Göllstock

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Göllstock von Voregg
Göllstock
Göllstock mit Eckerfirst, vom Roßfeld
Göllstock, Ansicht von Ettenberg bei Marktschellenberg
Göllstock von Osten
Kleiner Göll, Ansicht von Gasteig
Ausblick von Gasteig zum Hinteren Freieck
Ausblick vom Schwarzen Berg auf der Göllstock und Roßfeld
Göllstock von Urstein aus gesehen

Das Göllstock ist ein Kalkgebirgsstock im Westen des Tennengaus, der in das Berchtesgadener Land reicht und zu den Berchtesgadener Alpen gehört.

Geografie

Der Bergstock wird zum Naturschutzgebiet Kalkhochalpen, das Teil der Nördlichen Kalkalpen ist, gezählt. Er hat eine Fläche von etwa 25 Quadratkilometer. Dieser etwa sechs Kilometer (Ost-Westrichtung) und etwa vier Kilometer (Nord-Südrichtung) große Bergstock ist Teil der Salzburger Kalkhochalpen innerhalb der Nördlichen Kalkalpen. Er erhebt sich zwischen dem Bluntautal im Süden, der Roßfeld Panorama Straße im Norden, dem Salzachtal im Osten (westlich von Golling an der Salzach) und dem Königssee im Berchtesgadener Land (Bayern, Bundesrepublik Deutschland) im Westen.

Umgrenzung

Berchtesgaden – Berchtesgadener Ache bis Salzach – Salzach aufwärts bis Golling – TorrenerbachFischbachTorrener Joch – Mitterkaseralm – Krautkasergraben – Königsseeache – Berchtesgaden;

Charakteristik

Der Göllstock erstreckt sich auf einer Länge von etwa sechs Kilometer zwischen dem Eckersattel am Roßfeld und dem Bluntautal bei Golling. In der Gebirgskette erheben sich durchwegs Gipfel von beträchtlicher Höhe: Rauchfang (2 245 m ü. A.), Hoher Göll (2 523 m ü. A.), Großer Archenkopf (2 391 m ü. A.), Grünwandkopf (2 384 m ü. A.), Hinteres Freieck (2 307 m ü. A.), Gruberhorn (2 237 m ü. A.), Vorderes Freieck (2 151 m ü. A.), Schönbachkopf (1 870 m ü. A.), Kleiner Göll (1 753 m ü. A.) sowie die schroffe Felsnase des Bärenstuhls (1 720 m ü. A.), der den Gebirgszug im Südosten beschließt und auf seinem Gipfel das Gollinger Heimkehrerkreuz trägt.

Gegen Nordwesten entsendet das Gebirge den scharfgezackten Mandlgrat mit dem Kehlstein (1 837 m ü. A.), auf dessen Höhe das bekannte Kehlsteinhaus thront. Einen weiteren Seitenkamm bildet das Gebirge im Brettriedel (2 344 m ü. A.) und Hohen Brett (2 341 m ü. A.), das sich südwestlich bis zum Torrener Joch mit dem Carl von Stahl-Haus erstreckt. Im westlichen Teil bildet das Gebirge ein kleines Karstplateau mit dem Namen Alpeltal.

Gewässer

Kleiner-Göll-Quelle 1, Lage auf AMap
Kleiner-Göll-Quelle 2, Lage auf AMap
Obere-Jochalm-Quelle 1, Lage auf AMap
Obere-Jochalm-Quelle 2, Lage auf AMap
Obere-Jochalm-Quelle 3, Lage auf AMap

Geologie

Der Göllstock besteht aus Dachsteinkalk. Die Entstehungsgeschichte des Göllstocks gleicht im wesentlichen jener der übrigen Gebirge in den Nördlichen Kalkalpen (vgl. Hagengebirge). Ganz deutlich sind die Verwerfungslinien und Schichten des Gebirgsauffaltungsprozesses im Bereich der Göll-Ostwand erkennbar. Die Exposition des Massivs insgesamt lässt auf ein ehemaliges Korallenriff mit starker Brandung schließen. Im korrosionsfähigen Riffkalk kommt es bisweilen zu Plateau- und Karbildungen, wie etwa im Alpeltal, am Gamskar oder im Wilden Freithof. Insbesondere im nordöstlichen Gebirgsteil sorgt die schattenexponierte Lage für die Bildung perennierender Firn- und Eisfelder von allerdings nur geringer Ausdehnung. Des weiteren existiert am Gruberhorn ein extensives Höhlensystem (Gruberhornhöhle).

Im Göllstock treten auch Karstphänomene auf. Die Entwässerung erfolgt durch unterirdische Abflüsse, die hauptsächlich in den Gollinger Wasserfall führen.

Tier- und Pflanzenwelt

Der Göllstock weist vor allen Dingen in dessen entlegeneren Teilen einen reichen Fundus an Naturerscheinungen auf. Zu den häufigsten Vertretern der alpinen Tierwelt zählen Gamswild, Alpenmurmeltier, Rotwild, Auerhuhn, Birkhuhn, Schneehuhn, Alpendohle, verschiedene Greifvogelarten usw. Im Göllstock befinden sich auch Brutplätze des Steinadlers, und auch Steinböcke wechseln gelegentlich vom benachbarten Hagengebirge in das Gebiet des Göllstocks. Im Nahbereich der Jochalpen begegnet der Wanderer während der warmen Jahreszeit nicht selten Kreuzottern.

Auch an Pflanzen finden wir hier nahezu alle Vertreter der Nördlichen Kalkalpen vor: an Coniferen namentlich Weißtanne, Rottanne, Legföhre, Lärche, Föhre; allein das Vorkommen der Zirbelkiefer ist höchst selten. An Laubgehölzen finden sich am häufigsten Rotbuche und Bergahorn, in höheren Regionen Grünerle und Zwergbirke, aber auch die Ulme wird des öfteren angetroffen. Auf offenen Almflächen und Bergwiesen begegnen wir einem Reichtum an Vertretern phanerogamer Arten.

Geschichte

Obwohl die Kelten das Gebiet rings um den Dürrnberg schon sehr früh besiedelten, ist die eigentliche Erschließungsgeschichte des Göllstocks dürftig genug belegt. Als erster Tourist erreichte der Mönch Valentin Stanig am 4. September 1800 den Gipfel über den Eckerfirst. In der Folge wird der Berg im Windschatten des aufkommenden Alpinismus das Ziel verschiedener alpinistischer Unternehmungen. Die erste belegbare Überschreitung des Göll-Ostgrates erfolgte im Jahre 1868 durch den berühmten Alpinisten Hermann von Barth.

Die erste Skibegehung machten 1904 Georg Weiß und Kameraden.

Der deutsche Schriftsteller Ludwig Ganghofer (* 1855; † 1920) erwähnte den Göhl in Pirsch auf den Feisthirsch.

Inzwischen genießt der Bergstock einen einzigartigen Ruf unter Bergwanderern und Alpinisten, da er als Aussichtsberg comme il faut außerdem Wander- und Kletterrouten in allen Schwierigkeitsgraden aufweist. Namentlich die Göll-Westwand bei der Scharitzkehlalp genießt unter Kletterern einen vorzüglichen Ruf. Der Hohe Göll ist zudem ein vortrefflicher Skiberg, der über das Alpeltal von geübten Tourenbergsteigern, von seiner Ostseite allerdings nur von Extremskigehern erstürmt werden kann.

Ereignisse

Am 7. Mai 2018 um 05:30 Uhr in der Früh brachen 50 000 Kubikmeter Gestein an der Südwand des Göllstocks vom Hohen Brett oberhalb der Jochalmen ab; der unmittelbar unterhalb gelegene Wanderweg zum Carl-von-Stahl-Haus blieb aber begehbar.[1] Die Gesteinsmassen waren in rund 1 800 Metern Seehöhe ausgebrochen und in Richtung Bluntautal - Obere Jochalm die Tiefe gestürzt. Die Felsmassen hatten sich in zwei Stränge geteilt und sind dann rund 400 Meter tiefer liegen geblieben. Landesgeologe Gerald Valentin kennt auch die Ursache: Es gab im Winter 2017/2018 in den nördlichen Kalkalpen extrem viel Schnee. Aufgrund einer langen Phase mit warmen Temperaturen nach Ostern und der Schneeschmelze hat sich im Gestein sehr viel Wasser angesammelt. Der Druck des Wassers war dann auch Schuld daran, dass das Gestein ausgebrochen ist.[2]

Bildergalerie Felssturz

Wege und Unterkünfte

Der Göllstock gilt als eine der am besten erschlossenen Gebirgsgruppen der Berchtesgadener Alpen. Von Hallein oder Berchtesgaden erreicht man über den Dürrnberg bzw. den Obersalzberg die berühmte (mautpflichtige) Roßfeld Panoramastraße, deren Geschichte, ebenso wie diejenige des Obersalzberges, man heute vorzugsweise mit der Ära des Nationalsozialismus verbindet. Auch die (für den öffentlichen Fahrzeugverkehr gesperrte) Panoramastraße auf den nahen Kehlstein und das Kehlsteinhaus („Adlerhorst“) sind Relikte aus der Zeit des Nationalsozialismus. Im Nahbereich der Roßfeldstraße gibt es eine Vielzahl von Hütten und Raststationen. Am Eckerfirst befindet sich auf einer Höhe von 1 692 m ü. A das wunderschön gelegene Purtschellerhaus.

Auch die Dürreckstraße oberhalb von Berchtesgaden sowie die bekannte Kabinenseilbahn der Jennerbahn auf den Gipfel des Jenners (1 874 m ü. A.) sorgen dafür, dass der Besucher auf unschwierigen Wegen mitten in das Herz jener unvergleichlichen Alpenlandschaft gelangt. Vom Jenner aus erreicht man in einer kurzen halben Stunde das anmutig gelegene Carl-von-Stahl-Haus am Torrener Joch. Aber auch von der Salzburger Seite ist das Torrener Joch vom Bluntautal bei Golling in einer landschaftlich überaus reizvollen Wanderung über die Jochalpen zu erreichen. Ein lohnender Abstecher führt unterhalb der Jochalpen zur etwas abseits gelegenen, jedoch sagenhaft stillen und wildromantischen Alpwinklalm. Ein weiteres, beliebtes Wanderziel ist der Naturpark Kühschwalb am Fuße der mächtigen Göll-Ostwand. Auch der malerische Schwarzbachfall (Gollinger Wasserfall) am Kleinen Göll erfreut sich alljährlich zahlreicher Besucher.

Den Höhepunkt einer jeden Göllwanderung stellt sicherlich die Gratüberschreitung vom Purtschellerhaus zunächst auf den Hohen Göll, dann weiter über das Hohe Brett zum Carl-von-Stahlhaus dar. Diese Tour verlangt allerdings Einiges an Trittsicherheit und Schwindelfreiheit und ist deshalb nur geübteren Bergwanderern zu empfehlen. Die bekanntesten Unterkünfte in der Göll-Region sind:

  • Ahornalm (D)
  • Alpeltalhütte (D)
  • Bärenhof (A)
  • Carl von Stahl-Haus (A)
  • Göllhof (A)
  • Jennerhaus (Dr.-Hugo-Beck-Haus) (D)
  • Jenner-Mittelstation (keine Nächtigung) (D)
  • Jochalphütten (A)
  • Kehlsteinhaus (keine Nächtigung) (D)
  • Pechhäusl (D)
  • Purtschellerhaus (D)
  • Rossfeld Skihütte (D)
  • Scharitzkehlalm (D)
  • Schneibsteinhaus (D)
  • Torrener Hof (A)
  • Vorderbrand-Hinterbrand (D)

Bilder

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Literatur

  • Barth, Hermann von: Aus den nördlichen Kalkalpen, Alpine Verlagsanstalt München, 1926, Antiquariat
  • Römmelt, Bernd; Schwenkmeier, Willi: Berchtesgadener Alpen, Bergverlag Rother GmbH München, 2006, ISBN 3-7633-7028-5

Weblink

Quellen

  • Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum Thema "Göllstock"

Fußnote