Jürgen Flimm

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Jürgen Flimm (* 17. Juli 1941 in Gießen, Deutschland) hätte bis 2011 Intendant der Salzburger Festspiele sein sollen. Aufgrund von verschiedenen Ereignissen wurde der Vertrag aber vorzeitig mit 30. September 2010 einvernehmlich aufgelöst.

Leben

Flimm erhielt 1968 sein erstes Engagement als Regie-Assistent an den Münchner Kammerspielen. 1972 wurde er Spielleiter am Nationaltheater Mannheim, 1973/74 war er Oberspielleiter am Thalia Theater Hamburg. 1974 bis 1979 arbeitete Flimm als freier Regisseur in München, Hamburg, Bochum, Frankfurt/Main und New York.

1979 übernahm Jürgen Flimm die Intendanz des Schauspiels Köln. Von 1985 bis 2000 war er Intendant des Thalia-Theaters in Hamburg, das in den fünfzehn Jahren seiner Leitung zu einer der renommiertesten Bühnen im deutschsprachigen Raum wurde. Erfolge feierte er vor allem mit seinen Tschechow-Inszenierungen von "Platonow" (1989) und "Onkel Wanja" (1995). Unter Flimms Intendanz wurde Robert Wilsons Erfolgsstück "Black Rider" 1990 in Hamburg uraufgeführt.

Bei den Salzburger Festspielen hatte Flimm Erfolg mit seinem Blick von außen auf die österreichische Dramatik: Er brachte Ferdinand Raimunds "Der Bauer als Millionär" (1987, 1988), Johann Nestroys "Das Mädl aus der Vorstadt" (1989, 1990) sowie Hugo von Hofmannsthals "Der Schwierige" (1991) auf die Bühne des Landestheaters. 1993 inszenierte er im Großen Festspielhaus Claudio Monteverdis "L'Incoronazione di Poppea" mit Nikolaus Harnoncourt als Dirigent. Ebenso mit Nikolaus Harnoncourt am Dirigentenpult inszenierte Jürgen Flimm 2004 in Salzburg das musikalische Schauspiel "King Arthur" von John Dryden und Henry Purcell.

Im Oktober 2001 wurde Jürgen Flimm als Nachfolger von Frank Baumbauer Leiter des Schauspiels der Salzburger Festspiele. Flimm beauftragte den bayerischen Regisseur Christian Stückl mit der Neuinszenierung des "Jedermann" auf dem Domplatz; Andrea Breth lud er als Regisseurin von Schnitzlers "Das weite Land" (2002, 2003) ein. Er initiierte den Wettbewerb junger Schauspiel-Regisseure (Young Directors Project), der seit 2002 stattfindet. Dem Salzburger Schauspiel-Publikum bot Flimm viele Koproduktionen und Gastspiele.

Nach zwei Operninszenierungen - eine davon war 1978 "Al gran sole carico d'amore" von Luigi Nono mit Michael Gielen in Frankfurt - konzentrierte sich Flimm auf das Schauspiel. Erst Ende der 1980er-Jahre kehrte er zum Musiktheater zurück. Wichtigster Partner war Nikolaus Harnoncourt, mit dem er bisher vierzehn Opern gemacht hat, vor allem im Opernhaus Zürich.

An der Metropolitan Opera in New York gab er sein Regie-Debüt im Oktober 2000 mit "Fidelio", den die "New York Times" als beste Opernproduktion des Jahres 2000 auszeichnete; im Jänner 2005 wurde diese Produktion in Chicago wieder aufgenommen. Seine "Salome" an der Met hatte 2004 im März Premiere. In Bayreuth begann Jürgen Flimm im Jahr 2000 seine Inszenierungen vom "Ring des Nibelungen" mit dem Anspruch, Wagners Opernzyklus zu "re-theatralisieren". Flimms "Ring" ist 2004 zum fünften und letzten letzten Mal in Bayreuth wieder aufgenommen worden.

Von 1999 bis 2003 war Flimm Präsident des Deutschen Bühnenvereins. 2005 wurde er als Nachfolger von Gérard Mortier Intendant der Ruhr Triennale, die er bis 2008 leitete. Im Oktober 2006 kehrte er als Intendant der Festspiele nach Salzburg zurück.

Nach zwei Saisonen wies Flimms Arbeit inhaltliche Schwächen im Musiktheater aus, Konzert und Schauspiel erfreuten dagegen die Kritiker. Finanziell brachten beide Spielzeiten gute Ergebnisse. Am 9. Dezember 2008 wurde bekannt, dass Flimm seinen bis 2011 geltenden Vertrag in Salzburg nicht verlängern werde. Ausschlaggebend dürfte vor allem auch das gespannte Verhältnis zu Schauspielchef Thomas Oberender und dessen angekündigter Abgang mit Herbst 2009 gewesen sein. In den Saisonen 2010 und 2011 wird Flimm allerdings neben dem Intendanten auch noch den Leiter des Schauspiels geben.

Nachdem Flimm als Intendant der Berliner Staatsoper Unter den Linden ab 2010 vorgestellt wurde, ist seine weitere Rolle in Salzburg derzeit in der Schwebe. Das Kuratorium der Festspiele legte am 13. Jänner 2009 die weitere Vorgehensweise fest, nach der bis Sommer 2009 ein neuer Intendant gefunden werden soll und danach über die genauen Modalitäten des Verbleibs Flimms entschieden wird. Aufgrund mehrgleisigen Arbeit Flimms wurde der Vertrag vorzeitig mit 30. September 2010 einvernehmlich aufgelöst.

Auszeichnung

Am 25. August 2010 verlieh im Landeshauptfrau Gabriele Burgstaller im Gasthof Schloss Aigen das Ehrenzeichen des Landes Salzburg.

Quellen