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Bergbau- und Gotikmuseum Leogang

Das Bergbaumuseum und sein Kustos, Hermann Mayrhofer.
2019: 500 Jahre alter Kachelofen kehrt nach Salzburg zurück
2019: Detail alter Kachelofen
2019: Detail alter Kachelofen

Das Bergbau- und Gotikmuseum Leogang befindet sich in der Gemeinde Leogang im Pinzgau und erinnert vor allem an die Bergbaugeschichte Leogangs.

Inhaltsverzeichnis

Das Museum

Das Museum ist in einem aus dem Jahr 1593 stammenden Gewerkenhaus im Ortsteil Hütten untergebracht. Neben mehr als 70 verschiedenen Mineralien sind auch Exponate aus der Bergbaugeschichte des Ortes zu sehen.

3 000 Jahre Bergbaugeschichte: Kupfer, Blei, Kobalt, Quecksilber, Nickel und Magnesit wurden hier aus den Bergen geholt. Begehrt war vor allem Silber, das die Knappen für die Salzburger Erzbischöfe schürften (die Salzburger Silbermünzen). Die Hoyerstube thematisiert die Vertreibung von insgesamt 20 000 Lutheranern (Salzburger Exilanten), unter ihnen viele Knappen, aus dem Erzbistum Salzburg im Jahr 1731. Die Gebrüder Hoyer, welche die Lutheraner anführten, brachten Leogang den Ruf ein, der „ärgste Ketzerherd“ zu sein.

Daneben verfügt das Museum über eine Sammlung erlesener Exponate aus der Gotik, die unter dem Titel Wegweiser aus der Finsternis - Bergbauheilige im Mittelalter zu sehen ist. Sie umfasst Skulpturen der Heiligen des Bergbaus aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Das Herzstück der Sammlung ist die Schöne Madonna. Eine im Jahre 1410 entweder in Salzburg oder in Prag gefertigte Skulptur.[1] Sie zeigt einen ausgeprägten S-Schwung in der Körperhaltung, die von einer Schüsselfalte im Mantel umspielt wird. Sowohl Maria als auch das Kind zeigen ein für diesen Stil typisches sanftes Lächeln und mandelförmige Augen.

Ebenso beherbergt die Sammlung eine der seltenen „Löwen-Madonnen“ – so genannt, weil die Gottesmutter auf einem Löwen steht –, deren Bedeutung in der Kunstwelt noch nicht geklärt ist.

Seit 2012 besitzt das Museum auch die Gebetsnuss der Maria von Burgund.

Geschichte

1989 wurde der Leoganger Bergbaumuseumsverein gegründet, 1992 das Museum als „Bergbaumuseum Leogang“ eröffnet. Anfänglich verfügte man über keine Exponate, nach 20 Jahren sind es 3 000, eigene und Leihgaben.

Februar 2019: Meisterwerk heimischer Hafnerkunst kehrt zurück nach Leogang

Vor einigen Jahren hatte Kustos Hermann Mayrhofer den Hinweis bekommen, dass 1816, dem Jahr, in dem Salzburg seine Selbstständigkeit verlor und zum Habsburgerreich kam, mehrere hochwertige Kachelöfen nach Wien transportiert worden waren. 2019 gelang es Mayrhofer, ein um 1550 in Salzburg entstandene Meisterwerk heimischer Hafnerkunst nach Leogang zurück zu bringen. Der Kachelofen gehört nach Expertenmeinung zu den vier bedeutendsten im Land. Der wertvollste von ihnen befindet sich in der "Goldenen Stube" in der Festung Hohensalzburg.

Mayrhofer durfte sich 2018 im Museum für angewandte Kunst einen Ofen aussuchen und aufgrund der guten Zusammenarbeit mit dem dortigen Kustoden ist es gelungen, dass das Museum ihn nun als Dauerleihgabe nach Leogang bekommen hat. Die Wahl fiel auf ein ganz besonderes Exponat, denn die bunt glasierten Kacheln zeigen das Leben des Propheten Daniel. Und der ist wiederum ein ganz spezieller Bergbauheiliger, den man auf der Suche nach neuen Erzadern anruft, berichtet dazu Mayrhofer.

Der Ofen kam vor 200 Jahren in die Franzensburg in Laxenburg als Geschenk für den Kaiser. Später wurde er in das Museum für angewandte Kunst gebracht, wo er anfangs ausgestellt war und danach ins Depot wanderte. Seit 4. Februar 2019 ist er nun in Leogang. Der örtliche Hafnermeister Rudolf Eberl hat sich bereit erklärt, das wertvolle Stück unentgeltlich aufzustellen. Nach einem halben Jahr Restaurierung durch Marina Parić steht der Ofen mit seinen bunt glasierten Reliefkacheln wieder auf seinem originalen Eisengestell.

Der Kachelofen ist nun Blickpunkt in der Pinzgauer Stube im Thurnhaus, das nun mit dem bisherigen Museum durch einen unterirdischen Gang verbunden ist. Die Decke der Stube stammt aus dem Jahr 1554, passendes Mobiliar und hochwertige Bilder des bekannten Pinzgauer Malers Anton Faistauer ergänzen das Ensemble.

Mit maßgeblicher Unterstützung des Landes und des Bundes sowie der Gemeinde und von vielen privaten Sponsoren konnte in den vergangenen Monaten der mittelalterliche Wohn- und Wehrturm, das Thurnhaus, komplett saniert werden. Das Gebäude wurde lange Zeit als Getreidespeicher der Bergknappen verwendet und soll künftig der weltbedeutenden Sammlung mittelalterlicher Kunst ein neues Zuhause bieten. Ansehen können sich das alle Interessierten ab 25. Mai 2019.

Sonderausstellungen

2009: Gotik entdecken und bewahren

In der Ausstellung „Gotik entdecken und bewahren“ spannten im Jahr 2009 mehr als 100 Exponate einen Bogen von Glasfenstern des 14. Jahrhunderts über die Heiligen und Fürsprecher des Bergbaus bis zu der hohen Möbelkunst und dem Kunsthandwerk am Ende des 15. Jahrhunderts.

2011: Rudolf Leopold - Der Gotiksammler

Von Mai bis Oktober 2011 wurden unter dem Titel Rudolf Leopold - Der Gotiksammler rund 120 Exponate aus der Gotiksammlung des 2010 verstorbenen Kunstsammlers gezeigt. 20 davon blieben als Dauerleihgaben nach Ende der Sonderausstellung in Leogang.

2012: Bergbau und Kunst

2012 ist das Jahr der Jubiläumsausstellung „Bergbau und Kunst“: Kernthema der aus Anlass des 20-jährigen Bestehens des Museums veranstalteten Ausstellung sind der blühende Bergbau des Mittelalters und die daraus resultierende blühende Kunst. Die Ausstellung läuft bis 28. Oktober 2012.

2013: Gold und Silber im Erzstift Salzburg

2014: Löwenmadonnen aus Salz­burg, Böhmen und Schlesien

2015: Der Bergbau und das weiße Gold - Die weltberühmte Porzellansammlung Middelschulte aus dem Bergbau-Museum Bochum

Auszeichnungen

Das Bergbaumuseum Leogang ist Träger des Österreichischen Museumsgütesiegels. Außerdem wurde ihm 2003 der Museumspreis des |Landes Salzburg verliehen, sein Kustos Hermann Mayrhofer 2004 mit dem Tobi-Reiser-Preis ausgezeichnet.

Adresse

Hütten 10
5771 Leogang
Telefon: (0 65 83) 71 05

Öffnungszeiten

Das Museum ist von 25. Mai bis 31. Oktober 2019, täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Montag Ruhetag.

Weblinks

Quellen

  • Übersichtskarte Kulturerlebnis Ausgabe Juli 2000
  • Salzburger Nachrichten, u.a. 11. Jänner und 4. Dezember 2012

Fußoten

  1. Bergbaumuseum Leogang (Hrsg.): Bergbau Heilige – Gotische Skulpturen aus dem Alpenraum, Leogang, 2000, S. 94 f.