2015: Die Großglockner Hochalpenstraße wurde 80 - ein Rückblick

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von links: Dr. Johannes Hörl ((Generaldirektor GROHAG), Univ.-Prof. Dr. Kurt Luger (UNESCO-Lehrstuhlinhaber, Salzburg), Dr. Wilfried Haslauer (Landeshauptmann Salzburg und Vorsitzender Aufsichtsrat GROHAG), Dr. Barbara Neubauer (Präsidentin Bundesdenkmalamt, Wien), Prof. DDr. Eberhard Stüber (Ehrenpräsident Österreichischer Naturschutzbund) und Mag. Bernd Paulowitz (Geschäftsführer Insitu World Heritage Consulting, Paris)
Jubiläumslogo 80 Jahre

2015: die Großglockner Hochalpenstraße wurde 80, ein Rückblick

Einleitung

Am Montag, den 13. April 2015, begann mit der Schneeräumung der Großglockner Hochalpenstraße das Jubiläumsjahr 80 Jahre Großglockner Hochalpenstraße dieser hochalpinen Panoramastraße. Die Teilnahme an der EXPO 2015, der Weltausstellung im italienischen Mailand, das nationale Monument wird unter Denkmalschutz gestellt, Festakt am 3. August in der Salzburger Residenz (80 Jahre: 1935 – 2015) und Jubiläums-Grand-Prix im September waren weitere Meilensteine der intensiven Saison 2015 am „Glockner“.

Faszination Schneeräumung

29. April 2015 - kurz vor dem Durchstich der beiden Räummannschaften

14 Tage lang frästen sich die Wallack-Rotations-Schneefräsen durch meterhohe Schneewände von Kärnten und Salzburg die Straße hinauf. Bis zu 300 000 Menschen verfolgten auf der Facebook-Seite der Großglockner Hochalpenstraßen AG die Arbeiten. Am 29. April 2015 trafen sich die beiden Räummannschaften unterhalb des Nordportals des Hochtor-Tunnels. Anfang Mai startete dann die Straße in die Saison 2015.

„alpensinfonie:on tour“ bei der EXPO 2015

Blick in den Österreich-Pavillon

Zeitgleich mit der Eröffnung der Straße begann in Mailand in Italien die EXPO 2015. Die Großglockner Hochalpenstraße war dort mit einem orangefarbenen multimedialen Biwak vertreten, in dem ein außerordentliches Klang- und Bildererlebnis, die „Alpensinfonie“, die vor exakt 100 Jahren von Richard Strauss komponiert wurde, zu erleben war. Im Österreich-Pavillon brachten der Nationalpark Hohe Tauern und die Großglockner Hochalpenstraße mit einem interaktiven Memory-Spiel auf der Weltausstellung 2015 mit dem Titel "breathing.memory" die hochalpine Bergwelt dem Publikum näher. Auf den Touchscreens wurden Bilderpaare mit Motiven der Hohen Tauern (Großglockner samt Großglockner Hochalpenstraße, Almsommer, Nationalpark Ranger, Wasserfälle und alpine Winterlandschaften) gezeigt. Die EXPO 2015 dauert(e) bis 31. Oktober 2015.

Unter Denkmalschutz und auf dem Weg zum Welterbe

Der Erbauer Hofrat Franz Friedrich Wallack über dem Visionsbild der GROHAG

Am 3. Juli 2015 gaben der Salzburger Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Großglockner Hochalpenstraßen AG und Dr. Barbara Neubauer, Präsidentin des Bundesdenkmalamts in Wien, in Salzburg gemeinsam bekannt: Nach fünf Jahren Vorbereitung und intensiven Verhandlungen steht die Großglockner Hochalpenstraße mit heutigem Tage unter Denkmalschutz nach dem Denkmalschutzgesetz!

Aufgrund der außerordentlichen Situation, Größe und Ausbreitung des Objektes „Glocknerstraße“ im Hochgebirge (knapp 50 km Verkehrsinfrastrukturen und über 100 Brücken und Hochbauten im alpinen Bereich) wurden erstmals in der Österreichischen Geschichte „gemeinsame Ziele für die weitere denkmalgerechte Erhaltung der Großglockner Hochalpenstraße“ im „Denkmalpflegeplan“ festgeschrieben.

Gleichzeitig begann die Beantragung des Welterbe-Prädikates für die Großglockner Hochalpenstraße. Bis Sommer 2016 soll ein entsprechendes Dokument ausgearbeitet sein und im Februar 2017 bei der UNESCO-Kommission eingereicht werden. Dann könnte eine mögliche Ernennung zum Welterbe im Sommer 2018 möglich sein.

Vor 80 Jahren, am 3. August 1935, wurde die Straße eröffnet

Baubeginn 1930 der Großglockner Hochalpenstraße im Bereich der heutigen Kassenstelle Ferleiten

Als im Jahr 1922 eine Gruppe österreichischer Experten Pläne für eine Straße über das Hochtor vorlegte, erntete sie vorwiegend Spott. Selbst der bescheidene Entwurf eines drei Meter breiten Schottersträßchens mit Ausweichen auf Sichtweite mutete damals wie Luftschlossarchitektur an. Den Anstoß zum Bau einer Straße, die karge Alpentäler dem automobilen Fremdenverkehr erschließen sollte, gab schließlich 1929 der New Yorker Börsenkrach. Mittlerweile war das Projekt auch schon auf sechs Meter Breite für den Bedarf des "internationalen Großverkehrs" und zur allgemein bespöttelten Berechnung gediehen, dass jährlich gewiss 120 000 Besucher kämen. 1936, im Jahr nach der Eröffnung der Straße waren es bereits 146 427 und 1938 schon 374 465 Personen!

Die erste Alpenüberquerung im Automobil am 22. September 1934: am Steuer Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl, neben ihm Franz Wallack, im Fond ein Chefingenieur der Steyrwerke

Am 30. August 1930, um 09:30 Uhr, drückte der Salzburger Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl den Auslöser für die ersten einhundert Sprengschüsse in Ferleiten. Vier Jahre später lieferten die treibenden Kräfte dieses Straßenbaues, der Salzburger Landeshauptmann Franz Rehrl und der Techniker Franz Wallack, eine Sensation. Mit einem adaptierten "Steyr 100"-Wagen gelang ihnen auf der Bautrasse die erste Alpenüberquerung in einem Pkw. Nochmals ein Jahr später wurde die Großglockner Hochalpenstraße am 3. August 1935 eröffnet und tags darauf mit einem internationalen Auto- und Motorradrennen in Betrieb genommen.

von links: Landeshauptmann-Stv. Mag. Dr. Christian Stöckl, LH-Stv. Dr. Gaby Schaunig (Kärnten), LH Dr. Wilfried Haslauer (Aufsichtsratsvorsitzender Großglockner Hochalpenstraßen AG) und Dr. Johannes Hörl (Generaldirektor Großglockner Hochalpenstraßen AG)

80 Jahre später, am Montag, den 3. August 2015, kamen über 500 Gäste in die Salzburger Residenz zum Festakt „80 Jahre Großglockner Hochalpenstraße“. Vorgestellt wurde auch das 500 Seiten starke Buch „Die Großglockner Hochalpenstraße Erbe und Auftrag“.

Das österreichische Monument Großglockner Hochalpenstraße

Dreißig Autoren spannen in diesem Buch den Bogen von der Entstehungsgeschichte des Symbolbildes für österreichische Ingenieurskunst und die Leistungsfähigkeit Österreichs in den schweren Jahren der Weltwirtschaftskrise über die Bedeutung für den Tourismus und die regionale Wirtschaft der angrenzenden Länder bis in die Gegenwart. Zudem werden der große Stellenwert des Umweltgedankens und des Naturschauspiels inmitten des größten Nationalparks Mitteleuropas sowie die großen Herausforderungen im Hochgebirge der Hohen Tauern eingehend beleuchtet. Neben dem seit einem dreiviertel Jahrhundert währenden Status als Nationales Monument hat die Fachwelt vor allem im Laufe der letzten Jahre das internationale Erbe in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt. Zu den Autoren und dem Buchinhalt siehe Die Großglockner Hochalpenstraße Erbe und Auftrag.

Oldtimer-Segnung auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe

Mit einer Oldtimer-Sternfahrt der Kärntner und Salzburger Motor Veteranen Clubs zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe auf 2 369 m ü. A. begann am Sonntag, den 9. August 2015, der zweite Festakt anlässlich des 80. Geburtstags der Großglockner Hochalpenstraße.

der Post-Panoramabus Type 120-OGL von Gräf & Stift mit Baujahr 1950

Ein besonderer Teilnehmer der Sternfahrt war der Post-Panoramabus Type 120-OGL von Gräf & Stift mit Baujahr 1950. Die Typenbezeichnung „120-OGL“ gibt Auskunft zum Einsatzgebiet des Fahrzeuges: Die Zahl 120 steht für die Leistung von 120 PS und OGL für Omnibus Glockner, denn dieses Fahrzeug war speziell für den Verkehr auf der Großglockner Hochalpenstraße gebaut worden. Bei dem Fahrzeug bei der Oldtimersegnung handelte es sich um das erste von zwölf gebauten Fahrzeugen, das zwölf gepolsterte Sitzplätze aufweist.

Schlussakt und zugleich Höhepunkt der Veranstaltung war die Segnung der Oldtimer und Jubiläumsplaketten durch Pfarrer Zoltán Papp. In seiner Predigt würdigte er die Bedeutung der Großglockner Hochalpenstraße und die Kraft der Arbeiter („GROHAGgler“) während der Bauphase, die mit einfachem Gerät und oft unter Einsatz ihres Lebens Großes leisteten. In einer Schweigeminute gedachte man jener Menschen, die beim Bau (zwölf Personen) und während des Betriebs der Straße (neun) ums Leben gekommen waren und bat um Gottes Segen.

„Gentlemen, start your engines“ der Jubiläums-Grand-Prix

Eröffnung des Grand Prix 2015 - für Vergrößerung und Details Bild

Das erste internationale Großglockner-Rennen fand am 4. August 1935 statt, nur einen Tag nach der feierlichen Eröffnung der Straße. Es sollten noch zwei weitere folgen, 1938 und 1939; sie trugen der politischen Entwicklung entsprechend bereits den Namen „Großer Bergpreis von Deutschland“.

Der seit 2012 auf der Großglockner Hochalpenstraße stattfindende Grand Prix für historische Rennwagen, fand im Jubiläumsjahr vom 24. bis 26. September 2015 statt: Großglockner-Erstürmung im Neuschnee mit Rekord-Starterfeld.

Über 115 Starterteams und Klassiker-Fahrzeuge aus sieben Nationen kamen und nahmen mit ihren seltenen Fahrzeuge im Millionenwert die 92 Kurven, 14 Kehren und 14 Kilometer lange Bergstrecke von der Kassenstelle in Ferleiten bis zum Fuscher Törl hinauf in Angriff. Marken wie Bugatti, Alfa Romeo Bentley, Jaguar, Porsche, Mercedes-Benz, Lagonda, BMW waren dabei.

Das Team Michael Stoschek und Guido Brasch vom Brose Motorsport Team im Porsche 911 aus dem Jahr 1971 – einem originalen restaurierten Rallye Monte Carlo Porsche 2,5 l Werkswagen – gewann 2015 diese sportliche Gleichmäßigkeitsprüfung auf Genauigkeit mit neuer absoluter Bestzeit. Die Abweichung in drei Läufen betrug bei ihnen nur 00.03 Minuten also drei Hundertstel einer Sekunde – dies gefahren in den drei Wertungsläufen bei Schnee und nasser Strecke auf der 14 Kilometer langen Auffahrt im Wettbewerb.

Letzte Gelegenheit für einen Besuch der Großglockner Hochalpenstraße

Spätherbst an der Großglockner Hochalpenstraße: der Blick geht vom Fuscher Törl hinunter über das obere Nassfeld zum Dr.-Wilfried-Haslauer-Haus (links) und zur Edelweißspitze (rechts)

Die Großglockner Hochalpenstraße war bis einschließlich 8. November zu Sondertarifen befahrbar. Atemberaubend schöner Spätherbst in den Hohen Tauern, in denen man auch frühwinterliche Wunderlandschaften erleben kann.

Bilder vom Spätherbst 2015

Sofern es die Wetterbedingungen zulassen wird die Großglockner Hochalpenstraße voraussichtlich noch bis einschließlich 1. November 2015 geöffnet sein. Gerade an schönen Herbsttagen, an denen sich in den Tallagen ab und an der Nebel hält, eröffnet die Gebirgswelt des Nationalparks Hohe Tauern traumhafte Ausblicke. Da im Spätherbst nicht mehr alle gastronomischen Betriebe und sonstige Attraktionen geöffnet sind, gelten seit Samstag, den 17. Oktober 2015, bis zur Wintersperre vergünstigte Herbsttarife:

Pkw-Tarif 24,50 Euro (anstatt 34,50 Euro)
Motorrad-Tarif 14,50 Euro (anstatt 24,50 Euro)
Busse 4,00 Euro (anstatt 5,30 Euro pro Person)

Die Ausstellungen „Haus Alpine Naturschau“, „Passheiligtum Hochtor-Süd“ und das Besucherzentrum auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe mit den Ausstellungen „Alpenliebe“ und „Die Erfolgsgeschichte des Automobils“ sowie der Nationalpark-Infoschalter sind noch geöffnet.

Geänderte Öffnungszeiten

Täglich von 08:00 bis 17:00 Uhr, letzte Einfahrt um 16:15 Uhr. Aktuelle Auskünfte über die Befahrbarkeit sind telefonisch über die Kassenstelle Ferleiten Telefon: 0 65 46 - 650 erhältlich. Ab 9. November 2015 beginnt dann die Wintersperre.

Und im Winter?

Wenn im Hochgebirge der Winter eingekehrt sein, die Straße bis zum April 2016, bis zur nächsten Schneeräumung, im Winterschlaf verharren wird, werden das Facebook der Großglockner Hochalpenstraßen immer wieder Winterbilder posten und auf dem Blog „80 Jahre Großglockner Hochalpenstraßen“ Geschichten und Hintergrundgrundinformationen veröffentlicht werden.

Außerdem empfiehlt sich von Zeit zu Zeit ein Blick auf die Großglockner Hochalpenstraßen Webcams, die von atemberaubenden Sonnenaufgängen bis hin zu geheimnisvollen Tieren – war es tatsächlich ein Wolf, der letzten Winter auf einer Webcam-Aufnahme zu sehen war? – immer wieder neue Eindrücke bieten.

Bilder von der Großglockner Hochalpenstraße

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Quelle