Georg Eberl

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Professor Georg Eberl (* 17. Dezember 1893 in Piesendorf; † 20. März 1975 in Salzburg) war ein lediges Kind, Jungknecht, Eisenbahner und Schriftsteller.

Leben

Der Grabenhäuslbub Georg Eberl arbeitete in Piesendorf auf verschiedenen Höfen, in einem Steinbruch und im Straßenbau, ehe er 1912 bei den k. k. Staatsbahnen in Salzburg als Nichtständiger Arbeiter tätig wurde, was bedeutete, dass es nicht sicher war, ob sich auch am nächsten Tag wieder Arbeit für ihn fände. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs rückte Eberl zum Militär ein. Sein erster Einsatz war in Innichen (Südtirol), zwei Monate später kam er an die galizische Front, wo er, wie viele andere Soldaten, schwer an Ruhr erkrankte. Im September 1915 wurde er vom Militärdienst enthoben und zu einem Einsatz bei der Staatsbahn beordert. So arbeitete Eberl während der weiteren Kriegsjahre auf dem Salzburger Hauptbahnhof im Verschub-, Fahr- und Weichenstellerdienst. In den Anfangsjahren der Ersten Republik, als die Eisenbahner ein reges gewerkschaftliches und politisches Leben zu entfalten begannen, vollzog sich auch der Aufstieg Eberls. Er wurde als Vertrauensmann in verschiedene Ausschüsse berufen und nebenbei arbeitete er sich Stufe um Stufe nach oben. Ab 1. Oktober 1938 war Eberl Beamter der Deutschen Reichsbahn und wurde im August 1941 zum Reichsbahn-Sekretär befördert. Obwohl es in einer Beurteilung der zuständigen NSDAP-Stelle hieß, es bestehe die Gewähr, dass er sich von seinen früheren sozialdemokratischen Bindungen gelöst habe und Partei und Staat nicht nur nach außen hin sondern aus innerer Überzeugung bejahe - drei Monate zuvor wurde der Antrag noch abgewiesen - hatte Eberl keinen tatsächlichen Schwenk in seiner Überzeugung und inneren politischen Haltung vollzogen. Vielmehr nutzte er die Schwachstellen des NS-Systems und ließ das verbreiten, was bevorzugt gehört werden wollte. Er war wie sein leiblicher Vater ein überzeugter Sozialdemokrat, Christ und Katholik und er war ein Mensch, der Brücken schlagen konnte.

Im zeitlichen Umfeld der krankheitsbedingten Pensionierung Eberls am 1. August 1945 nahm die schriftstellerische Arbeit ihren Lauf. Unterstützt wurde er dabei von Ernst Schönwiese, Leiter der Literaturabteilung im Rot-Weiß-Rot, Josef Kaut, Chefredakteur des "Demokratischen Volksblattes" und späterer Präsident der Salzburger Festspiele, sowie von dem bekannten Schriftsteller Georg Rendl. Eine weitere wesentliche Rolle in der für Eberl existenziellen Umbruchphase spielte der Salzburger Hotelier und Faust-Forscher Alois Grasmayr, dem damals das Hotel Stein gehörte und dem Eberl mehrmals half, aus einer Gestapo-Haft zu entkommen. Nach dem Auszug aus der Bergheimer Straße ließ Grasmayr Eberl mit seinem Sohn im Hotel wohnen und übertrug ihm die Oberaufsicht. Als die US-Armee das Hotel nach Ende des Krieges requirierte, stand Eberl allerdings wieder auf der Straße. Kurz danach kam es auch zu einem persönlichen Zerwürfnis mit Grasmayr.

Familie

Georg Eberl war in erster Ehe mit Franziska Schwaninger, der großen Liebe seines Lebens, verheiratet. Nach der Hochzeit am 30. Mai 1921 wurde 1922 die Tochter Margarethe geboren und 1929 Sohn Georg. Der frühe Tod seiner Frau im August 1933 bedeutete für Eberl einen schweren Schicksalsschlag, hatte er in dieser Beziehung Zeit schmerzlich vermisst hatte. Weil er eine Mutter für seinen Sohn suchte, die Tochter Margarethe starb bereits im Alter von drei Jahren an Diphtherie, und eine sorgende Frau an seiner Seite haben wollte, ließ er sich auf eine weitere Ehe ein, die allerdings von Anfang an unter keinem günstigen Stern stand. Schon wenige Wochen nach der Eheschließung mit Paula Leinberger am 4. September 1935 war zum ersten Mal von Scheidung die Rede. Vollzogen wurde sie schließlich 1941. Georg Eberl jun. erinnerte sich in einem Gespräch an seine Stiefmutter, Frau Neuhofer: "Mein Vater und die Neunundsechzigerin, meine Stiefmutter, haben sich nicht verstanden, sie haben einfach nicht zusammengepasst." Die "Neunundsechzigerin" bezieht sich auf die Adresse ihrer Wohnung in der Bergheimer Straße 69.

Am 12. März 1952 heiratete Eberl seine dritte Frau, Maria Hartlieb, die sich kurz zuvor von ihrem Mann, einem Kripobeamten, scheiden ließ. Um diese Zeit lag sein erster Roman "Ich war ein lediges Kind" bereits als Manuskript im Verlag. Ihre beiden Töchter, schilderte Frau Hartlieb, hätten den neuen Mann an ihrer Seite durchaus als Eindringling empfunden. Mit dieser Ehe schloss sich für Georg Eberl ein Kreis. In der Rosengasse im Salzburger Stadtteil Lehen, wo ihm der spätere Landeshauptmann-Stellvertreter Karl Steinocher eine Wohnung verschaffte, die auch genügend Platz für die große Bibliothek bot, blühte spätes Lebensglück noch einmal auf.

Georg Eberl starb am 20. März 1975 in Salzburg.

Der Literat Eberl

Die Erzählung "Der Bergerwahn", Eberls erster literarischer Text, wurde in der Oster-Ausgabe 1937 der "Salzburger Chronik" abgedruckt und erzählt unter dem Titel "Die Bergerwab'n" das Lebensschicksal einer in die Jahre gekommenen Frau, ein Thema, das Eberl immer wieder aufgenommen hat. Bis zum Erscheinen seines ersten Romans "Ich war ein lediges Kind" sollte es allerdings noch 15 Jahre dauern. In der Zwischenzeit arbeitete Eberl für den Rundfunk, für das "Demokratische Volksblatt", wobei er immer wieder auf Thomas Bernhard traf, dessen Begabung er frühzeitig erkannt hatte, und an der Salzburger Volkshochschule. 1947 gab er im Verlag "Das Silberboot" unter dem Titel "Zeugen allerschönster Liebe" eine Sammlung von Liebesbriefen heraus.

1952 erschien im Verlag Kremayr & Scheriau, Wien, "Ich war ein lediges Kind", ein Jahr später folgte der Roman "Als ich Jungknecht war". 1953 und 1954 leitete Eberl an der Salzburger Volkshochschule die Vortragsreihe "Ewige Kultur. Große Männer und große Frauen im Lichte ihrer und unserer Zeit". 1971 schloss Eberl die autobiographische Trilogie mit dem Band "Als ich Eisenbahner wurde", der in der Österreichischen Verlagsanstalt, Wien, erschien ab. Für das Zustandekommen dieses Bandes hatte sich besonders Herbert Moritz, Landeshauptmann-Stellvertreter und späterer Kurzzeit-Unterrichtsminister eingesetzt, der Carl Zuckmayer für ein Vorwort gewinnen konnte.

1993, anlässlich von Eberls 100. Geburtstag, gab Siegfried Hetz im Otto Müller Verlag den Band "Georg Eberl. Die bessere Heimat" heraus. Dieser erste Band der "Salzburger Bibliothek" umfasst neben einer ausführlichen biografischen Darstellung einige wesentliche Erzählung Eberl und Teile des Briefwechsels zwischen Eberl und Rendl, der im Salzburger Literaturarchiv verwahrt wird. 1997 erschien als Band 5 der von Hildemar Holl herausgegebenen "Salzburger Bibliothek" der Band "Ich war ein lediges Kind", dem das Originalmanuskript zugrunde gelegt wurde. Siegfried Hetz hat als Herausgeber ein Nachwort dazu verfasst. Eine weitere Darstellung von Siegfried Hetz über Eberls Leben und Schaffen mit besonderem Bezug zu den Schauplätzen seines Lebens und Wirkens findet sich in dem 2001 erschienenen Band Salzburger Literatouren in der Edition Eizenbergerhof 22.

Ehrungen

Georg Eberl erhielt 1959 den Bürgerbrief der Stadt Salzburg, wurde am 15. Mai 1970 mit der Ehrenbürgerschaft seiner Heimatgemeinde Piesendorf ausgezeichnet und bekam 1974, ein Jahr vor seinem Tod den Berufstitel Professor sowie den Ehrenring der Stadt Salzburg verliehen.

Quellen