Ungebautes Salzburg

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Dietmar Feichtinger Architectes: Einhausung des Residenzbrunnens
Jabornegg & Pálffy, Jedermann-Bühne, Mobile Überdachung des Domplatzes, 2004
Hans Poelzig, Festspielhaus-Projekt in Hellbrunn, 1920–22

Ungebautes Salzburg war eine Ausstellung, die vom 28. März bis zum 12. Juli 2015 in der Stadt Salzburg im Museum der Moderne am Mönchsberg zu sehen.

Die Ausstellung

Das 'Museum der Moderne Salzburg' widmete erstmals eine Ausstellung der Stadt Salzburg mit ihren verworfenen baulichen Ideen, gescheiterten Konzepten und Utopien und eröffnete damit einen völlig neuen Blick auf die Mozartstadt.

Über die Jahre und Jahrhunderte haben hervorragende Baukünstler für Salzburg gearbeitet und der Stadt einen einzigartigen Charakter verliehen – doch nicht immer wurden die Pläne verwirklicht. In Kooperation mit der Initiative Architektur wurden für die Ausstellung aus einer fast unüberschaubaren Zahl an Studien und Wettbewerbseinreichungen zweiunddreißig Projekte ausgewählt. „Meine Intention mit dieser Ausstellung ist es, eine Diskussion über das Museum und seine Rolle in der Stadt sowie über die Stadt als modernes Lebensumfeld zu lancieren“, betont Sabine Breitwieser, Direktorin des Museums der Moderne Salzburg, und fügt hinzu: „Die Menschen arbeiten und leben hier in einer Stadt, die als museales Baudenkmal konzipiert ist. Wie funktioniert das auf lange Sicht, welche Psychologie verbirgt sich hinter der Ablehnung von Bauprojekten und welche Perspektiven ergeben sich daraus vor allem für die junge und künftige Generation?

Gastkurator Roman Höllbacher von der Initiative Architektur betont, dass „die Auseinandersetzung mit verworfenen Projekten sich aus vielen Gründen lohnt. Diese Entwürfe waren nicht selten heftig diskutierte Alternativen zum Status quo und sie beschreiben – vielleicht prägnanter, als die gebaute Stadt dies je kann – die Befindlichkeiten, Ideen und Sehnsüchte einer ganzen Epoche. Es ist das besondere Verdienst des Museum der Moderne Salzburg, diese verdrängte Thematik aufzugreifen und sich als Ort der Diskussion über die Stadt und ihre Zukunft anzubieten.“

Wie hätte Salzburg ausgesehen, wenn ...

Der zeitliche Schwerpunkt der in der Ausstellung präsentierten Projekte wurde ab dem 20. Jahrhundert gesetzt. Sie riefen ungebaute Alternativen zur gebauten Realität in Erinnerung. Die Entwürfe waren nach Themen gegliedert und behandelten wiederkehrende städtebauliche Problemstellungen. Dabei stellte sich die faszinierende, mitunter aber auch beklemmende Frage, wie sich die Stadt heute darstellen würde: Wie würde Salzburg aussehen, wenn beispielsweise der Domentwurf von Vincenzo Scamozzi aus dem Jahr 1606 und nicht der deutlich kleinere Kirchenbau von Santino Solari (ab 1614) realisiert worden wäre? Welche Entwicklung hätten die Salzburger Festspiele genommen, stünde Hans Poelzigs mystische Vision eines Festspielhauses, die er ab 1919 entwickelte, heute im Schlosspark von Hellbrunn?

Es wurden aber auch Konzepte und architektonische Ideen vorgestellt, die in einem konstruktiven Widerspruch zueinander stehen, so beispielsweise Álvaro Sizas Projekt für den Umbau des Casinos Winkler (1986), Delugan_Meissls Panoramalift (2003) an der Felswand des Mönchsbergs und Hans Holleins epochales Guggenheim-Museum (ab 1989) für ebendiesen Ort. Somit wurde in der Ausstellung auch die Baugeschichte des Museum der Moderne Salzburg erzählt.

Die Ausstellung warf keinen nostalgischen Blick auf verpasste Chancen. Vielmehr blickte sie in die Zukunft und unterstrich die Freiheit des Entwurfs und seine Bedeutung für die Vorstellung davon, wie die Stadt gestaltet sein kann. Und dennoch ist eine Stadt weit mehr als die Summe der Bauten und Projekte: Sie ist ein soziales Ganzes. In diesem Sinne sprach das Museum der Moderne Salzburg ein Angebot aus – nämlich die Möglichkeit für alle, die in Salzburg leben, und jene, die diese Stadt besuchen, über die Zukunft Salzburgs nachzudenken.

'Ungebautes Salzburg' zeigte Projekte für eine Stadt, die als gebauter Raum nicht erlebbar sind. Die Entwürfe wurden in der Ausstellungsgestaltung daher auch nicht künstlich animiert oder mit digitalen Mitteln fiktionalisiert, sondern als historische Dokumente in einem eigens dafür entwickelten Ausstellungsdesign präsentiert. Die Ausstellung selbst wurde als Text verstanden, in dem die Zeichnungen, Pläne und Modelle Buchstaben, die Projekte Wörter und die thematischen Gruppen Sätze einer Erzählung bildeten. Dieser Text schrieb sich als eigene Narration über die Geschichte der Stadt in den Grundriss des Museums ein.

Wesentlicher Teil der Ausstellung war ein umfassendes Begleitprogramm, mit dem sich das Museum der Moderne Salzburg als Forum für Diskussionen über die Stadt öffnete. Es fanden unter anderem Diskussionsrunden, Vorträge und Führungen sowie die Präsentation von ganz persönlichen Ansichten über das Ungebaute Salzburg statt.

Die Ausstellung war eine Kooperation des Museums der Moderne Salzburg mit der Initiative Architektur.

Die gezeigten Projekte

Ausstellungsteam

Direktorin: Sabine Breitwieser
Gastkurator: Roman Höllbacher, Initiative Architektur
Kuratorische Assistentinnen: Verena Österreicher und Karin Wabro, Initiative Architektur, und Andrea Lehner, Museum der Moderne Salzburg
Ausstellungsdesign: Kooperative für Darstellungspolitik, Berlin

Quelle

  • Presse-download "Museum der Moderne"