Hofmarstall

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Salzburg Festspielhaus Portal Karajanplatz.
Karte
Prunkportal, Allegorie Europa.
Historische Aufnahme des Hofmarstalls und der Hofmarstallschwemme vor 1928.
Die Salzburger Altstadt mit der Alten Universität (Bildmitte) und dem Hofmarstall (rechts), 1926.
Rechts der Hofmarstall, undatiert, dürfte jedoch zwischen 1945 und 1949 aufgenommen worden sein.

Der Hofmarstall (Marstall = Pferdestall, Kurzform auch "Hofstall") der Salzburger Fürsterzbischöfe befand sich in der Salzburger Altstadt und bildet heute den Kern des Festspielbezirks. Die heute noch bestehende Teile gehören zum Großen Festspielhaus und zählen wie dieses zu den denkmalgeschützten Objekte in der Stadt Salzburg.

Geschichte

Nachdem das Kloster der Petersfrauen aufgelassen und den Franziskanern als Kloster übergeben worden war, kaufte 1593 nun Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau einen kleinen Teil des dem Benediktinerstift St. Peter gehörigen Frongartens dicht am Fuß des Mönchsbergs um 4.000 Gulden und ließ dort einen einfach umzäunten Pferdetummelplatz zum Ringelstechen und für Turniere nebst einem Tummelstall durch den Zimmermeister Georg Schallmooser bauen, der dabei abstürzte und seinen Tod fand. 1598 tauschte Fürsterzbischof Wolf Dietrich den noch übrigen Teil des Frauengartens gegen die in der Riedenburg gelegene Stockwiese. In weiterer Folge entstanden unmittelbar an der Felswand des Mönchsbergs große Stallungen und eine Reitschule.

1606 plante der Fürsterzbischof den Bau eines großen Pferdestall-Gebäudes. Zu diesem Zweck ließ der den zuvor kleinen Steinbruch an der Stelle des heutigen Sigmundstor-Durchbruches bei der Pferdeschwemme weiter bearbeiten, und begann 1607 mit dem Bau des heutigen Hofstallgebäudes.

1607 bis 1609 wurde von Fürsterzbischof Wolf Dietrich ein zeitgemäßer Bau der Spätrenaissance aufgeführt. Das Hauptgebäude war kubisch geschlossen, doch seinem Zweck entsprechend lang gestreckt, mit glatter 15-achsiger Fassadenflucht, helmverzierten Treppentürmen und einem Grabendach. Direkt entlang des Mönchsberges wurden weitere Nebengebäude angelegt. Die Ausmaße des Hauptgebäudes betrugen etwa 110 x 18 m (nur im Süden war es etwas schmäler), das Gebäude war etwa zwölf Meter hoch.[1] An dieses Gebäude schloss im Südosten nach einer breiten Hofeinfahrt ein Gebäude mit 30 m Länge an, im Norden ragte ein eigenes quadratisches Gebäude mit einem symmetreisch angelegten Innenhof in den Straßenraum vor. Dieses Gebäude diente vermutlich der Pflege kranker Pferden, vor allem aber auch als Wohnung für die Stallbediensteten. [2]

Fürstlich waren die Portale der Längsfront. Zwischen dem geteilten Giebel war eine lateinische Inschrift (deutsch übersetzt): „Der Raitenauische Fürst hat diese Pferdestallung von solch großer Ausführung errichtet und damit ihm nicht mit langer Zeit der Segensreichtum fehle, hat er mit allen möglichen Früchten diese Scheune erfüllt. Im Jahre 1607." Diese Inschriftentafel wurde 1906 anlässlich der Portalrestaurierung erneuert und das Original in das städtische Museum gebracht. Oberhalb der Portale war das erzbischöfliche Wappen der Grafen Raitenau angebracht. Das Gebäude war ursprünglich über dem Erdgeschoß nur zwei Stockwerke hoch und besaß darüber ein Grabendach, dessen Dachrinnen weit über die Straße reichten, aus denen bei Regen das Wasser frei auf die Straße fiel. Das Innere des Gebäudes besaß ebenerdig zwei durch die Einfahrt getrennte stichkappengewölbte Stallungen. Der große Stall im Norden hatte in zwei Reihen gestellte, durch 44 viereckige genutete Steinpfeiler aus Konglomerat arkadenartig geteilte Stände für 156 Pferde. In diesen waren zu fürsterzbischöflichen Zeiten die Dienst- und Kutschenpferde untergebracht. Der kleine Stall im Südosten der Einfahrt besaß die gleiche Ausstattung. Hier war Platz für 22 Pferde, die vor allem für die Fuhrwerkpferde bestimmt waren und "Tummelstall" genannt wurde.

1662 ließ Fürsterzbischof Guidobald Graf von Thun und Hohenstein die Futtertröge aus weißem Marmor herstellen und die beiden Marmorbrunnen. Er ließ auch den durch die ganze Stallanlage verlaufenden St. Peter-Arm des Almkanals, von St. Peter kommend, erneuern. Im ersten Oberstock befanden sich die Aufschüttkästen, die Geschirr- und Futterkammern und oberhalb der breiten Einfahrt die Wohnung des Oberbereiters. In den rückwärtigen Hofgebäuden waren die u. a. Hofkastnerei und die Wohnungen des Hoffuttermeisters, der Bereiter, Sattelknechte und Leibkutscher untergebracht. Es gab auch eine vorzüglichen Nachtbeleuchtung. Von zwei Türmen aus ließ sich dass Gelände im Freien gut beobachten. Im Hofmarstall waren die einzige Pferdeapotheke des Landes sowie ein "Arzneyschmidt" (Tierarzt) untergebracht.

1662 wurde dieser Bau unter Fürsterzbischof Guidobald Graf von Thun und Hohenstein erweitert und eine eigene Winterreitschule eingerichtet. Ein weiterer Ausbau erfolgte unter Fürsterzbischof Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein. Er ließ die Sommerreitschule, die prunkvolle Fassade an der nördlichen Schmalseite zum 'Heumarkt', sowie die Marstallschwemme nach Plänen von Fischer von Erlach 16931694 errichten und ausgestalten. Der dortige marmorne Portalbogen zum Marstallbrunnen - ausgeführt von den Salzburger Steinmetz Wolf Weißenkirchner, zeigt auf Postamenten sitzende allegorische Frauenfiguren (Europa und Asien darstellend) des Bildhauers Andreas Götzinger, sowie Einhörner, die auch als Wappenhalter des Wappens von Fürsterzbischof Johann Ernst Graf Thun bekannt sind.

Mit dem Ende des Fürsterzbistums ging 1816 der Hofmarstall in ärarischen Besitz der Habsburgermonarchie (k.k. Österreich) über. Die gesamte Anlage zeigen die Planskizzen von 1852 bis 1853 detaillierte Ansichten.

In der Zeit der Monarchie bis 1918 wurde der Hofmarstall als Kaserne für Kavallerie, später auch für Infanterie und Artillerie, genutzt. Nach dem Ersten Weltkrieg standen die Gebäude des Hofmarstalls zeitweilig leer. Die junge Festspielgemeinde suchte damals nach einer geeigneten Aufführungsstätte für den „Jedermann" und dergleichen Schauspiele bei Regenwetter. 1920 kam es zu einer Besichtigung des Hauses im Beisein von Max Reinhardt. Dieser wollte angeblich den 50 Meter langen Saal der Winterreitschulsaal für Festspielzwecke nutzen. Reinhardt wollte in der zweiten Hälfte des August 1920 drei Aufführungen des Jedermanns in der offenen Reitschule, d. h. der Sommerreitschule veranstalten.[3] Diese fanden aber dann doch am Domplatz statt.[4] Für andere Aufführungen entstand 1936-1938 ein neues Gebäude, das erste Festspielhaus.

1930 kam es zu einem Tausch von mehreren ehemaligen Kasernen und verschiedenen Grundstücken zwischen der Stadtgemeinde Salzburg und der Republik Österreich, darunter auch der Hofmarstall. So wurde für die 1924 erfolgte Errichtung eines städtischen Naturkundemuseums nun die Stadtgemeinde zum neuen Eigentümer des ehemaligen Hofmarstalls.[5]. Bald war in Teilen dieses Hofmarstalls das Haus der Natur untergebracht. 19591960 wurden dann die ehemaligen Pferdestallungen zum großen Festspielhaus großzügig umgebaut und umgestaltet.

Teile

Der einstige Hofmarstall, (von denen einzelne Teile heute nicht mehr bestehen) bestand vor allem aus:

  • den verschiedenen Stallungen samt den Unterkünften für die zugehörige Belegschaft, errichtet 1607 von Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau; heute ist in diesem Raum v.a. das große Festspielhaus dort angesiedelt;
  • der Winterreitschule, die heute als Karl-Böhm-Saal‎‎ Teil des Hauses für Mozart ist; sie wurde Mitte des 1657 von Fürsterzbischof Johann Ernst Graf Thun errichtet; In diesem Raum war auch der Marstall-Wandbrunnen aufgestellt.
  • die Sommerreitschule, heute Felsenreitschule genannt: vor Paris Lodron war hier ein Steinbruch (frühes 17. Jahrhundert) für die Errichtung des neuen Doms; Paris Lodron ließ ihn zur Wehranlage ausgestalten. 1694 ließ Fürsterzbischof Johann Ernst Graf Thun im Lodronschen Festungsbauwerk ("Peterswachtbastei") Galerien in drei Geschossen aushauen; die Wehranlage und seine Umgebung dienten fortan für Reitschule, für Reiterspiele und Tierkämpfe, die aus dem Stein geschlagenen Galerien dienten als Zuschauerraum; die heute gedeckte Sommerreitschule neben der Bühne des Hauses für Mozart, war früher nur für die Sommermonate gedacht
  • dem Schüttkasten für den Hofmastall, in dem sich heute das Festspielbüro befindet (hinter der Hofmarstall-Schwemme);
  • der Hofmarstallschwemme

Quellen

Einzelnachweise