Historische Seefahrt auf dem Wolfgangsee

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Schaufelraddampfer „Kaiser Franz Josef I.“
Tourismushoch in der Zwischenkriegszeit

Die Schifffahrt auf dem Wolfgangsee wurde 1873 mit der Indienststellung des Schaufelraddampfers „Kaiser Franz Josef I.“ begründet.

Geschichte

Zur Zeit Kaiser Friedrichs III. (* 1415; † 1493), von dem die Kunde geht, dass er von Linz nach St. Wolfgang wallfahrtete, erschienen im österreichischen Raum die ersten Landschafts- und Stadtansichten auf Altären und Tafelbildern. Auf dem Tafelbild „Kirchenbau des hl. Wolfgang“ von Michael Pacher malte der Meister die erste Ausfahrt der Boote, mit Sparber und einigen Häusern im Bereich des heutigen Strobl am Wolfgangsee um 1481. Das Hinbegeben an bestimmte heilige Plätze, die an das Wirken einer Gottheit an bestimmten Orten gebunden war, veranlasste die Menschen zur Wallfahrt, die so alt ist wie die Menschheitsgeschichte. Das Loslösen aus der heimischen Umgebung, das Hinwenden an vertraute Kultstätten ließ auch in St. Wolfgang eine der berühmtesten Wallfahrtsstätten des Mittelalters neben Rom, Aachen und Einsiedeln entstehen.

So wurde der Einbaum, das Boot, neben Zillen, Plätten und Traunerl hier am See zu einem der wichtigsten Verkehrs- und Transportmittel. Der Schiffs- und Bootsbau hat im Laufe der Jahrhunderte seine Bedeutung beibehalten und große Fortschritte gemacht. 1567 verlieh Kaiser Maximilian II. dem Ort das Marktrecht mit Wappen − im Zentrum der „Traunerl-Ruderer“, beschützt durch den heiligen Wolfgang mit Bischofsstab und Handbeil als Attributen.

Die Schifffahrtsordnung der Schöffleute vom 11. April 1647 regelte die Rechte und Pflichten der Hin- und Rückfahrt der Pilger zur Gnadenstätte des heiligen Wolfgang. Sie legte, wie schon im Mittelalter, für den Transport 14 Zillen von St. Wolfgang und die selbe Anzahl für St. Gilgen fest. Zur genauen Überwachung gab es einen Schöffmeister. Die Bezahlung des „Zillengeldes“, des Fuhrlohnes, war für die ganze Wallfahrergruppe üblich. Für eine Stunde Fahrt St. Wolfgang − Strobl nahm man 50 Kreuzer, eineinhalb Stunden St. Wolfgang − St. Gilgen 70 Kreuzer. Transport und Seefrächterei lagen zur Gänze in den Händen der ehrsamen Bürgerschaft.

Während der großen Wallfahrtsbewegung im Mittelalter gab es in den Sommermonaten ein reges Verkehrsaufkommen mit Plätten und den Traunerln zwischen St. Gilgen–Fürberg, Strobl und dem alten Wallfahrerziel St. Wolfgang. Für den Transport von Gütern waren die viel breiteren Plätten mit hohen Holzplanken bereit gestanden, die schon damals mit großen viereckigen Segeln beschleunigt wurden.

Durch die berühmte Festlegung von 1689 unter Maurus II., Abt des Klosters Mondsee, ist eine endgültige Bereinigung der vielfältigen Streitigkeiten um Schifffahrt und Grenze mit den anliegenden Gemeinden herbeigeführt worden. Die "Seidenfadengrenze" wurde schon 1462 von der Mitte der Dittelbachmündung zum Ausfluss der Ischler Ache festgelegt. Doch sollte selbe durch den wachsenden Schotterkegel jährlich nachgemessen und neu justiert werden. Ein Seidenfaden wurde in der Mitte der Dittelbachmündung auf Pflöcke gespannt und zum Ausfluss der Ache gezogen, um die jeweilige Veränderung der beweglichen Grenze festzustellen. Der oberösterreichische Anteil ist ja verschwindend gering gegenüber den Salzburger Besitzungen.

Dampfschiffe

Das schnelle Dampfschiff, das Motorboot, hat dem Ruderboot den Rang abgelaufen. Zuverlässigkeit und Sicherheit standen im Vordergrund bei der Entwicklung der modernen Personen-Transportschiffe.

Eines der ersten dampfbetriebenen Seeschiffe im Salzkammergut gab es um 1838 am Traunsee. Da es um diese Zeit noch keine durchgehende Straße von Traunkirchen nach Ischl gab, brachte man Personen und Güter per Ruderboot, später per Dampfschiff, auf dem Traunsee bis Ebensee. Der kleine Dampfer "Ida" (Ida nach Gräfin Ida Khevenhüller benannt) folgte 1869 am Mondsee.

Salzkammergut Localbahn, Wolfgangseeschifffahrt und Schafbergbahn waren beim Eisenbahnpionier und Ingenieur der Kaiserin-Elisabeth-Westbahn, Berthold Curant, eine fixe Idee. Er bewarb sich mit seinem noblen Geldgeber aus der Papierfabrik Steyrermühl, Direktor Albert Pietz, um die Konzession der Linienschifffahrt am Wolfgang- und am Mondsee und gründete die Oberösterreichisch-salzburgische Eisenbahn und Dampfschifffahrts-Gesellschaft AG. Gleichzeitig war die Erschließung des Schafberges durch eine Zahnradbahn wie in der Schweiz auf den Rigi eine tief verankerte Vision. Berthold Curant darf als Pionier und Urheber der Linienschifffahrt auf dem Wolfgangsee angesehen werden. Die Idealverbindung, der Zusammenschluss von Lokalbahn, Schifffahrt und Schafbergbahn, war sein Traumziel.

Das Geburtsdatum der Dampfschifffahrt auf dem Wolfgangsee ist der 20. Mai 1873, an dem der elegante und bequeme 225 Personen fassende Raddampfer „Kaiser Franz Josef I.“, später kurz „Franz Josef“ genannt, in See stach. Die großen Festlichkeiten sollten ein Beitrag zu Kaiser Franz Josefs 25jährigem Regierungsjubiläum sein.

Das Fahren auf dem modernen Schaufelraddampfer kam in Mode und bald folgte dem „Kaiser Franz Josef I.“ das Dampfschiff „Kaiserin Elisabeth“ (1888). Allerdings gab es hier beim Transport des Schraubendampfers über Salzburg-Gnigl und Guggenthal schon die ersten Probleme. Ein Vorspann von 36 Pferden war nötig, um den 18 Meter langen Koloss bis St. Gilgen zu befördern. Alleine die Transportkosten beliefen sich auf 2.500 Gulden, dazu kamen die Anschaffungskosten mit 7.000 Gulden. Die um 1892/93 erbaute sogenannte elegante, alte „MS Austria“ musste um 1921 notgedrungen verkauft werden. Große Einbußen bei Fremdenverkehr und Schifffahrt gab es bei dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges zu verzeichnen. Nach dem Krieg blühte die Schifffahrt am Wolfgangsee sehr rasch wieder auf.

Das moderne Motorschiff "MS Austria II" stach 1923 in See, die kleine sehr wendige "Austria II" wurde zur Sicherung für den Flugverkehr am See eingesetzt.

Es folgte die „St. Wolfgang“ (1950) als erstes Nachkriegsschiff. 1959 nahm die „Falkenstein“ ihren Betrieb auf. Im Jahre 1973 hatte das 300 Personen fassende modernst ausgestattete Schiff „Salzkammergut“ seine Jungfernfahrt. Wie die meisten der Wolfgangseeschiffe ist auch dieser Gigant in der "Österreichischen Schiffswerft Aktiengesellschaft Linz Korneuburg" in der Linzer Werft erbaut worden.

Als die Schiffe noch mit Kohle beheizt wurden, mussten die Heizer der Dampfschiffe Schwerstarbeit verrichten. Nach der Umstellung auf die umweltfreundliche Dieselölfeuerung bedurfte es nur mehr einer halben Anstrengung. Aktive Schiffsmannschaften, wie die der ÖBB auf den Wolfgangseeschiffen, faszinieren durch ihre Verbundenheit mit dem See, durch ihre kenntnisreiche Einsatzbereitschaft, ihren Frohsinn und ihre Heiterkeit.

Der See fordert aber auch seine Opfer

Bis 1805 kurierten die Bader in den Badstuben des Feilbades einer ehrsamen Bürgerschaft. Von 1805 bis 1891 war es der Wirkungskreis der „ausgebildeten Chyrurgen“.

Chyrurg Josef Gruber hat dem Arzttum als Hüter des Lebens und Helfer der notleidenden Menschen von St.Wolfgang, 47 Jahre beispielhaft gedient. Auf tragische Weise wurde sein Leben beendet. Von einem Krankenbesuch in Gschwendt kommend ereilte ihn auf dem See sein Schicksal. Sein Traunerl wurde von dem modernen Verkehrsschiff „Elisabeth“ gerammt und Chyrurg Gruber ertrank unter seinem Boot.“ Zu seiner Würdigung befindet sich eine Gedenktafel mit dem Abbild des Arztes Josef Gruber und seiner Familie am Ortsfriedhof von St. Wolfgang. Im Jahre 1892 tritt der erste graduierte Doktor der Medizin, Arzt Richard Mitter in St. Wolfgang die Nachfolge Grubers an.

Der zweite Schifffahrtskapitän des Raddampfers „Kaiser Franz Josef“, Sterl, ertrank bei einem Anlegemanöver vor dem "Weißen Rößl" zu Weihnachten 1920. Seine Leiche wurde nie gefunden. Ihm folgte als Kapitän und Schiffsführer Johann Jocher, vom Reibsteinhäusl in St. Wolfgang. Für die heimische Bevölkerung wurde auch während des Ersten Weltkrieges ein bescheidener Schiffsverkehr aufrechterhalten.

Bedeutung im Zweiten Weltkrieg

In den Jahren des Zweiten Weltkrieges kam der Schifffahrt eine besondere Bedeutung zu. Verwundete wurden per Zug und Schiff nach St. Wolfgang transportiert, und als gegen Ende des Krieges St. Wolfgang immer mehr zur Lazarettstadt ausgebaut wurde, erfreute und erholte sich so mancher verwundete Soldat auf einer Rundfahrt der Motorschiffe des Wolfgangsees. Besonders lungenkranken Soldaten half das heilende Klima.

Am Ende des Krieges waren die Schiffe mit Flüchtlingen und Fluchtgut überladen. Heimatvertriebene suchten mit ihren wenigen Habseligkeiten in St. Wolfgang einen Ort der Geborgenheit. Hamsterfahrten über den See zu den gegenüberliegenden Bauern und Almen waren an der Tagesordnung.

Alte Kapitäne und längst ausgediente Veteranen erfüllten ihre Aufgabe und versahen den Dienst auf den Wolfgangseeschiffen, bis sie von den aus dem Krieg heimkehrenden Matrosen abgelöst wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen die US-Soldaten der amerikanischen Besatzungsmacht im Weißen Rößl die schnellen Motorboote am See in Anspruch. Um 1946 wurden alle Schiffe am See für den Fremdenverkehr frei gegeben.

Die Neuzeit der Wolfgangseeschifffahrt

Geschichtliche Notizen

Steht in alten Reiseführern zur Jahrhundertwende:

Flotte der historischen Wolfgangseeschiffe:
Das Schaufelraddampfschiff „Kaiser Franz Josef I.“ wurde im Jahre 1872-73 von der Schiffswerft Linz erbaut, erhielt im Jahre 1953/ 54 im Zuge eines Umbaues anstelle der Dampfmaschine einen Sechszylinder–Klöckner–Humboldt–Deutz-Dieselmotor, der bei 1 300 U/min 116 PS leistet. Die Länge des Schiffes beträgt 33,0 m, seine Breite 8,55 m und seine Höhe über dem Schiffsboden 5,50 m. Zugelassen ist das Schiff für die Beförderung von 225 Personen und drei Tonnen Fracht. Es ist das einzige Schiff der Flotte am Wolfgangsee, welches als Antrieb Schaufelräder besitzt. Im Jahre 1967 wurden die Schiffswände zum größten Teil vollkommen erneuert.

Elisabeth“: Der ursprünglich 18 m lange, später auf 24 m Länge umgebaute 350 Zentner schwere Dampfer aus der Werft in Budapest (Baujahr 1873), das zweitälteste Motorschiff am Wolfgangsee, wurde am 2. August 1888 auf den Namen „Kaiserin Elisabeth“ getauft.

Austria I“: Baujahr 1892 aus der Continentalwerft Linz-Klosterneuburg noch mit einem Holzrumpf und Fassungsraum von 110 Personen, wurde 1923 (1921) nach Rumänien verkauft.

„Austria I“ und „Austria II“ waren in den 1920er-Jahren in Ried bei St. Wolfgang, in der von Kaiser Franz Joseph I. 1911 erbauten Ferienhortanlage und k. & k. Marineschule, wie auch während des Zweiten Weltkrieges in der Kadettenanstalt der deutschen Kriegsmarine im Einsatz.

St. Wolfgang“ die erste Neuerwerbung der ÖBB 1950 nach dem Zweiten Weltkrieg wurde für Sonder- und Verstärkungsfahrten bis 1991 eingesetzt.

Schafberg“, Baujahr 1953, 1990 Generalüberholung

Falkenstein“ wurde 1959 aus Ungarn angekauft und ist zur Beförderung von 150 Personen zugelassen.

Salzkammergut“ war im Jahre 1972/73 mit einer Länge von 32 m, einer Breite von sieben Metern, für 300 Fahrgäste zugelassen das größte Schiff der ÖBB-Wolfgangsee-Schiff-Fahrt.

Österreich“, 1983/84 von der Schiffswerft AG Linz – Korneuburg erbaut, wurde am 2. Juni 1984 nach einer feierlichen Taufe und festlicher Jungfernfahrt durch Taufpatin Thesi Haslauer, Gattin des damaligen Salzburger Landeshauptmanns Dr. Wilfried Haslauer, übergeben.

Quellen

  • Friedrich Barth: Heimatbuch St. Wolfgang
  • Karl von Frisch: Fünf Häuser am See
  • Prof. Leopold Ziller: Vom Fischerdorf zum Fremdenverkehrsort, erster und zweiter Teil
  • Leo Nagl: Das Salzkammergut, 1898
  • Gottfried Kuppelwieser: Grüße vom Wolfgangsee
  • Kleiner Illustrierter Führer durch das Salzburg und Berchtesgadner Land, 2. Auflage 1897
  • Reiseführer Salzkammergut, Berlin NW 87, 1924-25
  • Das Salzkammergut Reisehandbuch, 1922 und 1926, Österreichisches Verkehrsbüro Wien
  • Vergnügliche Ausflüge im Salzkammergut, 1980
  • Aufzeichnungen und mündliche Überlieferung
  • Schafbergbahn und Schiff Fahrt, Jubiläumsausgabe Christian Hager 1993, Mitarbeit Adele Sungler
  • Adele Sungler: Zur Taufe der Österreich 1984 − Kartengrüße alte Reisebuchaufzeichnungen, 1992 Ischler Woche
  • Heinrich Noe: Seenbuch Wolfgangsee, 1868
  • Leo Kegele: Das Salzkammergut, 1898, Kaiserlich und Königliche Hofverlagsbuchhandlung Heinrich Dieter, Salzburg 1922

Bildnachweis

  • Archiv Adele Sungler

Verfasser

Dieser Artikel wurde von Adele Sungler verfasst und als Word-Dokument an das Salzburgwiki gesandt.