Hofmarstall

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Hofmarstall, im Bild: links
Marstallschwemme im Bild: rechts
Karte

Der alte Hofmarstall der Salzburger Fürsterzbischöfe befand sich in der Salzburger Altstadt und bildet heute den Kern des Festspielbezirks (früher wurde er der Fürstenstadt zugeordnet).

Geschichte

Nachdem das Kloster der Petersfrauen aufgelassen und den Franziskanern als Kloster übergeben worden war, kaufte 1593 nun Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau einen kleinen Teil des dem Erzstift St. Peter gehörigen Frongartens dicht am Fuß des Mönchsbergs um 4.000 Gulden und ließ dort einen einfach umzäunten Pferdetummelplatz zum Ringelstechen und für Turniere nebst einem Tummelstall durch den Zimmermeister Georg Schallmooser bauen, der dabei abstürzte und seinen Tod fand. 1598 tauschte Fürsterzbischof Wolf Dietrich den noch übrigen Teil des Frauengartens gegen die in der Riedenburg gelegene Stockwiese. In weiterer Folge entstanden unmittelbar an der Felswand des Mönchsbergs große Stallungen und eine Reitschule.

1600 plante der Fürsterzbischof den Bau eines großen Stallgebäudes. Zu diesem Zweck eröffnete er einen Steinbruch an der Stelle des heutigen Sigmundstor-Durchbruches bei der Pferdeschwemme, wovon heute noch die glatten Wände, vorhandenen Schlitze und Schrotten Zeugnis geben und begann sofort mit dem Bau des heutigen Hofstallgebäudes.

1607 bis 1609 wurde von Fürsterzbischof Wolf Dietrich ein damals typischer Salzburger Bau aufgeführt. Er war kubisch geschlossen, doch seinem Zweck entsprechend lang gestreckt, mit glatter horizontalbetonter, 15-achsiger Fassadenflucht, helmverzierten Treppentürmen und einem Grabendach. Die imposanten Ausmaße waren 106 x 56 Schritte und 40 Fuß hoch.[1]

Fürstlich war auch das Portal an der Längsfront. Zwischen dem geteilten Giebel war eine lateinische Inschrift (deutsch übersetzt): „Der Raitenauische Fürst hat diese Pferdestallung von solch großer Ausführung errichtet und damit ihm nicht mit langer Zeit der Segensreichtum fehle, hat er mit allen möglichen Früchten diese Scheune erfüllt. Im Jahre 1607." Diese Inschriftentafel wurde 1906 anlässlich der Portalrestaurierung erneuert und das Original in das städtische Museum gebracht. Oberhalb der beiden Portale war das erzbischöfliche Raitenauische Wappen angebracht. Das Gebäude war ursprünglich über dem Erdgeschoß nur ein Stockwerk hoch und hatte ein Grabendach, dessen Dachrinnen weit aus die Straße reichten und das Wasser frei herniederfallen ließen. 1859 wurde der zweite Stock aufgebaut.

Das Innere des Gebäudes hat ebenerdig zwei durch die Einfahrt getrennte stichkappengewölbte Stallungen, deren rechts befindliche in zwei Reihen gestellte, durch 44 viereckige genutete Steinpfeiler aus Konglomerat arkadenartig geteilte Stände für 156 Pferde enthielt. In diesen waren zu Erzbischofs Zeiten die Dienst- und Kutschenpferde untergebracht. Im linksseitigen Stalle mit gleicher Ausstattung war Platz für 22 Pferde, die für die Reitschule bestimmt waren; er hieß der Tummelstall. 1662 ließ Fürsterzbischof Guidobald Graf von Thun und Hohenstein die Futtertröge aus weißem Marmor herstellen und die beiden Marmorbrunnen. Er ließ auch durch die ganze Stallanlage einen Zweigkanal der Alm, von St. Peter kommend, durchleiten. Im ersten Stock befanden sich die Aufschüttkästen, die Geschirr- und Futterkammern und oberhalb der breiten Ein fahrt die Wohnung des Oberbereiters. In den rückwärtigen Hofgebäuden waren die Hofkastnerei und die Wohnungen des Hoffuttermeisters, der Bereiter, Sattelknechte und Leibkutscher untergebracht. Es gab auch eine vorzüglichen Nachtbeleuchtung.

Im Hofmarstall waren die einzige Pferdeapotheke des Landes sowie ein "Arzneyschmidt" (Tierarzt) untergebracht.

1662 wurde dieser Bau unter Fürsterzbischof Guidobald Graf von Thun und Hohenstein erweitert und die Winterreitschule eingerichtet. Ein weiterer Ausbau erfolgte unter Fürsterzbischof Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein. Er ließ die Sommerreitschule, die prunkvolle Fassade an der nördlichen Schmalseite zum 'Heumarkt', sowie die Marstallschwemme nach Plänen von Fischer von Erlach 1693/94 errichten gestalten. Der dortige marmorne Torbogen, ausgeführt von den Salzburger Steinmetz Wolf Weißenkirchner, zeigt auf Postamenten sitzende allegorische Frauenfiguren (Europa und Asien darstellend) des Bildhauers Andreas Götzinger, sowie Einhörner, das Wappentier des Fürsterzbischofs Johann Ernst Graf Thun.

Mit dem Ende des Fürsterzbistums ging der Hofmarstall in ärarischen Besitz der Habsburgermonarchie (k.k. Österreich) über. Die gesamte Anlage zeigen die Planskizzen von 1852 bis 1853 detaillierte Ansichten.

In der Zeit der Monarchie bis 1918 wurde der Hofmarstall als Kaserne für Kavallerie, später auch Infanterie und Artillerie, genutzt. Nach dem Ersten Weltkrieg standen die Gebäude des Hofmarstalls leer. Die junge Festspielgemeinde suchte damals nach einer geeigneten Aufführungsstätte für den „Jedermann" und dergleichen Schauspiele bei Regenwetter. 1920 kam es zu einer Besichtigung des Hauses durch Max Reinhardt. Dieser hatte es auf den 50 Meter langen Saal der Winterreitschulsaal abgesehen. So wurde das Gebäude zum Festspielhaus adaptiert.

1930 kam es zu einem Tausch von mehreren ehemaligen Kasernen und verschiedenen Grundstücken zwischen der Stadt Salzburg und der Republik Österreich, darunter auch der Hofmarstall, in dem ehemals die Hofstall-Kaserne untergebracht war. So wurde die Stadt Salzburg zum neuen Eigentümer des ehemaligen Hofmarstalls.[2].

Später war in Teilen des Hofmarstalls das Haus der Natur untergebracht. Mitte des 20. Jahrhunderts wurden dann die ehemaligen Pferdestallungen zum großen Festspielhaus umgebaut.

Teile

Der einstige Hofmarstall bestand aus:

  • den Stallungen, errichtet 1607 von Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau; heute ist das große Festspielhaus darin;
  • Marstall-Wandbrunnen
  • der Winterreitschule, die heute als Karl-Böhm-Saal‎‎ Teil des Hauses für Mozart ist; sie wurde Mitte des 1657 von Fürsterzbischof Johann Ernst Graf Thun errichtet;
  • die Sommerreitschule, heute Felsenreitschule genannt: das war eigentlich der Steinbruch im 17. Jahrhundert für die Errichtung des neuen Doms; 1694 ließ Fürsterzbischof Johann Ernst GRaf Thun und Hohenstein im bereits wieder aufgelassenen Steinbruch Galerien in drei Geschossen aushauen; der Steinbruch diente fortan für Reiterspiele und Tierkämpfe, die aus dem Stein geschlagenen Galerien dienten als Zuschauerraum;
  • die gedeckte Sommerreitschule, heute der Zuschauerraum und die Bühne des Hauses für Mozart, war früher nur für die Sommermonate gedacht; nach ihrem Umbau 1840 war sie auch im Winter zu benutzen;
  • dem Schüttkasten für den Hofmarstall, in dem sich heute das Festspielbüro befindet (hinter der Marstall-Schwemme;
  • der Marstall-Schwemme

Bildergalerie

Quellen

Fußnoten