zwischen dem vorderen (Waagplatz 2) und dem hinteren (heute Waagplatz 1a) Gebäude erwähnt. Bei den Teilungen des Hauses in ein vorderes, hinteres, in Böden, in Viertel, 32stel, 74stel wurden auch die Fischbehälter, die Keller, das Torwartzimmer, das Wagen-, Speise- und Käsegewölbe, der Stall, die Teile des Dachbodens den jeweiligen Eigentümern zugeschrieben.

Es folgte Johann Sebastian.

Freysauff'sche Behausung

1705 gründete Caspar Freysauf die Caspar Freysauf'sche Handlung in diesem Haus. [4]

Schaffner-Haus

1803/1804 war die Caspar Freysauf'sche Handlung zusammen mit dem Haus an Franz Anton Schaffner verkauft worden, der die Handlung unter dem alten Namen weiterführte. Am 1. Mai 1815 wurde sie aufgelöst und Franz Anton Schaffner, der alleiniger Eigentümer von Haus und Handlung (Faktorei) blieb, führte das Geschäft nun unter seinem eigenen Namen als Franz Anton Schaffner'sche Handlung weiter. Er war mit Theresia, geb. Späth (die jüngere Schwester von Franz Xaver Späth) verheiratet, die von 1837 bis 1841 Haus und Handlung besaß und zusammen mit dem Prokuristen Alois Hauptmann bis zu ihrem Tod 1870 führte.

Nach dem Tod von Therese Schaffner die Ältere 1870 [5] stand das Haus im September desselben Jahres im Besitz von Theresia Schaffner die Jüngere. [6]

1877 waren k.k. Landesgerichtsrat Karl Roll und Johann Haretsberger die Hausbesitzer.[7]

Waagplatz 2

1899 ging der Besitz von Karl Roll durch Kauf auf Josef Wierer und Ernst Müller, Buchdruckerei, über.[8]

1907 erwarb Ernst Müller den Anteil von Josef Wierer. Der Sohn von Ernst Müller vereinigte später alle Liegenschaftsanteile inkl. Döllerergässchen 4 und vererbte sie an seine Kinder Leopoldine und Ernst (den Jüngeren).

Besitzteilung 1968

Leopoldine Müller verkaufte 1968 ihren Anteil (das vordere Gebäude am Waagplatz) an die Koller + Koller OHG, die einen Gastronomiebetrieb darin einrichteten. Ernst Müller (der Jüngere) wurde zum Alleineigentümer des hinteren Gebäudes am Rudolfskai 32, diesem zugehörig der Vorgarten (zum Rudolfskai), die beiden Arkadentrakte und der Renaissancehof.

1977 erwarb das Land Salzburg das Ensemble und richtete im Geburtshaus von Georg Trakl die Trakl Forschungs- und Gedenkstätte ein und brachte auch die Galerie im Traklhaus und die Salzburger Kulturvereinigung darin unter.

Kurz nach 1977 wurde der Durchgang im Haus Waagplatz 2 vermauert und die alte Durchfahrt zum Innenhof im Haus Döllerergässchen 2 - in der sich seit etwa 1945 ein Lebensmittelgeschäft befunden hatte - wiedereröffnet und so der Zugang "Waagplatz 1A" geschaffen.

Quellen

Weblinks

Einzelnachweis

  1. siehe Ennstalwiki → enns:Georg Lueger
  2. Verlinkung(en) mit "enns:" beginnend führ(t)en zu Artikeln, meist mit mehreren Bildern, im Ennstalwiki, einem Schwesternwiki des Salzburgwikis
  3. siehe Ennstalwiki → enns:Michael Kollin
  4. Lorenz Hübner, I, Beschreibung der hochfürstlich-erzbischöflichen Haupt- und Residenzstadt Salzburg, 1792, Seite 179
  5. Salzburger Zeitung 16. Mai 1870
  6. anno.onb.ac.at/Salzburger Zeitung, 10. September 1870
  7. anno.onb.ac.at/Salzburger Zeitung, 13. September 1877
  8. anno.onb.ac.at, Salzburger Chronik, 13. Februar 1899