Weyerhof

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Der Weyerhof. Im Hintergrund der Weyerturm
Die von Wilhelm Kaufmann gemalte Sonnenuhr auf der Südfassade des Weyerhofes
Der Weyerturm oberhalb des Weyerhofes, von Westen aufgenommen

Der Weyerhof ist ein sehr alter und traditionsreicher Gasthof in Bramberg am Wildkogel.

Lage

Der Weyerhof befindet sich am Westrand der Ortschaft Weyer westlich des Gemeindezentrums von Bramberg am Wildkogel, deren Aussehen vom Weyerturm, vom Weyerhof und von der Kirche geprägt wird, und liegt an der orografisch linken Talseite des Salzachtales. Etwa 25 m oberhalb des Gebäudeensembles überragen die noch bestehenden Mauern des Weyerturms, der im 12. Jahrhundert als kleine Burganlage auf einem Felsen errichtet wurde, die Ortschaft Weyer.

Geschichte

Der Weyerhof ist die zum Weyerturm gehörende einstige Meierei. Er besteht heute aus dem großzügigen Wirtschaftsgebäude und dem eigentlichen Wirtshaus, das 1162 erstmals als Wirtstaverne erwähnt wird. Die erste Nennung der Herren von Weyer erfolgte 1130 mit Rapoto de Wiare.

Besitzerreihe

Es ist nicht bekannt, ab wann die auf dem Weyerturm residierenden Herren von Weyer, bzw. ihre Nachfolger aus Bequemlichkeitsgründen die Meierei dem Turm als Wohnsitz vorgezogen haben. Nachdem zuerst hauptsächlich die Burganlage Erwähnung findet, verlegt sich der Schwerpunkt ab dem beginnenden 17. Jahrhundert auf den Weyerhof. Dem Turm- und Hofbesitzer Besitzer Nikolaus Einöder gelang es damals, sich von der Verpflichtung der Erhaltung des Turmes, den der Bischof für Jagdausflüge als Unterkunft nutzte, mit einer Zahlung von 150 Gulden zu lösen, worauf der Turm dem Verfall preisgegeben wurde.

Nach Nikolaus Einöder scheint auf dem Weyerhof ab diesem Zeitpunkt folgende Besitzerreihe auf:

  • 1623 Ambros Liebenberger, Gastgeb in Bramberg, Senninger. Er kaufte den Weyerhof und verehelichte sich 1624 mit Maria Grätlin aus Niederndorf (bei Kufstein).
  • 16371651 die sechs Kinder und die Mutter Grätlin. Sie heiratete 1640 den Gastwirtssohn Severin Senninger aus Zell am See.
  • 16511671 Maria Grätlin († 1671), die Kinder und Severin Senninger.
  • 1671–1691 Severin Senninger allein. Er heiratete am 10. Jänner Anna Maria Rottmayrin, Tochter des Christoff Ignati Rottmayr, Gastgeb zu Mittersill, und der Ursula Grundtnerin. Schon mit Ambros Liebenberger kam der Weyerhof zum reichen >Senningerbesitz<. Und es war auch Severin Senninger, der den Hof fürstlich ausstattete und den einstigen Bauernhof in einen Herrensitz verwandelte.
  • 1691 – 1732 führte die selbst sehr vermögende Anna Maria Rottmayrin nach dem Tod ihres Ehemannes Severin Senninger die Wirtschaft weiter. Sie war umsichtig und tüchtig und vergrößerte den Besitz. Sowohl im Weyerhof als auch im Senningerbräu - in beiden Häusern wohnte die Besitzerin abwechselnd - befindet sich je ein Gemälde mit dem Portrait der Anna Maria Rottmayrin, die aufgrund ihres Reichtums und ihrer Tüchtigkeit als Oberpinzgauer >Bauernkönigin< in die Geschichte eingegangen ist. Jahre vor ihrem Tod regelt sie die Besitznachfolge zu Gunsten ihres Neffen Mathias (2) Schmerold.
  • 1732 Mathias (2) Schmerold, Sohn des Mathias (1) Schmerold und der Eva Regina Rottmayrin, und Maria Magdalena Schachnerin, Tochter des Christian Schachner und der Susanna Regina Rottmayrin.
  • 1733 Maria Magdalena Schachnerin kaufte von Mathias Schmerold die andere Hälfte des Weyerhofes. Sie verehelichte sich mit Georf Hofer, Handelsmann in Mittersill. Das war der Beginn der Erbfolge der Familien Schachner – Hofer – Meilinger, letztere ist die gegenwärtige Besitzerfamilie.
  • 1766 Johann (1) Jakob Hofer durch Übergabe von Magdalena Schachnerin
  • 1790 Franz Hofer
  • 1791 Johann (2) Hofer
  • 1818 Johann Hofers drei Kinder
  • 1829 Margareth Hofer durch Übergabe der Geschwister
  • 1830 deren drei Kinder
  • 1832 Peter (1) Meilinger, Margareth Meilinger
  • 1863 Peter (1) Meilinger allein
  • 1888 Peter (2) Meilinger, Maria Meilinger, Anna Meilinger, Margarethe Meilinger zu je einem Viertel des Besitzes
  • 1892 Maria, Anna und Margarethe Meilinger zu je einem Zwölftel v.d. Viertelanteil nach Peter (2) Meilinger
  • 1900 Anna und Margarethe Meilinger je einen Hälfteanteil nach Maria Meilinger
  • 1900 Peter (3) Meilinger
  • 1904 Anastasia Meilinger durch Halbsetzung
  • 1935 Peter (4) Meilinger die Hälfte von Peter (3) Meilinger.
  • 1953 Peter (4) Meilinger die Hälfte von Anastasia Meilinger
  • 1980 Franz (2) Meilinger

Brandkatastrophe

Im ersten Stock pflegten in den beiden Fürstenzimmern die Bischöfe von Chiemsee zu übernachten, wenn sie zur Jagd den Oberpinzgau aufsuchten. Eines der beiden Zimmer war zur Gänze mit Holz getäfelt. Im geschwungenen Giebel mit den Wappen von „Severin Senninger Gastgeb“ und Anna Maria Rottmayrin stand die Jahreszahl 1669. Leider wurden die Fürstenzimmer im Jahr 1940 zusammen mit vielen anderen Kostbarkeiten durch einen Brand vernichtet. Die Brandursache war ein Glimmbrand, der durch einen Baukonstruktionsfehler im Bereich des Kamins entstanden ist und zu spät wahr genommen wurde. Durch eine Kette unglücklicher Umstände bei der Brandbekämpfung verwandelte sich der gesamte Bauernhof in eine Brandruine. Lediglich das Portraitbild von Anna Maria Rottmayrin, eine schöne alte Truhe und der Kachelofen in der Gaststube konnten gerettet werden. Das Gut wurde in der alten Form wieder aufgebaut. Auf der Südfront schuf der Salzburger Maler Prof. Wilhelm Kaufmann in Freskomalerei eine Sonnenuhr.

Kriegsende

Im Jahr 1944 wurde gegen den Besitzer Peter Meilinger wegen angeblicher unerlaubter Lagerhaltung beim Reichsnährstand ein Enteignungsverfahren eingeleitet, dessen Abschluss durch das Kriegsende hinfällig wurde.

Vom 4. bis zum 7. Mai 1945 wurde ein Teil der wertvollsten Bestände der Wiener Kunstsammlungen im Weyerhof deponiert. Die im Salzbergwerk Bad Ischl gelagerten Kunstschätze sollten Anfang Mai noch einmal weiter in den Westen verlagert werden. Am 4. Mai fuhren mehrere Lastkraftwagen mit 184 Gemälden, 40 Säcken mit Gobelins und zwei Kisten mit Plastiken, begleitet von zwei Museumsfachleuten und bewacht von Angehörigen des SS-Kommandos „Fabian“, einem geheimen Ziel entgegen. Die Fahrtroute führte letztlich von Bad Ischl-Lauffen durch das Wiestal nach Hallein, von dort weiter über Bischofshofen und Zell am See nach Bramberg. Es ist bis heute ungeklärt, warum gerade dieser Ort ausgewählt worden war. Die folgenden Ereignisse rundum das temporäre NS-Kunstdopot Weyerhof sind eine eigene Geschichte wert.

Im Juni 1945 musste die Familie das Anwesen für die Amerikaner räumen. Es handelte sich um eine Gruppe amerikanischer Experten, die mehrere Wagenladungen Geheimpapiere aus NS-Archiven übersetzten und auswerteten. Im Oktober 1945 waren diese Arbeiten abgeschlossen und die Familie Meilinger konnte wieder in den Weyerhof einziehen.

Gegenwart

Der Weyerhof, der seit dem Jahr 1691 im Besitz der Familie Meilinger befindlich ist, wurde 1982 zum Erbhof erklärt und wird bis heute als Landwirtschaft und als Gasthof geführt.

Quelle

  • Hönigschmid, Hans: Bramberg am Wildkogel, Band I, Gemeinde Bramberg am Wildkogel, 1993. S. 81-95